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Leben mit Katze

Katzen zusammenführen: Schritt für Schritt zur Zweitkatze

Wie Sie zwei Katzen in fünf Schritten aneinander gewöhnen, wie lange das ehrlich dauert, welche Zweitkatze passt und was Sie tun, wenn es nicht klappt.

Von der Redaktion catterys.deÜberarbeitet am 13. Oktober 2026

Zwei getigerte Katzen sitzen sich auf einer weißen Mauer gegenüber und beschnuppern sich vorsichtig

Zwei Katzen führt man zusammen, indem man sie zunächst vollständig trennt und dann in kleinen Schritten aneinander gewöhnt: erst über den Geruch, dann über das Revier, dann über Sichtkontakt hinter einer Barriere und erst am Ende im selben Raum. Den nächsten Schritt gehen Sie immer erst, wenn beide Katzen beim vorherigen entspannt bleiben. Rechnen Sie dafür eher mit Wochen als mit Tagen.

Dieser Ratgeber folgt dem Vorgehen von International Cat Care (iCatCare), der britischen Katzenschutzorganisation, zu der die tierärztliche Fachgesellschaft ISFM gehört. Der Rat „einfach zusammensetzen, die regeln das schon“ hält sich hartnäckig – er ist riskant. Katzen können nach International Cat Care eine andere Katze nach einer einzigen schlechten Begegnung dauerhaft fürchten.

Vorher klären: Will Ihre Katze überhaupt Gesellschaft?

Die Vorfahren unserer Hauskatzen sind Einzeljäger. Hauskatzen sind anpassungsfähig und können enge Freundschaften schließen – müssen es aber nicht. iCatCare formuliert es deutlich: Manche Katzen suchen den Kontakt zu Artgenossen, andere leben lieber allein. Eine Zweitkatze ist deshalb kein Mittel gegen Langeweile, das bei jeder Katze wirkt.

Nach iCatCare nimmt eine Katze eine neue eher an, wenn sie

  • jung ist – je jünger, desto leichter,
  • kastriert ist,
  • als Kitten gute Erfahrungen mit anderen Katzen gemacht hat (die prägende Phase liegt ungefähr zwischen der 2. und 8. Lebenswoche) und seither freundliche Kontakte hatte,
  • gesund und nicht gestresst ist.

Schwieriger wird es bei älteren Katzen, vor allem mit Gelenkverschleiß, bei kranken oder gestressten Tieren, bei unkastrierten Katzen, bei ängstlichen Katzen und bei solchen, die schon schlechte Erfahrungen mit Artgenossen gemacht haben. Eine kranke oder gestresste Katze empfindet einen Neuzugang eher als Belastung denn als Bereicherung.

Welche Katze passt als Zweitkatze?

  • Alter: Für die meisten Haushalte eignet sich nach iCatCare ein Kitten oder eine junge Katze. Lebt bei Ihnen ein Senior, überfordert ein einzelnes verspieltes Kitten ihn leicht; dann können zwei Kitten die bessere Wahl sein, weil sie miteinander toben – sofern Sie Zeit, Platz und Geld für drei Katzen haben.
  • Geschlecht: Bei kastrierten Katzen gibt es nach iCatCare keinen Beleg dafür, dass das Geschlecht eine Rolle spielt. Die neue Katze sollte kastriert sein oder es werden – mehr dazu unter Katze kastrieren.
  • Verwandtschaft: Geschwister, die zusammen aufgewachsen sind, verstehen sich am ehesten. Wer von Anfang an zwei Katzen möchte, nimmt am besten zwei Wurfgeschwister.
  • Temperament: Eine feste Regel gibt es nicht. Zwei sehr forsche Katzen geraten leichter um Ressourcen aneinander; zwei zurückhaltende gehen sich eher aus dem Weg. Überlegen Sie, wie Ihre Katze mit Neuem umgeht.

Tierheime und Pflegestellen kennen ihre Katzen oft gut und wissen, welche sich mit Artgenossen versteht – fragen Sie gezielt danach. Adressen finden Sie im Tierheim-Verzeichnis, Hintergründe im Ratgeber Katze aus dem Tierheim. Welcher Katzentyp grundsätzlich zu Ihrem Alltag passt, zeigt der Test Welche Katze passt zu mir?

Die Vorbereitung: ein eigenes Zimmer

Richten Sie für die neue Katze einen Raum ein, den Ihre bisherige Katze nicht dringend braucht – also nicht den mit ihrem Lieblingsplatz oder ihrer Toilette. Hinein gehören Futter, Wasser, Schlafplätze, Verstecke, eine Katzentoilette, Spielzeug und eine Kratzgelegenheit. Verwenden Sie dafür neue Dinge oder die Sachen der neuen Katze, nicht die der alten: Deren Geruch kann den Neuankömmling stressen.

Lassen Sie die neue Katze vorher tierärztlich untersuchen und fragen Sie nach, ob Impfschutz und Tests vollständig sind, bevor die Tiere Kontakt haben.

Die neue Katze bleibt in diesem Zimmer, bis sie angekommen ist. iCatCare nennt dafür je nach Tier einige Tage bis ein, zwei Wochen. Angekommen ist sie, wenn sie Sie freundlich begrüßt, normal frisst, die Toilette nutzt, sich putzt, spielt und entspannt daliegt. Kratzt sie dagegen an der Tür, miaut minutenlang oder läuft unruhig hin und her, ist sie frustriert – geben Sie ihr dann, wenn möglich, mehr Raum oder beginnen Sie früher mit Schritt 1.

Die Zusammenführung in fünf Schritten

Schritt 1: Gerüche tauschen

Katzen erkennen einander am Geruch. Legen Sie eine Decke aus dem Bett der einen Katze in das Bett der anderen und umgekehrt, später tauschen Sie zurück – so mischen sich die Gerüche. Beschnuppert die Katze die Decke ruhig oder legt sich darauf, ist das gut. Meidet sie sie oder faucht sie die Decke an, tauschen Sie langsamer und in kleineren Portionen.

Schritt 2: Reviere tauschen

Sperren Sie Ihre bisherige Katze kurz in einen Bereich, in dem sie sich wohlfühlt, und lassen Sie die neue den Rest der Wohnung erkunden – ohne Begegnung. Später darf die alte Katze das Zimmer der neuen untersuchen, während diese woanders ist. Das geht erst, wenn die neue Katze sich in ihrem Zimmer sicher fühlt.

Schritt 3: Sehen, aber nicht berühren

Jetzt sehen sich die Katzen zum ersten Mal – getrennt durch eine Barriere: eine Glastür, ein Türgitter, ein mit Draht bespannter Rahmen oder eine nur einen Spalt geöffnete, gesicherte Tür. Schnuppern durch das Gitter ist erlaubt.

Gut läuft es, wenn beide ihren Beschäftigungen nachgehen und nur gelegentlich hinüberschauen. Warnzeichen sind Anstarren, Fauchen, Knurren, gedrehte Ohren und ein steifer Körper – wie Sie diese Signale lesen, erklärt der Ratgeber Katzensprache. Rufen Sie dann die Katze, die anfängt, ruhig beim Namen und führen Sie sie weg; bestrafen Sie nie.

Bemerkenswert: iCatCare rät davon ab, die Katzen in dieser Phase mit Futter oder Spiel direkt voreinander abzulenken oder zu „bestechen“. Beschäftigen Sie sie lieber danach, getrennt. Halten Sie die Treffen kurz und beenden Sie sie, solange alles ruhig ist. Leben bei Ihnen schon mehrere Katzen, lernt die neue sie einzeln kennen.

Schritt 4: Gemeinsam im Raum, unter Aufsicht

Bleiben beide am Gitter gelassen, öffnen Sie die Barriere beiläufig, während die Katzen mit etwas anderem beschäftigt sind. Erzwingen Sie nichts, setzen Sie keine Katze der anderen vor die Nase. Ziel ist nicht Schmusen, sondern dass beide in Gegenwart der anderen entspannt bleiben.

Kommt es zu Fauchen, Jagen oder Erstarren, schließen Sie die Barriere wieder und gehen einen Schritt zurück. Das ist kein Rückschlag, sondern gehört dazu.

Schritt 5: Kurze Zeiten ohne Aufsicht

Erst wenn Schritt 4 mehrfach ohne Spannung verlaufen ist, lassen Sie die Katzen allein zusammen – anfangs nur wenige Minuten, dann allmählich länger. Dazwischen bleibt die neue Katze noch in ihrem Zimmer. Am Ende steht die Tür dauerhaft offen. Das Zimmer bleibt aber ein Rückzugsort mit eigener Ausstattung.

Wie lange dauert das? Der ehrliche Zeitrahmen

Eine belastbare Zahl gibt es nicht. iCatCare nennt nur für das Ankommen einen Rahmen (Tage bis ein, zwei Wochen) und verzichtet bei den fünf Schritten bewusst auf Fristen: Das Tempo bestimmt die langsamere Katze. Bei zwei jungen, gut sozialisierten Tieren kann es zügig gehen, bei einer älteren oder ängstlichen Katze deutlich länger dauern. Planen Sie die Zusammenführung so, dass Sie in den ersten Wochen viel zu Hause sind, und rechnen Sie damit, einzelne Schritte zu wiederholen.

Und: „Geklappt“ heißt nicht zwingend Freundschaft. Viele Katzen leben friedlich nebeneinander, ohne je miteinander zu kuscheln. Auch das ist ein gutes Ergebnis.

Die Ressourcen-Regel

Streit zwischen Katzen dreht sich fast immer um Ressourcen. iCatCare empfiehlt: jede Ressource einmal je Katze plus eine zusätzlich – an verschiedenen Orten. Bei zwei Katzen also drei Katzentoiletten, drei Futterstellen, drei Wasserstellen, drei Schlaf- und Kratzplätze.

  • Katzentoiletten nicht nebeneinanderstellen: Aus Katzensicht ist das dann eine einzige Stelle, die sich blockieren lässt.
  • Näpfe nicht Seite an Seite, am besten ohne Sichtkontakt beim Fressen.
  • Wasser getrennt vom Futter.
  • Erhöhte Plätze wie Regalbretter und Kratzbäume schaffen zusätzlichen Raum; gut sind Liegeplätze mit zwei Zugängen, damit keine Katze in der Falle sitzt. Tipps dazu im Ratgeber Katzen an den Kratzbaum gewöhnen.

Je weniger die Katzen teilen müssen, desto besser kommen sie miteinander aus.

Wann es nicht klappt

Offener Streit – Fauchen, Jagen, Prügeleien – ist leicht zu erkennen. Häufiger ist stiller Konflikt: Eine Katze verlässt den Raum, sobald die andere kommt, eine starrt die andere an oder legt sich „zufällig“ vor Toilette, Napf oder Durchgang. Dauerstress kann sich nach iCatCare auch körperlich zeigen, etwa durch Harnmarkieren, eine stressbedingte Blasenentzündung oder übermäßiges Putzen.

Was Sie tun können:

  1. Zurück zum letzten Schritt, der gut lief, und langsamer neu aufbauen.
  2. Ressourcen prüfen und so verteilen, dass keine Katze an der anderen vorbeimuss.
  3. Tierarztpraxis einschalten. Schmerzen und Krankheit machen Katzen unverträglich. Die Praxis kann außerdem an eine verhaltenstherapeutisch arbeitende Tierärztin oder einen qualifizierten Katzenverhaltensberater überweisen.
  4. Dauerhaft getrennte Bereiche einrichten, wenn die Wohnung es hergibt.

Bleibt es trotz allem bei Angst oder Kämpfen, ist es die fairste Lösung, für eine der beiden Katzen ein passendes neues Zuhause zu suchen – am besten zusammen mit dem Tierheim oder der Züchterin, von der die Katze stammt. iCatCare sagt es ohne Umschweife: Manche Katzen wollen schlicht nicht mit anderen Katzen leben.

Wann Sie zur Tierarztpraxis sollten

  • bei Bisswunden – sie sehen oft harmlos aus, können sich aber entzünden und zu Abszessen führen,
  • wenn eine Katze nicht mehr frisst, sich dauerhaft versteckt oder unsauber wird,
  • wenn ein Kater häufig zur Toilette geht und kaum Urin absetzt: Das ist ein Notfall,
  • wenn zwei Katzen, die sich lange vertragen haben, plötzlich streiten – oft steckt eine Erkrankung dahinter.

Außerhalb der Sprechzeiten ist der tierärztliche Notdienst zuständig.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis sich zwei Katzen aneinander gewöhnen?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Allein das Ankommen der neuen Katze dauert nach International Cat Care einige Tage bis ein, zwei Wochen; die eigentliche Zusammenführung richtet sich nach der langsameren Katze. Rechnen Sie eher mit Wochen als mit Tagen.

Kater oder Katze – was passt besser als Zweitkatze?

Bei kastrierten Tieren gibt es nach International Cat Care keinen Beleg, dass das Geschlecht entscheidet. Wichtiger sind Alter, Gesundheit, Vorerfahrungen mit Artgenossen und das Temperament beider Katzen.

Ist Fauchen bei der Zusammenführung normal?

Ein einzelnes Fauchen beim ersten Sichtkontakt ist ein Abstandssignal und kein Drama. Es zeigt aber, dass es dieser Katze gerade zu schnell geht. Beenden Sie das Treffen ruhig und machen Sie beim nächsten Mal einen kleineren Schritt.

Soll ich die Katzen den Streit unter sich ausmachen lassen?

Nein. Schon eine einzige schlechte Begegnung kann dazu führen, dass eine Katze die andere dauerhaft fürchtet. Unterbrechen Sie ruhig, ohne zu strafen und ohne mit bloßen Händen dazwischenzugreifen, trennen Sie die Tiere und gehen Sie einen Schritt zurück.

Braucht eine Wohnungskatze eine zweite Katze?

Nicht zwingend. Manche Katzen genießen Gesellschaft, andere leben lieber allein. Ob eine Zweitkatze passt, hängt von Alter, Vorgeschichte und Wesen Ihrer Katze ab – und davon, ob Sie Platz für getrennte Ressourcen haben.

Quellen und weiterführende Informationen (4)
  1. International Cat Care: Introducing cats
  2. International Cat Care: Will my cat accept a new cat?
  3. International Cat Care: Multi-cat households
  4. International Cat Care: Cat communication

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