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Ernährung

Dürfen Katzen Milch trinken?

Warum Kuhmilch für die meisten erwachsenen Katzen ungeeignet ist, was von Katzenmilch zu halten ist und was Kitten ohne Mutter wirklich brauchen.

Von der Redaktion catterys.deÜberarbeitet am 13. Oktober 2026

Schildpattkatze sitzt auf einer Fensterbank hinter einem blauen Napf mit Trockenfutter und einer weißen Schale und leckt sich das Maul

Die Katze vor dem Milchschälchen gehört zu den bekanntesten Bildern überhaupt – und ist trotzdem ein Irrtum. Kuhmilch ist für Katzen nicht giftig, aber sie ist kein geeignetes Getränk: Viele erwachsene Katzen können den Milchzucker nicht richtig verdauen und reagieren mit Blähungen, Bauchweh und Durchfall. Erwachsene Katzen brauchen keine Milch. Ihr Getränk ist Wasser.

Der Weltverband der Kleintierärzte (WSAVA) geht in seinem Merkblatt zu Leckerli von 2025 noch weiter und führt Milch und Milchprodukte in der Liste der Lebensmittel, die Katzen nicht bekommen sollten – mit dem Hinweis, dass viele Katzen laktoseintolerant sind. Auch das Cornell Feline Health Center und International Cat Care raten von Milch ab.

Warum Katzen Milch schlecht vertragen

Laktose und Laktase

Milch enthält Milchzucker, die Laktose. Damit der Darm sie aufnehmen kann, muss das Enzym Laktase sie in zwei einfache Zucker spalten. Säugende Kitten sind darauf eingestellt – Muttermilch ist ihre einzige Nahrung. Nach dem Absetzen brauchen Katzen das Enzym nicht mehr. Die ASPCA, die amerikanische Tierschutzgesellschaft mit eigener Giftnotrufzentrale, hält fest, dass Haustiere keine nennenswerten Mengen Laktase besitzen; das Cornell Feline Health Center schreibt, dass viele Katzen laktoseintolerant sind. Mit der Aktivität der zuckerspaltenden Enzyme im Katzendarm in Abhängigkeit vom Alter hat sich unter anderem die Tierernährungswissenschaftlerin Ellen Kienzle (1993) befasst.

Unverdaute Laktose gelangt in den Dickdarm. Dort wird sie von Bakterien vergoren und zieht Wasser in den Darm. Die Folgen:

  • Blähungen und Bauchgrummeln,
  • Bauchschmerzen,
  • weicher Kot bis hin zu wässrigem Durchfall, manchmal Erbrechen.

Wie stark eine Katze reagiert, ist individuell. Manche vertragen einen Schluck ohne erkennbare Folgen, andere bekommen schon davon Durchfall. Eine belastbare Zahl, wie viele Katzen betroffen sind oder welche Menge „sicher“ wäre, haben wir in den Fachquellen nicht gefunden – deshalb nennen wir keine.

Wie viel Laktose steckt in Milch?

Nach den Angaben von gesundheitsinformation.de, dem Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), enthalten 150 Milliliter Kuhmilch rund 7 Gramm Laktose. Das gilt für Vollmilch wie für fettarme Milch: Der Fettgehalt ändert am Milchzucker nichts. Auch Ziegen- und Schafsmilch sind keine Alternative – International Cat Care rät von Kuh-, Schafs- und Ziegenmilch gleichermaßen ab.

Milch ist ein Nahrungsmittel, kein Getränk

Selbst wenn Ihre Katze Milch scheinbar gut verträgt, bleibt ein zweites Problem: die Kalorien. Die WSAVA empfiehlt, dass alle Leckerbissen zusammen weniger als zehn Prozent der täglichen Kalorien ausmachen. Für eine vier Kilogramm schwere Katze sind das nach der WSAVA-Tabelle höchstens 22 Kilokalorien am Tag.

Dieselbe Tabelle nennt für 59 Milliliter fettarme Kuhmilch 27 Kilokalorien. Ein kleines Schälchen – etwa vier Esslöffel – liegt also schon über der Tagesgrenze für alle Extras zusammen. Wer täglich Milch gibt, füttert auf Dauer Übergewicht an oder verdrängt einen Teil des ausgewogenen Futters.

Katzenmilch, laktosefreie Milch und Pflanzendrinks

Produkt Laktose Einordnung
Kuhmilch (voll oder fettarm) rund 7 g je 150 ml ungeeignet
Ziegen- und Schafsmilch enthalten ebenfalls Laktose ungeeignet
Laktosefreie Milch unter 0,1 g je 100 g verträglicher, aber kalorienreich und unnötig
„Katzenmilch“ aus dem Handel laktosereduziert Leckerli, kein Getränk und kein Futter
Pflanzendrinks (Hafer, Soja, Mandel, Reis) keine kein Nutzen für Katzen, teils gesüßt oder aromatisiert
Sahne, Kondensmilch, Kakao unterschiedlich nein – sehr fett; Kakao ist für Katzen giftig

Laktosefreie Milch darf nach den Angaben des IQWiG so heißen, wenn sie weniger als 0,1 Gramm Laktose je 100 Gramm enthält. Das Durchfallrisiko ist damit geringer, die Kalorien bleiben. Wenn überhaupt, dann ein Teelöffel als seltene Ausnahme.

Katzenmilch ist ein laktosereduziertes Milcherzeugnis, das als Ergänzungsfuttermittel verkauft wird. Sie ist als Leckerli gedacht und zählt wie jedes andere Extra zur Zehn-Prozent-Grenze. Schauen Sie auf die Packung: Dort stehen Fütterungsempfehlung und Zusammensetzung. Nötig ist Katzenmilch nicht, und als Mittel, um eine Katze zum Trinken zu bringen, ist Wasser die bessere Wahl. Wichtig: Katzenmilch für erwachsene Tiere ist keine Aufzuchtmilch für Kitten.

Pflanzendrinks enthalten zwar keine Laktose, bringen einem Fleischfresser aber nichts. Schokodrinks und Kakao sind tabu, weil Schokolade für Katzen giftig ist.

Wie es mit anderen Milchprodukten aussieht, lesen Sie in den Ratgebern Dürfen Katzen Käse fressen? und Dürfen Katzen Joghurt essen?. Dass gereifter Hartkäse kaum noch Milchzucker enthält, ändert übrigens nichts an der Empfehlung der WSAVA, Milchprodukte bei Katzen insgesamt zu meiden – bei Käse kommen Salz und Fett hinzu.

Kitten: Muttermilch ja, Kuhmilch nie

Kitten trinken in den ersten Lebenswochen ausschließlich Muttermilch. Nach International Cat Care beginnt die Umstellung auf festes Futter mit etwa drei bis vier Wochen und ist meist mit rund acht Wochen abgeschlossen. Danach brauchen sie keine Milch mehr, sondern ein Alleinfutter für wachsende Katzen – mehr dazu im Ratgeber Katzenfutter für Kitten.

Muss ein Kitten ohne Mutter aufgezogen werden, gilt eine klare Regel von International Cat Care: niemals Kuh- oder Ziegenmilch. Deren Eiweiß- und Fettgehalt ist für Katzenwelpen zu niedrig; die Kleinen werden nicht ausreichend versorgt. Stattdessen braucht es eine Katzenaufzuchtmilch (Milchaustauscher für Katzenwelpen), die genau nach Packungsangabe angerührt und körperwarm gegeben wird.

Die Handaufzucht ist aufwendig und heikel: Neugeborene müssen nach International Cat Care rund um die Uhr im Abstand von etwa zwei bis zweieinhalb Stunden gefüttert werden. Bringen Sie ein mutterloses Kitten deshalb sofort in die Tierarztpraxis oder wenden Sie sich an ein Tierheim mit Erfahrung in der Flaschenaufzucht. Ein Kitten mit Durchfall oder Erbrechen ist immer ein Notfall.

Wasser: das richtige Getränk

Katzen decken ihren Flüssigkeitsbedarf über Wasser und über das Futter – Nassfutter besteht zu einem großen Teil aus Wasser. So machen Sie Ihrer Katze das Trinken leicht (nach International Cat Care):

  • mehrere Wasserstellen, bei mehreren Katzen eine je Tier plus eine zusätzliche,
  • weg vom Futter und weg von der Katzentoilette, an einem ruhigen Platz,
  • weite, flache Schalen aus Glas oder Keramik, bis zum Rand gefüllt – viele Katzen mögen es nicht, wenn die Schnurrhaare den Rand berühren,
  • manche Katzen bevorzugen fließendes Wasser, etwa aus einem Trinkbrunnen,
  • kein Doppelnapf für Futter und Wasser.

Trinkt Ihre Katze auffällig viel, ist das kein gutes Zeichen, sondern ein Grund für einen Praxistermin: Vermehrter Durst kann unter anderem auf eine Nierenerkrankung hinweisen.

Was Ihre Katze sonst vom Tisch bekommen darf und was nicht, können Sie im Lexikon Darf meine Katze das fressen? nachschlagen – zum Beispiel auch, ob Katzen Eier essen dürfen.

Wann Sie zur Tierarztpraxis sollten

Hat Ihre Katze Milch geschleckt, ist das kein Notfall. Leichter Durchfall legt sich meist von selbst. Rufen Sie die Tierarztpraxis an, wenn

  • Durchfall oder Erbrechen länger als einen Tag anhalten oder Blut im Kot ist,
  • Ihre Katze matt wirkt, nicht frisst oder Bauchschmerzen zeigt,
  • ein Kitten, eine sehr alte oder chronisch kranke Katze betroffen ist – sie trocknen schnell aus,
  • Ihre Katze Kakao, Schokomilch oder Milchkaffee erwischt hat: Dann sofort anrufen.

Außerhalb der Sprechzeiten ist der tierärztliche Notdienst zuständig.

Häufige Fragen

Ist Milch für Katzen giftig?

Nein, giftig ist Kuhmilch nicht. Sie ist aber ungeeignet, weil viele erwachsene Katzen den Milchzucker nicht verdauen können und Durchfall bekommen. Die WSAVA empfiehlt, Milch und Milchprodukte bei Katzen zu meiden.

Dürfen Katzen laktosefreie Milch trinken?

Laktosefreie Milch löst seltener Verdauungsprobleme aus, liefert aber weiterhin Kalorien und Fett. Eine Katze braucht sie nicht. Wenn überhaupt, dann nur ein Teelöffel als seltene Ausnahme.

Ist Katzenmilch gesund?

Katzenmilch ist laktosereduziert und damit verträglicher als Kuhmilch, bleibt aber ein Leckerli mit Kalorien. Sie ersetzt weder Wasser noch Futter und zählt zu den höchstens zehn Prozent der Tageskalorien, die Extras ausmachen dürfen.

Was dürfen Katzen außer Wasser trinken?

Im Grunde nichts – Wasser genügt. Wer die Trinkmenge steigern möchte, bietet mehr Wasserstellen an oder bespricht mit der Tierarztpraxis, ob Nassfutter oder etwas Wasser im Futter sinnvoll ist.

Warum mögen Katzen Milch, wenn sie sie nicht vertragen?

Milch und vor allem Sahne enthalten Fett und Eiweiß, und das riecht und schmeckt für Katzen attraktiv. Ob etwas schmeckt, sagt aber nichts darüber, ob es bekommt – die Verdauungsbeschwerden zeigen sich erst danach.

Quellen und weiterführende Informationen (9)
  1. Kienzle, E. (1993): Carbohydrate metabolism of the cat. 4. Activity of maltase, isomaltase, sucrase and lactase in the gastrointestinal tract in relation to age and diet. J Anim Physiol Anim Nutr 70, 89–96 (Zusammenfassung)
  2. WSAVA Global Nutrition Committee: Feeding treats to your cat (2025)
  3. Cornell Feline Health Center: Feeding Your Cat
  4. ASPCA: People Foods to Avoid Feeding Your Pets
  5. International Cat Care: How to encourage your cat to drink
  6. International Cat Care: Hand-rearing kittens
  7. International Cat Care: Feeding your cat or kitten
  8. Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Einkaufen bei Laktoseintoleranz
  9. WSAVA: Calorie Needs for an Average Healthy Adult Cat (2020)

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