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haarlosmittelgroßQualzucht

Sphynx

auch: Canadian Sphynx, Kanadische Nacktkatze, Nacktkatze, Sphinx-Katze, SPH

Die Sphynx ist eine haarlose, sehr menschenbezogene Katze – ihre Haarlosigkeit und die fehlenden Tasthaare gelten in Deutschland als Qualzuchtmerkmal.

Haarlose Sphynx mit rosa und dunkelgrau gefleckter, faltiger Haut, großen Ohren und hellgrünen Augen steht auf einem Teppich.

Steckbrief Sphynx

Herkunft
Kanada (Toronto) und USA (Minnesota)
Fell
haarlos
Größe
mittelgroß
Gewicht Katze
3–4 kg
Gewicht Kater
3,5–5,5 kg
Lebenserwartung
7–14 Jahre
Anerkannt bei
FIFe, WCF, TICA, CFA, GCCF
Aktivität
sehr aktiv
Menschenbezug
sehr anhänglich
Stimme
mittel
Fellpflege
täglich
Mit Kindern
mittel
Mit anderen Tieren
sehr gut
Allein bleiben
schlecht
Reine Wohnung
gut geeignet
Für Einsteiger
für Erfahrene

Die Einschätzungen beschreiben Neigungen der Rasse, keine Garantie für die einzelne Katze. Welche Katze passt zu mir?

Die Sphynx polarisiert wie kaum eine andere Katze. Große Ohren, große Augen, faltige, warme Haut ohne sichtbares Fell – für die einen faszinierend, für andere befremdlich. Wer mit Sphynx-Haltern spricht, hört fast immer dasselbe: Diese Katzen sind außergewöhnlich anhänglich, verspielt und menschenbezogen.

Trotzdem stellt catterys.de für die Sphynx keine Züchter vor. Der Grund ist das Merkmal, das die Rasse ausmacht: Haarlosigkeit mit fehlenden oder verkümmerten Tasthaaren. Nach dem Gutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums zu § 11b des Tierschutzgesetzes ist das ein Qualzuchtmerkmal. Wir erklären hier sachlich, was das für die Katze bedeutet – und welche Rassen ähnlich im Wesen sind, ohne diese Last zu tragen.

Herkunft und Geschichte

Haarlose Katzen tauchten immer wieder zufällig auf. Die heutige Sphynx geht auf eine spontane Mutation zurück, die 1966 in Toronto (Kanada) bei einem Kätzchen einer gewöhnlichen Hauskatze auftrat. In den 1970er Jahren kamen zwei weitere haarlose Kätzinnen aus Minnesota hinzu, „Epidermis“ und „Dermis“, sowie haarlose Straßenkatzen aus Toronto. Weil das Haarlos-Gen rezessiv ist, wurden immer wieder normal behaarte Katzen – etwa Devon Rex und Amerikanisch Kurzhaar – eingekreuzt und die Nachkommen zurückverpaart.

Die Mutation liegt im Keratin-Gen KRT71, demselben Gen, das in anderer Variante die Locken des Devon Rex verursacht. Die CFA registriert die Sphynx seit 1998 (Championstatus 2002); die FIFe erkannte sie 2002 an.

Aussehen

Die Sphynx ist mittelgroß, muskulös und schwerer, als sie aussieht, mit breiter Brust und rundem Bauch. Der Kopf ist etwas länger als breit, mit ausgeprägten Wangenknochen und deutlichem Schnurrhaarkissen. Die Ohren sind sehr groß, an der Basis breit und innen haarlos, die zitronenförmigen Augen groß.

Völlig nackt ist die Sphynx nicht: Die Haut ist mit einem feinen Flaum bedeckt und fühlt sich an wie Pfirsichhaut oder Wildleder. Kurze, feine Haare sind an Nasenrücken, Pfoten, Schwanzspitze und Hoden erlaubt. Die Haut ist warm, an Kopf, Schultern und Beinen faltig und trägt die Farbe, die sonst das Fell hätte – alle Farben und Muster sind möglich. Die Tasthaare sind laut FIFe-Standard „ganz oder abgebrochen, grob“; bei vielen Tieren fehlen sie ganz, ebenso die Wimpern.

Wesen und Charakter

Die Sphynx gilt als ausgesprochen gesellig, neugierig und menschenbezogen. Sie folgt ihren Menschen, sucht Körperkontakt – schon wegen der Wärme –, schläft unter der Bettdecke und kommentiert vieles mit ihrer Stimme. Sie ist verspielt, klug und selten scheu.

Die Kehrseite: Sie fordert viel Aufmerksamkeit und leidet, wenn sie allein ist. Die CFA rät ausdrücklich, besser zwei Tiere zu halten. Kinder müssen wissen, dass die ungeschützte Haut empfindlich ist und Krallen oder grobes Spiel leicht Kratzer hinterlassen.

Haltung

Eine Sphynx kann nur in der Wohnung leben. Ohne Fell fehlt ihr der Schutz vor Kälte, Nässe und Sonne: Sie friert schon bei normaler Raumtemperatur leicht, bekommt Sonnenbrand und kann ihre Körperwärme schlecht halten. Sie braucht warme Liegeplätze, im Winter oft beheizte Kissen, und darf nur im Schatten auf einen gesicherten Balkon. Ihr Energieverbrauch ist wegen des Wärmeverlusts höher als bei behaarten Katzen.

Eine Partnerkatze ist Pflicht, am besten eine ebenso gesellige. Lange Arbeitstage ohne Menschen verträgt die Sphynx schlecht.

Pflege und Ernährung

Die Sphynx ist nicht pflegeleicht, sondern das Gegenteil. Ohne Fell, das den Hauttalg aufnimmt, sammelt er sich auf der Haut, in den Falten, an den Krallenbetten und in den großen Ohren. Die meisten Tiere müssen regelmäßig – oft wöchentlich – mit einem milden Mittel gebadet oder abgewischt werden, die Ohren brauchen häufige Reinigung. Zu viel Waschen trocknet die Haut aus; das richtige Maß besprechen Sie am besten mit Ihrer Tierarztpraxis. Auf hellen Hautstellen ist Sonnenschutz nötig, und Liegeflächen und Bettwäsche verfärben sich durch den Talg.

Füttern Sie ein hochwertiges, fleischreiches Alleinfutter. Wegen des höheren Energiebedarfs fressen Sphynx-Katzen oft mehr als gleich schwere behaarte Katzen; die Menge sollten Sie am Gewicht ausrichten.

Gesundheit

Die Sphynx trägt mehr gesundheitliche Last als die meisten Rassen:

  • Herz: Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) ist bei der Sphynx häufig und erblich; das zeigen eine amerikanische (Silverman et al., 2012) und eine große französische Untersuchung (Chetboul et al., 2012). Auch andere Herzfehler wie eine Fehlbildung der Mitralklappe kommen vor. Zuchttiere sollten jährlich per Herzultraschall untersucht werden – eine Garantie für herzgesunde Nachkommen ist das nicht.
  • Kongenitales myasthenes Syndrom (CMS): Eine angeborene Muskelschwäche durch eine Mutation im Gen COLQ, die Sphynx und Devon Rex teilen. Betroffene Katzen zeigen Schwäche nach Anstrengung oder Aufregung und oft eine typische „bettelnde“ Haltung. Ein Gentest der Eltern schließt kranke Kitten aus.
  • Haut: Malassezien (Hefepilze), Talgansammlungen, Akne, Sonnenbrand und die Hauterkrankung Urticaria pigmentosa werden häufig beschrieben. International Cat Care nennt zusätzlich Ohrinfektionen, Gebärmutterentzündungen, Harnsteine und Augenprobleme.
  • Lebenserwartung: In der britischen Auswertung von fast 8.000 Todesfällen (Teng et al., 2024) lag die Lebenserwartung ab Geburt bei der Sphynx bei rund 6,7 Jahren – der niedrigste Wert aller untersuchten Rassen. Das ist ein Durchschnitt, der frühe Todesfälle einschließt; viele Sphynx werden älter, manche deutlich.

Warum die Sphynx als Qualzucht gilt

§ 11b des Tierschutzgesetzes verbietet es, Wirbeltiere zu züchten, wenn damit zu rechnen ist, dass den Nachkommen erblich bedingt Körperteile fehlen oder untauglich sind und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden entstehen. Wie das auszulegen ist, beschreibt das BMEL-Gutachten von 1999, das bis heute nicht neu gefasst wurde.

Dort heißt es sinngemäß: Tasthaare sind ein wesentliches Sinnesorgan der Katze – für die Orientierung im Dunkeln, beim Beutefang, beim Untersuchen von Gegenständen und im sozialen Kontakt. Fehlen sie oder sind sie so verändert, dass sie ihre Funktion verlieren, ist das ein Körperschaden, der zu andauerndem Leiden führt. Das Gutachten empfiehlt ein Zuchtverbot für Katzen, denen die Tasthaare fehlen, und nennt die Sphynx ausdrücklich. Das QUEN-Merkblatt zu Vibrissen (Stand Juni 2026) beschreibt die Tasthaare der Sphynx als spärlich, kurz, gekräuselt oder ganz fehlend.

Hinzu kommt das fehlende Fell selbst: Es schützt vor Kälte, Nässe, Sonne und Verletzungen und ist Teil der Körpersprache (Haare sträuben). International Cat Care formuliert es klar: Für eine Katze ist ein Fell unverzichtbar, haarlose Katzen sollten nicht gezüchtet werden. Dass die Rasse bei allen großen Zuchtverbänden anerkannt ist, ändert an dieser Einschätzung nichts. Dieselbe Bewertung gilt für die ebenfalls haarlosen Rassen Don Sphynx und Peterbald.

Für wen passt die Sphynx – und welche Alternativen gibt es?

Wenn Sie eine Sphynx aus dem Tierschutz oder aus zweiter Hand aufnehmen, bekommt eine Katze, die schon lebt, ein gutes Zuhause – das ist etwas anderes, als die Zucht durch einen Kauf zu fördern. Sie sollten dann Zeit für Hautpflege, eine warme Wohnung, regelmäßige Herzuntersuchungen und eine zweite Katze einplanen. Seriöse Tierschutzvereine und Notstellen für Rassekatzen vermitteln immer wieder auch Nacktkatzen.

Wer das Wesen der Sphynx sucht – anhänglich, verspielt, gesprächig, wärmeliebend –, findet es in Rassen mit normalem Fell:

  • Orientalisch Kurzhaar: ähnlich schlank, sehr kurzes Fell, extrem menschenbezogen und gesprächig.
  • Siam und Thai: eng an ihre Menschen gebunden, redselig, verspielt.
  • Burma und Tonkanese: kurzes, glänzendes Fell, gesellig, verschmust und gut mit Kindern.
  • Abessinier: aktiv, neugierig, kurzhaarig und pflegeleicht.

Die lockigen Rexkatzen wie Cornish Rex oder Devon Rex wirken der Sphynx ähnlich, haben aber zum Teil ebenfalls veränderte Tasthaare; dort lohnt ein genauer Blick auf die Elterntiere.

Nicht passend ist die Sphynx für Allergiker: Das Hauptallergen Fel d 1 wird vor allem mit Speichel und Hauttalg verteilt – und davon hat die Sphynx reichlich auf der Haut.

Worauf Sie achten sollten

Weil die Sphynx als Qualzucht gilt, stellt catterys.de keine Züchter vor. Wenn Sie dennoch eine Sphynx aufnehmen, dann bevorzugt aus dem Tierschutz oder als Abgabetier. Fragen Sie nach Herzbefunden, CMS-Status und Hautproblemen, und lassen Sie die Katze gleich zu Beginn tierärztlich und kardiologisch untersuchen. Seien Sie besonders vorsichtig bei günstigen „Nacktkatzen“ aus Kleinanzeigen: Oft stammen sie aus Vermehrungen ohne jede Gesundheitsvorsorge. Kitten gehören frühestens mit zwölf Wochen zur neuen Familie. Welche Fragen Sie bei jeder Abgabe stellen sollten, zeigt unsere Liste Fragen an den Züchter.

Gesundheit: danach sollten Sie den Züchter fragen

ErkrankungVorsorge in der Zucht
Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) und andere HerzerkrankungenHerzultraschall der Zuchttiere durch einen Kardiologen, jährlich wiederholt
Kongenitales myasthenes Syndrom (CMS, früher „Devon-Rex-Myopathie“)Gentest der Elterntiere auf die COLQ-Mutation
Hautprobleme (Malassezien, Talgansammlung, Sonnenbrand, Urticaria pigmentosa)Kein Test – Hautzustand der Elterntiere ansehen, lebenslange Hautpflege und Sonnenschutz
Fehlende oder verkümmerte Tasthaare und WimpernKein Test – rassetypisch und nicht wegzüchten, solange auf Haarlosigkeit gezüchtet wird
Quellen und weiterführende Informationen (10)
  1. BMEL-Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (1999), bereitgestellt von der Bundestierärztekammer
  2. QUEN Qualzucht-Datenbank: Merkblatt Katze Vibrissen (Stand 06/2026)
  3. QUEN Qualzucht-Datenbank: Merkblatt Katze Haarkleid
  4. International Cat Care: Sphynx
  5. CFA: Sphynx – Breed Profile
  6. FIFe: Rassestandard Sphynx (SPH)
  7. Teng et al. (2024): Life tables of annual life expectancy and risk factors for mortality in cats in the UK. Journal of Feline Medicine and Surgery
  8. Silverman, Stern, Meurs (2012): Hypertrophic cardiomyopathy in the Sphynx cat. Journal of Feline Medicine and Surgery
  9. Chetboul et al. (2012): Prospective echocardiographic and tissue Doppler screening of a large Sphynx cat population. Journal of Veterinary Cardiology
  10. UC Davis Veterinary Genetics Laboratory: Sphynx and Devon Rex Congenital Myasthenic Syndrome

Von der Redaktion catterys.de · Stand: 26. September 2026

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