Halblanghaargroß
Sibirische Katze
auch: Sibirer, Sibirische Waldkatze, Siberian, Siberian Forest Cat, Sibi, SIB
Die Sibirische Katze ist eine robuste, große Waldkatze aus Russland – freundlich und familientauglich, aber entgegen der Werbung keine Garantie für Allergiker.

Steckbrief Sibirische Katze
- Herkunft
- Russland
- Fell
- Halblanghaar
- Größe
- groß
- Gewicht Katze
- 3,5–5,5 kg
- Gewicht Kater
- 5,5–8 kg
- Lebenserwartung
- 12–15 Jahre
- Anerkannt bei
- FIFe, WCF, TICA, CFA, GCCF
- Aktivität
- mittel
- Menschenbezug
- sehr anhänglich
- Stimme
- leise
- Fellpflege
- mittel
- Mit Kindern
- sehr gut
- Mit anderen Tieren
- sehr gut
- Allein bleiben
- mittel
- Reine Wohnung
- mittel
- Für Einsteiger
- sehr gut
Die Einschätzungen beschreiben Neigungen der Rasse, keine Garantie für die einzelne Katze. Welche Katze passt zu mir?
Die Sibirische Katze gehört zu den beliebtesten Rassekatzen in Deutschland. Sie ist groß, kräftig und hat ein dichtes, wasserabweisendes Fell mit prächtiger Halskrause – eine Waldkatze wie ihre Verwandten aus Norwegen und Maine, aber mit rundlicheren Formen. Im Wesen gilt sie als ausgeglichen, freundlich und verspielt, eine Familienkatze im besten Sinn.
Kaum eine Rasse wird allerdings so häufig mit einem Versprechen verkauft: „für Allergiker geeignet“. Das stimmt in dieser Form nicht. Einige Sibirer bilden tatsächlich weniger des wichtigsten Katzenallergens, andere nicht – und belastbare klinische Studien dazu fehlen. Wir erklären weiter unten, was belegt ist und wie Allergiker vorgehen sollten.
Herkunft und Geschichte
Halblanghaarige Hauskatzen gibt es in Russland seit Jahrhunderten; die CFA spricht von Belegen, die bis ins Jahr 1000 zurückreichen, und in russischen Märchen spielen solche Katzen eine Rolle. Solche Angaben beschreiben eine Landkatzenpopulation, keine Rasse. Die gezielte Zucht mit Standard begann erst in den 1980er Jahren in Russland, vor allem in Moskau und Sankt Petersburg.
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kamen Sibirer in den Westen: 1990 erreichten die ersten Zuchttiere die USA, in den 1990er Jahren verbreitete sich die Rasse auch in Westeuropa. Die FIFe erkannte die Rasse 1997 an, die CFA registriert sie seit 2000 (Championstatus 2007). Die colourpoint-farbenen Sibirer führt die FIFe seit 2011 als eigene Rasse, die Neva Masquerade; andere Verbände zählen sie zur Sibirischen Katze.
Aussehen
Sibirer sind große, kräftige Katzen mit schwerem Knochenbau und runden Formen. Nach Angaben der CFA wiegen ausgewachsene Kater etwa 5,4–8,2 kg, Katzen etwa 3,6–5,4 kg. Die Rasse wird spät erwachsen: Ihre volle Größe erreichen viele Tiere erst mit rund drei Jahren.
Der Kopf ist breit und leicht gerundet, mit vollen Wangen und einer mäßig langen Nase; die Ohren sind mittelgroß, an der Basis breit, oft mit Pinseln. Die großen, leicht ovalen Augen können grün, gelb oder kupfer sein, bei weißen Tieren auch blau. Das halblange Fell hat dichte Unterwolle und ein glänzendes, wasserabweisendes Deckhaar; im Winter ist es deutlich voller als im Sommer.
Die FIFe lässt nahezu alle Farben zu, auch mit Weiß, aber nicht Chocolate, Lilac, Cinnamon und Fawn; das Point-Muster gehört dort zur Neva Masquerade. Häufig sind Tabby-Muster, Silber- und Goldvarianten.
Wesen und Charakter
Die Sibirische Katze ist neugierig, klug und verspielt, dabei eher ruhig und selten aufdringlich. Die CFA-Beschreibung „90 Prozent gelassen, 10 Prozent Unfug“ trifft es gut: Sie will wissen, was im Haushalt passiert, öffnet Schränke und untersucht Taschen, schreit aber selten. Viele Sibirer spielen gern mit Wasser.
Mit Kindern, anderen Katzen und katzenfreundlichen Hunden kommt die Rasse meist gut zurecht. Als Schattenseite nennen Halter vor allem die Größe und Kraft: Ein Sibirer braucht robuste, standfeste Kratzmöbel und viel Kletterraum, und das dichte Fell haart zum Fellwechsel kräftig.
Haltung
Sibirer sind aktive, kletterfreudige Katzen. Am wohlsten fühlen sie sich mit gesichertem Freigang, einem großen gesicherten Balkon oder Garten. Reine Wohnungshaltung ist möglich, wenn genug Platz, stabile Kletterwege bis unter die Decke und tägliche Spielzeit vorhanden sind. Eine kleine Wohnung ohne Balkon ist für eine so große Katze eher eng.
Eine Partnerkatze ist wichtig; Arbeitstage übersteht ein Sibirer mit Katzengesellschaft meist gelassen. Das dichte Fell macht die Rasse unempfindlich gegen Kälte, im Hochsommer suchen die Tiere dagegen gern kühle Plätze.
Pflege und Ernährung
Das Fell verfilzt weniger als bei Persern, braucht aber regelmäßige Pflege: ein- bis zweimal pro Woche gründlich kämmen, im Fellwechsel im Frühjahr und Herbst täglich. Achten Sie besonders auf Hosen, Achseln und die Halskrause.
Große, spät erwachsene Rassen profitieren von einer bedarfsgerechten Fütterung mit hochwertigem, fleischreichem Alleinfutter. Kontrollieren Sie Gewicht und Figur regelmäßig; unter dem dichten Fell fällt Übergewicht spät auf.
Allergie: Was an „für Allergiker geeignet“ dran ist
Das wichtigste Katzenallergen heißt Fel d 1. Es wird vor allem in Speichel-, Talg- und Tränendrüsen gebildet und beim Putzen auf dem Fell verteilt. Alle Katzen bilden Fel d 1 – auch Sibirer. Was belegt ist:
- Eine genetische Untersuchung (Sartore et al., 2017) fand bei Sibirischen Katzen auffällig viele Varianten in den beiden Genen, die Fel d 1 codieren. Die Autoren halten es für möglich, dass manche davon die Allergenwirkung verringern – nachgewiesen haben sie das nicht, sondern weitere Forschung empfohlen.
- Die häufig zitierten Messwerte, nach denen ein Teil der Sibirer weniger Fel d 1 bildet, stammen aus einer Züchter-Initiative (Siberian Research Inc.). Sie sind nicht in einer begutachteten Fachzeitschrift erschienen.
- Die Menge an Fel d 1 schwankt bei Katzen aller Rassen stark von Tier zu Tier; unkastrierte Kater bilden in der Regel mehr als Katzen und Kastraten. Ein niedriger Wert bei einem Elterntier garantiert keinen niedrigen Wert beim Kitten.
- Klinische Studien, die zeigen, dass Allergiker mit Sibirern weniger Beschwerden haben, gibt es nicht.
Wenn Sie Allergiker sind, gilt deshalb: Sprechen Sie vorher mit Ihrem Allergologen. Verbringen Sie mehrfach und über Stunden Zeit mit genau dem Tier, das einziehen soll, möglichst in Ihrer eigenen Umgebung – nicht nur mit „irgendeinem Sibirer“ des Züchters. Vereinbaren Sie schriftlich, was bei einer Allergie passiert. Ein Züchter, der ein „hypoallergenes“ Kitten verspricht, sagt nicht die Wahrheit. Eine Katze, die wegen einer Allergie wieder abgegeben werden muss, ist das schlechteste Ergebnis für alle.
Gesundheit
Die Sibirische Katze gilt als robuste Rasse ohne rasseprägende Übertypisierung. Auf diese Erkrankungen sollten Züchter testen:
- Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM): Verdickung des Herzmuskels, die häufigste Herzerkrankung der Katze. Für den Sibirer gibt es keinen Gentest; Zuchttiere sollten regelmäßig per Herzultraschall bei einem Tierkardiologen untersucht werden.
- Pyruvatkinase-Defizienz: Eine erbliche Blutarmut durch einen Enzymmangel in den roten Blutkörperchen. In einer Untersuchung von 38 Rassen (Grahn et al., 2012) wurde die Mutation beim Sibirer in nennenswerter Häufigkeit gefunden. Sie wird rezessiv vererbt; ein Gentest der Eltern schließt kranke Kitten aus.
- Polyzystische Nierenerkrankung (PKD): Beim Sibirer selten, kann aber über Einkreuzungen auftreten. Ein Nieren-Ultraschall oder PKD1-Gentest schafft Klarheit.
Für wen passt die Sibirische Katze?
Passt gut, wenn Sie …
- eine große, robuste und freundliche Familienkatze suchen,
- gesicherten Freigang, einen großen Balkon oder viel Platz bieten können,
- regelmäßiges Kämmen und Haare im Fellwechsel nicht scheuen,
- zwei Katzen halten wollen.
Passt eher nicht, wenn Sie …
- eine Allergie haben und auf eine „Allergikerkatze“ vertrauen,
- in einer kleinen Wohnung ohne Balkon leben,
- eine sehr zierliche, kurzhaarige Katze möchten.
Ähnlich im Typ sind die Norwegische Waldkatze und die Maine Coon.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Wählen Sie einen Züchter, der einem anerkannten Verband angeschlossen ist und einen Stammbaum ausstellt. Lassen Sie sich aktuelle Herzultraschall-Befunde und den PK-Gentest beider Eltern zeigen. Werbung mit „hypoallergen“ oder „allergikerfreundlich“ ohne ehrliche Einschränkung ist ein Warnsignal – ebenso ein Preis deutlich unter dem Üblichen, keine Elterntiere zum Ansehen, fehlende Gesundheitsnachweise oder eine Übergabe auf dem Parkplatz.
Kitten ziehen frühestens mit zwölf Wochen aus, geimpft, entwurmt und gechippt. Unsere Fragen an den Züchter helfen beim Gespräch; seriöse Adressen finden Sie unter Züchter der Sibirischen Katze in Ihrer Nähe.
Gesundheit: danach sollten Sie den Züchter fragen
| Erkrankung | Vorsorge in der Zucht |
|---|---|
| Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) | Herzultraschall der Zuchttiere durch einen Kardiologen, regelmäßig wiederholt (kein rassespezifischer Gentest) |
| Pyruvatkinase-Defizienz (PK-Defizienz) | Gentest der Elterntiere (PKLR-Mutation) |
| Polyzystische Nierenerkrankung (PKD) | Nieren-Ultraschall oder PKD1-Gentest der Elterntiere, wenn in der Linie Einkreuzungen oder Fälle bekannt sind |
Quellen und weiterführende Informationen (7)
- FIFe: Rassestandard Sibirische Katze und Neva Masquerade (SIB/NEM)
- CFA: Siberian – Breed Profile
- Sartore et al. (2017): Polymorphism Analysis of Ch1 and Ch2 Genes in the Siberian Cat. Veterinary Sciences
- Siberian Research Inc.: Allergen Levels (Züchter-Initiative, nicht begutachtet)
- UC Davis Veterinary Genetics Laboratory: Siberian Cat
- UC Davis Veterinary Genetics Laboratory: Erythrocyte Pyruvate Kinase Deficiency
- Grahn et al. (2012): Erythrocyte Pyruvate Kinase Deficiency mutation identified in multiple breeds of domestic cats. BMC Veterinary Research
Von der Redaktion catterys.de · Stand: 26. September 2026


