Ernährung
Malzpaste für Katzen: Wann sie bei Haarballen hilft – und wann nicht
Was Malzpaste ist, was sie gegen Haarballen leisten kann, welche Alternativen es gibt und bei welchen Warnzeichen Erbrechen oder Verstopfung in die Tierarztpraxis gehören.

Fast jede Katzenhalterin kennt das Geräusch: ein rhythmisches Würgen, dann liegt ein feuchtes, längliches Knäuel auf dem Teppich. Haarballen gehören für viele Katzen zum Alltag. Gegen sie wird seit Jahren Malzpaste empfohlen – eine süßlich riechende Paste aus der Tube, die viele Katzen gern ablecken.
Doch wie wirkt Malzpaste eigentlich, und braucht jede Katze sie? Und wann steckt hinter dem Würgen mehr als ein harmloser Haarballen? Dieser Artikel erklärt, was über Malzpaste bekannt ist, welche Alternativen es gibt und bei welchen Anzeichen Sie nicht abwarten sollten.
Wie Haarballen entstehen
Katzen putzen sich ausgiebig. Ihre Zunge ist mit feinen, nach hinten gerichteten Häkchen besetzt, die lose Haare aufnehmen – und die Katze schluckt sie. Das Cornell Feline Health Center beschreibt Haarballen deshalb als unschönes Nebenprodukt einer eigentlich guten Gewohnheit.
Die meisten verschluckten Haare wandern durch den Darm und werden mit dem Kot ausgeschieden. Sammeln sie sich im Magen, werden sie als Haarballen hochgewürgt. Cornell hält es für nicht ungewöhnlich, wenn eine Katze etwa alle ein bis zwei Wochen einen Haarballen erbricht.
Eine Fachübersicht der Tierärztin Martha Cannon im Journal of Feline Medicine and Surgery (2013) mahnt allerdings zur Vorsicht: Häufige Haarballen sind oft ein Hinweis darauf, dass die Katze übermäßig viel Fell schluckt oder eine Magen-Darm-Erkrankung hat – besonders bei Kurzhaarkatzen. Nach ihren Befragungen erbrechen etwa 10 % der sonst gesunden Kurzhaarkatzen regelmäßig Haarballen, bei Langhaarkatzen etwa doppelt so viele.
Mögliche Gründe für vermehrtes Fellschlucken oder Haarballen sind laut Cannon zum Beispiel:
- Flohbefall und juckende Hauterkrankungen, weil die Katze sich dann mehr putzt und beknabbert,
- Futtermittelunverträglichkeiten und andere Magen-Darm-Erkrankungen,
- eine gestörte Darmbewegung, durch die Haare langsamer weitertransportiert werden.
Was ist Malzpaste?
Malzpaste ist in aller Regel ein Ergänzungsfuttermittel. Typische Bestandteile sind Malzextrakt sowie Öle oder Fette; je nach Produkt kommen weitere Zutaten wie Ballaststoffe, Hefe oder Vitamine hinzu, manche Präparate enthalten auch Paraffin. Welche Zutaten es genau sind, steht in der Zusammensetzung auf der Tube.
Die Idee dahinter: Fette und Öle sollen die verschluckten Haare gleitfähiger machen, damit sie leichter durch den Darm wandern, statt sich im Magen zu einem Ballen zu verfilzen. Malzextrakt dient vor allem als Träger und Lockmittel.
Wichtig zu wissen: Malzextrakt ist reich an Malzzucker. Katzen können Süßes nicht schmecken, der Zucker bringt ihnen also keinen Nutzen. Wie Sie Zucker in der Deklaration erkennen, erklären wir im Artikel Katzenfutter ohne Zucker.
Hilft Malzpaste wirklich?
Die ehrliche Antwort: Das ist wenig untersucht. Cannon hält in ihrer Übersicht fest, dass es zu Mitteln gegen Haarballen nur wenig veröffentlichte Forschung gibt. In der einzigen von ihr zitierten kontrollierten Studie zu einem Präparat mit Flohsamen und Ulmenrinde besserten sich zwar die von den Haltern beobachteten Beschwerden, die Zahl der Erbrechen ging aber nicht messbar zurück. Aussagekräftige Studien speziell zu Malzpaste haben wir nicht gefunden.
Cornell nennt Mittel gegen Haarballen, meist milde Abführmittel auf Paraffinbasis, ein- bis zweimal pro Woche als eine Möglichkeit der Vorbeugung – neben dem Bürsten. Das spricht nicht gegen einen gelegentlichen Einsatz bei einer gesunden Katze. Es spricht aber dagegen, Malzpaste als Lösung für häufige Haarballen zu betrachten.
Wenn Sie Malzpaste geben möchten, beachten Sie:
- Dosierung nach Packungsangabe, nicht nach Gefühl. Mehr ist nicht besser.
- Kein Dauereinsatz ohne Rücksprache. Abführende, fetthaltige Mittel können bei häufiger Gabe den Kot weich machen; bei Paraffin gilt als möglich, dass es auf Dauer die Aufnahme fettlöslicher Vitamine beeinträchtigt.
- Ergänzungsfutter bleibt Ergänzung. Die WSAVA empfiehlt, Ergänzungsfuttermittel höchstens als kleinen Teil der Ration zu geben, etwa bis 10 %.
- Nicht zwangsweise ins Maul geben. Ölige Pasten gewaltsam einzugeben, birgt die Gefahr, dass die Katze sich verschluckt. Viele Katzen lecken die Paste freiwillig von der Pfote oder vom Finger.
Alternativen und Vorbeugung
Bürsten – die wirksamste Maßnahme
Jedes Haar, das in der Bürste landet, landet nicht im Magen. Cornell empfiehlt, die Katze an tägliches Bürsten und Kämmen zu gewöhnen. Das gilt vor allem für Langhaar- und Halblanghaarkatzen wie Perser, Maine Coon oder Norwegische Waldkatze. Kurzhaarkatzen kommen meist mit seltenerem Bürsten aus, profitieren aber im Fellwechsel ebenfalls davon. Bei stark verfilzten Langhaarkatzen kann nach Cornell ein- bis zweimal im Jahr eine Schur beim Tierarzt oder in einem Pflegesalon helfen. Wie pflegeaufwendig einzelne Rassen sind, zeigt unsere Übersicht Katzenrassen.
Beginnen Sie mit kurzen, entspannten Einheiten und belohnen Sie Ihre Katze. So wird das Bürsten für viele Katzen zu einer angenehmen Zuwendung.
Katzengras
Viele Katzen knabbern gern an Gras und erbrechen danach. Ob Katzengras gezielt gegen Haarballen hilft, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Wenn Ihre Katze es mag, spricht nichts gegen eine Schale mit echtem Katzengras, etwa Hafer oder Weizen. Scharfkantige Grasarten und Zimmerpflanzen sind dagegen ungeeignet – manche Zimmerpflanzen sind für Katzen giftig. Welche, zeigt unsere Seite zu giftigen Pflanzen.
Futter
Es gibt Futter, das als „Hairball“ oder „gegen Haarballen“ beworben wird, meist mit einem höheren Ballaststoffanteil. Auch dazu ist die Studienlage laut Cannon dünn. Wenn Sie es probieren möchten, achten Sie darauf, dass es ein Alleinfuttermittel ist, das zum Alter Ihrer Katze passt. Worauf es bei der Deklaration ankommt, lesen Sie im Artikel über gutes Katzenfutter.
Flöhe und Hautprobleme behandeln
Wenn eine Katze sich wegen Juckreiz ständig putzt, hilft keine Paste. Flohbefall und Hauterkrankungen sollten tierärztlich behandelt werden – dann gehen oft auch die Haarballen zurück.
Umgebung sichern
Cornell rät außerdem, Fäden, Gummibänder, Büroklammern und Ähnliches vom Boden fernzuhalten. Verschluckt, können sie sich mit Haaren verbinden und gefährlich werden.
Wann Sie zum Tierarzt sollten
Nicht jedes Würgen ist ein Haarballen. Cornell weist darauf hin, dass häufiges Husten und Würgen auch auf eine Atemwegserkrankung wie Asthma hindeuten kann. Lassen Sie Ihre Katze untersuchen, wenn:
- sie wiederholt würgt, ohne dass etwas herauskommt – dann am selben Tag,
- sie matt ist und länger als etwa einen Tag nicht frisst,
- sie keinen oder nur sehr wenig Kot absetzt, sich beim Kotabsatz quält oder der Bauch schmerzhaft wirkt,
- Haarballen häufiger als üblich auftreten oder sich das gewohnte Muster verändert,
- sie zusätzlich Futter oder Flüssigkeit erbricht, Durchfall hat oder abnimmt,
- sie hustet, schwer atmet oder mit gestrecktem Hals würgt,
- kahle Stellen im Fell auftauchen, weil sie sich übermäßig putzt.
Cornell warnt ausdrücklich: Ein Haarballen, der nicht erbrochen wird, kann in den Darm wandern und dort einen lebensbedrohlichen Darmverschluss verursachen. Wirkt Ihre Katze deutlich krank, hat sie Schmerzen oder erbricht sie immer wieder, rufen Sie Ihre Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst an.
Wer das Fell seiner Katze regelmäßig bürstet, braucht oft gar keine Paste. Und wer häufige Haarballen nicht als normal abtut, entdeckt manche behandelbare Ursache früh.
Ähnliche Fragen stellen sich bei anderen Futterzusätzen – etwa bei Rinderfettpulver für Katzen.
Quellen und weiterführende Informationen (4)
- Cannon M.: Hair balls in cats – A normal nuisance or a sign that something is wrong? (Journal of Feline Medicine and Surgery, 2013)
- Cornell Feline Health Center: A Hairy Dilemma
- WSAVA Global Nutrition Committee: Guidelines on Selecting Pet Foods (2021)
- FEDIAF: Kodex für die gute Kennzeichnung von Heimtierfuttermitteln (2018)


