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Kurzhaargroß

Britisch Kurzhaar

auch: BKH, British Shorthair, BSH, BRI, Britische Kurzhaarkatze, British Blue

Die Britisch Kurzhaar ist ruhig, gelassen und pflegeleicht – ehrlich erklärt: Farben, Herz- und Nierentests, Übergewicht und warum sie keine Kartäuser ist.

Blaue Britisch-Kurzhaar-Katze mit rundem Kopf, dichtem Plüschfell und kupferorangen Augen liegt auf einem Parkettboden.

Steckbrief Britisch Kurzhaar

Herkunft
Großbritannien
Fell
Kurzhaar
Größe
groß
Gewicht Katze
4–6 kg
Gewicht Kater
5,5–8 kg
Lebenserwartung
12–15 Jahre
Anerkannt bei
FIFe, WCF, TICA, CFA, GCCF
Aktivität
gemütlich
Menschenbezug
mittel
Stimme
leise
Fellpflege
kaum Aufwand
Mit Kindern
sehr gut
Mit anderen Tieren
sehr gut
Allein bleiben
gut
Reine Wohnung
gut geeignet
Für Einsteiger
sehr gut

Die Einschätzungen beschreiben Neigungen der Rasse, keine Garantie für die einzelne Katze. Welche Katze passt zu mir?

Kaum eine Rassekatze ist in Deutschland so verbreitet wie die Britisch Kurzhaar, kurz BKH. Das runde Gesicht mit den großen Kupferaugen, das dichte Plüschfell und die gemütliche Ausstrahlung machen sie zum Inbegriff der „Teddybär-Katze“. Dazu passt ihr Ruf: ruhig, ausgeglichen, unkompliziert.

Vieles davon stimmt – aber nicht alles. Die BKH ist keine Kuschelkatze, die sich gern herumtragen lässt, sie neigt stark zum Dickwerden, und ihre Beliebtheit hat eine Schattenseite: Viele Kitten stammen aus Vermehrungen ohne jede Gesundheitsvorsorge. Wer die Rasse kennt, findet in ihr trotzdem eine der angenehmsten Wohnungskatzen überhaupt.

Herkunft und Geschichte

Die Britisch Kurzhaar geht auf die kräftigen Haus- und Hofkatzen Großbritanniens zurück. Ende des 19. Jahrhunderts begannen Liebhaber, besonders typvolle Tiere gezielt zu züchten. Auf der ersten großen Katzenausstellung, die Harrison Weir 1871 im Londoner Crystal Palace organisierte, waren solche Kurzhaarkatzen bereits vertreten.

Die beiden Weltkriege brachten die Zucht fast zum Erliegen. Um die Rasse zu retten, kreuzten Züchter nach 1945 unter anderem Perser ein. Das erklärt zwei Dinge, die bis heute nachwirken: den runden, kompakten Kopf und das Risiko für die Polyzystische Nierenerkrankung (PKD), die aus Perserlinien stammt. Heute ist die BKH bei allen großen Verbänden anerkannt – FIFe, WCF, TICA, CFA und GCCF.

Aussehen

Die BKH ist eine mittelgroße bis große, kompakte Katze mit breiter Brust, kurzen, kräftigen Beinen und einem dicken Schwanz mit abgerundeter Spitze. Kater sind deutlich schwerer und entwickeln ausgeprägte Backen. Die Rasse wächst langsam: Voll ausgewachsen ist sie oft erst mit drei bis vier Jahren.

Der Kopf ist rund mit breitem Schädel, die Ohren sind klein und weit auseinandergesetzt. Die Nase soll nach dem FIFe-Standard kurz sein und eine leichte Einbuchtung haben, aber keinen ausgeprägten Absatz (Stop). Die Augen sind groß und rund. Das Fell ist kurz, sehr dicht und steht leicht vom Körper ab – es fühlt sich an wie Plüsch.

Farben

Die bekannteste Farbe ist Blau (ein dichtes Blaugrau) mit kupfer- bis orangefarbenen Augen. Anerkannt ist aber eine große Palette:

Gruppe Beispiele
Einfarbig Blau, Schwarz, Weiß, Creme, Rot, Chocolate, Lilac, Cinnamon, Fawn
Schildpatt Schwarz- oder Blau-Schildpatt, auch mit Weiß
Tabby gestromt, getupft, marmoriert, in vielen Grundfarben
Silber und Golden Silver Tabby, Silver Shaded, Golden Shaded
Colourpoint Abzeichen an Gesicht, Ohren, Beinen und Schwanz, blaue Augen
Mit Weiß Bicolour, Harlekin, Van

Die Augenfarbe hängt von der Fellfarbe ab: meist Kupfer bis Orange, bei Silber und Golden auch Grün, bei Colourpoint Blau. Weiße BKH mit blauen Augen können taub sein – das betrifft das Weiß-Gen bei allen Rassen.

Wesen und Charakter

Die Britisch Kurzhaar ist eine ruhige, selbstsichere Katze. Sie sucht die Nähe ihrer Menschen, liegt gern im selben Raum und folgt ihnen durch die Wohnung – aber meist auf Abstand und zu ihren Bedingungen. Viele BKH mögen es nicht, hochgehoben oder herumgetragen zu werden. Wer eine Katze sucht, die ständig auf dem Schoß liegt, wird eher enttäuscht.

Sie ist ausgesprochen leise und selten fordernd. Junge Tiere sind verspielt, mit den Jahren wird die BKH gemütlich. Das ist angenehm, hat aber eine Kehrseite: Ohne Anreize bewegt sie sich wenig. Mit rücksichtsvollen Kindern und anderen Tieren, auch ruhigen Hunden, kommt sie nach der Eingewöhnung meist gut zurecht.

Haltung

Die BKH eignet sich sehr gut für die reine Wohnungshaltung. Ein gesicherter Balkon ist ein Gewinn, Freigang braucht sie nicht. Wie fast jede Katze sollte sie nicht allein, sondern mindestens zu zweit gehalten werden – eine zweite, ähnlich ruhige Katze ist ideal. Mit einer Partnerkatze übersteht sie normale Arbeitstage gut.

Wichtig ist gezielte Beschäftigung: tägliche Spieleinheiten mit Federangel oder Ball, Kletter- und Kratzmöglichkeiten, Futterspiele. Das hält nicht nur den Kopf wach, sondern ist die beste Vorbeugung gegen Übergewicht.

Pflege und Ernährung

Das dichte Fell ist pflegeleicht. Einmal pro Woche mit einer Gummibürste oder einem Kamm durchzugehen genügt. Im Fellwechsel im Frühjahr und Herbst verliert die BKH allerdings erstaunlich viele Haare; dann hilft Bürsten alle ein bis zwei Tage gegen Haarballen und Haare auf dem Sofa.

Übergewicht ist das größte Alltagsthema dieser Rasse. Das QUEN-Merkblatt zur BKH (Stand September 2026) führt Übergewicht und Diabetes mellitus unter den gehäuft auftretenden Problemen. Die kompakte Statur und das dichte Fell lassen zusätzliche Pfunde lange unbemerkt. Füttern Sie abgemessene Mengen eines hochwertigen Alleinfutters mit hohem Fleischanteil, bevorzugt Nassfutter, und verzichten Sie auf ständig gefüllte Trockenfutterschalen. Tasten Sie regelmäßig die Rippen: Sie sollten sie unter einer dünnen Fettschicht fühlen können. Kastrierte Tiere brauchen weniger Energie als unkastrierte.

Gesundheit

Die BKH ist im Grundsatz eine robuste Rasse. Einige erbliche Risiken sind aber gut bekannt, und für die wichtigsten gibt es Vorsorge:

  • Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM): Die häufigste Herzerkrankung der Katze. Der Herzmuskel verdickt sich, was zu Herzschwäche, Blutgerinnseln und plötzlichem Tod führen kann. Für die BKH gibt es keinen Gentest. Seriöse Züchter lassen ihre Zuchttiere per Herzultraschall von einem Kardiologen untersuchen – und zwar wiederholt, weil sich HCM oft erst im Lauf der Jahre zeigt.
  • Polyzystische Nierenerkrankung (PKD): In den Nieren bilden sich Zysten, die das Organ nach und nach zerstören. Die Erkrankung wird dominant vererbt; ein Elternteil mit der Mutation genügt. Ein zuverlässiger Gentest existiert – beide Eltern müssen negativ sein.
  • Blutgruppe B: Laut LABOKLIN tragen 20–45 % der BKH die seltene Blutgruppe B. Wird eine B-Katze von einem A-Kater gedeckt, können die Kitten beim Säugen eine lebensbedrohliche Auflösung der roten Blutkörperchen erleiden (Neonatale Isoerythrolyse). Die Blutgruppe der Eltern zu kennen, ist deshalb Pflicht. Auch vor einer Bluttransfusion muss sie bestimmt werden.
  • Brachyzephalie: Das QUEN-Merkblatt zählt die BKH zu den kurzköpfigen Rassen und beschreibt veränderte Schädel- und Augenhöhlenformen. Die meisten BKH haben eine moderate Kopfform; problematisch werden extreme Tiere mit sehr kurzer Nase, engen Nasenlöchern und tränenden Augen. Das Qualzuchtgutachten des Bundesministeriums (1999) spricht sich für ein Zuchtverbot bei extrem kurznasigen Katzen aus – das betrifft die Extremform, nicht die Rasse als solche.
  • Weitere Hinweise: Das autoimmune lymphoproliferative Syndrom (ALPS), eine schwere Immunerkrankung junger Kitten, wurde bei BKH-Linien in Australien und Neuseeland beschrieben; LABOKLIN bietet einen Gentest an. Das QUEN-Merkblatt nennt außerdem Harnsteine, Geburtsschwierigkeiten und Hämophilie B als Themen.

Wie lange BKH leben, ist unterschiedlich belegt. Eine britische Auswertung von Praxisdaten (Teng et al. 2024) errechnete für „British cats“ eine Lebenserwartung ab Geburt von nur 9,6 Jahren, deutlich weniger als bei Mischlingen (11,9 Jahre). Die Zahl schließt früh gestorbene Tiere ein; gut versorgte, schlanke BKH werden häufig deutlich älter. Sie zeigt aber, dass Übergewicht und Erbkrankheiten Lebenszeit kosten.

Britisch Kurzhaar oder „Kartäuser“?

In Deutschland werden blaue Britisch-Kurzhaar-Katzen häufig „Kartäuser“ genannt – auch in Kleinanzeigen und manchmal in Tierarztpraxen. Das ist eine Verwechslung. Die echte „Kartäuserkatze“ ist die Chartreux, eine eigene französische Rasse, die es nur in Blau gibt. Die FIFe führt beide seit Jahrzehnten getrennt.

Britisch Kurzhaar Chartreux
Herkunft Großbritannien Frankreich
Farben sehr viele nur Blau
Kopf rund, kurze Nase breit, aber eher trapezförmig, Nase gerade
Körper kompakt, kurze Beine kräftig, aber mit längeren, feineren Beinen
Augen rund, Kupfer bis Orange (farbabhängig) Dunkelgelb bis Kupfer

Wer „eine Kartäuser“ angeboten bekommt, sollte nach dem Stammbaum fragen: Fast immer ist es eine BKH oder ein Mischling.

Für wen passt die Britisch Kurzhaar?

Passt gut, wenn Sie …

  • eine ruhige, leise Wohnungskatze suchen,
  • berufstätig sind und zwei Katzen halten können,
  • Einsteiger sind und eine unkomplizierte Rasse möchten,
  • bereit sind, konsequent auf Futtermenge und Bewegung zu achten.

Passt eher nicht, wenn Sie …

  • eine Katze möchten, die sich gern tragen und knuddeln lässt,
  • eine sehr verspielte, aktive Katze suchen – dann eher Abessinier oder Burma,
  • auf eine Katze für Allergiker hoffen.

Die halblanghaarige Schwester ist die Britisch Langhaar – gleiches Wesen, deutlich mehr Fellpflege.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Gerade bei der BKH ist der Markt voller Angebote ohne Papiere und ohne Gesundheitsnachweise. Kaufen Sie nur bei einem Züchter, der einem anerkannten Verband angeschlossen ist und einen Stammbaum mitgibt. Lassen Sie sich für beide Elterntiere zeigen: den PKD-Gentest, einen aktuellen Herzultraschall-Befund und die Blutgruppe. Sehen Sie sich die Mutterkatze und, wenn möglich, den Kater an – auch ihre Nasen.

Kitten ziehen frühestens mit zwölf Wochen aus, geimpft, entwurmt und gechippt. Warnsignale: ein Preis deutlich unter dem üblichen Rahmen, „Kartäuser ohne Papiere“, keine Elterntiere zum Ansehen, fehlende Befunde oder eine Übergabe auf dem Parkplatz. Eine Liste mit Fragen finden Sie unter Fragen an den Züchter, seriöse Adressen unter Züchter der Britisch Kurzhaar in Ihrer Nähe.

Gesundheit: danach sollten Sie den Züchter fragen

ErkrankungVorsorge in der Zucht
Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)Herzultraschall der Zuchttiere bei einem Kardiologen, regelmäßig wiederholt; einen Gentest für die Rasse gibt es nicht
Polyzystische Nierenerkrankung (PKD)Gentest der Elterntiere auf die PKD1-Mutation (Erbe früherer Perser-Einkreuzungen)
Blutgruppe B – Risiko für Neugeborene (Neonatale Isoerythrolyse)Blutgruppenbestimmung der Elterntiere, damit keine B-Katze mit einem A-Kater verpaart wird
Autoimmunes lymphoproliferatives Syndrom (ALPS)Gentest (Sequenzierung) möglich; bisher vor allem bei Linien aus Australien und Neuseeland beschrieben
Kurznasigkeit (Brachyzephalie) bei extremem TypKein Test – Kopf der Elterntiere ansehen: erkennbare Nase, offene Nasenlöcher, keine tränenden Augen
Quellen und weiterführende Informationen (8)
  1. FIFe: Anerkannte Rassen und Rassestandards (British Shorthair BSH, British Longhair BLH)
  2. GCCF: Breed profile British (Shorthair und Longhair)
  3. QUEN Qualzucht-Datenbank: Merkblatt Nr. 42 Katze Rasse Britisch Kurzhaar (Stand 09/2026)
  4. LABOKLIN: Paket Britisch Kurz-/Langhaar (Blutgruppe, PKD, pd-PRA, ALPS)
  5. LABOKLIN: Polyzystische Nierenerkrankung (PKD) – betroffene Rassen
  6. LABOKLIN: Autoimmunes lymphoproliferatives Syndrom (ALPS)
  7. LABOKLIN: A, B oder C? Neue Gentests zum Blutgruppensystem der Katze
  8. Teng et al. (2024): Life tables of annual life expectancy and risk factors for mortality in cats in the UK. Journal of Feline Medicine and Surgery

Von der Redaktion catterys.de · Stand: 26. September 2026

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