Gesundheit
Giardien bei der Katze: Anzeichen, Test, Behandlung und Hygiene im Haushalt
Giardien bei der Katze: wie sich Katzen anstecken, woran Sie den Befall erkennen, wie die Praxis testet und behandelt und welche Hygiene ESCCAP empfiehlt.

Giardien sind winzige, einzellige Parasiten, die sich im Dünndarm der Katze an die Darmwand heften. Typisch ist ein Durchfall, der kommt und geht: breiig bis wässrig, manchmal mit Schleim. Betroffen sind vor allem Kitten und junge Katzen. Feststellen lässt sich ein Befall nur über eine Kotuntersuchung in der Tierarztpraxis, behandelt wird mit verschreibungspflichtigen Medikamenten – und ohne gründliche Hygiene im Haushalt kommt die Infektion häufig zurück.
Viele erwachsene Katzen tragen den Erreger, ohne je krank zu werden. Dieser Artikel fasst zusammen, was die Parasitologen von ESCCAP Deutschland und das europäische Expertengremium ABCD empfehlen. Eine Diagnose ersetzt er nicht.
Wann Sie sofort zur Tierarztpraxis sollten
Durchfall ist bei Katzen kein Fall für tagelanges Abwarten. ESCCAP rät, Katzen mit (wiederkehrendem) Durchfall immer tierärztlich untersuchen zu lassen, weil gerade junge Tiere schnell viel Flüssigkeit verlieren. Ein Notfall liegt vor, wenn:
- ein Kitten Durchfall hat oder zusätzlich erbricht,
- die Katze matt oder apathisch wirkt, sich zurückzieht oder nicht mehr trinkt,
- der Durchfall wässrig ist und in kurzen Abständen kommt,
- Blut im Kot zu sehen ist oder der Kot schwarz und teerartig aussieht,
- die Katze seit 24 Stunden nichts frisst (bei kleinen Kitten deutlich früher – siehe Katze frisst nicht).
Außerhalb der Sprechzeiten ist der tierärztliche Notdienst zuständig. Rufen Sie vorher an und schildern Sie die Anzeichen. Mehr zu den Warnzeichen lesen Sie im Artikel Katze hat Durchfall.
Was sind Giardien?
Der Erreger heißt Giardia intestinalis (auch Giardia duodenalis genannt). Im Darm lebt er als bewegliche Form, die sich an die Schleimhaut des Dünndarms anheftet und die Verdauung stört. Mit dem Kot scheidet die Katze widerstandsfähige Dauerformen aus, die Zysten.
Diese Zysten sind laut ESCCAP sofort ansteckend. In feuchter Umgebung bleiben sie mindestens drei Monate infektiös, im Kot etwa eine Woche. Empfindlich sind sie gegen Austrocknung. Schon wenige Zysten reichen für eine Ansteckung aus.
Wie häufig Giardien sind, hängt stark davon ab, welche Katzen man untersucht und mit welchem Test. Das ABCD nennt für Katzen meist Werte zwischen 1 und 20 %. In einer großen Auswertung deutscher Laborproben waren 2015–2017 rund 10,6 % der eingesandten Katzenproben positiv, 2004–2006 noch 15,4 %. Das sind Proben, die Praxen meist wegen eines Verdachts einschicken – auf alle Katzen lässt sich die Zahl nicht übertragen.
Wie sich Katzen anstecken
Die Katze nimmt die Zysten über das Maul auf: über verunreinigtes Wasser oder Futter, über die gemeinsame Katzentoilette oder beim Putzen, wenn Kotreste am Fell haften. Weil die ausgeschiedenen Zysten sofort ansteckend sind, infizieren sich Katzen auch immer wieder selbst.
Besonders oft betroffen sind laut ABCD und ESCCAP:
- Katzen unter einem Jahr – bei ihnen zählen Giardien zu den häufigsten Darmparasiten,
- Katzen aus Mehrkatzenhaushalten, Zuchten und Tierheimen, weil dort viele Tiere auf engem Raum leben,
- Tiere mit geschwächtem Immunsystem oder weiteren Darminfektionen.
Von der Ansteckung bis zur Ausscheidung der ersten Zysten vergehen nach ESCCAP 4 bis 16 Tage. Danach scheidet die Katze die Zysten über Wochen oder Monate aus – nicht gleichmäßig, sondern in Schüben.
Anzeichen: Woran Sie Giardien erkennen können
Viele Infektionen bleiben unbemerkt. Wenn eine Katze krank wird, zeigt sie nach ESCCAP und ABCD vor allem:
- wiederkehrenden Durchfall, dünnbreiig bis wässrig, teils mit Schleim,
- seltener Erbrechen,
- weniger Appetit, Gewichtsverlust, bei Kitten schlechtes Gedeihen,
- Mattigkeit.
Keines dieser Anzeichen ist typisch nur für Giardien. Hinter Durchfall können auch Würmer, andere Einzeller, Futterunverträglichkeiten, Viren oder innere Erkrankungen stecken. Ob Giardien die Ursache sind, kann nur die Praxis klären.
Wie die Praxis testet
Untersucht wird der Kot. Weil die Zysten unregelmäßig ausgeschieden werden, empfiehlt ESCCAP Kotproben von zwei oder drei aufeinanderfolgenden Tagen; das ABCD spricht von in der Regel drei Proben. Fragen Sie in der Praxis nach, wie Sie die Proben sammeln und lagern sollen.
Zur Verfügung stehen mehrere Verfahren:
- der Antigen-Nachweis im Kot (Schnelltest oder Labortest), der laut ESCCAP deutlich empfindlicher ist als das Mikroskop,
- die mikroskopische Untersuchung nach Anreicherung, bei der die Zysten direkt gesucht werden,
- die PCR im Labor, die sehr empfindlich ist und den Genotyp bestimmen kann.
Wichtig für die Einordnung: Ein positiver Antigentest kann laut ESCCAP auch bei Tieren auftreten, die bereits wieder gesund sind. Die Praxis bewertet das Ergebnis deshalb immer zusammen mit dem Zustand der Katze. Das ABCD rät außerdem, bei Durchfall auf weitere Erreger zu testen, etwa Tritrichomonas foetus und Kryptosporidien.
Behandlung im Überblick
Behandelt wird, wenn die Katze Beschwerden hat. ESCCAP nennt als Wirkstoffe Fenbendazol und als Alternative Metronidazol; beide sind verschreibungspflichtig und werden über mehrere Tage gegeben. Welches Mittel passt, wie lange und in welcher Menge, legt allein die Tierärztin oder der Tierarzt fest – unter anderem nach Gewicht, Alter und einer möglichen Trächtigkeit. Geben Sie nie Reste alter Medikamente oder Mittel aus der Hausapotheke für Menschen.
Was viele überrascht: Eine Katze ohne Beschwerden wird in der Regel nicht behandelt, auch wenn der Test positiv ist. Das ABCD begründet das mit der Gefahr von Resistenzen bei Bakterien und Parasiten. Ausnahmen sieht ESCCAP, wenn im Haushalt besonders gefährdete Menschen leben oder wenn in Zuchten und Tierheimen andere Tiere geschützt werden müssen. Leben mehrere Tiere zusammen und sind einige davon krank, kann es nach ESCCAP sinnvoll sein, alle Hunde und Katzen des Haushalts einzubeziehen.
ESCCAP weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Behandlung nicht immer erfolgreich ist und Neuansteckungen häufig sind. Etwa fünf bis sieben Tage nach dem Ende der Behandlung wird der Kot erneut untersucht. Wiederholt wird die Behandlung nur, wenn der Erreger wieder nachgewiesen wird und die Katze weiter Beschwerden hat.
Unterstützend rät ESCCAP, die Katze zu Beginn und am Ende der Behandlung zu shampoonieren, um Zysten aus dem Fell zu entfernen – etwa mit einem chlorhexidinhaltigen Produkt, das Ihnen die Praxis nennt. Auch eine vorübergehende Futterumstellung kann Teil der Behandlung sein; mehr dazu im Artikel Schonkost für Katzen.
Hygiene im Haushalt nach ESCCAP
Ohne Hygiene nützt das beste Medikament wenig. ESCCAP Deutschland empfiehlt für die Zeit der Behandlung:
- Kot sofort entfernen und in einem verschlossenen Plastikbeutel über den Hausmüll entsorgen.
- Katzentoilette täglich mit kochendem Wasser säubern und anschließend gründlich abtrocknen.
- Futter- und Wassernäpfe täglich mit kochendem Wasser reinigen und gut abtrocknen.
- Flächen, die mit Kot in Berührung gekommen sein könnten, gründlich reinigen – wenn möglich mit einem Dampfreiniger mit mindestens 60 °C – und vollständig trocknen lassen. Trockenheit schadet den Zysten.
- Decken und Kissen bei mindestens 65 °C waschen. Nicht waschbare, möglicherweise verunreinigte Textilien über den Hausmüll entsorgen.
- Kratzbäume gründlich absaugen und reinigen.
- Kotreste am Fell entfernen; bei Langhaarkatzen kann es helfen, die Haare rund um den After zu kürzen.
- Hände waschen nach dem Kontakt mit der Katze und nach dem Säubern der Toilette.
Ob zusätzlich ein Desinfektionsmittel sinnvoll ist und welches, fragen Sie am besten in der Praxis. ESCCAP merkt an, dass die üblichen Mittel nicht eigens gegen Giardien-Zysten geprüft sind. Entscheidend bleiben heißes Wasser, Trocknen und Konsequenz.
Können sich Menschen bei der Katze anstecken?
Giardien gibt es auch beim Menschen. Der Erreger besteht allerdings aus mehreren genetischen Gruppen, den sogenannten Assemblagen (A bis H), die unterschiedliche Wirte bevorzugen:
- Assemblage F gilt als katzentypisch und spielt beim Menschen kaum eine Rolle.
- Assemblagen A und B sind die Gruppen, die Menschen krank machen. Sie kommen auch bei Hunden und Katzen vor.
Wie oft Katzen diese „menschlichen“ Gruppen tragen, bewerten die Fachgremien nicht ganz einheitlich: ESCCAP Deutschland schreibt, solche Genotypen seien bei Katzen nur sehr selten und das Risiko für Menschen gering. Das ABCD verweist auf Studien, in denen A und B bei Katzen teils häufiger gefunden wurden als F. Der übliche Praxistest unterscheidet die Gruppen nicht.
Für die Einordnung wichtig ist ein Satz aus der ABCD-Leitlinie: Bisher hat keine Studie eine direkte Übertragung von der Katze auf den Menschen nachgewiesen. Menschen stecken sich demnach vor allem über verunreinigtes Wasser und rohes Gemüse an. Trotzdem raten beide Gremien zur Vorsicht, wenn Kleinkinder oder immungeschwächte Personen im Haushalt leben: ESCCAP mahnt dann besonders sorgfältige Hygiene und Händewaschen an, das ABCD empfiehlt, junge Katzen in solchen Haushalten testen und positive Tiere behandeln zu lassen. Wer selbst anhaltende Magen-Darm-Beschwerden hat, wendet sich an die Hausarztpraxis.
Prognose
Die meisten natürlichen Infektionen heilen laut ABCD innerhalb von vier bis sechs Wochen aus. Langwierig wird es vor allem bei Katzen mit geschwächtem Immunsystem, bei zusätzlichen Darminfektionen und dort, wo sich Tiere immer wieder gegenseitig anstecken. Der Durchfall kann nach ABCD noch eine Weile anhalten, obwohl der Erreger schon beseitigt ist, weil sich der Darm erst erholen muss. Eine Impfung gibt es in Europa nicht.
Kitten vom Züchter oder aus dem Tierheim
Giardien sind kein Zeichen schlechter Haltung – sie kommen überall vor, wo viele junge Katzen zusammenleben. Seriöse Zuchten und Tierheime gehen offen damit um. ESCCAP empfiehlt für Zuchten und Tierheime Eingangsuntersuchungen, die Untersuchung von Zuchttieren und von Tieren mit Durchfall sowie geschultes Personal.
Für Sie als Käuferin oder Käufer heißt das:
- Fragen Sie, ob die Kitten auf Darmparasiten untersucht wurden und wann zuletzt. Weitere Punkte finden Sie in unserer Liste Fragen an den Züchter.
- Achten Sie beim Besuch auf saubere Katzentoiletten und darauf, ob die Kitten munter sind und geformten Kot absetzen.
- Planen Sie in den ersten Tagen einen Termin in Ihrer Tierarztpraxis ein und bringen Sie eine Kotprobe mit – besonders, wenn schon Katzen bei Ihnen leben. Das ABCD rät, neue Katzen zu testen, bevor sie zu den anderen kommen.
Worauf Sie bei einer Katze aus dem Tierschutz achten können, lesen Sie im Artikel Katze aus dem Tierheim. Zum regelmäßigen Schutz vor Würmern gibt es einen eigenen Beitrag: Katze entwurmen. Eine Wurmkur schützt nicht automatisch vor Giardien.
Häufige Fragen
Wie sieht der Kot bei Giardien aus?
Häufig ist er breiig bis wässrig und kann Schleim enthalten; der Durchfall tritt oft in Schüben auf. Am Aussehen allein lässt sich ein Giardienbefall aber nicht erkennen. Sicherheit gibt nur die Kotuntersuchung in der Praxis.
Gehen Giardien bei Katzen von allein weg?
Laut ABCD überwinden die meisten Katzen eine natürliche Infektion innerhalb von vier bis sechs Wochen. Darauf verlassen sollten Sie sich bei einer kranken Katze nicht: Durchfall kann besonders Kitten schnell schwächen und hat viele mögliche Ursachen. Lassen Sie ihn untersuchen.
Muss ich alle Katzen im Haushalt behandeln lassen?
Das entscheidet die Praxis. Katzen ohne Beschwerden werden nach ABCD und ESCCAP normalerweise nicht behandelt. Leben mehrere Tiere zusammen und sind einige krank, kann es sinnvoll sein, alle einzubeziehen – die Hygiene gilt in jedem Fall für den ganzen Haushalt.
Helfen Hausmittel gegen Giardien?
In den Empfehlungen von ESCCAP und ABCD kommen Hausmittel nicht vor; einen Beleg, dass Kokosöl, Kräuter oder Karottensuppe den Erreger beseitigen, haben wir nicht gefunden. Manche „natürlichen“ Mittel sind für Katzen zudem giftig, und bei einem Kitten mit Durchfall ist verlorene Zeit das eigentliche Risiko.
Quellen und weiterführende Informationen (4)
- ESCCAP Deutschland: Giardien bei der Katze (Tierhalter-Information, Stand Mai 2022)
- ESCCAP Deutschland: Empfehlung zur Bekämpfung von intestinalen Protozoen bei Hunden und Katzen (Stand Januar 2017)
- ESCCAP Deutschland: Hygienemaßnahmen bei Giardien (Tierhalter-Information, 02/2017)
- ABCD (European Advisory Board on Cat Diseases): Guideline for Giardiasis (aktualisiert 05/2025)


