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Leben mit Katze

Katze aus dem Tierheim adoptieren: Ablauf, Kosten und Eingewöhnung

Welche Katzen im Tierheim warten, wie die Vermittlung abläuft, was die Schutzgebühr abdeckt und wie sich Ihre neue Katze zu Hause gut eingewöhnt.

Von der Redaktion catterys.deÜberarbeitet am 27. September 2026

Ältere cremefarbene Britisch-Kurzhaar-Katze mit gelben Augen liegt vor einer grauen Kuscheldecke und blickt in die Kamera

Wer an eine Katze denkt, denkt oft zuerst an ein Kitten vom Züchter. Dabei warten in deutschen Tierheimen das ganze Jahr über Katzen jeden Alters auf ein neues Zuhause – verspielte Jungtiere ebenso wie gelassene Senioren, scheue Einzelgänger und eingespielte Paare.

Eine Katze aus dem Tierheim ist keine „zweite Wahl“ und kein moralisches Pflichtprogramm. Es ist schlicht ein anderer Weg zur Katze, mit eigenen Vorteilen und eigenen Anforderungen. Wer eine bestimmte Rasse sucht und beim Züchter kauft, macht nichts falsch. Dieser Ratgeber zeigt, was Sie im Tierheim erwartet: welche Katzen Sie dort finden, wie die Vermittlung abläuft, was die Schutzgebühr abdeckt und wie die ersten Wochen zu Hause gelingen.

Warum eine Tierheimkatze eine gute Wahl sein kann

Der größte Vorteil ist Wissen. Die Pflegerinnen und Pfleger erleben jede Katze über Wochen oder Monate im Alltag. Sie können Ihnen meist sagen, ob sie verschmust oder eher zurückhaltend ist, ob sie mit anderen Katzen auskommt, wie sie auf Besucher reagiert und ob sie Freigang gewohnt ist. Bei einer erwachsenen Katze ist der Charakter schon ausgebildet – Sie wissen also ziemlich genau, wen Sie nach Hause holen.

Dazu kommt die tierärztliche Grundversorgung. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) empfiehlt in ihrem Merkblatt für Tierheime, erwachsene Katzen vor der Vermittlung zu kastrieren, per Mikrochip zu kennzeichnen und in einem Haustierregister zu registrieren. Die Beispiele weiter unten zeigen: Kastration, Chip, Entwurmung und Impfung sind bei vielen Tierheimen in der Schutzgebühr schon enthalten.

Und schließlich: Jede vermittelte Katze macht einen Platz frei für ein Fundtier, eine abgegebene oder eine beschlagnahmte Katze.

Welche Katzen Sie im Tierheim finden

Das Angebot ist vielfältiger, als viele erwarten.

  • Kitten und Jungkatzen: vor allem im Sommer und Herbst, oft aus ungewollten Würfen. Jungtiere werden häufig zu zweit vermittelt.
  • Erwachsene Katzen: abgegeben wegen Umzug, Allergie, Trennung oder dem Tod des Halters. Viele sind menschenbezogen und an ein Zuhause gewöhnt.
  • Senioren: Katzen ab etwa zehn Jahren haben es schwer, obwohl sie oft ruhig und unkompliziert sind. Für Menschen, die keine wilde Jungkatze möchten, sind sie ideal.
  • Paare: Katzen, die zusammen aufgewachsen sind oder eng aneinander hängen, sollen meist gemeinsam umziehen.
  • Rassekatzen: Auch Britisch Kurzhaar, Maine Coon oder Perser landen im Tierheim. Manche Tierheime verlangen für sie eine höhere Schutzgebühr, um Weiterverkäufe zu verhindern. Einen Überblick über Rassen und ihre Eigenheiten finden Sie unter Katzenrassen.
  • Freigänger und Wohnungskatzen: Das Tierheim weiß in der Regel, ob eine Katze Freigang braucht oder in der Wohnung zufrieden ist. Eine Katze, die jahrelang draußen war, wird in einer Stadtwohnung selten glücklich.
  • Katzen mit Handicap: etwa blinde oder dreibeinige Katzen, Tiere mit einer chronischen Krankheit oder mit FIV (Katzenaids) bzw. FeLV (Leukose). Die TVT empfiehlt, Interessenten im Vermittlungsgespräch über den Teststatus aufzuklären und vor dem Zusammenführen mit vorhandenen Katzen alle Tiere zu testen.
  • Scheue Katzen: Katzen, die als Kitten kaum Kontakt zu Menschen hatten, bleiben oft vorsichtig. Laut TVT können sie sich im Einzelfall trotzdem einem Menschen zuwenden, wenn er geduldig ist und die Katze nicht bedrängt.

Welche Art Katze zu Ihrem Alltag passt, können Sie vorab mit unserem Test Welche Katze passt zu mir? einschätzen.

So läuft die Vermittlung ab

Jedes Tierheim hat sein eigenes Verfahren, die Schritte ähneln sich aber. Der Deutsche Tierschutzbund beschreibt den Ablauf so: Fragebogen, Termin im Tierheim, je nach Tier weitere Treffen oder ein Hausbesuch, zum Schluss ein Vertrag.

Kennenlernen

Sehen Sie sich die Katzen auf der Website des Tierheims an, rufen Sie an oder kommen Sie zu den Besuchszeiten. Planen Sie mehr als einen Besuch ein. Viele Katzen zeigen sich beim ersten Mal zurückhaltend – das sagt noch nichts darüber, wie sie zu Hause sind.

Gespräch und Selbstauskunft

Im Gespräch geht es um Ihren Alltag: Wohnung oder Haus, Freigang möglich, Arbeitszeiten, Kinder, andere Tiere, Urlaubsbetreuung. Oft füllen Sie dazu einen Fragebogen aus. Der Tierschutzbund betont, dass es dabei nicht um eine Überprüfung geht, sondern darum, die passende Katze zu finden. Antworten Sie ehrlich: Eine Katze, die nicht zu Ihnen passt, kommt sonst womöglich zurück ins Tierheim.

Vorkontrolle

Viele Tierheime besuchen Sie vor der Übergabe zu Hause. Dabei geht es um Praktisches: Sind Fenster und Balkon gesichert? Gibt es Rückzugsorte? Ist die Wohnung für einen Freigänger geeignet? Hilfreich ist es, wenn die Grundausstattung schon bereitsteht – unsere Checkliste zur Erstausstattung hilft dabei.

Schutzvertrag

Passt alles, schließen Sie einen Schutz- oder Vermittlungsvertrag. Darin verpflichten Sie sich in der Regel zu artgerechter Haltung und tierärztlicher Versorgung. Häufig ist geregelt, dass die Katze nicht weiterverkauft werden darf und bei Problemen an das Tierheim zurückgeht. Lesen Sie den Vertrag in Ruhe und fragen Sie nach, wenn Ihnen etwas unklar ist.

Nachkontrolle

Einige Wochen nach dem Einzug melden sich viele Tierheime oder schauen noch einmal vorbei. Das ist kein Misstrauen, sondern ein Angebot: Wenn es mit der Eingewöhnung hakt, kennt niemand die Katze besser als ihre bisherigen Pfleger.

Ein Tierheim darf eine Vermittlung auch ablehnen. Der Tierschutzbund sieht darin Verantwortung: So wird verhindert, dass Tiere wieder zurückkommen.

Was die Schutzgebühr abdeckt

Die Schutzgebühr ist kein Kaufpreis. Laut Deutschem Tierschutzbund deckt sie einen Teil der Kosten für Futter, Pflege, Tierarzt, Impfungen und Kastration und spiegelt nicht den Wert des Tieres wider. Sie soll außerdem vor unüberlegten Anschaffungen schützen.

Die Höhe legt jedes Tierheim selbst fest. Drei Beispiele (Stand September 2026):

Tierheim Leistungen Schutzgebühr
Tierhilfe Schweinfurt entwurmt, kastriert, gechippt 120 €
Tierhilfe Schweinfurt zusätzlich zweifach geimpft 160 €
Tierheim Bayreuth kastriert, zweifach geimpft 170 €
Tierschutzverein Heilbronn geimpft und kastriert 175 €

Für Rasse- und Rassemixkatzen nimmt die Tierhilfe Schweinfurt bis zu 250 €. Beim Tierheim Bayreuth ist eine unkastrierte Katze günstiger; dafür kommt ein Kastrationspfand von 50 € hinzu, das Sie nach dem Nachweis der Kastration zurückbekommen. Der Tierschutzverein Heilbronn weist darauf hin, dass schon Kastration und Standardimpfungen einer Kätzin nach der tierärztlichen Gebührenordnung mehr kosten als die Schutzgebühr – sie sei „wirklich nur symbolisch“ zu sehen.

Rechnen Sie mit der Schutzgebühr nur den Anfang. Futter, Streu, Tierarzt und Versicherung kosten jeden Monat Geld – wie viel, zeigt unser Katzenkosten-Rechner.

Die ersten Wochen zu Hause

Der Umzug ist für jede Katze Stress. International Cat Care rät, der neuen Katze zunächst ein ruhiges Zimmer für die ersten Wochen einzurichten, mit Futter, Wasser, Toilette, Kratzmöglichkeit und erhöhten wie versteckten Rückzugsorten.

Diese Punkte haben sich bewährt:

  • Verstecken ist in Ordnung. Lassen Sie die Katze selbst entscheiden, wann sie herauskommt. Ziehen Sie sie nicht unter dem Bett hervor.
  • Nicht wundern, wenn sie nachts frisst. Laut International Cat Care fressen ängstliche Katzen in den ersten Tagen oder Wochen manchmal nur, wenn es still ist, und nutzen dann auch erst die Toilette.
  • Gleiches Futter wie im Tierheim. Ein plötzlicher Futterwechsel zusätzlich zum Umzugsstress kann den Magen durcheinanderbringen. Fragen Sie nach, was die Katze bisher bekommen hat.
  • Andere Tiere langsam einführen. Neue Katze und vorhandene Tiere sollten sich erst über Gerüche, dann durch eine Tür oder ein Gitter kennenlernen. Das kann Tage bis Wochen dauern.
  • Freigänger zunächst drinnen lassen. International Cat Care empfiehlt mindestens zwei bis drei Wochen, damit die Katze ihr neues Zuhause als Heimat annimmt und nicht auf der Suche nach dem alten Ort davonläuft.
  • Tierarzt kennenlernen. Ein erster Termin in den ersten Wochen ist sinnvoll, auch wenn die Katze gesund wirkt. Nehmen Sie den Impfpass und die Unterlagen aus dem Tierheim mit.

Wenn Ihre neue Katze nach einigen Tagen gar nicht frisst, apathisch wirkt, Durchfall hat oder nicht mehr auf die Toilette geht, rufen Sie Ihre Tierarztpraxis an. Warten Sie damit nicht, bis sie sich „eingelebt“ hat.

Katzen aus dem Ausland: worauf Sie achten sollten

Neben deutschen Tierheimen vermitteln viele Vereine Katzen aus Südeuropa oder Osteuropa. Viele arbeiten sorgfältig, einige nicht. Der Deutsche Tierschutzbund sieht den Import von Katzen kritisch, weil es auch in Deutschland schätzungsweise zwei Millionen frei lebende Katzen gibt, und setzt im Ausland vor allem auf Hilfe vor Ort durch Kastration. Wer trotzdem eine Katze aus dem Ausland aufnehmen möchte, sollte auf diese Punkte achten:

  • Verein mit Sitz und Erlaubnis in Deutschland: Wer Tiere nach Deutschland vermittelt, braucht eine Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 Nr. 5 Tierschutzgesetz. Seriöse Vereine nennen sie mit vollständigem Impressum auf ihrer Website.
  • Papiere: Mikrochip, EU-Heimtierausweis mit gültiger Tollwutimpfung und eine Meldung über das EU-System TRACES. Ein seriöser Verein kann erklären, was TRACES ist.
  • Gesundheitszeugnis: eine tierärztliche Untersuchung kurz vor dem Transport, vermerkt im Heimtierausweis, dazu Aufklärung über Reisekrankheiten.
  • Keine Übergabe auf dem Parkplatz: Seriöse Vereine vermitteln über Pflegestellen oder Tierheime in Deutschland, wo Sie die Katze vorher kennenlernen können – nicht direkt nach Fotos an einer Raststätte.
  • Kein Zeitdruck: Wer Sie mit Fristen und dramatischen Bildern drängt, handelt nicht im Sinne der Tiere.
  • Rücknahme: Der Vertrag sollte regeln, dass der Verein die Katze zurücknimmt oder bei der Weitervermittlung hilft, wenn es nicht klappt.

Wann eine Tierheimkatze vielleicht nicht passt

Ehrlich betrachtet ist das Tierheim nicht für jeden Wunsch der richtige Ort.

  • Sie möchten eine bestimmte Rasse mit Papieren, etwa für die Zucht oder für Ausstellungen. Dann führt der Weg zu einem seriösen Züchter.
  • Sie wünschen sich ein Kitten mit bekannter Herkunft und kennen gern Eltern und Aufzucht. Das kann ein Tierheim oft nicht bieten.
  • Sie haben wenig Zeit und Geduld für eine lange Eingewöhnung. Eine scheue oder traumatisierte Katze braucht manchmal Monate.
  • Ihre Wohnsituation ist unsicher, etwa bei einem absehbaren Umzug ins Ausland oder unklarer Haltungserlaubnis des Vermieters.

Das Tierheim wird Ihnen in solchen Fällen oft selbst ehrlich sagen, ob und welche Katze passt.

So finden Sie ein Tierheim in Ihrer Nähe

Die meisten Tierheime stellen ihre Katzen online vor, mit Fotos, Charakterbeschreibung und Hinweisen zu Freigang, Kindern und anderen Tieren. Ein Anruf vorab lohnt sich trotzdem: Nicht jede Katze auf der Website ist noch da, und viele Tierheime vergeben Besuchstermine.

In unserem Tierheim-Verzeichnis finden Sie Tierheime in Ihrer Nähe. Nehmen Sie sich Zeit für mehrere Besuche, stellen Sie Fragen – und lassen Sie sich ruhig auch eine Katze zeigen, an der Sie selbst vorbeigegangen wären. Oft ist gerade das die, die am besten zu Ihnen passt.

Quellen und weiterführende Informationen (8)
  1. Deutscher Tierschutzbund: Fragen zu Tierheimen und zur Tiervermittlung
  2. Deutscher Tierschutzbund: Auslandstierschutz – Worauf muss ich achten, wenn ich einen Hund oder eine Katze aus dem Ausland adoptieren möchte? (Stand 07/2025)
  3. TVT: Merkblatt Nr. 190 – Empfehlungen zur Haltung von Katzen in Tierheimen und tierheimähnlichen Einrichtungen (2021)
  4. TVT: Merkblatt Nr. 189 – Mindestanforderungen an die Haltung von Katzen
  5. International Cat Care: Helping your new cat or kitten settle in
  6. Tierhilfe Schweinfurt: Schutzgebühr
  7. Tierheim Bayreuth: Schutzgebühren Katzen
  8. Tierschutzverein Heilbronn: Schutzgebühr

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