Gesundheit
Leukose bei der Katze (FeLV): Ansteckung, Test, Verlauf und Impfung
Leukose wird durch das feline Leukämievirus (FeLV) ausgelöst. Wie sich Katzen anstecken, welche Verlaufsformen es gibt, was der Test aussagt und wen man impft.

Leukose ist der gebräuchliche Name für die Infektion mit dem felinen Leukämievirus (FeLV). Das Virus wird vor allem über Speichel von Katze zu Katze übertragen und kann Blutarmut, eine geschwächte Abwehr und Tumoren auslösen. Entscheidend ist der Verlauf: Ein Teil der Katzen wird mit dem Virus fertig und bleibt gesund, bei anderen setzt es sich dauerhaft fest – diese fortschreitende Infektion verkürzt das Leben deutlich. Schützen lässt sich Ihre Katze durch Test und Impfung, die vor allem für Freigänger empfohlen wird.
Dieser Artikel stützt sich auf die Leitlinie des European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD) und die Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet). Wir sind keine Tierärzte; Befunde und Behandlung gehören in die Praxis.
Was ist FeLV?
FeLV ist ein Retrovirus: Es baut sein Erbgut in Körperzellen der Katze ein. Der Name „Leukose“ ist dabei irreführend, denn Leukämie ist nur eine von mehreren möglichen Folgen. Häufiger sind eine Unterdrückung des Knochenmarks mit Blutarmut, eine Schwächung des Immunsystems und Lymphome – Tumoren des Lymphgewebes. Mit FIV hat FeLV die Virusfamilie gemeinsam, es wird aber anders übertragen und verläuft im Schnitt schwerer.
Wie häufig die Infektion ist, hängt von der Region ab. Das ABCD nennt für Nord- und Westeuropa eine Häufigkeit von unter 1 Prozent, für Südeuropa bis zu 8,8 Prozent.
Ansteckung: enger Kontakt, viel Speichel
Die wichtigste Quelle sind progressiv infizierte Katzen. Sie scheiden große Mengen Virus mit dem Speichel aus, geringere mit Nasensekret, Milch und Kot. Übertragen wird FeLV laut ABCD durch:
- gegenseitiges Putzen
- gemeinsame Futter- und Wassernäpfe
- Bisse
- von der Mutter auf die Kitten – im Mutterleib, bei der Geburt und über die Milch
- seltener über Katzentoiletten
Außerhalb der Katze ist das Virus empfindlich; in feuchter Umgebung bleibt es höchstens bis zu 48 Stunden ansteckend. Eine Ansteckung über Schuhe oder Kleidung wie bei der Katzenseuche spielt deshalb keine Rolle – es braucht Katzenkontakt.
Wie wahrscheinlich eine dauerhafte Infektion ist, hängt stark von der Virusmenge und der Dauer des Kontakts ab. Das ABCD nennt Größenordnungen: Nach einem kurzen, einmaligen Kontakt liegt das Risiko einer progressiven Infektion bei etwa 3 Prozent, bei längerem Zusammenleben mit mehreren ausscheidenden Katzen bei etwa 30 Prozent. Kitten sind am empfänglichsten; ältere Katzen entwickeln nach kurzem Kontakt seltener eine fortschreitende Infektion.
Die Verlaufsformen
Was nach der Ansteckung geschieht, entscheidet sich in den ersten Wochen. Das ABCD unterscheidet:
| Verlauf | Was passiert | Bedeutung |
|---|---|---|
| Abortiv | Die Abwehr beseitigt das Virus, bevor es sich festsetzt. | Die Katze bleibt gesund, die Lebenserwartung ist nicht verkürzt. |
| Regressiv | Das Virus baut sich ins Erbgut ein, wird aber von der Abwehr unterdrückt. Im Blut ist meist kein Virus mehr nachweisbar. | Normale Lebenserwartung, solange die Infektion nicht wieder aktiv wird. |
| Progressiv | Das Virus vermehrt sich dauerhaft, die Katze scheidet es aus. | Hohe Wahrscheinlichkeit für FeLV-bedingte Erkrankungen, verkürzte Lebenserwartung. |
| Fokal | Das Virus vermehrt sich nur in einzelnen Geweben. | Selten. |
Prozentangaben, wie sich Katzen auf diese Verläufe verteilen, nennt die Leitlinie nicht – das hängt zu sehr von Alter und Infektionsdruck ab.
Anzeichen
Progressiv infizierte Katzen können jahrelang gesund wirken. Wenn Anzeichen auftreten, sind es oft unspezifische:
- blasse Schleimhäute, Schwäche, schnelle Ermüdung (Blutarmut)
- wiederkehrende oder hartnäckige Infektionen
- Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Fieber
- je nach Sitz eines Tumors Atemnot, Erbrechen oder Durchfall
Zwei Zahlen aus der ABCD-Leitlinie zeigen die Tragweite: FeLV-infizierte Katzen entwickeln etwa 60-mal häufiger ein Lymphom als nicht infizierte, und rund 25 Prozent der progressiv infizierten Katzen erkranken daran.
Wann Sie sofort zur Tierarztpraxis sollten
Diese Anzeichen sind ein Notfall:
- Atemnot, Atmen mit offenem Maul
- sehr blasse oder gelbliche Schleimhäute, plötzliche Schwäche, Zusammenbrechen
- 24 Stunden ohne Futter
- hohes Fieber, Apathie
- Krampfanfälle
Außerhalb der Sprechzeiten ist der tierärztliche Notdienst zuständig. Bei einer FeLV-positiven Katze sollten Sie auch scheinbar kleine Infekte nicht aussitzen, weil die Abwehr geschwächt sein kann.
Der FeLV-Test
Es gibt zwei Arten von Tests, die Unterschiedliches zeigen:
- Antigen-Schnelltest (p27): Er weist einen Virusbestandteil im Blut nach und erkennt damit vor allem progressive Infektionen – und vorübergehende frühe Phasen. Er wird in der Praxis durchgeführt, meist kombiniert mit dem FIV-Test.
- PCR auf Provirus: Der Labortest weist das ins Erbgut eingebaute Virus nach und findet auch regressiv infizierte Katzen, bei denen der Schnelltest negativ ist.
Ein einzelnes Ergebnis ist eine Momentaufnahme. Kurz nach einer Ansteckung kann der Test noch negativ sein, und ein früher positiver Befund kann sich wieder zurückbilden, wenn die Abwehr das Virus in den Griff bekommt. Das ABCD empfiehlt deshalb, nach sechs Wochen erneut zu testen – insbesondere bevor eine neue Katze in einen Bestand kommt. Die Einordnung der Befunde ist Sache der Praxis.
Getestet werden sollten Katzen unbekannter Herkunft, Katzen vor dem Einzug in einen Mehrkatzenhaushalt, kranke Katzen mit passenden Anzeichen und jede Katze vor der ersten FeLV-Impfung.
Behandlung und Betreuung
Die Infektion selbst lässt sich nicht heilen. Behandelt werden die Folgen – Infektionen, Blutarmut, Tumoren – so gezielt und früh wie möglich. Für progressiv infizierte Katzen empfiehlt das ABCD:
- Kontrolluntersuchungen mindestens alle sechs Monate, mit Blutbild; einmal jährlich eine Urinuntersuchung
- reine Wohnungshaltung, soweit die Katze damit zurechtkommt – sie verlängert das Leben und schützt andere Katzen
- wenig Stress, weil Belastung die Abwehr schwächt
- zügige Behandlung jeder Infektion
Regressiv infizierte Katzen sollten laut ABCD jährlich nachgetestet werden, weil die Infektion in seltenen Fällen wieder aktiv werden kann.
Prognose
Bei der progressiven Infektion ist die Prognose ernst. Die größte vom ABCD zitierte Untersuchung verglich über 800 progressiv infizierte Katzen mit 7.000 Vergleichstieren: Die infizierten Katzen lebten nach der Diagnose im Mittel (Median) noch 2,4 Jahre, die nicht infizierten 6,3 Jahre. In einer Feldstudie mit Gruppenhaltung starben 83 Prozent der progressiv infizierten Katzen innerhalb von dreieinhalb Jahren.
Das sind Durchschnittswerte. Einzelne Katzen leben mit guter Betreuung viele Jahre beschwerdefrei. Das ABCD hält ausdrücklich fest, dass ein dauerhaft positiver Test allein kein Grund ist, eine Katze einzuschläfern. Bei regressivem und abortivem Verlauf ist die Lebenserwartung normal.
Impfung: vor allem für Freigänger
Die FeLV-Impfung ist eine Non-Core-Impfung – nicht jede Katze braucht sie, aber jede mit Ansteckungsrisiko. Die StIKo Vet empfiehlt sie bei hohem Expositionsrisiko, also für:
- Freigänger
- Katzen mit Kontakt zu Katzen mit unbekanntem FeLV-Status
- Katzen in Haushalten, in die immer wieder neue Tiere kommen
Das Schema nach StIKo Vet und ABCD:
- Vorher testen. Bei bereits infizierten Katzen nützt die Impfung nichts.
- Grundimmunisierung: zwei Impfungen im Abstand von drei bis vier Wochen, frühestens ab der 8. Lebenswoche, dann eine weitere nach einem Jahr.
- Wiederholung: nach Angaben des Impfstoffherstellers; für Katzen ab drei bis vier Jahren hält das ABCD Abstände von zwei bis drei Jahren für ausreichend.
- Im Alter neu entscheiden: Weil die Empfänglichkeit mit den Jahren sinkt, soll laut StIKo Vet ab etwa fünf bis sieben Jahren individuell entschieden werden, ob weitergeimpft wird.
Die Impfung schützt vor der progressiven Infektion, nicht sicher vor jeder Ansteckung. Für reine Wohnungskatzen ohne Kontakt zu fremden Katzen ist sie in der Regel entbehrlich – ändert sich die Haltung, ändert sich die Empfehlung. Zur seltenen Nebenwirkung des injektionsstellen-assoziierten Sarkoms, das unter anderem mit FeLV-Impfstoffen in Verbindung gebracht wurde, lesen Sie den Abschnitt im Artikel Katze impfen.
Mehrkatzenhaushalt, Zucht und Kitten-Kauf
Im Mehrkatzenhaushalt: Wird eine Katze positiv getestet, sollten laut ABCD alle Katzen des Haushalts getestet werden. Leben mehrere progressiv infizierte Katzen im Bestand, empfiehlt die Leitlinie, die antigen-positiven Tiere herauszunehmen oder getrennt zu halten und alle Katzen mindestens jährlich zu testen; über die Impfung der übrigen entscheidet die Praxis. Vor jedem Neuzugang gilt: testen, getrennt halten, nach sechs Wochen nachtesten. Wie die Eingewöhnung danach gelingt, steht unter Katzen zusammenführen.
In der Zucht: Zuchtkatzen sollen nach der ABCD-Leitlinie in beiden Tests – Antigen und Provirus – negativ sein; neue Tiere werden isoliert und nach sechs Wochen erneut getestet. Fragen Sie beim Kitten-Kauf nach den FeLV-Befunden der Elterntiere und danach, ob Fremdkater zum Decken in den Bestand kommen. Weitere Punkte finden Sie unter Fragen an den Züchter.
Aus dem Tierschutz: Das ABCD empfiehlt Tierheimen, neu aufgenommene Katzen zu testen. Fragen Sie, ob und wann getestet wurde, und besprechen Sie mit Ihrer Praxis, ob ein Nachtest sinnvoll ist. Mehr dazu im Artikel Katze aus dem Tierheim.
Häufige Fragen
Ist Leukose bei Katzen ansteckend?
Ja, für andere Katzen. Das Virus wird vor allem über Speichel übertragen – beim gegenseitigen Putzen, über gemeinsame Näpfe und durch Bisse – sowie von der Mutter auf die Kitten. Außerhalb der Katze überlebt es nur kurz.
Wie lange lebt eine Katze mit Leukose?
Das hängt vom Verlauf ab. Progressiv infizierte Katzen lebten in einer großen Studie nach der Diagnose im Mittel noch 2,4 Jahre; einzelne Tiere bleiben deutlich länger gesund. Katzen mit regressivem Verlauf haben laut ABCD eine normale Lebenserwartung, solange das Virus nicht wieder aktiv wird.
Sollte ich meine Wohnungskatze gegen Leukose impfen lassen?
Für eine reine Wohnungskatze ohne Kontakt zu fremden Katzen ist die Impfung nach der StIKo Vet in der Regel nicht nötig. Anders ist es, wenn die Katze Kontakt zu fremden Katzen bekommt oder ungetestete Katzen dazukommen.
Was ist der Unterschied zwischen FeLV und FIV?
Beide sind Retroviren, die das Immunsystem schwächen. FeLV wird schon durch engen sozialen Kontakt übertragen und verkürzt bei progressivem Verlauf das Leben deutlich; dagegen gibt es eine Impfung. FIV wird fast nur durch Bisse übertragen, viele Katzen leben damit normal lang, eine Impfung gibt es in Europa nicht.
Kann eine Katze trotz Impfung an Leukose erkranken?
Die Impfung schützt laut StIKo Vet vor der progressiven Infektion, verhindert aber nicht jede Ansteckung. War die Katze bei der Impfung bereits infiziert, hilft die Impfung nicht – deshalb wird vorher getestet.


