Kurzhaargroß
Pixiebob
auch: Pixie-Bob, Pixie Bob, Pixiebob Longhair, PXS, PXL, PB
Die Pixiebob sieht aus wie ein kleiner Rotluchs, ist aber eine Hauskatze. Was kurzer Schwanz und überzählige Zehen für Zucht und Tierschutz bedeuten.

Steckbrief Pixiebob
- Herkunft
- USA (Bundesstaat Washington)
- Fell
- Kurzhaar
- Größe
- groß
- Gewicht Katze
- 3,6–5,5 kg
- Gewicht Kater
- 5,4–7,7 kg
- Lebenserwartung
- 13–15 Jahre
- Anerkannt bei
- WCF, TICA
- Aktivität
- mittel
- Menschenbezug
- sehr anhänglich
- Stimme
- leise
- Fellpflege
- kaum Aufwand
- Mit Kindern
- sehr gut
- Mit anderen Tieren
- sehr gut
- Allein bleiben
- mittel
- Reine Wohnung
- gut geeignet
- Für Einsteiger
- sehr gut
Die Einschätzungen beschreiben Neigungen der Rasse, keine Garantie für die einzelne Katze. Welche Katze passt zu mir?
Kräftiger Körper, getupftes, wolliges Fell, ein Gesicht mit schwerer Stirn und Backenbart – und hinten ein kurzer Stummel statt eines langen Schwanzes: Die Pixiebob ist darauf gezüchtet, wie ein kleiner Rotluchs auszusehen. Im Wesen ist sie das Gegenteil eines Wildtiers: anhänglich, gelassen und so menschenbezogen, dass Züchter sie gern „Hund im Katzenpelz“ nennen.
Zwei ihrer Merkmale sind allerdings nicht nur Äußerlichkeiten. Der verkürzte Schwanz und die überzähligen Zehen, die der Standard ausdrücklich erlaubt, beschäftigen den Tierschutz. Dieses Profil erklärt, was dazu belegt ist und worauf Sie achten sollten.
Herkunft und Geschichte
Die Rasse geht auf Carol Ann Brewer aus dem US-Bundesstaat Washington zurück. Nach der Darstellung der TICA kaufte sie 1985 am Fuß der Kaskadenkette einen getupften Kater mit kurzem Schwanz und überzähligen Zehen und nahm Anfang 1986 einen sehr großen, kurzschwänzigen Kater namens Keba auf. Aus dessen Verpaarung mit der Katze eines Nachbarn behielt sie ein Weibchen mit rötlich-fahlem, getupftem Fell und „wildem“ Gesicht: Pixie, die der Rasse den Namen gab. Brewer suchte weitere Katzen dieses Typs, schrieb 1989 einen Standard und wandte sich 1993 an die TICA. Seit der Ausstellungssaison 1998 hat die Pixiebob dort Championstatus. Auch die WCF erkennt sie an, als Kurzhaar und Langhaar; FIFe, CFA und GCCF führen sie nicht.
Die Rotluchs-Legende
Bis heute wird erzählt, die ersten Pixiebobs seien aus Paarungen von Hauskatzen mit wilden Rotluchsen hervorgegangen. Belegt ist das nicht:
- Die TICA führt die Pixiebob als Hauskatzenrasse. Ihr Standard beschreibt eine Hauskatze mit „optischer Ähnlichkeit“ zum Rotluchs – nicht mehr.
- Häufig wird auf DNA-Tests verwiesen, die keine Rotluchs-Merkmale gefunden hätten. Veröffentlichte Daten dazu kennen wir nicht; als Beweis taugt der Hinweis in keine Richtung.
- Aussagekräftiger ist die Forschung zum Schwanz: Buckingham und Kollegen (2013) fanden bei Pixiebobs eine Veränderung im Gen T (Brachyury), die auch bei der Manx vorkommt. Der Stummelschwanz lässt sich also durch eine bekannte Hauskatzen-Mutation erklären, einen Luchs braucht es dafür nicht.
Rotluchs und Hauskatze gehören zudem verschiedenen Gattungen an. Ein nachgewiesener Hybrid aus beiden ist uns nicht bekannt.
Aussehen
Die Pixiebob ist mittelgroß bis groß, schwer gebaut und muskulös, mit langen Beinen – die hinteren etwas länger – und einem rollenden Gang. Die TICA nennt für Kater 12 bis 17 Pfund (etwa 5,4 bis 7,7 Kilogramm), für Katzen 8 bis 12 Pfund. Der Kopf hat die Form einer umgedrehten Birne, mit kräftigem Kinn, breiter Nase und tief liegenden, dreieckigen Augen unter einer schweren Stirn. Manche Tiere tragen Luchspinsel an den Ohren.
- Fell: dichtes, wolliges Doppelfell, das vom Körper absteht; als Kurzhaar und als Langhaar mit bis zu fünf Zentimeter langem Haar.
- Farbe: ausschließlich Brown Spotted Tabby in allen Brauntönen, die kleinen Tupfen durch starkes Ticking gedämpft.
- Schwanz: Der Schwanzknochen muss nach TICA-Standard mindestens zwei Zoll (etwa fünf Zentimeter) lang sein und darf höchstens bis zum Sprunggelenk reichen. Knicke und Knoten sind erlaubt, der Schwanz soll aber beweglich sein. Stummel unter einem Zoll und Schwänze in voller Länge führen zur Disqualifikation.
- Pfoten: groß und breit. Überzählige Zehen sind erlaubt, bis zu sieben je Pfote.
Wesen und Charakter
Pixiebobs gelten als ausgeglichen, klug und sehr auf ihre Familie bezogen. Sie folgen ihren Menschen durchs Haus, lernen Apportieren und lassen sich oft an Geschirr und Leine gewöhnen. Nach den Beschreibungen der Verbände sind sie geduldig mit Kindern und kommen mit anderen Katzen und katzenfreundlichen Hunden gut aus.
Laut sind sie nicht: Statt zu miauen, zwitschern und schnattern viele, manche knurren beim Spielen. Die Rasse ist aktiv und neugierig, aber kein Wirbelwind – nach dem Spiel liegt eine Pixiebob gern lange in der Nähe ihrer Menschen. Unabhängige Verhaltensstudien gibt es nicht; verlassen Sie sich auf das, was Sie bei den Elterntieren sehen.
Haltung
Die Pixiebob kommt mit Wohnungshaltung gut zurecht, wenn sie Platz, stabile Kratzbäume für ein schweres Tier und täglich Beschäftigung hat. Ein gesicherter Balkon oder Garten ist ideal. Weil sie sehr menschenbezogen ist, passt sie schlecht in einen Haushalt, in dem tagsüber niemand da ist. Eine Partnerkatze gehört wie bei jeder Katze dazu.
Pflege und Ernährung
Das dichte Doppelfell wird ein- bis zweimal pro Woche gebürstet, im Fellwechsel und bei der Langhaarvariante öfter. Bei Katzen mit überzähligen Zehen müssen die Krallen regelmäßig kontrolliert und gekürzt werden: Zusatzkrallen nutzen sich oft nicht ab und können einwachsen.
Beim Futter gilt das Übliche: ein Alleinfuttermittel mit hohem Fleischanteil in abgemessener Menge. Die TICA warnt ausdrücklich davor, Übergewicht mit „großer Rasse“ zu verwechseln.
Gesundheit: Schwanz und Zehen genau ansehen
Der Stummelschwanz
Kurze Schwänze haben bei Katzen verschiedene genetische Ursachen. Bei der Manx sind es Veränderungen im Gen T, die in doppelter Ausführung tödlich sind und mit Fehlbildungen von Wirbelsäule, Rückenmark und Enddarm einhergehen können – umso eher, je kürzer der Schwanz ist. Bei der Japanese Bobtail ist es eine Variante im Gen HES7. Buckingham und Kollegen (2013) fanden eine der Manx-Veränderungen auch bei Pixiebobs und American Bobtails; Xu und Kollegen (2016) zeigten, dass es darüber hinaus noch unbekannte Ursachen gibt. Wie viele Pixiebobs die Manx-Variante tragen, ist nicht veröffentlicht.
Das ist der Grund, genau hinzusehen. Ob Pixiebobs die schweren Begleitschäden der Manx zeigen, ist nicht untersucht; die Verbände berichten davon nicht, und der Standard verlangt einen Mindestschwanz und schließt sehr kurze Stummel aus. Das Qualzucht-Evidenz-Netzwerk (QUEN) zählt die Pixiebob in seinem Merkblatt von 2026 zu den Bobtail-Rassen, bewertet die Schwanzverkürzung als Qualzuchtmerkmal und nennt Wirbelanomalien als Hinweis, betont aber, dass die kleinen Populationen noch keine abschließenden Schlüsse zulassen.
Überzählige Zehen
Polydaktylie wird dominant vererbt. Nach dem QUEN-Merkblatt ist etwa die Hälfte der Pixiebobs betroffen. Die zusätzlichen Zehen können verformt sein, mit Veränderungen an Hand- und Fußwurzelknochen einhergehen und sich leichter verletzen; im Alter können Fehlstellungen schmerzen. Das QUEN stuft die Belastung je nach Ausprägung als leicht bis mittel ein.
Wie das Tierschutzrecht beides einordnet
§ 11b Tierschutzgesetz verbietet Zuchten, die bei den Nachkommen zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führen. Das Gutachten der Sachverständigengruppe beim Bundeslandwirtschaftsministerium (1999) urteilt unterschiedlich:
- Polydaktylie: Zuchtverbot für Merkmalsträger. Eine Pixiebob mit überzähligen Zehen sollte danach nicht zur Zucht eingesetzt werden – auch wenn der TICA-Standard sie erlaubt.
- Kurzschwanz: Zuchtverbot für Manx und Cymric. Für die übrigen Kurzschwanzrassen – genannt sind Japanese und Kurilen-Bobtail, die Pixiebob war 1999 noch kaum bekannt – empfiehlt es kein Verbot, sondern die Untersuchung der Zuchttiere auf Schmerzempfindlichkeit und Wirbelverwachsungen.
Wir führen die Pixiebob deshalb nicht als Qualzucht-Rasse: Das rasseprägende Merkmal ist der Kurzschwanz, und Zusatzzehen sind erlaubt, aber nicht vorgeschrieben. Die offenen Fragen zur Manx-Variante gehören aber zu jeder ehrlichen Beratung.
Sonstiges
Rassetypische Erbkrankheiten sind nicht belegt. Das QUEN nennt für Bobtail-Rassen Hinweise auf Hypertrophe Kardiomyopathie und Zahnbetterkrankungen, ohne Häufigkeiten anzugeben; ein Herzultraschall der Zuchttiere ist wie bei jeder Rasse sinnvoll.
Wann Sie zum Tierarzt sollten: bei Schmerzreaktion am Schwanz oder Rücken, unsicherem Gang der Hinterbeine, Problemen beim Kot- oder Harnabsatz, bei eingewachsenen, entzündeten oder abgerissenen Krallen und bei Lahmheit.
Für wen passt die Pixiebob?
Gut passend für Familien und Paare, die viel zu Hause sind, eine anhängliche, ruhige und trotzdem verspielte Katze suchen und bereit sind, beim Kauf genau auf Schwanz und Pfoten zu achten.
Eher nicht passend für Menschen, die den ganzen Tag außer Haus sind, für alle, die mit der offenen Tierschutzfrage des Kurzschwanzes nicht leben möchten – und für alle, die eigentlich ein Wildtier wollen. Das ist die Pixiebob nicht.
Den kräftigen, „wilden“ Typ gibt es auch mit normalem Schwanz und normalen Pfoten: bei der Maine Coon, der Sibirischen Katze und der Norwegischen Waldkatze. Getupft und kurzhaarig ist die Ocicat.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Pixiebobs sind in Deutschland selten. Umso wichtiger ist es, sich Zeit zu nehmen:
- Zehen zählen – beim Kitten und bei beiden Eltern. Fünf vorn, vier hinten ist normal. Entscheiden Sie sich für ein Kitten ohne Zusatzzehen aus einer Zucht, die nicht mit polydaktylen Tieren arbeitet.
- Schwanz prüfen: mindestens fünf Zentimeter lang, beweglich, beim behutsamen Abtasten nicht schmerzhaft. Beobachten Sie, ob Mutter und Kitten sicher springen und laufen.
- Nach Untersuchungen fragen: tierärztlicher Befund zu Schwanz und Wirbelsäule der Zuchttiere, Herzultraschall.
- Papiere: Stammbaum von TICA oder WCF, Kaufvertrag, Abgabe frühestens mit zwölf Wochen, geimpft, gechippt und entwurmt.
Warnsignale sind „Luchs-Mischlinge“ und „Rotluchs-Hybriden“ aus Kleinanzeigen, kurzschwänzige Kitten ohne Papiere, fehlende Elterntiere und Übergaben auf dem Parkplatz. Weitere Fragen finden Sie unter Fragen an den Züchter. Züchter der Pixiebob führen wir nicht: Rund die Hälfte der Tiere ist polydaktyl, und für Merkmalsträger empfiehlt das Qualzuchtgutachten ein Zuchtverbot.
Gesundheit: danach sollten Sie den Züchter fragen
| Erkrankung | Vorsorge in der Zucht |
|---|---|
| Verkürzte Schwanzwirbelsäule (Brachyurie) | Tierärztliche Untersuchung der Zuchttiere auf Schmerzempfindlichkeit im Schwanzbereich und Wirbelverwachsungen (Empfehlung des Qualzuchtgutachtens für Bobtail-Rassen); kein Elterntier mit Schwanzstummel unter fünf Zentimetern |
| Polydaktylie (überzählige Zehen) | Pfoten der Elterntiere und des Kittens ansehen – normal sind fünf Zehen vorn und vier hinten; Gentests auf bekannte Varianten sind möglich |
| Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) – keine belegte Häufung | Herzultraschall der Zuchttiere, wie bei jeder Rasse sinnvoll |
Quellen und weiterführende Informationen (7)
- BMEL/Sachverständigengruppe: Gutachten zur Auslegung von § 11b TierSchG (Qualzuchtgutachten, 1999), Abschnitte Kurzschwänzigkeit und Polydaktylie
- QUEN: Merkblatt Katze Merkmal/Typ Bobtail (Stand 05.01.2026)
- QUEN: Merkblatt Katze Polydaktylie
- Buckingham et al. (2013): Multiple mutant T alleles cause haploinsufficiency of Brachyury and short tails in Manx cats, Mammalian Genome
- Xu et al. (2016): Missense mutation in HES7 associated with short tails in Asian domestic cats, Scientific Reports
- TICA: Pixiebob – Rassebeschreibung und Standard
- WCF: EMS-Code und Anerkennung der Rassen (Stand 06.06.2026)
Von der Redaktion catterys.de · Stand: 12. Oktober 2026


