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Leben mit Katze

Können Katzen weinen?

Katzen weinen nicht aus Trauer. Tränende Augen haben fast immer eine körperliche Ursache – vom Staubkorn bis zum Katzenschnupfen. So deuten Sie die Zeichen.

Von der Redaktion catterys.deÜberarbeitet am 26. September 2026

Schwarz-weiße Katze mit leuchtend blauen Augen vor dunklem Hintergrund

Ihre Katze sitzt auf dem Sofa, und aus einem Auge läuft eine Träne ins Fell. Da liegt der Gedanke nahe, dass sie traurig ist – vielleicht, weil Sie länger weg waren oder weil sich zu Hause etwas verändert hat. Bei uns Menschen ist das schließlich so: Wir weinen vor Kummer, Schmerz oder auch vor Freude.

Bei Katzen ist das anders. Tränen sind bei ihnen nach allem, was man heute weiß, kein Ausdruck von Gefühlen, sondern fast immer ein körperliches Signal. Das macht sie nicht unwichtiger – im Gegenteil: Ein tränendes Auge ist oft das erste Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Dieser Ratgeber erklärt, woher die Tränen kommen, wann Sie gelassen bleiben können und wann Ihre Katze in die Praxis gehört.

Weinen Katzen aus Trauer?

Katzen haben Gefühle. Sie können sich freuen, entspannt oder ängstlich sein, und sie reagieren deutlich auf Verluste und Veränderungen. Emotionale Tränen, wie Menschen sie vergießen, sind bei Katzen jedoch nicht belegt. Es gibt keine wissenschaftliche Untersuchung, die zeigt, dass Katzen aus Trauer oder Freude Tränen bilden.

Die Tränenflüssigkeit hat bei Katzen – wie bei allen Säugetieren – eine körperliche Aufgabe: Sie hält die Hornhaut feucht, spült Staub und Fremdkörper aus und wehrt Keime ab. Normalerweise fließt sie unbemerkt über den Tränenkanal in die Nase ab. Sieht man Tränen, wird entweder mehr gebildet als sonst, oder sie fließen nicht richtig ab.

Warum tränen die Augen einer Katze?

Die Tierklinik-Kette VCA Animal Hospitals nennt als häufige Ursachen für vermehrten Tränenfluss (Fachbegriff: Epiphora) unter anderem:

  • Fremdkörper: ein Haar, ein Staubkorn, ein Grassamen oder Sand im Auge.
  • Bindehautentzündung (Konjunktivitis), durch Viren, Bakterien oder Reizstoffe.
  • Katzenschnupfen: eine Infektion der oberen Atemwege, bei der die Augen fast immer mitbetroffen sind.
  • Verletzungen der Hornhaut, etwa durch einen Krallenhieb bei einer Rangelei.
  • Fehlgestellte Wimpern oder Lider: Nach innen gerollte Lider (Entropium) oder einzelne Härchen reiben ständig auf dem Auge.
  • Allergien und Reizungen, etwa durch Rauch, Sprays oder Duftstoffe.
  • Ein verlegter oder verengter Tränennasenkanal: Die Tränen können nicht abfließen und laufen über.
  • Grüner Star (Glaukom) und andere Augenerkrankungen.
  • Die Kopfform: Bei flachgesichtigen Rassen fließen Tränen schlecht ab.

Ein kurzes Tränen, wenn Ihre Katze aus der Kälte in die warme Wohnung kommt oder nach dem Spielen im Staub, ist meist harmlos und verschwindet von selbst.

Getigerte Katze liegt auf dem Boden und blickt mit großen, klaren Augen in die Kamera
Gesunde Katzenaugen sind klar und glänzend, die Lider liegen glatt an – so sehen Sie auf einen Blick, ob sich etwas verändert.

Katzenschnupfen: die häufigste ernste Ursache

Katzenschnupfen ist keine einfache Erkältung. Nach International Cat Care werden über 90 Prozent der Fälle durch das Feline Herpesvirus (FHV-1) und/oder das Feline Calicivirus (FCV) ausgelöst; Bakterien wie Chlamydia felis oder Bordetella bronchiseptica können beteiligt sein. Die Erreger sind sehr ansteckend und können an Händen, Kleidung oder Näpfen übertragen werden.

Typische Zeichen sind:

  • tränende, verklebte oder zugekniffene Augen, oft mit anfangs klarem, später gelblichem oder grünlichem Ausfluss,
  • Niesen und Nasenausfluss,
  • Fieber, Mattigkeit und Appetitlosigkeit – viele Katzen fressen nicht mehr, weil sie nichts riechen,
  • bei Calicivirus auch Geschwüre im Maul.

Besonders gefährdet sind Kitten, ältere und ungeimpfte Katzen sowie Tiere aus Mehrkatzenhaushalten und Tierheimen. Die Impfung gegen Katzenschnupfen gehört zu den Grundimpfungen, die für jede Katze empfohlen werden – auch für reine Wohnungskatzen, weil die Erreger mit an Schuhen und Händen ins Haus kommen können. Sie verhindert eine Ansteckung nicht in jedem Fall, mildert den Verlauf aber deutlich.

Katzen, die sich einmal mit dem Herpesvirus angesteckt haben, tragen es oft lebenslang in sich. In Stresssituationen kann es wieder aufflammen – dann tränen die Augen manchmal erneut.

Flachgesichtige Rassen: Tränen als Dauerzustand

Bei brachyzephalen (kurzköpfigen) Katzen ist die Nase stark verkürzt. VCA nennt als Beispiele Perser und Himalayan. Der Tränennasenkanal verläuft bei ihnen oft abgeknickt oder verengt, die Augen liegen weiter vorn und sind stärker Reizen ausgesetzt. Die Folge sind häufig dauerhaft feuchte Augenwinkel und bräunliche Tränenstraßen im Fell.

Betroffen sind vor allem Perser und Exotic Shorthair mit sehr flachem Gesicht. Die Fellverfärbung selbst ist nicht gefährlich, die feuchte Haut darunter kann sich aber entzünden. Bei solchen Katzen gehört das tägliche, sanfte Reinigen der Augenwinkel zur Pflege. Wer sich für eine dieser Rassen interessiert, sollte bei der Züchterin oder dem Züchter nach Tieren mit etwas längerer Nase fragen – hilfreiche Fragen dazu finden Sie in unserer Liste Fragen an den Züchter.

Was Sie selbst tun können

Leichtes Tränen ohne weitere Beschwerden können Sie ein bis zwei Tage beobachten. Dabei hilft:

  • Augenwinkel sanft reinigen: Nehmen Sie für jedes Auge ein eigenes, fusselfreies Tuch oder eine Mullkompresse, angefeuchtet mit lauwarmem, abgekochtem Wasser. Wischen Sie vom Augenwinkel nach außen.
  • Keine Watte verwenden, weil Fasern im Auge zurückbleiben können.
  • Keine Kamille, keine Hausmittel und keine Augentropfen für Menschen – sie können reizen oder schaden.
  • Nichts mit Kortison ohne tierärztliche Untersuchung: Bei einer verletzten Hornhaut kann das die Heilung massiv verschlechtern.
  • Reizquellen meiden: Rauch, Duftkerzen, Raumsprays und stark staubende Streu.

Bessert sich das Tränen nicht innerhalb von ein bis zwei Tagen, lassen Sie das Auge untersuchen. Die Praxis kann unter anderem mit einem Farbstoff (Fluoreszein) prüfen, ob die Hornhaut verletzt ist und ob der Tränenkanal durchgängig ist.

Wann Sie zum Tierarzt sollten

Augen verzeihen wenig. Stellen Sie Ihre Katze noch am selben Tag vor, wenn

  • das Auge zugekniffen wird, stark blinzelt oder gerieben wird,
  • das Auge gerötet, geschwollen, trüb oder milchig aussieht,
  • der Ausfluss gelblich, grünlich, blutig oder verkrustet ist,
  • die Nickhaut (das dritte Augenlid) sichtbar vorgefallen ist,
  • Ihre Katze zusätzlich niest, Fieber hat, matt ist oder nicht frisst,
  • es sich um ein Kitten oder eine ungeimpfte Katze handelt,
  • ein Fremdkörper sichtbar ist, der nicht von selbst herausgespült wird.

Bei einer sichtbaren Verletzung, nach einem Unfall oder wenn Ihre Katze plötzlich schlecht zu sehen scheint, rufen Sie sofort Ihre Tierarztpraxis oder den Notdienst an.

Rotes Kätzchen mit blauen Augen liegt auf einem Sofa und schaut aufmerksam
Bei Kitten sind tränende Augen häufig ein erstes Zeichen von Katzenschnupfen – hier lieber früh abklären lassen.

Wie Katzen ihre Gefühle zeigen

Auch wenn Katzen nicht weinen: Sie teilen sehr genau mit, wie es ihnen geht. Man muss nur lernen, ihre Sprache zu lesen.

  • Langsames Blinzeln: Eine Studie der Universitäten Sussex und Portsmouth (Humphrey und Kollegen, 2020) hat gezeigt, dass Katzen häufiger mit langsamem Augenschließen reagieren, wenn Menschen ihnen langsam zublinzeln, und sich dann eher annähern. Das gilt als freundliches, entspanntes Signal.
  • Ohren und Schwanz: Aufrechter Schwanz bei der Begrüßung zeigt Freundlichkeit, angelegte Ohren und ein peitschender Schwanz Anspannung oder Ärger.
  • Laute: Das Miauen richten erwachsene Katzen vor allem an Menschen, um auf ein Bedürfnis aufmerksam zu machen. Untereinander verständigen sie sich überwiegend über Körpersprache und Geruch.
  • Rückzug und Verhaltensänderung: Eine Katze, die trauert, Stress hat oder krank ist, frisst oft weniger, versteckt sich, putzt sich übermäßig oder vernachlässigt die Fellpflege, wird unsauber oder ungewöhnlich anhänglich.

Gerade Veränderungen wie ein Umzug, ein neues Haustier oder der Verlust eines Artgenossen können Katzen stark belasten. Achten Sie in solchen Zeiten auf feste Abläufe, Rückzugsorte und Zuwendung, ohne die Katze zu bedrängen. Hält ein verändertes Verhalten länger an, lohnt sich ein Gesundheitscheck – denn hinter vermeintlicher Traurigkeit steckt bei Katzen nicht selten ein körperliches Problem.

Kurz zusammengefasst

Katzen weinen nicht wie wir. Wenn Tränen fließen, sagt der Körper Ihrer Katze Ihnen etwas – meist nichts Dramatisches, manchmal aber etwas, das rasch behandelt werden sollte. Wer die Augen seiner Katze regelmäßig anschaut und die Körpersprache kennt, merkt früh, wenn etwas nicht stimmt. Und für Gefühle hat Ihre Katze ohnehin ihre eigenen, sehr deutlichen Wege.

Quellen und weiterführende Informationen (5)
  1. VCA Animal Hospitals: Eye Discharge (Epiphora) in Cats
  2. International Cat Care: Cat flu – upper respiratory infection
  3. International Cat Care: Runny eyes
  4. International Cat Care: Vaccinating your cat
  5. Humphrey, T. et al. (2020): The role of cat eye narrowing movements in cat–human communication. Scientific Reports

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