Kurzhaarmittelgroß
American Curl
auch: Curl, American Curl Kurzhaar, American Curl Langhaar, ACS, ACL
Die American Curl trägt nach hinten gebogene Ohren – ein dominant vererbtes Merkmal ohne bekannte Knorpelkrankheit, das man dennoch ehrlich betrachten sollte.

Steckbrief American Curl
- Herkunft
- USA (Kalifornien)
- Fell
- Kurzhaar
- Größe
- mittelgroß
- Gewicht Katze
- 3–4,5 kg
- Gewicht Kater
- 4–5,5 kg
- Lebenserwartung
- 12–15 Jahre
- Anerkannt bei
- FIFe, WCF, TICA, CFA
- Aktivität
- sehr aktiv
- Menschenbezug
- sehr anhänglich
- Stimme
- leise
- Fellpflege
- kaum Aufwand
- Mit Kindern
- mittel
- Mit anderen Tieren
- sehr gut
- Allein bleiben
- mittel
- Reine Wohnung
- gut geeignet
- Für Einsteiger
- sehr gut
Die Einschätzungen beschreiben Neigungen der Rasse, keine Garantie für die einzelne Katze. Welche Katze passt zu mir?
Die American Curl erkennt man auf den ersten Blick: Ihre Ohren biegen sich in einem sanften Bogen nach hinten, als hätte der Wind sie zurückgekämmt. Das verleiht ihr einen wachen, etwas verschmitzten Ausdruck. Es gibt sie mit kurzem und mit halblangem Fell; bei der FIFe laufen beide als eigene Varianten.
Ohrveränderungen bei Katzen sind aus Tierschutzsicht ein heikles Thema – man denkt sofort an die Scottish Fold. Wir haben uns die Frage deshalb genau angesehen und erklären unten, warum wir die American Curl nicht als Qualzucht einstufen, aber trotzdem nicht völlig entwarnen.
Herkunft und Geschichte
Die Geschichte der Rasse beginnt 1981 in Lakewood, Kalifornien. Joe und Grace Ruga nahmen eine langhaarige schwarze Streunerin mit auffällig gebogenen Ohren auf und nannten sie „Shulamith“. Als sie Kitten bekam, hatten auch einige von diesen die gebogenen Ohren – ein Hinweis auf einen dominanten Erbgang. Alle heutigen American Curl gehen auf Shulamith zurück.
Um eine breite, gesunde Zuchtbasis zu schaffen, wurden von Anfang an Hauskatzen ohne Rassehintergrund eingekreuzt, später vor allem glattohrige Curl-Nachkommen. Heute ist die American Curl bei der amerikanischen CFA und der TICA ebenso anerkannt wie bei den europäischen Verbänden FIFe und WCF. Der britische GCCF erkennt sie nicht an.
Aussehen
Die American Curl ist eine mittelgroße, schlanke bis mäßig kräftige Katze mit einem leicht keilförmigen Kopf, einer geraden Nase und großen, walnussförmigen Augen. Das auffälligste Merkmal sind die Ohren: An der Basis sind sie fest und aufrecht, der obere Teil biegt sich in einem Winkel von etwa 90 bis 180 Grad nach hinten. Die Spitzen sind abgerundet und biegsam, der Knorpel im unteren Drittel fest.
Kitten kommen mit geraden Ohren zur Welt. Die Biegung zeigt sich in den ersten Lebenstagen, verändert sich in den folgenden Monaten mehrfach und steht erst mit etwa vier Monaten fest. Weil das Merkmal dominant ist, fallen in den meisten Würfen auch glattohrige Kitten; sie gehören zur Rasse, werden aber nicht ausgestellt.
Das Fell ist entweder kurz und seidig oder halblang und weich mit wenig Unterwolle. Erlaubt sind nahezu alle Farben und Muster.
Wesen und Charakter
Die American Curl gilt als freundlich, neugierig und bis ins hohe Alter verspielt. Viele Liebhaber sagen, sie bleibe „ein Leben lang Kitten“. Sie sucht die Nähe ihrer Menschen, begrüßt Besuch und mischt sich gern ins Geschehen ein, ohne so fordernd zu sein wie eine Siam. Ihre Stimme ist eher leise.
Sie ist anpassungsfähig und kommt mit anderen Katzen und katzenfreundlichen Hunden meist gut zurecht. Mit Kindern klappt es, wenn diese gelernt haben, rücksichtsvoll zu sein – vor allem mit den Ohren. Grobes Anfassen oder Ziehen an den Ohren kann den Knorpel schädigen und tut der Katze weh.
Haltung
Die American Curl ist eine gute Wohnungskatze, die Kletter-, Kratz- und Spielmöglichkeiten braucht. Ein gesicherter Balkon ist eine schöne Ergänzung. Wie fast jede Katze sollte sie nicht allein, sondern mindestens zu zweit gehalten werden; mit einer Partnerkatze übersteht sie normale Arbeitstage gut. Beschäftigen Sie sie täglich mit Spiel, Futterspielen oder kleinen Tricks – sie lernt gern.
Pflege und Ernährung
Die Kurzhaarvariante braucht wenig Fellpflege, einmal pro Woche Bürsten genügt. Die Halblanghaar-Variante sollte ein- bis zweimal pro Woche gekämmt werden; wegen der geringen Unterwolle verfilzt sie selten.
Die Ohren verdienen besondere Aufmerksamkeit. Sehen Sie sie einmal pro Woche an, denn durch die Biegung liegt die Innenseite der Ohrmuschel offen und ist Schmutz und Verletzungen stärker ausgesetzt. Reinigen Sie nur den sichtbaren Bereich sanft mit einem weichen Tuch, nie mit Wattestäbchen im Gehörgang, und biegen Sie die Ohren nie gewaltsam auf. Rötung, Geruch, Kratzen oder Kopfschütteln sind ein Fall für die Tierarztpraxis.
Bei der Ernährung gelten die üblichen Regeln: ein hochwertiges Alleinfutter mit hohem Fleischanteil, bevorzugt Nassfutter, in angemessener Menge.
Gesundheit
Durch die breite Zuchtbasis mit vielen Hauskatzen gilt die American Curl als robuste Rasse. Belastbare Studien zur Häufigkeit von Krankheiten gibt es allerdings kaum. LABOKLIN führt die American Curl (Kurz- und Langhaar) unter den Rassen, bei denen die Netzhauterkrankung rdAc-PRA vorkommen kann. Sie führt zur Erblindung, wird rezessiv vererbt und lässt sich per Gentest ausschließen.
Qualzucht – ja oder nein?
Wir haben die Einstufung anhand des Gutachtens der Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht zur Auslegung von § 11b Tierschutzgesetz geprüft. Es stammt von 1999 und wird vom Bundesministerium (heute BMLEH) weiterhin als Auslegungshilfe veröffentlicht; eine Neufassung liegt nicht vor.
Das Gutachten beschreibt Ohrmuscheln, die „nach vorne oder nach hinten abgeknickt“ sind, und stellt fest, dass die Funktion der Ohren als Signalgeber bei der Kommunikation dadurch eingeschränkt ist. Das Zuchtverbot empfiehlt es aber ausdrücklich für Katzen mit dem Fd-Gen, also Faltohrkatzen wie die Scottish Fold. Grund dafür sind die Knorpel- und Knochenschäden (Osteochondrodysplasie), die das Fd-Gen am ganzen Skelett verursacht.
Beim Curl-Gen der American Curl sind solche Skelettschäden nicht bekannt. Das Qualzucht-Evidenz-Netzwerk QUEN führt die American Curl in seinem Merkblatt zu Ohrveränderungen zwar als betroffene Rasse, hat die Belastung aber noch nicht eingeordnet. Offen bleibt die Frage, wie stark die nach hinten gebogenen Ohren die Körpersprache unter Katzen beeinträchtigen – nach hinten gerichtete Ohren signalisieren normalerweise Abwehr.
Unsere Einstufung: keine Qualzucht im Sinne der Kriterien, die wir auf catterys.de anwenden, weil das rasseprägende Merkmal nach heutigem Wissen keine Schmerzen, Leiden oder Schäden am Skelett verursacht. Wir beobachten die Diskussion und passen die Bewertung an, wenn neue Erkenntnisse vorliegen. Achten Sie beim Züchter auf moderate Ohren: ein sanfter Bogen, fester Knorpel an der Basis, keine übertriebene Krümmung.
Für wen passt die American Curl?
Passt gut, wenn Sie …
- eine freundliche, verspielte und unkomplizierte Wohnungskatze suchen,
- zwei Katzen halten und täglich Zeit zum Spielen haben,
- die empfindlichen Ohren respektieren und regelmäßig kontrollieren.
Passt eher nicht, wenn Sie …
- kleine Kinder haben, die Ohren noch nicht vorsichtig behandeln können,
- eine sehr ruhige, bewegungsarme Katze suchen – dann eher Britisch Kurzhaar,
- grundsätzlich Rassen mit verändertem Körpermerkmal meiden möchten.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Die American Curl ist in Deutschland selten. Kaufen Sie nur bei einem Züchter, der einem anerkannten Verband angeschlossen ist und einen Stammbaum mitgibt. Lassen Sie sich den rdAc-PRA-Gentest beider Eltern zeigen und sehen Sie sich deren Ohren an. Fragen Sie, wie der Züchter mit glattohrigen Kitten umgeht und ob er gezielt moderate Ohren züchtet. Kitten sollten erst dann verbindlich zugesagt werden, wenn ihre Ohrform mit etwa vier Monaten feststeht – oder der Züchter sagt Ihnen ehrlich, dass sie sich noch ändern kann.
Kitten ziehen frühestens mit zwölf Wochen aus, geimpft, entwurmt und gechippt. Warnsignale: Kreuzungen mit Faltohrkatzen, ein Preis deutlich unter dem üblichen Rahmen, keine Elterntiere zum Ansehen oder eine Übergabe auf dem Parkplatz. Unsere Fragen an den Züchter helfen beim Gespräch; Adressen finden Sie unter Züchter der American Curl in Ihrer Nähe.
Gesundheit: danach sollten Sie den Züchter fragen
| Erkrankung | Vorsorge in der Zucht |
|---|---|
| Progressive Retinaatrophie (rdAc-PRA) | Gentest der Elterntiere |
| Empfindlicher Ohrknorpel | Kein Test – Ohren der Elterntiere ansehen: fester Knorpel an der Basis, sanfter Bogen, keine Entzündungen |
Quellen und weiterführende Informationen (7)
- FIFe: Anerkannte Rassen und Rassestandards (American Curl ACL/ACS)
- WCF: Rassestandards Kurzhaar-Rassen (American Curl ACS)
- CFA: Recognized Breeds
- Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht (1999): Gutachten zur Auslegung von § 11b TierSchG, bereitgestellt von der Bundestierärztekammer
- BMLEH: Gutachten zur Auslegung von Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes
- QUEN Qualzucht-Datenbank: Merkblatt Nr. 3 Katze Ohren
- LABOKLIN: Progressive Retinaatrophie (rdAc-PRA) – betroffene Rassen
Von der Redaktion catterys.de · Stand: 26. September 2026


