Leben mit Katze
Dürfen Katzen Reis fressen?
Gekochter Reis ist für Katzen verträglich und kann Teil einer kurzen Schonkost sein – roh nie, als Dauerfutter nicht. So stimmen Menge und Zubereitung.

Reis steht bei vielen Futtersorten auf der Zutatenliste, und bei Magen-Darm-Problemen empfehlen manche Tierarztpraxen für ein paar Tage „Huhn mit Reis“. Da fragen sich viele Halter: Ist Reis gut für Katzen? Oder passt ein Getreide gar nicht zu einem Fleischfresser?
Beides stimmt ein Stück weit. Gekochter Reis ist für Katzen gut verträglich und kann kurzfristig Teil einer Schonkost sein. Einen Nährwert, den Katzen dringend bräuchten, hat er aber nicht – und roh gehört er nicht in den Napf. Hier lesen Sie, was dahinter steckt und wie Sie Reis richtig einsetzen.
Katzen sind Fleischfresser – was macht Reis im Futter?
Katzen sind obligate Karnivoren. Ihren Energiebedarf decken sie von Natur aus vor allem aus Eiweiß und Fett. Einige lebenswichtige Nährstoffe – etwa die Aminosäuren Taurin und Arginin, die Fettsäure Arachidonsäure und fertiges Vitamin A – können sie nicht oder kaum selbst bilden und müssen sie mit tierischer Nahrung aufnehmen. So beschreibt es das Standardwerk des US-amerikanischen National Research Council (NRC, 2006).
Reis dagegen besteht überwiegend aus Stärke. Nach der Nährwertdatenbank des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) enthalten 100 Gramm gekochter weißer Reis rund 130 Kilokalorien, etwa 28 Gramm Kohlenhydrate und nur knapp 3 Gramm Eiweiß. Taurin und Arachidonsäure enthält Reis nicht.
In Fertigfutter wird Reis als Energiequelle, Bindemittel oder – vor allem in Trockenfutter – als Strukturgeber eingesetzt. Ein vollwertiges Alleinfutter gleicht das über seine übrigen Zutaten und Zusätze aus. Entscheidend ist, dass tierische Zutaten den Hauptanteil stellen. Wie Sie das an der Deklaration erkennen, erklärt unser Ratgeber Gesundes Katzenfutter.
Können Katzen Reis überhaupt verdauen?
Ja – wenn er gekocht ist. Katzen bilden zwar deutlich weniger stärkespaltende Enzyme als Menschen oder Hunde; das hat die Tierernährungswissenschaftlerin Ellen Kienzle in einer Untersuchungsreihe 1993 gezeigt. Trotzdem verwerten sie gegarte Stärke gut: Laut WikiVet sind gekochte Stärken für Hunde und Katzen nahezu vollständig verdaulich, rohe dagegen je nach Sorte nur zu einem kleinen Teil.
Daraus ergeben sich zwei klare Regeln:
- Gekocht ist Reis für Katzen verträglich.
- Roh ist Reis tabu. Rohe Stärke ist schlecht verdaulich, und trockene Körner quellen im Magen auf. Auch ungekochte Reisnudeln oder Reiswaffeln aus der Tüte sind kein Katzenfutter.
Reis als Schonkost bei Durchfall
Bei leichtem Durchfall empfehlen Tierarztpraxen manchmal, für ein bis drei Tage auf eine leicht verdauliche Schonkost umzustellen. Gekochtes, mageres Hühnerfleisch steht dabei im Mittelpunkt. Reis kann in kleinem Anteil dazukommen: Er ist mild, bindet Wasser und liefert Energie, ohne den Darm zu belasten.
Wichtig ist das Verhältnis. Weil Katzen Fleischfresser sind, sollte Fleisch klar überwiegen. Manche Praxen raten bei Katzen ganz zu Huhn ohne Reis – fragen Sie im Zweifel nach, was für Ihre Katze passt. Wie Sie eine Schonkost Schritt für Schritt zubereiten, lesen Sie im Ratgeber Schonkost für Katzen.
So bereiten Sie den Reis zu:
- Weißen Reis gründlich waschen und in reichlich Wasser weich kochen – eher zu weich als zu bissfest.
- Kein Salz, keine Brühwürfel, keine Gewürze, kein Fett zugeben.
- Abgießen, abkühlen lassen und mit dem klein geschnittenen, gegarten Fleisch mischen.
- Mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt anbieten.
- Nach ein bis drei Tagen schrittweise wieder auf das gewohnte Futter umstellen.
Weißer Reis ist dafür besser geeignet als Vollkornreis: Er enthält weniger Ballaststoffe und ist schonender für einen gereizten Darm.
Eine selbst gekochte Schonkost ist nicht vollwertig. Ihr fehlen Taurin, Vitamine und Mineralstoffe in ausreichender Menge. Deshalb ist sie nur für wenige Tage gedacht. Bleibt der Durchfall länger bestehen, muss die Ursache gefunden werden.
Wie viel Reis darf es sein?
Außerhalb der Schonkost ist Reis für eine gesunde Katze ein gelegentliches Extra, kein Bestandteil der Ernährung. Die WSAVA, der Weltverband der Kleintierärzte, empfiehlt, alle Leckerbissen zusammen auf höchstens etwa zehn Prozent der täglichen Energiemenge zu begrenzen. Eine erwachsene Katze von vier Kilogramm braucht grob 200 bis 250 Kilokalorien am Tag – zehn Prozent davon entsprechen etwa 15 bis 20 Gramm gekochtem Reis, und das für alle Extras zusammen.
In der Praxis heißt das: Ein Teelöffel gekochter Reis unter dem Futter ist in Ordnung, wenn Ihre Katze ihn mag. Täglich oder als Füllstoff, um Futter zu „strecken“, sollten Sie ihn nicht geben.
Warum Reis kein Dauerfutter ist
Wer Katzenfutter regelmäßig mit Reis mischt, verdünnt die Nährstoffe des Futters. Die Folgen können sich über Wochen und Monate entwickeln:
- Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen, allen voran Taurin. Ein Taurinmangel kann bei Katzen zu Herzmuskelschwäche und Netzhautschäden führen.
- Zu wenig Eiweiß, was sich in Muskelabbau und stumpfem Fell zeigen kann.
- Übergewicht, weil Stärke Energie liefert, aber den Eiweißbedarf nicht deckt – und Übergewicht ist ein bekannter Risikofaktor für Diabetes bei Katzen.
Für Katzen mit Diabetes ist Reis ohne Rücksprache mit der Tierarztpraxis nicht geeignet, weil er den Blutzucker beeinflusst. Hintergründe dazu finden Sie im Beitrag Katzenfutter ohne Zucker.
Reis, Reisgerichte und Reisprodukte
| Was | Für Katzen geeignet? |
|---|---|
| Weißer Reis, gut gekocht, ungewürzt | ja, in kleinen Mengen oder als Teil einer Schonkost |
| Vollkornreis, gekocht | in kleinen Mengen, schwerer verdaulich |
| Roher Reis | nein |
| Gebratener Reis, Risotto, Paella | nein – Fett, Salz, oft Zwiebeln und Knoblauch |
| Sushi-Reis | nein – Zucker, Salz, Essig |
| Milchreis | nein – Zucker und Laktose |
| Reiswaffeln, Reiscracker | nein – oft gesalzen, kein Nutzen |
Zwiebeln und Knoblauch, die in vielen Reisgerichten stecken, sind für Katzen giftig. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Welches Gemüse dürfen Katzen fressen?. Weitere Lebensmittel können Sie im Lexikon Darf meine Katze das fressen? nachschlagen – und wie es mit anderen Beilagen aussieht, erfahren Sie im Beitrag Dürfen Katzen Kartoffeln fressen?.
Wann Sie zum Tierarzt sollten
Schonkost ist eine Hilfe bei leichtem Durchfall, keine Behandlung. Rufen Sie Ihre Tierarztpraxis an, wenn
- der Durchfall länger als einen Tag anhält oder nach der Schonkost wiederkommt,
- Ihre Katze zusätzlich erbricht, nicht frisst, matt ist oder Fieber hat,
- Sie Blut oder Schleim im Kot sehen oder der Kot schwarz und teerartig ist,
- es sich um ein Kitten, eine sehr alte oder eine chronisch kranke Katze handelt – diese Tiere trocknen schnell aus,
- Ihre Katze wenig trinkt oder die Haut im Nacken nach leichtem Hochziehen nur langsam zurückgeht.
Hat Ihre Katze ein Reisgericht mit Zwiebeln oder Knoblauch gefressen, rufen Sie sofort in der Praxis oder beim Notdienst an.
Kurz gesagt: Gekochter Reis schadet einer gesunden Katze nicht und kann bei Magen-Darm-Beschwerden für ein paar Tage helfen. Die eigentliche Ernährung bleibt aber ein gutes, fleischbasiertes Alleinfutter – daran ändert auch das beliebteste Reiskorn nichts.
Gratis-PDF
Giftliste für Katzen zum Ausdrucken
163 Lebensmittel und 188 Pflanzen mit klarer Einstufung – dazu eine Notfallkarte für den Kühlschrank. 29 Seiten, kostenlos als PDF.
Quellen und weiterführende Informationen (5)
- WikiVet: Digestibility of Carbohydrates
- Kienzle, E. (1993): Carbohydrate metabolism of the cat. 4. Activity of maltase, isomaltase, sucrase and lactase in the gastrointestinal tract in relation to age and diet
- National Research Council (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats
- USDA FoodData Central (Nährwerte gekochter Reis)
- WSAVA Global Nutrition Guidelines


