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Leben mit Katze

Warum schnurren Katzen?

Wie das Schnurren im Kehlkopf entsteht, warum Katzen auch bei Schmerz und Stress schnurren und was von Forderschnurren und „Heilfrequenz“ zu halten ist.

Von der Redaktion catterys.deÜberarbeitet am 13. Oktober 2026

Dunkelbraune Katze döst mit geschlossenen Augen in einem geflochtenen Korb

Katzen schnurren nicht nur, weil sie sich wohlfühlen. Schnurren ist ein leises Signal für die unmittelbare Nähe – zwischen Mutter und Kitten, zwischen befreundeten Katzen, zwischen Katze und Mensch. Meist begleitet es entspannte, angenehme Momente. Katzen schnurren aber auch, wenn sie hungrig sind, unter Stress stehen oder Schmerzen haben. Wer seine Katze verstehen will, hört deshalb nicht nur hin, sondern sieht auch hin.

Wie das Geräusch genau entsteht, war lange erstaunlich unklar. Erst 2023 hat eine Studie das bis dahin gängige Lehrbuchbild ins Wanken gebracht. Dieser Ratgeber fasst zusammen, was heute belegt ist – und was nicht.

Wie Schnurren entsteht

Schnurren ist ein tiefer, gleichmäßiger, ziemlich leiser Ton, den die Katze mit geschlossenem Maul erzeugt – und zwar beim Einatmen und beim Ausatmen, also praktisch ohne Pause. Das unterscheidet es von fast allen anderen Lauten. Eine Übersichtsarbeit zur Lautsprache der Katze (Tavernier und Kollegen, 2020) nennt als gemessene Grundfrequenz im Mittel etwa 22 bis 23 Hertz, mit Einzelwerten zwischen rund 17 und 30 Hertz. Das ist für ein so kleines Tier ungewöhnlich tief: Die Stimme einer Katze liegt beim Miauen deutlich höher.

Das alte Bild: zuckende Kehlkopfmuskeln

Jahrzehntelang galt die Erklärung, das Gehirn schicke 20- bis 30-mal pro Sekunde einen Nervenimpuls an die Kehlkopfmuskeln; diese würden sich im selben Takt zusammenziehen und entspannen und so die Stimmlippen öffnen und schließen. Schnurren wäre danach ein aktiv „getakteter“ Laut – anders als normale Stimmgebung, bei der die Atemluft die Stimmlippen von selbst zum Schwingen bringt.

Die Studie von 2023

Ein Team um den Stimmforscher Christian Herbst (Universität Wien) hat diese Annahme 2023 in der Fachzeitschrift Current Biology geprüft. Untersucht wurden die entnommenen Kehlköpfe von acht verstorbenen Hauskatzen. Durch sie wurde im Labor Luft geleitet – ohne Nerven, ohne Muskelarbeit. Nach der alten Theorie hätte dabei kein Schnurrton entstehen dürfen. Für diese Theorie gab es allerdings, wie die Autoren anmerken, ohnehin nur spärliche direkte Belege.

Das Ergebnis: Alle acht Kehlköpfe schwangen von selbst in Frequenzen von etwa 25 bis 30 Hertz, also im typischen Schnurrbereich. Unter dem Mikroskop fand das Team in den Stimmlippen eingelagerte Bindegewebspolster von bis zu vier Millimetern Durchmesser. Sie könnten erklären, warum so kleine Stimmlippen so langsam schwingen können.

Wichtig ist die Einordnung der Autoren selbst: Die Studie widerlegt nicht, dass Muskeln beim Schnurren mitarbeiten. Sie zeigt nur, dass der Kehlkopf die tiefen Töne grundsätzlich auch ohne Nerventakt hervorbringen kann. Wahrscheinlich beruht Schnurren also auf demselben Schwingungsprinzip wie andere Laute, möglicherweise unterstützt durch Muskelaktivität. Am lebenden, schnurrenden Tier ist das bis heute nicht abschließend untersucht.

Können alle Katzen schnurren?

Hauskatzen aller Rassen schnurren, wenn auch unterschiedlich laut und unterschiedlich oft. Manche Katzen schnurren so leise, dass man es nur spürt, wenn man die Hand an den Hals legt. Dass eine Katze selten schnurrt, sagt für sich genommen nichts über ihr Wohlbefinden aus. Einen Zusammenhang zwischen Körpergröße und Schnurrfrequenz hat die Forschung laut der Übersichtsarbeit von 2020 nicht gefunden.

Wann Katzen schnurren

Schnurren beginnt früh: Schon Kitten schnurren beim Saugen, und die Mutter schnurrt beim Säugen zurück. International Cat Care, die britische Katzenschutzorganisation, beschreibt Schnurren deshalb als Laut der Nähe und Beruhigung, der sich ins Erwachsenenleben fortsetzt. Erwachsene Katzen schnurren

  • bei der Begrüßung und bei freundlichem Kontakt, etwa wenn sich zwei vertraute Katzen gegenseitig putzen – ein gutes Zeichen auch nach einer Zusammenführung,
  • beim Streicheln, auf dem Schoß, beim Dösen in der Sonne,
  • wenn sie etwas möchten – Futter, Aufmerksamkeit, eine geöffnete Tür,
  • aber auch in belastenden Situationen: in der Tierarztpraxis, bei Schmerzen, bei schwerer Krankheit und nach den Berichten in der Fachliteratur sogar kurz vor dem Tod.

Die Genetikerin Leslie Lyons von der University of California in Davis fasst es so zusammen, dass nicht jede schnurrende Katze zufrieden ist. Die Übersichtsarbeit von 2020 schlägt deshalb eine nüchternere Lesart vor: Schnurren heißt weniger „Mir geht es gut“ als „Ich bin keine Bedrohung“ oder „Bleib bei mir“. Ob sich Katzen mit dem Schnurren auch selbst beruhigen, wird vermutet, ist aber schwer zu messen. Mit Traurigkeit im menschlichen Sinn hat das nichts zu tun – dazu mehr unter Können Katzen weinen?

So lesen Sie das Schnurren richtig

Schnurren allein verrät die Stimmung nicht. Achten Sie auf den Rest der Katze:

Schnurren zusammen mit … spricht eher für
lockerem Körper, halb geschlossenen Augen, langsamem Blinzeln, Treteln Wohlbefinden
aufgerichtetem Schwanz, Köpfchengeben, Um-die-Beine-Streichen Begrüßung, Wunsch nach Kontakt
Unruhe am Napf, Miau-Anteil im Schnurren Hunger, Aufforderung
geduckter Haltung, angelegten Ohren, weiten Pupillen Angst oder Stress
Mattigkeit, Rückzug, Futterverweigerung, gekrümmter Haltung Schmerz oder Krankheit

Mehr zu Schwanz, Ohren und Augen lesen Sie im Ratgeber Katzensprache.

Forderschnurren: der Schrei im Schnurren

Viele Halter kennen es vom frühen Morgen: ein Schnurren, das irgendwie drängender klingt als sonst. Die Verhaltensforscherin Karen McComb (University of Sussex) hat dieses „Forderschnurren“ 2009 untersucht. Katzenhalter nahmen ihre Tiere zu Hause auf – einmal, wenn die Katze um Futter warb, einmal in entspannter Lage. Die Aufnahmen wurden Menschen vorgespielt, auch solchen ohne Katzenerfahrung.

Die Zuhörer bewerteten das Forderschnurren durchweg als dringlicher und weniger angenehm – bei gleicher Lautstärke. Der Grund ist ein hoher, stimmhafter Anteil, der in das tiefe Schnurren eingebettet ist und an ein Miauen oder einen Schrei erinnert. Entfernte das Team diesen Anteil am Computer, sank die empfundene Dringlichkeit deutlich. Die Autoren weisen darauf hin, dass der Ton in einem ähnlichen Frequenzbereich liegt wie das Schreien eines Säuglings – ein Geräusch, das Menschen schwer ignorieren können.

Nach der Mitteilung der Universität zeigen dieses Verhalten nicht alle Katzen. Es scheint sich vor allem dort zu entwickeln, wo eine Katze eine enge Eins-zu-eins-Beziehung zu einem Menschen hat; in großen, trubeligen Haushalten wird eher miaut. Belohnt wird es natürlich jedes Mal, wenn der Mensch daraufhin aufsteht und den Napf füllt.

„Heilfrequenz“: Heilt Schnurren Knochen?

Im Netz liest man oft, Katzen schnurrten in einer „Heilfrequenz“, die Knochenbrüche schneller heilen lasse, Schmerzen lindere oder sogar beim Menschen den Blutdruck senke. Belegt ist das nicht.

Die Idee geht auf eine Hypothese zurück, die 2001 als Tagungsbeitrag vorgestellt wurde: Die tiefen Schnurrfrequenzen überschneiden sich mit Frequenzen, die in der Medizin bei Vibrationsbehandlungen untersucht werden. Daraus wurde die Vermutung abgeleitet, Schnurren könne eine Art eingebaute Selbstbehandlung sein. Auch Leslie Lyons nennt diesen Gedanken – ausdrücklich als Möglichkeit, nicht als Befund.

Was fehlt, ist der Nachweis: Uns ist keine begutachtete Studie bekannt, die gezeigt hätte, dass das Schnurren einer Katze bei ihr selbst oder bei einem Menschen die Heilung von Knochen, Wunden oder Organen messbar beschleunigt. Eine Überschneidung von Frequenzen ist noch keine Wirkung. Die Forschung von 2023 erklärt, wie der Ton entsteht – nicht, dass er heilt.

Das heißt nicht, dass eine schnurrende Katze auf dem Schoß nicht guttut. Viele Menschen empfinden das als beruhigend, und das ist Grund genug, es zu genießen. Nur als Therapie taugt es nicht – weder für Sie noch für die Katze.

Wann Sie zur Tierarztpraxis sollten

Weil Katzen auch bei Schmerz schnurren, ist Schnurren kein Entwarnungszeichen. Rufen Sie Ihre Tierarztpraxis an, wenn Ihre Katze schnurrt und gleichzeitig

  • nicht frisst oder deutlich weniger trinkt,
  • sich zurückzieht, versteckt oder ungewohnt matt ist,
  • gekrümmt sitzt, sich nicht anfassen lässt oder beim Hochheben klagt,
  • schwer atmet oder mit offenem Maul atmet – das ist ein Notfall,
  • sich das Schnurren anders anhört als sonst, rasselt oder mit Husten und Würgen einhergeht.

Auch wenn eine sonst schnurrfreudige Katze plötzlich gar nicht mehr schnurrt und sich ihr Verhalten insgesamt verändert, sollte die Praxis einen Blick darauf werfen. Außerhalb der Sprechzeiten ist der tierärztliche Notdienst zuständig.

Häufige Fragen

Warum schnurrt meine Katze, wenn ich sie streichle?

Meist, weil sie den Kontakt als angenehm empfindet und ihn fortsetzen möchte. Achten Sie trotzdem auf die Körpersprache: Zuckt die Rückenhaut, schlägt der Schwanz oder dreht die Katze die Ohren, hat sie genug – auch wenn sie noch schnurrt. International Cat Care rät, nur kurz zu streicheln, dann zu pausieren und die Katze entscheiden zu lassen.

Schnurren Katzen auch, wenn sie Schmerzen haben?

Ja. Schnurren ist in der Fachliteratur auch bei Stress, Schmerzen und bei sterbenden Katzen beschrieben. Entscheidend ist das Gesamtbild aus Haltung, Appetit und Verhalten. Eine schnurrende, aber matte Katze, die nicht frisst, gehört in die Tierarztpraxis.

Warum schnurrt meine Katze nicht?

Manche Katzen schnurren sehr leise oder selten; das ist eine individuelle Eigenheit. Solange Ihre Katze frisst, spielt und sich normal verhält, ist das kein Grund zur Sorge. Auffällig ist nur eine plötzliche Veränderung.

Warum treteln Katzen beim Schnurren?

Das Treteln – der sogenannte Milchtritt – stammt aus der Kittenzeit: Kitten kneten beim Saugen das Gesäuge der Mutter. Viele erwachsene Katzen behalten das Verhalten in behaglichen Momenten bei, oft zusammen mit Schnurren. Es gilt als Zeichen, dass sich die Katze sicher fühlt.

Hilft Katzenschnurren dem Menschen?

Viele Menschen finden es beruhigend, eine schnurrende Katze bei sich zu haben. Eine medizinische Wirkung des Schnurrens selbst – etwa auf Knochen oder Blutdruck – ist aber nicht nachgewiesen. Als Ersatz für eine Behandlung taugt es nicht.

Quellen und weiterführende Informationen (7)
  1. Herbst, C. T. et al. (2023): Domestic cat larynges can produce purring frequencies without neural input. Current Biology 33(21), 4727–4732
  2. McComb, K. et al. (2009): The cry embedded within the purr. Current Biology 19(13), R507–R508
  3. University of Sussex (2009): Mitteilung zur Studie über das Forderschnurren
  4. Tavernier, C. et al. (2020): Feline vocal communication. Journal of Veterinary Science 21(1), e18
  5. International Cat Care: Cat communication
  6. Lyons, L. A. (UC Davis), Scientific American: Why do cats purr?
  7. International Cat Care: Handling and interactions

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