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Leben mit Katze

Katze Krallen schneiden: wann es nötig ist und wie es geht

Die meisten Katzen brauchen keine Krallenpflege. Wann Schneiden bei Senioren und Wolfskrallen doch nötig wird und wie Sie dabei das „Leben“ schonen.

Von der Redaktion catterys.deÜberarbeitet am 13. Oktober 2026

Nahaufnahme zweier roter Katzenpfoten mit ausgefahrenen Krallen neben blau blühender Katzenminze

Müssen Katzen die Krallen geschnitten bekommen? In den meisten Fällen: nein. Gesunde, bewegliche Katzen halten ihre Krallen durch Kratzen selbst in Form, und sie brauchen scharfe Krallen zum Klettern, Festhalten, Spielen und zur Verteidigung. International Cat Care, die britische Katzenschutzorganisation, rät deshalb ausdrücklich vom routinemäßigen Krallenschneiden ab.

Es gibt aber Ausnahmen – vor allem ältere Katzen, wenig bewegliche Katzen und die Wolfskralle. Wenn Krallen zu lang werden, können sie in den Ballen einwachsen. Das ist schmerzhaft und kann sich entzünden. Dieser Ratgeber erklärt, woran Sie erkennen, dass Schneiden nötig ist, und wie es sicher geht.

Wie eine Katzenkralle aufgebaut ist

Katzenkrallen sind in Ruhe eingezogen und werden nur bei Bedarf ausgefahren. Jede Kralle wächst in Schichten nach; beim Kratzen streift die Katze die äußere, abgenutzte Hornhülle ab – die leeren „Krallenhülsen“, die Sie manchmal am Kratzbaum finden, sind also ganz normal.

Im Inneren der Kralle liegt das „Leben“: ein rosa Bereich am Krallenansatz, in dem Blutgefäße und Nerven verlaufen. Bei hellen Krallen ist es gut zu sehen, bei dunklen kaum. Wird hineingeschnitten, blutet die Kralle und es tut der Katze weh.

An den Vorderpfoten sitzt innen, etwas höher, eine fünfte Kralle: die Wolfskralle oder Daumenkralle. Sie berührt beim Laufen den Boden nicht und nutzt sich deshalb dort nicht ab.

Wann Krallenschneiden nötig ist

Ältere und wenig bewegliche Katzen

Mit dem Alter kratzen viele Katzen weniger kräftig – oft wegen Arthrose. Nach International Cat Care können ältere Katzen ihre Krallen zudem häufig nicht mehr richtig einziehen. Die Krallen werden dicker und länger, bleiben an Teppich und Decken hängen und können sich in einem Bogen in den Ballen bohren. Als Senioren gelten Katzen dort ab etwa elf Jahren.

Wichtig: Überlange Krallen können nach International Cat Care auch ein Hinweis auf Arthrose oder eine Schilddrüsenüberfunktion sein. Sprechen Sie deshalb zuerst mit der Tierarztpraxis, statt nur zu schneiden.

Die Wolfskralle

Weil sie nicht auf dem Boden aufkommt, wächst die Wolfskralle bei manchen Katzen kreisförmig weiter und häufig in die Haut ein. Die Tierklinik der Washington State University weist darauf hin, dass sie deshalb regelmäßig kontrolliert und gekürzt werden muss. Schauen Sie bei jeder Katze ab und zu nach – bei Senioren öfter.

Wohnungskatzen

Wohnungskatzen brauchen nicht automatisch eine Krallenpflege. Entscheidend ist, ob sie genügend passende Kratzgelegenheiten haben und sie auch nutzen: stabile, hohe Kratzbäume zum Strecken und für ältere Tiere zusätzlich waagerechte Kratzflächen, die sich leichter bearbeiten lassen. Wie Sie Ihre Katze dafür gewinnen, steht im Ratgeber Katzen an den Kratzbaum gewöhnen.

Anzeichen, dass die Krallen zu lang sind

International Cat Care nennt vier Zeichen:

  • Die Katze bleibt hängen – an Decken, Polstern, Teppich.
  • Sie nutzt ihre Kratzstellen nicht mehr oder tut sich dabei schwer.
  • Die Krallen sind sichtbar, obwohl die Pfote entspannt ist.
  • Sie hören ein Klacken auf Laminat oder Fliesen.

Eine feste Regel, wie oft geschnitten werden muss, gibt es nicht – die Fachquellen nennen bewusst keinen Abstand. Schauen Sie sich die Pfoten Ihrer Katze regelmäßig an und entscheiden Sie nach diesen Zeichen.

Anleitung: Krallen schneiden in Ruhe

Lassen Sie sich das Schneiden beim ersten Mal in der Tierarztpraxis zeigen. Dort sieht man sich die Krallen an und kann beurteilen, ob überhaupt geschnitten werden muss.

Das brauchen Sie: eine Krallenschere oder Krallenzange für Katzen, gutes Licht, ein Handtuch, ein paar Leckerli – und am besten etwas zum Blutstillen aus der Tierarztpraxis in Reichweite.

  1. Den richtigen Moment wählen. Die Katze sollte entspannt oder schläfrig sein, nicht mitten im Spiel.
  2. Bequem halten. Am einfachsten sitzt die Katze auf Ihrem Schoß und schaut von Ihnen weg. Manche Katzen sind ruhiger, wenn sie locker in ein Handtuch gewickelt sind und nur eine Pfote herausschaut. Nie am Nackenfell festhalten.
  3. Kralle ausfahren. Drücken Sie sanft von oben auf die Zehe, bis die Kralle herauskommt. Bei älteren Katzen besonders vorsichtig: Arthrotische Gelenke schmerzen.
  4. Das Leben suchen. Halten Sie die Kralle gegen das Licht und suchen Sie den rosa Bereich.
  5. Nur die Spitze kappen. Schneiden Sie die durchsichtige Spitze ab und halten Sie etwa zwei Millimeter Abstand zum Leben. Setzen Sie die Schere quer zur Kralle an und schneiden Sie von oben nach unten. Bei dunklen Krallen lieber mehrere winzige Schnitte als einen großen.
  6. Wolfskralle nicht vergessen. Sie sitzt innen an der Vorderpfote; eine Krallenschere in Scherenform kommt dort am besten heran.
  7. Aufhören, bevor es kippt. Wird die Katze unruhig – schlagender Schwanz, gedrehte Ohren, Anspannung –, hören Sie auf und machen an einem anderen Tag weiter. Zwei Krallen heute sind besser als ein Kampf. Die Warnzeichen erklärt der Ratgeber Katzensprache.
  8. Gut enden. Ein Leckerli oder eine Spielrunde danach, damit die Katze das Ganze in guter Erinnerung behält.

Junge Katzen gewöhnen sich leichter daran, wenn Sie das Anfassen der Pfoten früh und spielerisch üben – ohne zu schneiden.

Wenn es blutet

Haben Sie ins Leben geschnitten, blutet die Kralle und die Katze zuckt zurück. Bleiben Sie ruhig. Nach den Angaben der Washington State University hört die Blutung ohne Hilfsmittel nach etwa fünf Minuten von selbst auf; blutstillendes Pulver beschleunigt das. Blutet es danach weiter oder lahmt die Katze, rufen Sie die Tierarztpraxis an.

Krallenkappen sind keine Lösung

Aufklebbare Kunststoffkappen für Krallen empfiehlt International Cat Care nicht: Die Katze kann damit nicht normal kratzen, die Krallen nicht richtig einziehen und sich nicht wie gewohnt putzen. Das kann Stress und Verhaltensprobleme auslösen.

Entkrallen ist in Deutschland verboten

Beim Entkrallen wird nicht „die Kralle gezogen“, sondern das letzte Zehenglied amputiert. In Deutschland ist das verboten: § 6 Absatz 1 des Tierschutzgesetzes untersagt das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen bei Wirbeltieren. Eine Ausnahme gilt nur, wenn der Eingriff im Einzelfall nach tierärztlicher Indikation geboten ist – etwa bei einer schweren Verletzung oder einem Tumor an der Zehe – und dann muss ihn eine Tierärztin oder ein Tierarzt vornehmen. Zerkratzte Möbel sind keine solche Indikation.

Wer gegen das Verbot verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit nach § 18 Tierschutzgesetz, die mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro geahndet werden kann. Auch International Cat Care bezeichnet das Entkrallen ohne medizinischen Grund als Verstümmelung.

Wann Sie zur Tierarztpraxis sollten

Gehen Sie mit Ihrer Katze in die Praxis, wenn

  • eine Kralle in den Ballen eingewachsen ist oder kurz davor steht – nicht selbst herausschneiden,
  • eine Zehe geschwollen, gerötet, warm ist, nässt oder eitert,
  • die Katze lahmt, eine Pfote schont oder sie ständig beleckt,
  • eine Kralle abgerissen oder gespalten ist,
  • die Krallen auffällig dick, brüchig oder verformt sind,
  • Ihre Katze sich gar nicht an den Pfoten anfassen lässt. Dann übernimmt die Praxis das Schneiden – das ist für alle stressärmer.

Außerhalb der Sprechzeiten ist der tierärztliche Notdienst zuständig, etwa bei einer stark blutenden Verletzung an der Pfote.

Häufige Fragen

Wie oft muss man Katzen die Krallen schneiden?

Dafür gibt es keinen festen Abstand. Viele Katzen brauchen es nie. Kontrollieren Sie die Pfoten regelmäßig und schneiden Sie nur, wenn die Krallen hängen bleiben, bei entspannter Pfote sichtbar sind oder auf dem Boden klacken. Bei Senioren und an der Wolfskralle lohnt der Blick öfter.

Tut Krallenschneiden der Katze weh?

Nein, solange nur die durchsichtige Spitze gekürzt wird – sie besteht aus Horn. Schmerzhaft wird es, wenn das rosa „Leben“ mit Blutgefäßen und Nerven getroffen wird. Deshalb etwa zwei Millimeter Abstand halten.

Sollte man Freigängern die Krallen schneiden?

In der Regel nicht. Freigänger brauchen scharfe Krallen zum Klettern und um sich zu verteidigen, und sie nutzen sie draußen ab. Kontrollieren Sie trotzdem gelegentlich die Wolfskrallen, besonders bei älteren Tieren.

Was tun, wenn meine Katze sich nicht die Krallen schneiden lässt?

Nicht festhalten und nicht erzwingen. Üben Sie in kleinen Schritten das Berühren der Pfoten und belohnen Sie ruhiges Verhalten. Ist das Schneiden nötig und die Katze wehrt sich, lassen Sie es in der Tierarztpraxis machen.

Darf man Katzen in Deutschland entkrallen lassen?

Nein. Das Entkrallen ist eine Amputation und nach § 6 Tierschutzgesetz verboten, sofern nicht im Einzelfall eine tierärztliche Indikation vorliegt. Kratzen an Möbeln lässt sich mit passenden Kratzgelegenheiten lenken.

Quellen und weiterführende Informationen (6)
  1. International Cat Care: Trimming your cat’s claws
  2. International Cat Care: Special considerations for senior cats
  3. Washington State University, Veterinary Teaching Hospital: How to clip a cat’s nails
  4. Tierschutzgesetz § 6 (Amputationsverbot)
  5. Tierschutzgesetz § 18 (Ordnungswidrigkeiten)
  6. International Cat Care: Handling and interactions

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