Gesundheit
Katzenschnupfen: Anzeichen, Ansteckung, Behandlung und Impfung
Katzenschnupfen ist keine harmlose Erkältung: welche Erreger dahinterstecken, wie Sie ihn erkennen, wann die Katze zur Praxis muss und was die Impfung leistet.

Niest Ihre Katze, tränen die Augen und läuft die Nase, steckt dahinter in aller Regel keine „Erkältung“ wie beim Menschen, sondern Katzenschnupfen: eine ansteckende Infektion der oberen Atemwege, an der meist das feline Herpesvirus (FHV-1) oder das feline Calicivirus (FCV) beteiligt ist. Bei gesunden, geimpften erwachsenen Katzen verläuft sie oft mild. Für Kitten, ungeimpfte und geschwächte Tiere kann sie gefährlich werden – deshalb gehört eine „erkältete“ Katze in die Tierarztpraxis und nicht aufs Sofa zum Auskurieren.
Dieser Artikel erklärt, welche Erreger beteiligt sind, wie sich Katzen anstecken, woran Sie die Erkrankung erkennen und was die Impfung leisten kann. Er ersetzt keine Untersuchung: Wir sind keine Tierärzte, und welche Behandlung Ihre Katze braucht, entscheidet die Praxis.
Was ist Katzenschnupfen?
Katzenschnupfen ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Sammelbegriff. Das European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD) beschreibt vier Erreger, die allein oder gemeinsam auftreten:
| Erreger | Art | Typisch |
|---|---|---|
| Felines Herpesvirus (FHV-1) | Virus | Niesen, Nasen- und Augenausfluss, Bindehaut- und Hornhautentzündung |
| Felines Calicivirus (FCV) | Virus | Geschwüre auf der Zunge, Schnupfen, Fieber, teils wechselnde Lahmheit |
| Chlamydia felis | Bakterium | Bindehautentzündung, oft zuerst an einem Auge |
| Bordetella bronchiseptica | Bakterium | Husten, Niesen; bei sehr jungen Kitten Lungenentzündung |
Auf die von den Viren geschädigten Schleimhäute setzen sich häufig weitere Bakterien. Dann wird aus klarem Ausfluss eitriger.
Wie stecken sich Katzen an?
Die Erreger sitzen in Nasen-, Augen- und Maulsekret. Übertragen werden sie vor allem durch direkten Kontakt mit einer erkrankten Katze oder einem gesund wirkenden Träger – und über alles, woran Sekret haftet. Wie lange das gefährlich bleibt, hängt vom Erreger ab:
- Calicivirus: bleibt laut ABCD auf trockenen Oberflächen bei Raumtemperatur bis zu einem Monat ansteckend und widersteht vielen Desinfektionsmitteln.
- Chlamydien: überleben außerhalb der Katze schlecht; nötig ist enger Kontakt.
- Bordetellen: können auch von Hunden mit Atemwegsinfekt auf Katzen übergehen.
Je mehr Katzen zusammenleben, desto häufiger sind die Erreger. Das ABCD nennt für das Calicivirus Zahlen: In Haushalten mit weniger als vier Katzen schieden 2,5 Prozent der gesunden Tiere das Virus aus, in Gruppen ab vier Katzen 32 Prozent. In Tierheimen und Kolonien liegen die Werte noch höher. Deshalb trifft Katzenschnupfen vor allem Tierheime, Vermehrerhaushalte und Höfe mit vielen ungeimpften Katzen.
Anzeichen: So zeigt sich Katzenschnupfen
Nach einer Herpesinfektion treten die ersten Anzeichen laut ABCD meist nach zwei bis sechs Tagen auf, beim Calicivirus nach zwei bis zehn Tagen. Typisch sind:
- Niesen, wässriger, später oft eitriger Nasenausfluss
- tränende, gerötete, verklebte Augen; Zukneifen der Augen
- Fieber, Mattigkeit
- Appetitlosigkeit – eine Katze, die nichts riecht, frisst schlecht
- Speicheln, schmerzhafte Geschwüre auf der Zunge (vor allem Calicivirus)
- Husten, bei schwerem Verlauf angestrengte Atmung
- beim Calicivirus gelegentlich eine wechselnde Lahmheit, die laut ABCD oft binnen 24 bis 48 Stunden von selbst verschwindet
Die akute Herpeserkrankung klingt meist innerhalb von 10 bis 14 Tagen ab; Zungengeschwüre brauchen etwa zwei bis drei Wochen zum Heilen. Sehr selten verursachen besonders aggressive Calicivirus-Stämme eine schwere Allgemeinerkrankung mit hoher Sterblichkeit.
Wann Sie sofort zur Tierarztpraxis sollten
Eine Katze mit Schnupfenanzeichen sollte grundsätzlich zeitnah untersucht werden. Ein Notfall ist es, wenn eines dieser Warnzeichen auftritt:
- Atemnot: Atmen mit offenem Maul, pumpende Flanken, bläuliche Schleimhäute
- die Katze hat 24 Stunden nichts gefressen oder trinkt nicht
- ein Kitten ist betroffen – erst recht, wenn es matt ist, nicht trinkt oder die Augen verklebt sind
- ein Auge ist trüb, stark geschwollen oder wird dauerhaft zugekniffen
- hohes Fieber, Teilnahmslosigkeit, starkes Speicheln
Außerhalb der Sprechzeiten ist der tierärztliche Notdienst zuständig. Rufen Sie vorher an und sagen Sie, dass Verdacht auf Katzenschnupfen besteht – die Praxis kann die Katze dann getrennt von anderen Patienten aufnehmen.
Geben Sie keine Erkältungsmittel aus der Hausapotheke. Schmerz- und Fiebermittel für Menschen wie Paracetamol oder Ibuprofen sind für Katzen lebensgefährlich; auch ätherische Öle zum Inhalieren (etwa Teebaumöl) sind giftig.
Kitten: warum die Krankheit hier so gefährlich ist
In den ersten Lebenswochen schützen Antikörper aus der Muttermilch. Lässt dieser Schutz nach, werden Kitten empfänglich: In Zuchten stecken sie sich laut ABCD typischerweise im Alter von vier bis acht Wochen an, und die Sterblichkeit kann hoch sein. Dazu kommen mögliche Dauerschäden – eine Herpesinfektion kann chronischen Schnupfen und chronische Hornhautentzündungen nach sich ziehen, die im schlimmsten Fall zur Erblindung führen. Bordetellen lösen Lungenentzündungen vor allem bei Kitten unter zwölf Wochen aus.
Verklebte Augen und Niesen bei Hofkitten oder Kitten aus dem Kleinanzeigen-Wurf sind deshalb kein „Schönheitsfehler“, sondern ein Grund für einen sofortigen Praxisbesuch.
Wie die Praxis untersucht
Oft genügen Vorbericht und Untersuchung für die Verdachtsdiagnose. Welcher Erreger beteiligt ist, klärt ein Abstrich von Bindehaut, Rachen oder Nase, der im Labor per PCR untersucht wird. Das Ergebnis muss die Praxis einordnen: Auch gesunde Katzen können positiv sein, und ein negativer Befund schließt eine Infektion nicht aus. Antikörpertests helfen laut ABCD kaum weiter, weil Impfung und frühere Infektionen ebenfalls Antikörper hinterlassen.
Behandlung im Überblick
Ein Mittel, das die Viren aus dem Körper entfernt, gibt es nicht. Die Praxis behandelt, was die Katze belastet:
- Flüssigkeit und Futter: Schwer erkrankte Katzen bekommen Infusionen. Frisst eine Katze länger als drei Tage nicht, hält das ABCD eine Ernährungssonde für angezeigt.
- Freie Atemwege: Reinigen von Nase und Augen, Inhalation mit Kochsalzlösung nach Anleitung der Praxis.
- Antibiotika setzt die Praxis gegen bakterielle Erreger und Begleitinfektionen ein, nicht gegen die Viren.
- Virushemmende Mittel – als Augentropfen oder Tabletten – kommen bei Herpesinfektionen in Betracht. Gegen das Calicivirus ist laut ABCD kein antivirales Mittel zugelassen.
Das häufig empfohlene L-Lysin rät das ABCD ausdrücklich nicht an, weil eine Wirkung nicht belegt ist. Zu Hause helfen Ruhe, Wärme, behutsames Säubern von Augen und Nase und stark riechendes, leicht angewärmtes Futter. Mehr dazu, was Sie tun können, wenn die Katze nicht frisst, steht im eigenen Artikel.
Chronische Träger: einmal Schnupfen, immer Schnupfen?
Bei vielen Katzen ja – zumindest was das Virus angeht:
- Herpesvirus: Laut ABCD werden vermutlich alle infizierten Katzen lebenslang zu Trägern. Das Virus zieht sich in Nervengewebe zurück und kann unter Belastung wieder aktiv werden; als Auslöser nennt die Leitlinie unter anderem Säugezeit (bei etwa 40 Prozent der Trägerinnen) und Umzug in eine neue Umgebung (etwa 18 Prozent). Dann scheidet die Katze erneut Virus aus, mit oder ohne Anzeichen.
- Calicivirus: Viele Katzen scheiden das Virus nach der Genesung noch mindestens 30 Tage aus, einzelne über Jahre oder lebenslang.
Für den Alltag heißt das: Eine Katze mit „chronischem Schnupfen“ kann ein gutes Leben führen, bleibt aber eine mögliche Ansteckungsquelle für ungeimpfte Tiere. Wenig Stress, stabile Gruppen und eine vollständig geimpfte Mitkatze sind der beste Umgang damit. Wie Sie eine neue Katze schrittweise dazuholen, beschreibt der Artikel Katzen zusammenführen.
Impfung: was sie kann – und was nicht
Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) zählt die Impfung gegen Herpes- und Calicivirus zusammen mit der gegen Katzenseuche zu den Core-Impfungen: Jede Katze soll jederzeit geschützt sein, auch die reine Wohnungskatze.
- Grundimmunisierung: 8., 12. und 16. Lebenswoche, abgeschlossen mit einer Impfung im Alter von 15 Monaten.
- Wiederholung: danach im Abstand von bis zu drei Jahren. Für Katzen mit hohem Risiko – Zucht, Pension, Tierheim – hält das ABCD jährliche Auffrischungen für sinnvoll.
- Chlamydien und Bordetellen: Impfungen gibt es, sie sind laut StIKo Vet aber nur im Einzelfall sinnvoll, etwa in Beständen mit früheren Fällen.
Wichtig für die Erwartung: Die Impfung verhindert in der Regel die schwere Erkrankung, aber nicht sicher die Ansteckung. Auch geimpfte Katzen können sich infizieren, Träger werden und Virus ausscheiden. Alles Weitere zu Schema, Nebenwirkungen und Kosten finden Sie unter Katze impfen.
Bedeutung für Zucht und Kitten-Kauf
Weil sich Kitten gerade dann anstecken, wenn der mütterliche Schutz nachlässt, ist der Zustand des Bestands entscheidend. Achten Sie beim Besuch auf klare Augen und saubere Nasen bei allen Tieren, und lassen Sie sich den Impfpass zeigen: Bei einer Abgabe mit zwölf Wochen oder später sollten mindestens zwei Impfungen eingetragen sein; die dritte mit 16 Wochen steht dann oft noch aus und ist Ihre Aufgabe. Welche Unterlagen und Auskünfte Sie erwarten dürfen, steht in den Fragen an den Züchter. Wer eine Katze aus dem Tierschutz aufnimmt, erfährt im Artikel Katze aus dem Tierheim, was dort üblich ist.
Häufige Fragen
Kann sich meine Katze bei mir mit einer Erkältung anstecken?
Der Katzenschnupfen wird durch katzentypische Erreger ausgelöst, die von Katze zu Katze wandern. Sie können die Erreger aber an Händen und Kleidung weitertragen – etwa vom Tierheimbesuch zur eigenen Katze. Händewaschen nach Kontakt mit fremden oder kranken Katzen ist deshalb sinnvoll.
Ist Katzenschnupfen auf Menschen übertragbar?
Herpes- und Calicivirus der Katze sind Katzenviren. Dokumentiert sind laut ABCD Einzelfälle bei den bakteriellen Erregern: bei Chlamydia felis wenige Fälle von Bindehautentzündung bei Menschen, bei Bordetella bronchiseptica seltene Infektionen vor allem bei immungeschwächten Personen. Wer ein geschwächtes Immunsystem hat, bespricht den Umgang mit einer kranken Katze am besten mit Praxis und Hausarzt.
Wie lange dauert Katzenschnupfen?
Die akute Erkrankung durch das Herpesvirus klingt laut ABCD meist in 10 bis 14 Tagen ab; Geschwüre im Maul heilen in etwa zwei bis drei Wochen. Manche Katzen behalten einen chronischen Schnupfen oder wiederkehrende Augenprobleme.
Geht Katzenschnupfen von allein weg?
Milde Verläufe bei geimpften, erwachsenen Katzen heilen oft folgenlos aus. Verlassen sollten Sie sich darauf nicht: Ob Ihre Katze Unterstützung braucht, lässt sich nur durch eine Untersuchung klären, und bei Kitten zählt jeder Tag.
Kann eine geimpfte Katze Katzenschnupfen bekommen?
Ja. Die Impfung schützt vor allem vor einem schweren Verlauf. Geimpfte Katzen können sich dennoch anstecken, leicht erkranken und die Erreger weitergeben.
Quellen und weiterführende Informationen (5)
- ABCD: Guideline for Feline Herpesvirus Infection (aktualisiert 14.05.2026)
- ABCD: Guideline for Feline Calicivirus Infection (aktualisiert 27.03.2025)
- ABCD: Guideline for Chlamydia felis (aktualisiert 24.03.2026)
- ABCD: Guideline for Bordetella bronchiseptica Infection in Cats (aktualisiert 28.03.2025)
- StIKo Vet: Impftabelle Katze (Leitlinie zur Impfung von Kleintieren, 6. Auflage, Stand 06.01.2025)


