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Katzen an den Kratzbaum gewöhnen: So klappt es

Warum Katzen kratzen müssen, welcher Kratzbaum und welcher Standort angenommen werden und wie Sie Ihre Katze ohne Strafen an den Kratzbaum gewöhnen.

Von der Redaktion catterys.deÜberarbeitet am 26. September 2026

Graue Langhaarkatze liegt oben auf einem Kratzbaum mit Sisalstamm, darunter spielt ein dunkles Kätzchen

Der neue Kratzbaum steht im Wohnzimmer, und die Katze? Schläft im Karton, in dem er geliefert wurde, und schärft ihre Krallen weiter an der Sofalehne. Das ist ärgerlich, aber kein Grund zur Verzweiflung. Die meisten Katzen lassen sich an einen Kratzbaum gewöhnen – wenn Kratzbaum, Standort und Vorgehen zu ihren Bedürfnissen passen.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, warum Katzen überhaupt kratzen, woran ein guter Kratzbaum zu erkennen ist, wo er stehen sollte und wie Sie Ihre Katze geduldig und ohne Strafen umlenken.

Warum Katzen kratzen müssen

Kratzen ist kein Unfug, sondern ein angeborenes Verhalten mit mehreren Aufgaben. International Cat Care nennt drei:

  • Krallenpflege: Beim Kratzen lösen sich die äußeren, abgenutzten Hornschichten der Krallen. Die neuen, scharfen Spitzen darunter kommen zum Vorschein. Die abgestoßenen Hüllen finden Sie oft am Fuß des Kratzbaums.
  • Dehnung und Bewegung: Beim Kratzen streckt sich die Katze in voller Länge und trainiert die Muskeln von Vorderbeinen, Schultern und Rücken. Viele Katzen kratzen deshalb direkt nach dem Aufwachen.
  • Kommunikation: Zwischen den Ballen sitzen Duftdrüsen. Die Katze hinterlässt beim Kratzen einen Geruch und sichtbare Spuren – eine Nachricht an sich selbst und an andere Katzen.

Daraus folgt der wichtigste Grundsatz: Kratzen lässt sich nicht abgewöhnen, nur umlenken. Ziel ist, dass die Katze einen Ort findet, der besser zu ihr passt als das Sofa.

Welcher Kratzbaum wird angenommen?

Hoch genug zum Strecken

International Cat Care rät, dass eine Kratzfläche mindestens so hoch sein sollte, wie die Katze im vollen Streckstand auf den Hinterbeinen lang ist. Kurze Kratzstämme, an denen sie sich nicht ausstrecken kann, werden oft ignoriert. Für große Rassen wie die Maine Coon ist deshalb ein deutlich höherer Stamm nötig als für eine zierliche Singapura.

Standfest

Ein Kratzbaum, der wackelt oder beim Anspringen kippt, verliert sofort an Reiz – und kann gefährlich werden. Katzen möchten beim Kratzen Widerstand spüren. Achten Sie auf

  • einen breiten, schweren Sockel,
  • dicke, stabile Stämme,
  • die Möglichkeit, den Baum an der Wand oder an der Decke zu befestigen, besonders bei großen oder schweren Katzen.

Das richtige Material

Viele Katzen mögen Sisal – eine grobe, feste Faser, in der die Krallen gut greifen. International Cat Care rät, sich an dem zu orientieren, was die Katze bisher bearbeitet: Kratzt sie an einer rauen Tapete, eignet sich eine senkrechte Fläche mit ähnlicher Oberfläche. Zerkratzt sie lieber den Teppich, ist eine waagerechte Kratzmatte oder ein Kratzbrett aus Wellpappe oft die bessere Wahl. Junge und ältere Katzen bevorzugen häufig weichere Pappe, weil sie weniger Kraft braucht.

Mehr als ein Stamm

Liegeflächen, Höhlen und Aussichtsplattformen machen den Kratzbaum zum Lieblingsplatz. Katzen beobachten ihre Umgebung gern von oben. Die Höhe sollte aber zur Katze passen: Für Kitten, Seniorinnen und Senioren oder Katzen mit Gelenkproblemen sind niedrige Stufen und breite Liegeflächen besser als ein hoher Turm.

Der richtige Standort

Der Standort ist oft wichtiger als der Kratzbaum selbst. International Cat Care empfiehlt, Kratzmöglichkeiten dort aufzustellen, wo die Katze viel Zeit verbringt, insbesondere in der Nähe ihrer Schlafplätze – weil Katzen oft nach dem Aufwachen kratzen – und an Ein- und Ausgängen.

Bewährt hat sich:

  • direkt neben der Stelle, an der die Katze bisher kratzt, etwa neben dem Sofa – wenn nötig zunächst genau davor,
  • in einem Raum, in dem die Familie sich aufhält – ein Kratzbaum im Abstellzimmer wird selten genutzt,
  • in der Nähe eines Fensters mit Aussicht,
  • nicht direkt neben Katzenklo oder Futternapf.

Steht der Kratzbaum erst einmal gut, können Sie ihn Stück für Stück an seinen endgültigen Platz rücken.

Wie viele Kratzmöglichkeiten braucht man?

Ein Kratzbaum allein reicht oft nicht. In Mehrkatzenhaushalten rät International Cat Care zu einer Kratzmöglichkeit pro Katze plus einer zusätzlichen, verteilt auf verschiedene Orte. So muss keine Katze an einer anderen vorbei, die „ihren“ Platz verteidigt. Ergänzend eignen sich Kratzbretter an der Wand, Kratzmatten vor dem Sofa oder Kratztonnen. Eine Übersicht über die Grundausstattung finden Sie in unserer Checkliste zur Erstausstattung.

So gewöhnen Sie Ihre Katze an den Kratzbaum

  1. Mit Spiel anlocken. Ziehen Sie eine Federangel oder ein Spielzeug an einer Schnur über und um den Stamm. Greift die Katze mit den Krallen in den Sisal, macht sie die erste gute Erfahrung.
  2. Katzenminze oder Baldrian nutzen. Etwas getrocknete Katzenminze auf dem Kratzbaum weckt bei vielen Katzen Interesse. Nicht alle reagieren darauf – ein Versuch lohnt sich aber.
  3. Leckerli und Lob. Belohnen Sie Ihre Katze, wenn sie den Kratzbaum benutzt oder auf ihn klettert: mit einem kleinen Leckerli, ruhigem Lob oder Streicheln.
  4. Den eigenen Geruch übertragen. Legen Sie eine Decke, auf der die Katze gern liegt, auf eine Liegefläche.
  5. Nicht zwingen. Setzen Sie die Katze nicht auf den Kratzbaum und führen Sie ihre Pfoten nicht über den Stamm. Das empfinden viele Katzen als unangenehm.
  6. Geduld haben. Manche Katzen nehmen einen neuen Kratzbaum sofort an, andere brauchen Wochen.

Die Katze kratzt trotzdem am Sofa?

Dann ist es Zeit, das Sofa vorübergehend unattraktiv und den Kratzbaum noch attraktiver zu machen:

  • Stelle abdecken. International Cat Care nennt dicke Decken oder Klebefolien auf den bisherigen Kratzstellen. Glatte, klebrige Oberflächen mögen Katzen nicht.
  • Direkt davor eine Alternative. Eine Kratzmatte oder ein Kratzbrett genau an der Stelle, an der die Katze bisher kratzt.
  • Geruch mindern. Reinigen Sie die bisherige Kratzstelle, damit die eigenen Duftmarken verschwinden. Synthetische Pheromonsprays können helfen, die Motivation zu senken.
  • Krallen kürzen. Das verhindert keine Kratzversuche, verringert aber Schäden. Lassen Sie sich die richtige Technik in der Tierarztpraxis zeigen – zu tief geschnitten, blutet die Kralle.
  • Beschäftigung. Eine gelangweilte Katze kratzt mehr. Tägliches Spiel und Klettermöglichkeiten helfen.

Warum Strafen nicht funktionieren

Anschreien, Wasserspritzen oder lautes Klatschen mögen die Katze kurz verscheuchen. International Cat Care rät ausdrücklich davon ab: Die Katze versteht nicht, dass das Kratzen falsch ist – ein natürliches Verhalten wird bestraft. Sie lernt höchstens, in Ihrer Abwesenheit zu kratzen, oder bekommt Angst vor Ihnen. Weil Kratzen auch ein Weg ist, Stress abzubauen, kann Strafe das Kratzen sogar verstärken.

Besser: Die Katze ruhig ansprechen, mit einem Spielzeug zum Kratzbaum locken und dort belohnen.

Kein Entkrallen

Das operative Entfernen der Krallen, in manchen Ländern noch üblich, ist eine Amputation des vordersten Zehenglieds. In Deutschland ist es nach § 6 Tierschutzgesetz verboten. Auch International Cat Care lehnt es entschieden ab. Kappen, die auf die Krallen geklebt werden, verhindern das natürliche Kratzverhalten und sind keine Lösung für das eigentliche Bedürfnis.

Wann Sie genauer hinschauen sollten

Kratzt eine Katze plötzlich viel mehr als früher oder an ungewohnten Stellen, kann Stress dahinterstecken – etwa durch einen Umzug, einen neuen Mitbewohner oder Katzen vor dem Fenster. Kratzt eine ältere Katze dagegen kaum noch, wachsen die Krallen zu lang und können sich in die Ballen bohren; dann ist regelmäßiges Kürzen nötig. Humpelt Ihre Katze, meidet sie das Springen oder leckt sie auffällig an den Pfoten, lassen Sie das in der Tierarztpraxis untersuchen – Schmerzen in Gelenken oder Pfoten sind ein häufiger Grund, warum Katzen ihren Kratzbaum nicht mehr nutzen.

Mit dem richtigen Kratzbaum am richtigen Ort, ein wenig Spiel und viel Geduld wird aus dem Sofa-Kratzer in den meisten Fällen ein zufriedener Kratzbaum-Nutzer. Und das Sofa dankt es Ihnen.

Quellen und weiterführende Informationen (3)
  1. International Cat Care: Scratching on furniture and carpets
  2. International Cat Care: Position Statement on the Declawing of Cats
  3. Tierschutzgesetz § 6 (Amputationsverbot)

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