Zum Inhalt springen
catterys.deKatzenrassen & Züchter in Deutschland

Gesundheit

Niereninsuffizienz bei der Katze: Frühzeichen, Stadien und was wirklich hilft

Chronische Nierenerkrankung (CNI/CKD) bei der Katze: Häufigkeit, Frühzeichen, was IRIS-Stadien und SDMA bedeuten und was eine Nierendiät bringt.

Von der Redaktion catterys.deÜberarbeitet am 13. Oktober 2026

Rot getigerte Katze kauert zwischen Büschen am Rand einer schwarzen Wanne und blickt in die Kamera

Niereninsuffizienz bedeutet, dass die Nieren ihre Aufgabe – das Blut zu filtern und Wasser zu sparen – nicht mehr voll erfüllen. Bei Katzen verläuft das fast immer chronisch: über Monate und Jahre, schleichend und zunächst unbemerkt. Tierärzte sprechen von chronischer Nierenerkrankung, kurz CNE oder CNI, englisch CKD. Sie ist eine der häufigsten Krankheiten alter Katzen, sie ist nicht heilbar – aber früh erkannt lässt sie sich oft über Jahre gut begleiten.

Dieser Artikel erklärt die Frühzeichen, die Untersuchungen und die Stadien, und was an Behandlung tatsächlich belegt ist. Wir sind keine Tierärzte: Die Einordnung der Blutwerte und jede Behandlung gehören in die Praxis.

Was ist eine chronische Nierenerkrankung?

Die Nieren bestehen aus vielen kleinen Filtereinheiten. Gehen sie zugrunde, wachsen sie nicht nach; die verbliebenen arbeiten zunächst mehr. Deshalb fällt die Krankheit so spät auf: Nach International Cat Care müssen etwa zwei Drittel bis drei Viertel des funktionierenden Nierengewebes verloren sein, bevor Anzeichen auftreten.

Davon zu unterscheiden ist das akute Nierenversagen, das binnen Stunden bis Tagen entsteht – etwa durch Gifte, nierenschädigende Medikamente oder einen Harnröhrenverschluss. Das ist immer ein Notfall und nicht Thema dieses Artikels.

Wie häufig ist die Krankheit?

Sehr häufig, und mit dem Alter immer häufiger. Die Konsensus-Leitlinie von International Cat Care aus dem Jahr 2026 fasst die Studienlage so zusammen: Je nach Untersuchung sind 28–81 % der Katzen über zwölf Jahre betroffen. Die Vorgänger-Leitlinie der ISFM (2016) nannte 30–40 % und mehr bei Katzen über zehn Jahre. In einer britischen Auswertung von Katzen ab fünf Jahren war Nierenerkrankung die häufigste Todesursache (13,6 %), bei einem medianen Sterbealter von 15 Jahren.

Die breite Spanne zeigt: Wie viele Katzen „nierenkrank“ sind, hängt davon ab, wie genau man hinsieht. Viele haben frühe Veränderungen, ohne je daran zu erkranken.

Ursachen

Bei den meisten Katzen findet sich keine einzelne Ursache; das Alter ist der wichtigste Risikofaktor. Bekannte Auslöser sind nach International Cat Care unter anderem:

  • die erbliche polyzystische Nierenerkrankung (PKD) bei Persern und verwandten Rassen
  • bakterielle Nierenbeckenentzündungen
  • Nierentumoren, zum Beispiel Lymphome
  • Gifte und nierenschädigende Medikamente
  • überstandene akute Nierenschäden

Ansteckend ist eine chronische Nierenerkrankung nicht.

Frühzeichen: Was Sie zu Hause bemerken können

Die Anzeichen beginnen nach der Leitlinie schleichend und sind unspezifisch. Am häufigsten sind:

  • mehr Durst und größere Urinmengen – größere Klumpen im Katzenklo, die Katze trinkt an ungewohnten Stellen
  • Gewichtsverlust und Muskelabbau, vor allem am Rücken
  • weniger Appetit, wählerisches Fressen
  • Erbrechen
  • Mattigkeit, stumpfes, ungepflegtes Fell, Mundgeruch

Der Gewichtsverlust ist oft das allererste Zeichen. Die Leitlinie zitiert eine Studie an über 500 Katzen: In den zwölf Monaten vor der Diagnose hatten die Tiere im Median 8,9 % ihres Körpergewichts verloren, und der Verlust war schon drei Jahre vor der Diagnose messbar. Halter schreiben das leicht dem Alter zu. Wer seine ältere Katze einmal im Monat wiegt und die Werte notiert, bemerkt es früher – mehr dazu im Artikel über Katzenfutter für Senioren.

Wann Sie sofort zur Tierarztpraxis sollten

Eine chronische Nierenerkrankung kann plötzlich entgleisen. Diese Zeichen dulden keinen Aufschub; außerhalb der Sprechzeiten ist der tierärztliche Notdienst zuständig:

  • Die Katze frisst 24 Stunden gar nicht – das ist ein Notfall.
  • Wiederholtes Erbrechen, die Katze behält nichts bei sich.
  • Starke Schwäche, Apathie, wackeliger Gang.
  • Kein Urinabsatz oder erfolgloses Pressen auf dem Katzenklo – beim Kater lebensbedrohlich.
  • Plötzliche Blindheit, weite, starre Pupillen (möglicher Bluthochdruck-Schaden am Auge).
  • Krampfanfälle.
  • Verdacht, dass die Katze etwas Giftiges oder ein Medikament für Menschen aufgenommen hat.

Zeitnah, also in den nächsten Tagen, gehört eine Katze in die Praxis, wenn sie mehr trinkt als früher oder ohne erkennbaren Grund abnimmt.

Wie die Praxis untersucht

Die Diagnose stützt sich nie auf einen einzelnen Wert, sondern auf das Zusammenspiel:

  • Kreatinin im Blut: der klassische Nierenwert. Er steigt erst, wenn schon viel Nierenfunktion verloren ist, und hängt von der Muskelmasse ab – bei abgemagerten Katzen fällt er zu niedrig aus.
  • SDMA im Blut: ein neuerer Wert, der weniger von der Muskelmasse abhängt. Frühe Studien fanden, dass SDMA teils schon 17 Monate vor dem Kreatinin ansteigt; neuere zeigen nach der Leitlinie von 2026, dass beide Werte die Nierenfunktion ähnlich gut abbilden. SDMA kann auch aus anderen Gründen erhöht sein, etwa bei einer Schilddrüsenüberfunktion. Er ist ein nützlicher zweiter Wert, kein Beweis für sich allein.
  • Urin: Kranke Nieren können den Urin nicht mehr konzentrieren. Ein dünner Urin (spezifisches Gewicht unter 1,035) zusammen mit erhöhtem Kreatinin ist ein typischer Befund. Außerdem wird gemessen, wie viel Eiweiß mit dem Urin verloren geht.
  • Blutdruck: Bluthochdruck ist eine häufige Folge und schädigt Augen, Herz, Gehirn und die Nieren selbst.
  • Ultraschall oder Röntgen, um Zysten, Steine oder Tumoren zu erkennen.

Weil die Krankheit so lange stumm bleibt, empfiehlt die Leitlinie Vorsorge: Katzen von 7–10 Jahren einmal im Jahr untersuchen, Katzen über 10 Jahre möglichst zweimal – mit Wiegen, Blut- und Urinuntersuchung, auch wenn sie gesund wirken. Am aussagekräftigsten ist der Verlauf über mehrere Untersuchungen.

Die IRIS-Stadien

Steht die Diagnose, ordnet die Praxis die Erkrankung nach dem System der International Renal Interest Society (IRIS) ein. Grundlage sind Kreatinin und SDMA, gemessen an mindestens zwei Terminen bei einer nüchternen, stabilen, nicht ausgetrockneten Katze (Fassung 2026):

Stadium Kreatinin (mg/dl) Kreatinin (µmol/l) SDMA (µg/dl) Typisches Bild
1 unter 1,6 unter 140 unter 18 Blutwerte normal, aber andere Hinweise auf Nierenschaden; keine Beschwerden
2 1,6–2,8 140–250 18–25 Werte leicht erhöht; Beschwerden fehlen oder sind mild
3 2,9–5,0 251–440 26–38 Werte deutlich erhöht; Beschwerden häufig
4 über 5,0 über 440 über 38 hohes Risiko für schwere Beschwerden und urämische Krisen

Passen Kreatinin und SDMA nicht zusammen, wird nachgemessen; bleibt der Unterschied, gilt das höhere Stadium. Zusätzlich wird nach Eiweißverlust im Urin und nach Blutdruck unterteilt, weil beides den Verlauf beeinflusst und behandelbar ist.

Wichtig: Die Tabelle dient der Einordnung einer diagnostizierten Erkrankung. Ein einzelner erhöhter Wert im Laborbefund ist nach IRIS noch keine Diagnose – und Laborwerte Ihrer Katze können Sie mit dieser Tabelle nicht selbst beurteilen.

Behandlung im Überblick

Verlorenes Nierengewebe kommt nicht zurück. Die Behandlung hat nach IRIS zwei Ziele: das Fortschreiten bremsen und die Lebensqualität erhalten. In frühen Stadien steht das Bremsen im Vordergrund, in späten das Wohlbefinden.

Nierendiät – die am besten belegte Maßnahme

Für die Ernährung ist die Beweislage nach der Leitlinie von 2026 stark: Eine tierärztliche Nierendiät kann das Überleben verlängern und urämische Krisen verhindern. In der wichtigsten Studie dazu (Ross und Kollegen, 2006) wurden 45 Katzen in Stadium 2 oder 3 per Los auf Nierendiät oder normales Futter verteilt und bis zu zwei Jahre begleitet: Unter normalem Futter erlitten 26 % eine urämische Krise, unter Nierendiät keine einzige Katze; auch nierenbedingte Todesfälle waren seltener.

Entscheidend ist vor allem der niedrigere Phosphorgehalt. Nierendiäten enthalten nach der Leitlinie etwa 80–130 mg Phosphor je 100 kcal, normales Futter bis zu 400–600 mg. Dazu kommt ein maßvoll reduzierter Eiweißgehalt.

Was Sie dazu wissen sollten:

  • Erst Diagnose, dann Diät. Nierendiät ist ein Therapiefutter, keine Vorsorge für gesunde alte Katzen. IRIS empfiehlt, sie ab Stadium 2 zu erwägen – auch weil die Umstellung leichter gelingt, solange der Appetit gut ist.
  • Langsam umstellen, nach International Cat Care über 7–14 Tage oder länger.
  • Teilweise ist besser als gar nicht: Schon wenn die Nierendiät mindestens die Hälfte der Kalorien liefert, ist nach der Leitlinie ein Nutzen zu erwarten.
  • Kontrollen gehören dazu. Etwa die Hälfte der Katzen entwickelt unter phosphatarmer Diät steigende Kalziumwerte; die Praxis prüft das und passt das Futter an.
  • Fressen geht vor. Eine Katze, die die Diät verweigert und abnimmt, ist schlechter dran als eine, die ihr gewohntes Futter frisst. Sprechen Sie dann mit der Praxis.

Wasser

Nierenkranke Katzen verlieren mehr Wasser und trocknen leicht aus. Frisches Wasser muss immer erreichbar sein. Die Leitlinie empfiehlt Nassfutter, mehrere Wasserstellen und – wenn die Katze es mag – Trinkbrunnen oder mit Wasser verdünntes Futter. Ob eine Katze zusätzlich Flüssigkeit unter die Haut braucht, entscheidet die Praxis.

Medikamente gegen die Folgen

Je nach Befund behandelt die Praxis Bluthochdruck, Eiweißverlust über den Urin, zu hohe Phosphatwerte (Phosphatbinder), Übelkeit und Appetitlosigkeit, Kaliummangel und Blutarmut. Nichts davon eignet sich zur Selbstbehandlung, und nicht jede Katze braucht alles. Geben Sie Ihrer Katze niemals Schmerzmittel für Menschen – Paracetamol und Ibuprofen sind für Katzen lebensgefährlich.

Nahrungsergänzungen, Kräuter oder Hausmittel, die kranke Nieren „regenerieren“, sind nicht belegt.

Prognose

Sie hängt stark vom Stadium bei der Diagnose ab. In einer amerikanischen Auswertung von 211 Katzen (Boyd und Kollegen, 2008) lebten Katzen in Stadium 2 nach der Diagnose im Median noch 1.151 Tage – gut drei Jahre –, in Stadium 3 778 Tage und in Stadium 4 103 Tage. Die Spannen waren in allen Gruppen sehr groß; andere Studien, die die ISFM-Leitlinie zusammenstellt, fanden teils kürzere Zeiten.

Ungünstig sind nach der Leitlinie starker Eiweißverlust über den Urin, hohe Phosphatwerte und ein rascher Anstieg der Werte in den ersten Monaten. Viele Katzen bleiben dagegen über lange Zeit stabil. Das ist der eigentliche Wert der Früherkennung: Wer in Stadium 2 beginnt, hat Jahre gewonnen, nicht Wochen.

Wie alt Ihre Katze in Menschenjahren wäre, zeigt der Katzenalter-Rechner; zur Frage, wie alt Katzen werden, gibt es einen eigenen Artikel.

Vorbeugen – was möglich ist

Sicher verhindern lässt sich eine chronische Nierenerkrankung nicht. Sinnvoll und belegt sind:

  • regelmäßige Vorsorge ab sieben Jahren, damit Veränderungen früh auffallen
  • Gifte und Medikamente für Menschen fernhalten – ob ein Lebensmittel gefährlich ist, zeigt Darf meine Katze das fressen?
  • andere Krankheiten behandeln lassen, etwa eine Schilddrüsenüberfunktion
  • beim Kauf einer Rassekatze auf den PKD-Gentest der Eltern achten

Dass ein bestimmtes Futter gesunde Katzen vor Nierenkrankheit schützt, ist nicht belegt.

Häufige Fragen

Wie lange lebt eine Katze mit Niereninsuffizienz?

Das hängt vom Stadium ab. In einer Studie lebten Katzen in IRIS-Stadium 2 im Median noch gut drei Jahre, in Stadium 3 rund zwei Jahre und in Stadium 4 etwa dreieinhalb Monate – mit großen Unterschieden zwischen einzelnen Katzen.

Was sind die ersten Anzeichen einer Niereninsuffizienz bei Katzen?

Meist schleichender Gewichtsverlust, mehr Durst und größere Urinmengen. Appetitmangel, Erbrechen und stumpfes Fell kommen oft erst später dazu. Viele Katzen zeigen im frühen Stadium gar nichts; dann fällt die Krankheit nur in der Blut- und Urinuntersuchung auf.

Was bedeutet ein erhöhter SDMA-Wert?

SDMA ist ein Blutwert, der auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hinweisen kann und weniger von der Muskelmasse abhängt als Kreatinin. Ein einzelner erhöhter Wert ist aber keine Diagnose: Er wird wiederholt und zusammen mit Kreatinin, Urin und Blutdruck beurteilt.

Was darf eine nierenkranke Katze fressen?

Am besten belegt ist eine tierärztliche Nierendiät mit wenig Phosphor. Welche Diät passt und ab wann, legt die Praxis anhand der Blutwerte fest. Frisst die Katze die Diät nicht, ist ausreichendes Fressen wichtiger als das „richtige“ Futter – besprechen Sie Alternativen mit der Praxis.

Ist Niereninsuffizienz bei Katzen heilbar?

Nein, verlorenes Nierengewebe erholt sich nicht. Mit Diät, Kontrollen und der Behandlung von Folgen wie Bluthochdruck lässt sich das Fortschreiten aber oft bremsen und die Lebensqualität lange erhalten.

Quellen und weiterführende Informationen (7)
  1. Taylor et al.: 2026 iCatCare consensus guidelines on the diagnosis and management of chronic kidney disease in cats (Journal of Feline Medicine and Surgery, 2026)
  2. International Renal Interest Society (IRIS): Staging of CKD (modified 2026)
  3. International Renal Interest Society (IRIS): Treatment Recommendations for CKD in Cats (2026)
  4. Sparkes et al.: ISFM Consensus Guidelines on the Diagnosis and Management of Feline Chronic Kidney Disease (Journal of Feline Medicine and Surgery, 2016)
  5. Ross et al.: Clinical evaluation of dietary modification for treatment of spontaneous chronic kidney disease in cats (JAVMA, 2006)
  6. Boyd et al.: Survival in cats with naturally occurring chronic kidney disease, 2000–2002 (Journal of Veterinary Internal Medicine, 2008)
  7. International Cat Care: Chronic kidney disease (CKD) in cats

Weiterlesen