Kurzhaarmittelgroß
Orientalisch Kurzhaar
auch: Orientale, Oriental Shorthair, OKH, OSH, Foreign Shorthair, Havana (Oriental), Foreign White
Die Orientalisch Kurzhaar ist eine schlanke Siam-Verwandte in Hunderten Farben – extrem menschenbezogen, gesprächig und aktiv; allein ist sie unglücklich.

Steckbrief Orientalisch Kurzhaar
- Herkunft
- Großbritannien (aus Siamkatzen entwickelt)
- Fell
- Kurzhaar
- Größe
- mittelgroß
- Gewicht Katze
- 2,5–4 kg
- Gewicht Kater
- 3,5–5,5 kg
- Lebenserwartung
- 12–16 Jahre
- Anerkannt bei
- FIFe, WCF, TICA, CFA, GCCF
- Aktivität
- sehr aktiv
- Menschenbezug
- sehr anhänglich
- Stimme
- sehr gesprächig
- Fellpflege
- kaum Aufwand
- Mit Kindern
- sehr gut
- Mit anderen Tieren
- sehr gut
- Allein bleiben
- schlecht
- Reine Wohnung
- gut geeignet
- Für Einsteiger
- mittel
Die Einschätzungen beschreiben Neigungen der Rasse, keine Garantie für die einzelne Katze. Welche Katze passt zu mir?
Große Ohren, schmaler Kopf, mandelförmige Augen und ein Körper wie eine Tänzerin: Die Orientalisch Kurzhaar ist unverkennbar. Man kann sie sich als Siamkatze vorstellen, die nicht auf Gesicht, Ohren, Beine und Schwanz beschränkt ist – sie trägt ihre Farbe am ganzen Körper, und davon gibt es Hunderte.
Noch mehr als ihr Aussehen prägt sie ihr Wesen. Orientalen sind extrem menschenbezogen, laut und aktiv. Für die richtigen Menschen sind sie wunderbar, für alle anderen eine Überforderung.
Herkunft und Geschichte
Die Orientalisch Kurzhaar entstand ab den 1950er-Jahren in Großbritannien. Züchter kreuzten Siamkatzen mit anderen Kurzhaarkatzen, etwa Russisch Blau, Britisch Kurzhaar und Abessiniern, um den schlanken Siam-Typ in einfarbigen und gemusterten Kleidern zu erhalten. Zu den ersten Ergebnissen gehörten die braune „Havana“ und die weiße „Foreign White“.
Danach wurde immer wieder mit Siamkatzen zurückgekreuzt, sodass Orientalen und Siam heute im Körperbau praktisch gleich sind. Die CFA nahm die Orientalisch Kurzhaar 1974 zur Registrierung an und gewährte ihr 1977 den Championstatus. Heute ist sie bei allen großen Verbänden anerkannt, und in vielen Verbänden können Siam und Orientalen miteinander verpaart werden.
Aussehen
Die Orientalisch Kurzhaar ist mittelgroß, lang, schlank und fein, aber sehr muskulös. Beine und Hals sind lang, die Pfoten klein und oval, der Schwanz lang, dünn und spitz zulaufend. Der Kopf bildet einen langen, gleichseitigen Keil mit geradem Profil; die sehr großen, breit angesetzten Ohren verlängern die Keillinie. Die mandelförmigen Augen sind meist grün, bei weißen Tieren blau, grün oder verschiedenfarbig.
Das Fell ist sehr kurz, fein, glänzend und liegt eng an. Die Farbvielfalt ist enorm: einfarbig (etwa Ebony, Havana, Blue, Lilac, Cinnamon, Fawn, Weiß), Schildpatt, Smoke, Silber, Tabby in allen Varianten und mit Weiß – zusammen mit der Langhaarvariante nennt die CFA über 600 mögliche Kombinationen. Die Pointvariante ist keine Orientalin, sondern eine Siam.
Manche Ausstellungslinien sind sehr extrem im Typ, mit besonders spitzem Kopf, riesigen Ohren und sehr zartem Körperbau. Wählen Sie eine Katze, die kräftig und gesund wirkt.
Wesen und Charakter
Orientalen sind ausgesprochen menschenbezogen. Sie folgen ihrer Familie durch die ganze Wohnung, wollen bei allem dabei sein, schlafen im Bett und kommentieren den Alltag mit lauter, ausdrucksstarker Stimme. Sie sind sehr intelligent, lernen Tricks, apportieren und lieben Klickertraining.
Die Kehrseite ist deutlich: Diese Katzen sind laut und fordernd. Sie können eifersüchtig reagieren, vermissen ihre Menschen stark und entwickeln ohne ausreichend Gesellschaft Verhaltensprobleme wie Dauerrufen, Unsauberkeit oder übermäßiges Putzen. Wer eine ruhige, selbstständige Katze sucht, ist hier falsch.
Haltung
Die Rasse eignet sich gut für die Wohnung, wenn es viel Kletter- und Spielfläche, warme Liegeplätze und täglich intensive Beschäftigung gibt. Ein gesicherter Balkon ist schön; wegen des kurzen, dünnen Fells frieren Orientalen schnell und brauchen im Winter warme Rückzugsorte.
Eine Partnerkatze ist bei dieser Rasse nicht nur empfehlenswert, sondern nötig – am besten eine andere Orientalin oder Siam. Aber auch mit Partnerin braucht sie Menschen, die viel zu Hause sind. Für Haushalte, in denen alle ganztags außer Haus arbeiten, ist die Rasse ungeeignet.
Pflege und Ernährung
Das kurze Fell ist sehr pflegeleicht: Einmal pro Woche mit der Hand oder einem weichen Tuch darüberstreichen genügt. Achten Sie auf die Zähne – Zahnstein und Zahnfleischentzündungen sollten regelmäßig kontrolliert werden. Die großen Ohren sammeln Schmutz und dürfen vorsichtig gereinigt werden.
Ernährung: Die schlanke, aktive Katze braucht ein hochwertiges Alleinfuttermittel mit hohem Fleischanteil. Orientalen sollen drahtig bleiben; lassen Sie sich vom Tierarzt das Idealgewicht bestätigen, denn auch diese Rasse kann bei wenig Bewegung zunehmen.
Gesundheit
Progressive Retinaatrophie (rdAc-PRA): Diese rezessiv vererbte Netzhauterkrankung ist in der Siam-Gruppe verbreitet und führt meist ab dem jungen Erwachsenenalter langsam zur Erblindung. Die UC Davis führt Orientalisch Kurzhaar ausdrücklich unter den Rassen, für die der Gentest geeignet ist. Mit dem Test lassen sich erkrankte Kitten vollständig vermeiden.
Weiß und Taubheit: Rein weiße Orientalen (Foreign White) tragen meist das dominante Weiß-Gen W, das mit Taubheit verbunden sein kann, besonders bei blauen Augen. Das Qualzuchtgutachten beim Bundeslandwirtschaftsministerium nennt die Orientalisch Kurzhaar ausdrücklich und empfiehlt ein Zuchtverbot für Tiere, deren weiße Farbe durch das W-Gen bestimmt ist, sowie für Tiere mit Hör- oder Sehstörungen. Die Rasse als Ganzes ist davon nicht betroffen – es geht nur um weiße Tiere. Fragen Sie bei einem weißen Kitten nach einem Hörtest (BAER).
Pyruvatkinase-Mangel spielte in der Studie von Grahn et al. (2012) bei Orientalen praktisch keine Rolle.
Wann Sie zum Tierarzt sollten: bei Sehunsicherheit im Dunkeln, Anstoßen an Möbeln, Mundgeruch, Fressunlust, Niesen und Augenausfluss, auffälligem Dauerrufen oder übermäßigem Putzen (auch ein Hinweis auf Stress).
Für wen passt die Orientalisch Kurzhaar?
Passt gut, wenn Sie …
- viel zu Hause sind und eine Katze suchen, die am Familienleben teilnimmt,
- eine gesprächige, verspielte Katze mögen und sich über Kommentare freuen,
- zwei Katzen halten möchten,
- wenig Zeit für Fellpflege haben, aber viel für Spiel.
Passt eher nicht, wenn Sie …
- lange Arbeitstage haben,
- empfindliche Nachbarn oder Ruhebedürfnis haben,
- eine unabhängige, zurückhaltende Katze suchen.
Dasselbe Wesen mit Pointzeichnung hat die Siam, mit halblangem Fell die Orientalisch Langhaar oder die Balinese. Etwas ruhiger und runder ist die Thai. Ein Blick in den Rassen-Vergleich lohnt sich.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Kaufen Sie nur bei einem Züchter, der einem Verein angeschlossen ist und einen Stammbaum ausstellt. Lassen Sie sich den rdAc-PRA-Gentest beider Elterntiere zeigen, bei weißen Kitten einen Hörtest. Die Elterntiere sollten gesund, kräftig und freundlich wirken; die Kitten sollten im Haus mit viel menschlichem Kontakt aufwachsen, denn gerade diese Rasse braucht eine gute Sozialisierung.
Abgabe frühestens mit zwölf Wochen, geimpft, entwurmt, gechippt. Warnsignale sind Preise deutlich unter dem üblichen Rahmen, fehlende Elterntiere, Einzelabgabe an Berufstätige ohne Rückfrage oder eine Übergabe auf dem Parkplatz. Unsere Liste Fragen an den Züchter hilft bei der Vorbereitung; Adressen finden Sie unter Züchter der Orientalisch Kurzhaar in Ihrer Nähe.
Wer ihr Zeit, Nähe und Gesprächsbereitschaft schenkt, bekommt eine der liebevollsten und lebhaftesten Katzen überhaupt – und ein Zuhause, in dem es selten still ist.
Gesundheit: danach sollten Sie den Züchter fragen
| Erkrankung | Vorsorge in der Zucht |
|---|---|
| Progressive Retinaatrophie (rdAc-PRA) | Gentest der Elterntiere auf die CEP290-Variante |
| Taubheit bei dominant weißen Tieren (Foreign White) | Hörtest (BAER) bei weißen Zuchttieren; weiße Tiere mit dem W-Gen nach dem Qualzuchtgutachten nicht in der Zucht |
Quellen und weiterführende Informationen (6)
- Cat Fanciers’ Association: Oriental
- UC Davis Veterinary Genetics Laboratory: Progressive Retinal Atrophy (rdAc)
- BMEL/Sachverständigengruppe: Gutachten zur Auslegung von § 11b TierSchG (Qualzuchtgutachten), Kapitel Farbaufhellungen und Taubheit
- WCF: EMS-Code und Anerkennung der Rassen
- FIFe: Anerkannte Rassen
- Grahn et al. (2012): Erythrocyte pyruvate kinase deficiency mutation identified in multiple breeds of domestic cats, BMC Vet Res
Von der Redaktion catterys.de · Stand: 26. September 2026


