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Ernährung

Katzenfutter für Senioren: So ernähren Sie ältere Katzen richtig

Ab wann eine Katze als Seniorin gilt, warum gesunde ältere Katzen genug Eiweiß brauchen und wann Nierenwerte, Gewicht und Zähne das Futter bestimmen.

Von der Redaktion catterys.deÜberarbeitet am 26. September 2026

Getigerte Katze liegt ausgestreckt auf hellem Steinboden und blickt in die Kamera

Viele Wohnungs- und Hauskatzen erreichen heute ein hohes Alter und verbringen einen großen Teil ihres Lebens als Seniorinnen und Senioren. Mit dem Alter verändert sich der Körper: Muskeln bauen leichter ab, Zähne und Nieren werden anfälliger, und manche Katze frisst plötzlich weniger – oder mehr.

Auf dem Futterregal steht dafür eine eigene Kategorie: „Senior“, „7+“ oder „Mature“. Doch diese Bezeichnungen sind rechtlich nicht festgelegt, und was drinsteckt, unterscheidet sich stark. Hinzu kommt eine hartnäckige Faustregel, nach der alte Katzen grundsätzlich weniger Eiweiß bekommen sollten. Die aktuellen tierärztlichen Leitlinien sehen das anders.

Dieser Artikel erklärt, ab wann eine Katze als alt gilt, was sich an ihrem Bedarf wirklich ändert und wann das Futter eine Aufgabe für die Tierarztpraxis ist.

Ab wann ist eine Katze eine Seniorin?

Die amerikanischen Tierärzteverbände AAHA und AAFP teilen das Katzenleben in ihren Leitlinien von 2021 in vier Altersstufen ein:

Lebensphase Alter
Kitten bis 1 Jahr
Junge erwachsene Katze 1–6 Jahre
Reife erwachsene Katze 7–10 Jahre
Seniorin/Senior über 10 Jahre

Futtermittel mit dem Aufdruck „7+“ richten sich also eigentlich an reife Erwachsene. Das ist nicht falsch, aber es heißt auch: Eine gesunde, schlanke Siebenjährige braucht nicht zwingend ein Spezialfutter. Wie alt Ihre Katze in Menschenjahren wäre, können Sie mit dem Katzenalter-Rechner abschätzen.

Was sich im Alter am Bedarf ändert

Energie: erst weniger, dann oft mehr

Viele Katzen werden in den mittleren Jahren ruhiger und legen dann leicht zu. Bei sehr alten Katzen dreht sich das Bild häufig: Nach den AAHA/AAFP-Leitlinien steigt der Energiebedarf bei Seniorinnen wieder an, weil die Verdauung Eiweiß und Fett weniger gut verwertet. Die Leitlinien nennen einen Aufschlag von 10–20 %, in manchen Fällen bis 25 % auf den Grundbedarf.

Für Sie heißt das: Eine alte Katze, die schlanker wird, obwohl sie „normal“ frisst, ist kein Grund zur Beruhigung, sondern ein Grund zum Nachsehen.

Eiweiß: nicht einsparen

Die frühere Empfehlung, älteren Katzen vorsorglich weniger Eiweiß zu geben, stammt aus der Sorge um die Nieren. Die AAHA/AAFP-Leitlinien sagen heute deutlich: Gesunde reife und ältere Katzen sollen nicht eiweißreduziert gefüttert werden. Als angemessen gilt ein moderater Eiweißgehalt von mindestens 30–45 % in der Trockenmasse.

Der Grund: Mit dem Alter droht Muskelabbau (Sarkopenie). Wer zu wenig Eiweiß bekommt, verliert Muskeln schneller – und eine Katze mit wenig Muskulatur ist anfälliger und erholt sich schlechter von Krankheiten.

Phosphor: Thema für die Nieren – aber mit Diagnose

Chronische Nierenerkrankungen sind bei älteren Katzen häufig. Hier spielt Phosphor eine wichtige Rolle: Die International Renal Interest Society (IRIS) empfiehlt bei nierenkranken Katzen, den Phosphatspiegel im Blut zu senken – vor allem über ein phosphorarmes Nierendiätfutter. Ab dem IRIS-Stadium 2 soll eine solche Diät erwogen werden, ab Stadium 3 gehört sie ausdrücklich zur Behandlung.

Wichtig ist die Reihenfolge: Erst die Diagnose, dann die Diät. Ein Nierendiätfutter ist ein Therapiefutter. Es enthält bewusst weniger Eiweiß und Phosphor und passt deshalb nicht zu jeder gesunden alten Katze. IRIS weist sogar darauf hin, dass manche Katzen unter Nierendiät zu hohe Kalziumwerte entwickeln – auch deshalb gehört die Umstellung in tierärztliche Begleitung.

Nierenwerte: Was die Blutuntersuchung zeigt

Nierenschäden bleiben lange unbemerkt, weil die Nieren viel ausgleichen können. Die AAHA/AAFP-Leitlinien empfehlen bei älteren Katzen deshalb regelmäßige Blut- und Urinuntersuchungen, unter anderem mit Kreatinin, dem empfindlicheren Wert SDMA und dem spezifischen Gewicht des Urins. Aussagekräftig ist vor allem der Verlauf: Steigt Kreatinin über mehrere Untersuchungen oder wird der Urin immer dünner, lohnt sich ein genauer Blick – lange bevor die Katze krank wirkt.

Fragen Sie in Ihrer Praxis ruhig nach, welche Werte gemessen wurden und wie sie sich seit dem letzten Mal verändert haben. Die Antwort entscheidet mit darüber, ob ein normales Futter weiter passt.

Gewicht: das wichtigste Werkzeug zu Hause

Kaum etwas verrät so früh, dass etwas nicht stimmt, wie das Körpergewicht. Viele Krankheiten des Alters – Nierenerkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes, Zahnschmerzen, Tumoren – zeigen sich zuerst als schleichender Gewichtsverlust. Weil Katzen wenig wiegen, sind schon ein paar hundert Gramm viel.

So behalten Sie den Überblick:

  • Wiegen Sie Ihre Katze einmal im Monat, am besten zur gleichen Tageszeit. Eine Babywaage ist ideal; alternativ wiegen Sie sich mit und ohne Katze auf dem Arm.
  • Schreiben Sie die Werte auf. Einzelne Messungen schwanken, der Verlauf zählt.
  • Tasten Sie Rücken und Rippen ab. Die AAHA/AAFP-Leitlinien empfehlen, neben dem Gewicht auch die Körper- und die Muskelkondition zu beurteilen. Werden Wirbelsäule und Hüftknochen deutlich spürbar, baut die Katze Muskeln ab – auch wenn die Waage noch fast dasselbe zeigt.

Übergewicht ist im mittleren Alter das häufigere Problem. Cornell nennt Fettleibigkeit das häufigste ernährungsbedingte Problem bei Katzen; sie erhöht das Risiko für Arthrose und Diabetes. Nehmen Sie bei einer übergewichtigen Katze aber nie eigenmächtig drastisch Futter weg: Katzen, die zu wenig fressen, können eine gefährliche Leberverfettung entwickeln. Ein Abnehmplan gehört in tierärztliche Hand.

Trinken: Wasser zählt doppelt

Ältere Katzen, vor allem nierenkranke, verlieren über den Urin mehr Wasser. IRIS betont, dass nierenkranke Katzen jederzeit frisches Wasser zur Verfügung haben müssen. Doch viele Katzen trinken von sich aus wenig. Hier hilft das Futter:

  • Nassfutter enthält nach Cornell mindestens 75 % Feuchtigkeit, Trockenfutter nur 6–10 %. Eine Katze, die überwiegend Nassfutter frisst, nimmt so einen großen Teil ihres Wassers mit der Nahrung auf.
  • Mehrere Wasserstellen in der Wohnung, abseits vom Futternapf und vom Katzenklo, werden oft besser angenommen als ein einzelner Napf.
  • Manche Katzen bevorzugen fließendes Wasser oder breite, flache Schalen.

Achten Sie zugleich auf das Gegenteil: Trinkt Ihre Katze plötzlich deutlich mehr als sonst und sind die Klumpen im Katzenklo größer, kann das auf Nierenerkrankungen, Diabetes oder eine Schilddrüsenüberfunktion hinweisen.

Zähne: wenn Fressen wehtut

Zahnerkrankungen sind bei älteren Katzen verbreitet und oft unsichtbar, weil Katzen Schmerzen gut verbergen. Hinweise sind zum Beispiel:

  • Die Katze geht zum Napf, frisst aber nur wenig oder lässt Trockenfutter liegen.
  • Sie kaut einseitig, lässt Futter aus dem Maul fallen oder schüttelt den Kopf.
  • Mundgeruch, Speicheln oder Blut am Spielzeug.

Weicheres Futter kann den Alltag erleichtern, ersetzt aber keine Behandlung. Die AAHA/AAFP-Leitlinien empfehlen regelmäßige Zahnkontrollen und bei Bedarf eine professionelle Zahnreinigung mit Röntgen, weil viele Schäden unter dem Zahnfleisch liegen.

Woran Sie ein passendes Seniorenfutter erkennen

Ein eigenes „Seniorenfutter“ ist nicht Pflicht. Entscheidend ist, dass das Futter zur einzelnen Katze passt. Beim Lesen des Etiketts helfen diese Punkte:

Worauf achten Warum
„Alleinfuttermittel“ Nur ein Alleinfuttermittel deckt nach EU-Recht allein den Tagesbedarf. „Ergänzungsfuttermittel“ reicht nicht als Hauptmahlzeit.
Tierische Zutaten vorne in der Zusammensetzung Die Zutaten stehen in absteigender Reihenfolge nach Gewicht.
Angemessener Eiweißgehalt Bei gesunden Seniorinnen nicht eiweißarm; Werte in der Trockenmasse vergleichen.
Hoher Feuchtigkeitsgehalt Unterstützt die Wasseraufnahme.
Gute Akzeptanz Ein Futter, das nicht gefressen wird, hilft nicht – bei alten Katzen ist Appetit besonders wichtig.

Wie Sie eine Deklaration Schritt für Schritt lesen, zeigt unser Artikel über gutes Katzenfutter und die Deklaration. Wenn Ihre Katze wenig Appetit hat, helfen oft kleine, häufigere Portionen, leicht angewärmtes Nassfutter und ein ruhiger Fressplatz.

Stellen Sie das Futter immer langsam um, über mehrere Tage, indem Sie das neue Futter schrittweise untermischen. Alte Katzen reagieren auf abrupte Wechsel empfindlicher.

Auch Menschenessen ist im Alter keine gute Idee als Appetitanreger. Ob ein bestimmtes Lebensmittel für Katzen geeignet oder gefährlich ist, können Sie mit unserem Werkzeug Darf meine Katze das fressen? nachsehen.

Wann Sie zum Tierarzt sollten

Die AAHA/AAFP-Leitlinien empfehlen, ältere Katzen mindestens alle sechs Monate untersuchen zu lassen, bei chronischen Erkrankungen öfter. Unabhängig davon sollten Sie zeitnah einen Termin vereinbaren, wenn Sie Folgendes bemerken:

  • Gewichtsverlust, auch wenn die Katze normal frisst
  • deutlich mehr Durst oder mehr Urin
  • Appetitlosigkeit – frisst die Katze länger als etwa einen Tag gar nicht, rufen Sie am selben Tag in der Praxis an
  • Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung, die mehr als einmal auftreten
  • Probleme beim Fressen, Mundgeruch oder Speicheln
  • Wesensveränderungen, nächtliches Schreien, Rückzug

Wer diese Zeichen früh ernst nimmt und das Futter gemeinsam mit der Praxis an die Befunde anpasst, schenkt seiner Katze oft viele gute zusätzliche Jahre.

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Quellen und weiterführende Informationen (5)
  1. AAHA/AAFP: 2021 Feline Life Stage Guidelines (Journal of Feline Medicine and Surgery, 2021)
  2. International Renal Interest Society (IRIS): Treatment Recommendations for CKD in Cats (2023)
  3. Cornell Feline Health Center: Feeding Your Cat
  4. WSAVA Global Nutrition Committee: Guidelines on Selecting Pet Foods (2021)
  5. FEDIAF: Kodex für die gute Kennzeichnung von Heimtierfuttermitteln (2018)

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