Gesundheit
PKD bei der Katze: Zystennieren, Gentest und was Käufer wissen müssen
PKD ist eine erbliche Nierenkrankheit, vor allem bei Persern, Exotic Shorthair und BKH. Was Gentest und Ultraschall leisten und was Sie den Züchter fragen.

PKD steht für „polycystic kidney disease“, auf Deutsch polyzystische Nierenerkrankung oder Zystennieren. Es ist eine Erbkrankheit: In beiden Nieren bilden sich flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, die über Jahre wachsen und gesundes Nierengewebe verdrängen. Am Ende kann eine chronische Nierenschwäche stehen. Betroffen sind vor allem Perser und Rassen, in die Perser eingekreuzt wurden.
Die gute Nachricht: Für kaum eine Erbkrankheit der Katze gibt es so klare Werkzeuge. Ein Gentest zeigt schon beim Kitten, ob es die Anlage trägt, und Züchter können die Krankheit aus ihren Linien heraushalten. Für Käufer ist PKD deshalb vor allem eine Frage an den Züchter – und genau darum geht es in diesem Artikel.
Was ist PKD?
Bei der PKD der Katze entstehen in den Nieren Zysten, also mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen. Die Anlage dazu ist angeboren. Die Zysten sind anfangs winzig und werden mit den Jahren größer und zahlreicher. International Cat Care beschreibt es so: Normales Nierengewebe wird nach und nach durch Zysten ersetzt.
Die Fachbezeichnung lautet autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (AD-PKD). Lyons und Kollegen nannten sie 2004 die bedeutendste Erbkrankheit der Katze.
Ursache und Erbgang
2004 fand die Arbeitsgruppe um Leslie Lyons die Ursache: eine einzelne Veränderung im Gen PKD1. Daraus ergibt sich der Erbgang:
- Dominant: Eine einzige Kopie der Mutation genügt, damit die Katze Zysten entwickelt. Gesunde „Träger“, die die Anlage unbemerkt weitergeben, gibt es bei dieser Mutation nicht – in der Studie hatte keine Katze mit der Mutation zystenfreie Nieren.
- 50 % Risiko je Kitten: Trägt ein Elternteil die Mutation und der andere nicht, erbt statistisch jedes zweite Kitten sie. In der Zuchtkolonie, an der Biller und Kollegen 1996 den Erbgang nachwiesen, waren es 42 % der Nachkommen.
- Unabhängig vom Geschlecht: Kater und Katzen sind gleich betroffen.
- Zwei Kopien kommen nicht vor: Lyons fand keine einzige Katze mit zwei Kopien der Mutation. Die Forscher schließen daraus, dass solche Embryonen nicht lebensfähig sind.
Für die Zucht heißt das: Ein einziges Elterntier mit der Mutation gibt die Krankheit an etwa die Hälfte seiner Kitten weiter. Umgekehrt können zwei Eltern ohne die Mutation sie nicht vererben.
Welche Rassen sind betroffen?
Die Mutation stammt aus den Perserlinien und hat sich mit Einkreuzungen verbreitet. Langford Vets, das Labor der Universität Bristol, teilt so ein:
- Mittleres Risiko: Perser (einschließlich Chinchilla und Colourpoint/Himalayan), Exotic Shorthair, Britisch Kurzhaar
- Geringes Risiko: unter anderem Birma, Burmilla, Selkirk Rex, Sibirische Katze und Scottish Fold
Auch die Britisch Langhaar trägt das Perser-Erbe. Dass die Mutation bei der BKH tatsächlich vorkommt, ist belegt: Nivy und Kollegen beschrieben 2015 vier Britisch-Kurzhaar-Katzen mit Zystennieren, zwei davon mit genau der Perser-Mutation.
Wie häufig ist PKD?
Um das Jahr 2000, vor Einführung des Gentests, war die Krankheit erschreckend verbreitet. Lyons nennt rund 38 % der Perser weltweit. Ultraschall-Reihenuntersuchungen fanden 49,2 % von 132 Persern in Großbritannien (Cannon und Kollegen, 2001) und 42–45 % von 320 Persern und verwandten Rassen in Australien (Barrs und Kollegen, 2001).
Seither wird getestet und selektiert – mit Wirkung. Langford berichtet, dass der Anteil positiver Tests in seinem Labor zwischen 2005 und 2018 deutlich gesunken ist. Eine brasilianische Untersuchung von 2021 fand die Mutation nur noch bei 5 % von 537 Persern und führt das auf die Zuchtauswahl zurück. Aktuelle Zahlen für Deutschland haben wir nicht gefunden; je nach Land und Linie liegen die Werte weit auseinander.
Anzeichen
Die Zysten sind von außen nicht zu bemerken. Viele Katzen mit PKD wirken jahrelang gesund. Beschwerden entstehen erst, wenn so viel Nierengewebe verdrängt ist, dass die Nieren ihre Arbeit nicht mehr schaffen. Der Verlauf ist nach Biller und Kollegen sehr unterschiedlich; eine belastbare Angabe, in welchem Alter die Nieren versagen, gibt es nicht – manche Katzen erleben es gar nicht.
Die Anzeichen sind dann die einer chronischen Nierenerkrankung:
- mehr Durst und größere Urinmengen
- Gewichtsverlust, weniger Appetit
- Mattigkeit, stumpfes Fell
- Erbrechen, Mundgeruch
Mehr dazu steht im Artikel zur Niereninsuffizienz bei der Katze.
Wann Sie sofort zur Tierarztpraxis sollten
PKD verläuft schleichend. Trotzdem gibt es Situationen, in denen Sie nicht bis zum nächsten Termin warten dürfen – außerhalb der Sprechzeiten ist der tierärztliche Notdienst zuständig:
- Die Katze frisst 24 Stunden gar nicht – das ist bei Katzen ein Notfall.
- Wiederholtes Erbrechen, starke Mattigkeit oder Apathie.
- Die Katze setzt keinen oder kaum noch Urin ab.
- Plötzliche Blindheit, weite Pupillen, Orientierungslosigkeit (möglich bei Bluthochdruck infolge einer Nierenerkrankung).
- Krampfanfälle.
Zeitnah einen Termin vereinbaren sollten Sie, wenn eine Katze einer gefährdeten Rasse mehr trinkt als früher oder abnimmt.
Wie die Praxis untersucht
Gentest
Der Gentest sucht gezielt nach der PKD1-Mutation. Dafür genügt ein Abstrich der Maulschleimhaut oder eine Blutprobe. Er funktioniert in jedem Alter, also schon beim Kitten, und das Ergebnis ändert sich im Leben nicht mehr. Laut Langford stimmt der Test sehr gut mit den Ergebnissen des Ultraschalls überein.
Das Ergebnis lautet „normal“ (keine Mutation) oder „betroffen“ (eine Kopie). Soll das Ergebnis für Zuchtnachweise gelten, muss die Probe von einer Tierärztin oder einem Tierarzt genommen und mit der Chipnummer der Katze verknüpft sein.
Nierenultraschall
Im Ultraschall sind die Zysten direkt zu sehen. Biller und Kollegen fanden sie bei betroffenen Kitten schon ab der siebten Lebenswoche; waren mit sechs Monaten keine Zysten zu sehen, hatten die Katzen auch später keine. In einer italienischen Studie an 70 Kitten im Alter von 10–14 Wochen (Bonazzi und Kollegen, 2009) erkannte der Ultraschall 96,2 % der betroffenen Tiere.
Der Ultraschall kann zwei Dinge, die der Gentest nicht kann: Er zeigt, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist, und er findet Zysten, die eine andere Ursache haben. Dass es die gibt, zeigen sowohl Bonazzi als auch der BKH-Bericht von Nivy: Nicht jede Katze mit Nierenzysten trägt die bekannte Mutation. Bonazzi empfiehlt deshalb, beide Verfahren zu kombinieren.
Blut und Urin
Ob die Nieren noch ausreichend arbeiten, zeigen Blutwerte (Kreatinin, SDMA), eine Urinuntersuchung und der Blutdruck. Diese Kontrollen wird die Praxis bei einer Katze mit PKD regelmäßig wiederholen.
Behandlung im Überblick
PKD ist nicht heilbar; die Zysten lassen sich nicht aufhalten oder entfernen. Behandelt wird die Folge – die chronische Nierenerkrankung – nach denselben Regeln wie bei anderen Katzen: regelmäßige Kontrollen, bei Bedarf eine Nierendiät, Behandlung von Bluthochdruck, Übelkeit und anderen Begleiterscheinungen. Was davon wann nötig ist, legt die Tierarztpraxis anhand der Befunde fest.
Eine Besonderheit: Zysten können sich infizieren. Nivy und Kollegen beschreiben eine solche Infektion bei einer Britisch Kurzhaar, die erfolgreich behandelt wurde. Verschlechtert sich der Zustand einer Katze mit PKD plötzlich, gehört das deshalb rasch abgeklärt.
Füttern Sie eine Katze mit positivem Gentest, aber normalen Nierenwerten nicht eigenmächtig mit Nierendiät. Ob und wann eine Diät sinnvoll ist, hängt von den Blutwerten ab.
Prognose
Eine Katze mit der Mutation entwickelt Zysten – wie schnell sie wachsen, ist aber individuell. Manche Katzen werden mit wenigen kleinen Zysten alt, andere werden in mittleren Jahren nierenkrank. Verlässliche Zahlen zur Lebenserwartung mit PKD haben wir nicht gefunden und nennen deshalb keine. Sicher ist: Wer von der Anlage weiß, kann die Nierenwerte von Anfang an überwachen lassen und früh reagieren.
Bedeutung für Zucht und Kitten-Kauf
Weil der Erbgang dominant ist und es einen Test gibt, lässt sich PKD in der Zucht vollständig vermeiden: Katzen mit der Mutation werden nicht verpaart. So steht es auch in unseren Porträts von Perser und Britisch Kurzhaar – beide Elterntiere müssen negativ getestet sein.
Für Käufer von Persern, Exotic Shorthair, Britisch Kurzhaar und verwandten Rassen:
- Lassen Sie sich den PKD-Gentest beider Elterntiere zeigen – schriftlich, vom Labor, mit Chipnummer der Katze.
- „Die Eltern sind gesund“ oder „in unserer Linie gab es das nie“ ersetzt keinen Befund. Betroffene Katzen wirken jahrelang gesund.
- Sind beide Eltern nachweislich frei, kann das Kitten die Perser-Mutation nicht geerbt haben. Fehlt der Nachweis, können Sie das Kitten selbst testen lassen – vor dem Kauf.
- Ein Ultraschall der Elterntiere ist eine sinnvolle Ergänzung, vor allem bei Rassen, in denen auch andere Zystenformen vorkommen können.
Weitere Punkte für das Gespräch stehen in unserer Liste Fragen an den Züchter; Züchter mit Angaben zu Gesundheitstests finden Sie im Züchterverzeichnis. Angebote ohne Papiere und ohne Testnachweise sind bei diesen Rassen ein echtes Risiko – nicht wegen des Stammbaums, sondern weil genau diese Vorsorge fehlt.
Häufige Fragen
Wie alt wird eine Katze mit PKD?
Das ist sehr unterschiedlich. Der Verlauf hängt davon ab, wie schnell die Zysten wachsen; manche Katzen bleiben lange ohne Beschwerden, andere entwickeln früher eine Nierenschwäche. Eine belastbare Durchschnittszahl gibt es nicht.
Ab wann kann man eine Katze auf PKD testen?
Der Gentest ist in jedem Alter möglich, weil sich das Erbgut nicht ändert. Im Ultraschall fanden Forscher Zysten bei betroffenen Kitten teils schon ab sieben Wochen; in einer Studie an 10–14 Wochen alten Kitten wurden 96,2 % der Betroffenen erkannt.
Kann eine Katze PKD haben, obwohl beide Eltern negativ getestet sind?
Die bekannte PKD1-Mutation kann sie dann nicht geerbt haben. Nierenzysten können in seltenen Fällen aber andere Ursachen haben, die der Test nicht erfasst – deshalb gilt der Ultraschall als sinnvolle Ergänzung.
Ist PKD ansteckend?
Nein. PKD ist eine Erbkrankheit und wird nur von den Eltern an die Kitten weitergegeben – weder an andere Katzen im Haushalt noch an Menschen.
Ist PKD heilbar?
Nein. Behandelt wird die Nierenschwäche, die daraus entstehen kann. Je früher sie erkannt wird, desto mehr lässt sich für die Lebensqualität der Katze tun.
Quellen und weiterführende Informationen (9)
- Lyons et al.: Feline polycystic kidney disease mutation identified in PKD1 (Journal of the American Society of Nephrology, 2004)
- Biller et al.: Inheritance of polycystic kidney disease in Persian cats (Journal of Heredity, 1996)
- Barrs et al.: Prevalence of autosomal dominant polycystic kidney disease in Persian cats and related breeds in Sydney and Brisbane (Australian Veterinary Journal, 2001)
- Cannon et al.: Prevalence of polycystic kidney disease in Persian cats in the United Kingdom (Veterinary Record, 2001)
- Bonazzi et al.: Comparison between ultrasound and genetic testing for the early diagnosis of polycystic kidney disease in Persian and Exotic Shorthair cats (Journal of Feline Medicine and Surgery, 2009)
- Guerra et al.: Prevalence of autosomal dominant polycystic kidney disease in Persian and Persian-related cats in Brazil (Brazilian Journal of Biology, 2021)
- Nivy et al.: Polycystic kidney disease in four British shorthair cats (Journal of Small Animal Practice, 2015)
- Langford Vets: Polycystic Kidney Disease – genetic test
- International Cat Care: Chronic kidney disease (CKD) in cats


