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Gesundheit

HCM bei der Katze: Was die Herzkrankheit bedeutet und was Gentests leisten

HCM ist die häufigste Herzkrankheit der Katze und bleibt oft unbemerkt. Anzeichen, Notfälle, Herzultraschall, Gentests bei Maine Coon und Ragdoll, Prognose.

Von der Redaktion catterys.deÜberarbeitet am 13. Oktober 2026

Zwei Maine-Coon-Katzen, eine silber und eine braun getigert, mit Luchspinseln an den Ohren vor hellem Hintergrund

HCM steht für hypertrophe Kardiomyopathie: Der Herzmuskel, vor allem die Wand der linken Herzkammer, verdickt sich. Es ist die häufigste Herzkrankheit der Katze. Das Tückische daran: Die meisten betroffenen Katzen wirken lange völlig gesund. Sicher feststellen lässt sich eine HCM nur mit einem Herzultraschall – einen Gentest gibt es lediglich für Maine Coon und Ragdoll, und er beantwortet nur einen Teil der Frage.

Dieser Artikel erklärt, wie häufig HCM ist, woran Sie einen Notfall erkennen, wie die Tierarztpraxis untersucht und was Gentests leisten. Wir sind keine Tierärzte; der Text ersetzt keine Untersuchung. Er soll Ihnen helfen, die richtigen Fragen zu stellen – in der Praxis und beim Züchter.

Was ist HCM?

Bei einer HCM wird die Muskelwand der linken Herzkammer dicker, ohne dass eine andere Erkrankung das erklärt. Die Kammer selbst wird dadurch enger und füllt sich schlechter mit Blut. Der Vorhof davor kann sich weiten; dort können Blutgerinnsel entstehen. Das Cornell Feline Health Center beschreibt die Krankheit als meist fortschreitend – wie schnell, ist von Katze zu Katze sehr verschieden.

Wichtig für die Einordnung: Auch Bluthochdruck und eine Schilddrüsenüberfunktion können den Herzmuskel verdicken. Beides muss die Tierarztpraxis nach Cornell ausschließen, bevor sie von einer HCM spricht.

Wie häufig ist HCM?

Häufiger, als die meisten Halter denken. Die bekannteste Zahl stammt aus der britischen CatScan-Studie (Payne und Kollegen, 2015): In zwei Tierheimen wurden 780 äußerlich gesunde, erwachsene Katzen per Herzultraschall untersucht. 14,7 % hatten eine HCM. Der Anteil stieg mit dem Alter; Kater und übergewichtige Katzen waren häufiger betroffen.

Die Konsensus-Leitlinie des amerikanischen Fachkollegiums ACVIM (2020) geht auf dieser Grundlage von etwa 15 % in der gesamten Katzenpopulation aus, bei älteren Katzen von bis zu 29 %. Die allermeisten dieser Katzen sind Hauskatzen ohne Stammbaum. HCM ist also keine reine Rassekatzen-Krankheit.

Ursachen und betroffene Rassen

Die Ursache ist bei den meisten Katzen nicht geklärt. Bei zwei Rassen kennt man je eine Genveränderung im Gen MYBPC3, die das Risiko erhöht. Bei weiteren Rassen tritt HCM gehäuft auf, ohne dass eine Mutation bekannt wäre. Die ACVIM-Leitlinie und Cornell nennen unter anderem:

Für alle Rassen außer Maine Coon und Ragdoll gibt es keinen Gentest. Langford Vets, das Labor der Universität Bristol, schreibt das ausdrücklich für Bengal und Britisch Kurzhaar: Dort lässt sich HCM nur per Herzultraschall feststellen.

Anzeichen: oft keine

Nach der ACVIM-Leitlinie haben die meisten Katzen mit HCM keine erkennbaren Beschwerden. Die Krankheit fällt dann zufällig auf – etwa durch ein Herzgeräusch bei der Impfuntersuchung – oder gar nicht.

Ein Herzgeräusch ist allerdings ein unsicherer Hinweis. In der CatScan-Studie hatten 40,8 % der untersuchten Katzen ein Herzgeräusch, und rund 70 % dieser Geräusche galten als harmlos. Umgekehrt haben viele herzkranke Katzen gar kein Geräusch. Abhören allein genügt deshalb nicht.

Wenn Beschwerden auftreten, dann meist durch Herzversagen mit Flüssigkeit in oder um die Lunge:

  • schnelle oder angestrengte Atmung, auch in Ruhe
  • Atmen mit offenem Maul
  • Mattigkeit, Rückzug, weniger Appetit
  • selten: kurze Ohnmachten

Dass eine Katze „nur ruhiger geworden“ ist, kann das einzige Zeichen sein.

Wann Sie sofort zur Tierarztpraxis sollten

Diese Zeichen sind Notfälle. Fahren Sie sofort los; außerhalb der Sprechzeiten ist der tierärztliche Notdienst zuständig. Rufen Sie von unterwegs an.

  • Atemnot: Die Katze atmet schnell und mit sichtbarer Anstrengung, oder mit offenem Maul.
  • Plötzlich gelähmte Hinterbeine: Die Katze zieht ein oder beide Hinterbeine nach, schreit vor Schmerz, die Pfoten sind kalt.
  • Kollaps oder Ohnmacht.
  • Blasses Zahnfleisch, kalte Ohren und Pfoten zusammen mit auffälliger Schwäche.

Halten Sie die Katze ruhig, setzen Sie sie in die Transportbox und vermeiden Sie jeden zusätzlichen Stress. Geben Sie keine Medikamente aus der Hausapotheke – Schmerzmittel für Menschen wie Paracetamol oder Ibuprofen sind für Katzen lebensgefährlich.

Aortenthrombose: das Gerinnsel im Hinterbein

Die plötzliche Lähmung hat einen Namen: arterielle Thromboembolie, oft „Aortenthrombose“ genannt. Ein Blutgerinnsel aus dem Herzen wird mit dem Blutstrom fortgespült und verschließt meist die Aufzweigung der Hauptschlagader zu den Hinterbeinen. Das ist extrem schmerzhaft.

Die Aussichten sind ernst, und das sollte man ehrlich sagen. In einer britischen Auswertung von 250 Katzen aus Hausarztpraxen (Borgeat und Kollegen, 2014) wurden 61 % bei der Vorstellung eingeschläfert. Von den behandelten Katzen überlebten gut zwei Drittel die ersten 24 Stunden; wer die erste Woche überstand, lebte im Median noch rund drei Monate (94 Tage), einzelne Katzen länger als ein Jahr. Günstiger ist es nach der ACVIM-Leitlinie, wenn nur ein Bein betroffen ist, die Körpertemperatur normal ist und kein Herzversagen vorliegt.

Wie die Praxis untersucht

Der Herzultraschall (Echokardiografie) ist nach ACVIM und Cornell die Methode der Wahl – möglichst bei einer Tierärztin oder einem Tierarzt mit kardiologischer Zusatzqualifikation. Gemessen werden unter anderem die Wanddicke der linken Kammer und die Größe des linken Vorhofs. Die Untersuchung tut nicht weh und gelingt nach International Cat Care bei den meisten Katzen ohne Beruhigungsmittel.

Ergänzend kommen infrage:

  • Blutdruckmessung und Schilddrüsenwert (T4), um andere Ursachen einer Herzwandverdickung auszuschließen
  • Röntgen des Brustkorbs bei Atemnot, um Flüssigkeit in der Lunge zu erkennen
  • EKG bei Rhythmusstörungen
  • der Blutwert NT-proBNP: Er hilft nach der ACVIM-Leitlinie zu unterscheiden, ob Atemnot vom Herzen kommt. Ein normaler Wert schließt eine HCM aber nicht aus, ein auffälliger muss per Ultraschall abgeklärt werden.

Die Leitlinie teilt die Krankheit in Stadien ein: A (Veranlagung, Herz unauffällig), B1 und B2 (Herz verändert, noch keine Beschwerden, niedriges bzw. höheres Risiko), C (Herzversagen oder Thromboembolie) und D (Herzversagen, das auf die Behandlung nicht mehr anspricht).

Behandlung im Überblick

HCM ist nicht heilbar. Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium und gehört in tierärztliche Hand:

  • Stadium B1: Die Leitlinie empfiehlt in der Regel keine Medikamente, sondern Kontrollen, meist jährlich.
  • Stadium B2: Ist der Vorhof deutlich vergrößert, verordnet die Praxis häufig einen Gerinnungshemmer, um Thromboembolien vorzubeugen.
  • Stadium C und D: Bei Herzversagen werden entwässernde Medikamente eingesetzt, im Notfall Sauerstoff; dazu Gerinnungshemmer und je nach Befund weitere Herzmedikamente.

Welche Mittel in welcher Menge passen, entscheidet allein die Praxis anhand des Ultraschallbefunds. Ändern Sie verordnete Medikamente nie eigenmächtig. Nahrungsergänzungen oder Hausmittel, die eine HCM aufhalten, sind nicht belegt.

Prognose

Die Spanne ist groß. Viele Katzen leben mit einer HCM jahrelang beschwerdefrei und sterben an etwas anderem. Die internationale REVEAL-Studie (Fox und Kollegen, 2018) verfolgte 1.008 Katzen mit HCM, die bei der Diagnose noch keine Beschwerden hatten: Bei 30,5 % kam es im Beobachtungszeitraum zu Herzversagen, einer Thromboembolie oder beidem. Das Risiko, innerhalb von fünf Jahren an der Herzkrankheit zu sterben, lag bei 22,8 %. Katzen, bei denen Komplikationen auftraten, lebten danach im Mittel nur noch gut ein Jahr.

Anders gesagt: Der größere Teil der Katzen mit einer zufällig entdeckten HCM bekommt über Jahre keine Herzkomplikation – aber ein beachtlicher Teil eben doch. Regelmäßige Kontrollen zeigen, zu welcher Gruppe eine Katze gehört.

Bedeutung für Zucht und Kitten-Kauf

Was die Gentests leisten – und was nicht

Für zwei Rassen gibt es je einen Test auf eine Mutation im Gen MYBPC3:

Rasse Mutation Was die Daten zeigen
Maine Coon A31P Langford Vets fand die Mutation bei rund 26 % der getesteten Maine Coons; die ACVIM-Leitlinie nennt 35–42 %. Katzen mit zwei Kopien haben ein deutlich höheres Risiko und erkranken eher früh und schwer.
Ragdoll R820W Nach Langford tragen rund 13 % der Ragdolls die Mutation. In einer Befragung zu 236 Ragdolls lag die mediane Lebenszeit von Katzen mit zwei Kopien bei 5,65 Jahren, bei Katzen mit einer oder keiner Kopie bei über 15 Jahren.

Was der Test nicht kann:

  • Er schließt HCM nicht aus. Der Test erfasst genau eine Mutation. Maine Coons und Ragdolls ohne die Mutation können trotzdem eine HCM entwickeln – die ACVIM-Leitlinie empfiehlt deshalb auch für sie Ultraschallkontrollen.
  • Er sagt keine Krankheit voraus. Der Zusammenhang ist laut Langford „nicht perfekt“: Nicht jede Katze mit der Mutation erkrankt, vor allem nicht mit nur einer Kopie.
  • Er gilt nicht für andere Rassen. Die Mutationen kommen fast nur bei Maine Coon und Ragdoll vor; für andere Rassen rät die Leitlinie vom Test ab.

Für die Zucht empfiehlt die ACVIM-Leitlinie: Katzen mit zwei Kopien nicht einsetzen. Katzen mit einer Kopie können mit einem mutationsfreien Partner verpaart werden, wenn sie sonst wertvoll für die Rasse sind; die Nachkommen werden wieder getestet.

Herzultraschall der Zuchttiere

Weil der Gentest nur einen Teil des Risikos abbildet, gehört bei allen gefährdeten Rassen der Herzultraschall der Elterntiere dazu – und zwar wiederholt, denn eine HCM kann sich erst im Lauf der Jahre zeigen. International Cat Care empfiehlt für Zuchtkatzen einen jährlichen Ultraschall während der Zuchtjahre; Katzen mit HCM im Ultraschall sollen nicht zur Zucht eingesetzt werden. Ein einmaliger unauffälliger Befund eines jungen Tieres ist eine Momentaufnahme, keine Garantie.

Was Sie den Züchter fragen sollten

  • Liegt für beide Elterntiere ein Herzultraschall-Befund vor? Von wann, und wer hat untersucht?
  • Bei Maine Coon und Ragdoll: Wie lautet das Gentest-Ergebnis beider Eltern – schriftlich, mit Chipnummer?
  • Gab es in der Linie Katzen, die jung am Herzen gestorben sind?

Weitere Punkte finden Sie in unserer Liste Fragen an den Züchter. Züchter, die ihre Gesundheitsvorsorge offenlegen, finden Sie im Züchterverzeichnis. Eine Garantie für ein gesundes Herz kann kein Züchter geben – wohl aber belegen, dass er das Mögliche getan hat.

Häufige Fragen

Wie alt wird eine Katze mit HCM?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Viele Katzen ohne Beschwerden leben jahrelang normal. In der REVEAL-Studie starben innerhalb von fünf Jahren 22,8 % der zunächst beschwerdefreien HCM-Katzen an der Herzkrankheit. Nach Herzversagen oder einer Thromboembolie ist die verbleibende Zeit deutlich kürzer.

Woran erkenne ich HCM bei meiner Katze?

Zu Hause meist gar nicht – die meisten betroffenen Katzen zeigen keine Anzeichen. Schnelle oder angestrengte Atmung in Ruhe, Atmen mit offenem Maul, auffällige Mattigkeit oder plötzlich gelähmte Hinterbeine sind Warnzeichen und ein Fall für die Praxis oder den Notdienst. Gewissheit bringt nur der Herzultraschall.

Ist HCM bei Katzen heilbar?

Nein. Medikamente können Folgen wie Herzversagen und Blutgerinnsel behandeln oder ihnen vorbeugen, die Verdickung des Herzmuskels aber nicht rückgängig machen. Ob und wann eine Behandlung sinnvoll ist, hängt vom Stadium ab.

Meine Maine Coon ist im Gentest negativ – ist sie sicher?

Nein. Der Test prüft nur die Mutation A31P. Auch Maine Coons ohne diese Mutation können eine HCM entwickeln. Der Gentest ergänzt den Herzultraschall, er ersetzt ihn nicht.

Sollte ich meine Katze vorsorglich schallen lassen?

Bei Katzen gefährdeter Rassen, bei einem Herzgeräusch oder vor einer Narkose kann das sinnvoll sein; besprechen Sie es mit Ihrer Praxis. Zu den Kosten nennen wir bewusst keine Zahl: Sie richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte und nach dem Aufwand, und die Praxis kann sie Ihnen vorab sagen.

Quellen und weiterführende Informationen (9)
  1. Luis Fuentes et al.: ACVIM consensus statement guidelines for the classification, diagnosis, and management of cardiomyopathies in cats (Journal of Veterinary Internal Medicine, 2020)
  2. Payne, Brodbelt, Luis Fuentes: Cardiomyopathy prevalence in 780 apparently healthy cats in rehoming centres – the CatScan study (Journal of Veterinary Cardiology, 2015)
  3. Fox et al.: The REVEAL Study – long-term health in cats with preclinical hypertrophic cardiomyopathy (Journal of Veterinary Internal Medicine, 2018)
  4. Borgeat et al.: Arterial thromboembolism in 250 cats in general practice, 2004–2012 (Journal of Veterinary Internal Medicine, 2014)
  5. Borgeat et al.: Association of the MYBPC3 R820W mutation with cardiac death in a survey of 236 Ragdoll cats (Journal of Veterinary Cardiology, 2014)
  6. Langford Vets: Maine Coon Hypertrophic Cardiomyopathy (MC-HCM)
  7. Langford Vets: Ragdoll Hypertrophic Cardiomyopathy (RD-HCM)
  8. Cornell Feline Health Center: Hypertrophic Cardiomyopathy
  9. International Cat Care: Cardiomyopathy (heart disease) in cats

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