Kurzhaarmittelgroß
Siam
auch: Siamkatze, Siamese, Siamese cat, Moderne Siam, SIA
Die Siamkatze ist schlank, blauäugig und ausgesprochen redselig – eine eng menschenbezogene Katze, die viel Gesellschaft braucht und ungern allein bleibt.

Steckbrief Siam
- Herkunft
- Thailand (früher Siam)
- Fell
- Kurzhaar
- Größe
- mittelgroß
- Gewicht Katze
- 2,5–4 kg
- Gewicht Kater
- 3,5–5,5 kg
- Lebenserwartung
- 12–15 Jahre
- Anerkannt bei
- FIFe, WCF, TICA, CFA, GCCF
- Aktivität
- sehr aktiv
- Menschenbezug
- sehr anhänglich
- Stimme
- sehr gesprächig
- Fellpflege
- kaum Aufwand
- Mit Kindern
- sehr gut
- Mit anderen Tieren
- sehr gut
- Allein bleiben
- schlecht
- Reine Wohnung
- gut geeignet
- Für Einsteiger
- für Erfahrene
Die Einschätzungen beschreiben Neigungen der Rasse, keine Garantie für die einzelne Katze. Welche Katze passt zu mir?
Kaum eine Katze ist so leicht zu erkennen wie die Siamkatze: heller Körper, dunkle Maske, dunkle Ohren, Beine und Schwanz, dazu tiefblaue Augen. Die heutige Siam ist zudem auffallend schlank, mit langem Keilkopf und großen Ohren – eine elegante Erscheinung, die man lieben oder befremdlich finden kann.
Noch auffälliger als das Aussehen ist das Wesen. Siamkatzen reden, fordern, folgen ihren Menschen auf Schritt und Tritt und wollen überall dabei sein. Wer das mag, bekommt eine außergewöhnlich enge Bindung. Wer Ruhe sucht oder viel außer Haus ist, sollte ehrlich zu sich sein – für diese Menschen ist die Siam die falsche Wahl.
Herkunft und Geschichte
Siamkatzen stammen aus dem heutigen Thailand. Abgebildet sind helle Katzen mit dunklen Abzeichen bereits in den thailändischen Katzengedicht-Handschriften (Tamra Maew), die auf die Ayutthaya-Zeit (1350–1767) zurückgeführt werden; wie alt die erhaltenen Abschriften genau sind, ist unter Historikern offen. Legenden, nach denen Siamkatzen Tempelwächter des Königshauses waren, lassen sich nicht belegen.
In Europa tauchten Siamkatzen in den 1870er und 1880er Jahren auf den Ausstellungen im Londoner Crystal Palace auf. 1878 erhielt der US-Präsident Rutherford B. Hayes eine Siamkatze als Geschenk. Die CFA zählt die Siam seit ihrer Gründung 1906 zu den anerkannten Rassen.
Die frühen Siamkatzen waren kräftiger und hatten rundere Köpfe. Ab den 1950er Jahren selektierten Ausstellungszüchter in Europa und Amerika auf einen immer schlankeren, keilköpfigeren Typ mit großen Ohren – die „moderne“ Siam, die heute in FIFe, CFA und GCCF gezeigt wird. Züchter, die den ursprünglichen Typ bewahren wollten, gründeten eigene Vereine. Daraus entstand die Thai: 1990 von der WCF als eigene Rasse anerkannt, bei der FIFe seit 2017 voll anerkannt.
Aussehen
Die moderne Siam ist mittelgroß, lang, schlank und fein, aber muskulös, mit langen Beinen und einem langen, dünnen Schwanz. Der Kopf bildet einen langen, geraden Keil, die Ohren sind sehr groß und setzen die Linie des Keils fort. Die mandelförmigen Augen sind immer tiefblau.
Das kurze, feine, eng anliegende Fell zeigt das Point-Muster: Die Farbe ist auf die kühleren Körperenden beschränkt, weil ein temperaturempfindliches Enzym (die Siam-Variante des Tyrosinase-Gens) nur dort Pigment bildet. Kitten werden deshalb fast weiß geboren, und ältere Siamkatzen dunkeln nach. Klassische Farben sind Seal, Blue, Chocolate und Lilac Point; je nach Verband sind weitere Farben und Tabby- oder Schildpatt-Points erlaubt (die CFA führt diese als „Colorpoint Shorthair“). Die einfarbige Schwesterrasse ist die Orientalisch Kurzhaar, die halblanghaarige Variante die Balinese.
Wesen und Charakter
Die Siam gilt als Inbegriff der gesprächigen Katze. Sie kommentiert, ruft, protestiert und antwortet, mit einer lauten, durchdringenden Stimme – rollige Siamkatzen sind besonders laut. Sie ist intelligent, lernt schnell Tricks und Türklinken und sucht intensiv Nähe: auf dem Schoß, im Bett, auf der Schulter.
Die Schattenseite: Eine Siamkatze fordert viel Aufmerksamkeit und zeigt deutlich, wenn sie zu kurz kommt. Unterforderte oder einsame Siamkatzen werden laut, destruktiv oder beginnen, sich übermäßig zu putzen. Auf Veränderungen und Stress reagieren manche empfindlich. Mit Kindern, die gern spielen, und mit anderen Katzen – besonders anderen Siam- oder Orientalen – verstehen sie sich meist gut.
Haltung
Siamkatzen lassen sich gut in der Wohnung halten, wenn dort genug los ist: Kletter- und Kratzmöbel, Spielzeit mit Ihnen, Futterspiele, Klickertraining. Ein gesicherter Balkon oder ein Katzennetz ist eine gute Ergänzung. Unbedingt gehört eine Partnerkatze dazu, am besten eine ähnlich aktive und kommunikative. Selbst mit Partnerkatze sind lange Arbeitstage ohne Menschen für viele Siamkatzen schwer; ideal ist ein Haushalt, in dem häufig jemand da ist.
Wegen des dünnen Fells frieren Siamkatzen schneller und suchen Wärme – ein Heizungsliegeplatz oder eine Wärmedecke wird gern angenommen.
Pflege und Ernährung
Das Fell ist pflegeleicht: Einmal pro Woche mit der Hand oder einem Gummistriegel darüberstreichen genügt. Mehr Aufmerksamkeit braucht das Maul. Siamkatzen und Orientalen neigen zu Zahnfleischentzündungen und Zahnstein; lassen Sie die Zähne bei jeder Impfung mit ansehen und gewöhnen Sie Ihre Katze früh ans Zähneputzen.
Füttern Sie ein hochwertiges Alleinfutter mit hohem Fleischanteil, vorzugsweise Nassfutter. Siamkatzen sind schlank gebaut; ein „dünn aussehendes“ Tier ist oft normal, trotzdem sollten Sie Gewicht und Figur regelmäßig kontrollieren.
Gesundheit
In der großen britischen Auswertung von Teng et al. (2024) lag die Lebenserwartung ab Geburt bei Siamkatzen bei rund 11,7 Jahren und damit etwa auf dem Niveau von Mischlingskatzen. Einzelne Siamkatzen werden deutlich älter. Auf diese Erbkrankheiten sollten Sie achten:
- Progressive Retinaatrophie (PRA-rdAc): Ein schleichender Netzhautschwund, der zur Erblindung führt. Menotti-Raymond und Kollegen fanden 2010 die ursächliche CEP290-Mutation bei Siamkatzen in Nordamerika und Europa mit einer Allelhäufigkeit von rund 33 Prozent – ein erhebliches Risiko für die Rasse. Die Erkrankung wird rezessiv vererbt; ein einfacher Gentest zeigt, ob ein Zuchttier Träger ist. Zwei Träger dürfen nicht miteinander verpaart werden.
- Schielen und Augenzittern: Das Siam-Farbgen verändert die Verschaltung der Sehbahnen. Das BMEL-Gutachten von 1999 nennt Strabismus und Nystagmus bei Siamkatzen und empfiehlt, Point-Katzen aller Rassen vor der Zuchtzulassung augenärztlich untersuchen zu lassen. Das früher typische Schielen und der Knickschwanz sind in guten Zuchten heute selten, weil sie im Standard als Fehler gelten.
- GM1-Gangliosidose: Eine tödliche Speicherkrankheit des Nervensystems. Die Mutation wurde bei Siamkatzen gefunden; für betroffene Linien gibt es einen Gentest.
- Amyloidose: Ablagerung eines fehlgefalteten Eiweißes, bei Siamkatzen und Orientalen vor allem in der Leber, mit plötzlichen Blutungen. Einen Gentest gibt es nicht – fragen Sie nach Todesfällen in der Verwandtschaft.
- Außerdem werden bei Siamkatzen Asthma und bestimmte Lymphome häufiger beschrieben.
Die extreme Ausprägung des modernen Typs ist nach dem BMEL-Gutachten kein Qualzuchtmerkmal. Achten Sie trotzdem auf gesunde Proportionen: ein kräftiger, beweglicher Körper, ein normaler Biss und klare, nicht tränende Augen.
Für wen passt die Siam?
Passt gut, wenn Sie …
- sich eine Katze wünschen, die redet, mitmacht und eine enge Bindung eingeht,
- viel zu Hause sind oder im Haushalt fast immer jemand da ist,
- zwei Katzen halten wollen und Zeit für tägliches Spielen haben,
- eine lebhafte Wohnung mit älteren Kindern haben.
Passt eher nicht, wenn Sie …
- lärmempfindlich sind oder dünne Wände und empfindliche Nachbarn haben,
- lange Arbeitstage außer Haus verbringen,
- eine unabhängige, genügsame Katze suchen,
- sich in den runderen Siam-Typ verliebt haben – dann ist die Thai die passende Rasse, eine ähnlich gesellige, aber ruhigere Alternative ist die Tonkanese.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Kaufen Sie nur bei einem Züchter, der einem anerkannten Verband angeschlossen ist und einen Stammbaum ausstellt. Lassen Sie sich die Befunde der Elterntiere zeigen – mindestens den PRA-rdAc-Gentest – und fragen Sie nach einer Augenuntersuchung sowie nach Krankheits- und Todesfällen in der Linie. Sehen Sie sich die Mutterkatze an: Sie sollte gesund, gepflegt und zugänglich sein.
Siamkitten ziehen frühestens mit zwölf Wochen aus, geimpft, entwurmt und gechippt. Vorsicht bei „Siam ohne Papiere“ aus Kleinanzeigen: Das Point-Muster allein macht keine Rassekatze, und ungetestete Vermehrungen tragen das PRA-Risiko ungebremst weiter. Warnsignale sind ein Preis deutlich unter dem Üblichen, keine Elterntiere, keine Gesundheitsnachweise und Übergaben auf dem Parkplatz. Unsere Fragen an den Züchter helfen beim Gespräch; seriöse Adressen finden Sie unter Züchter der Siamkatze in Ihrer Nähe.
Gesundheit: danach sollten Sie den Züchter fragen
| Erkrankung | Vorsorge in der Zucht |
|---|---|
| Progressive Retinaatrophie (PRA-rdAc, Netzhautschwund) | Gentest der Elterntiere auf die CEP290-Mutation (rdAc) |
| Schielen und Augenzittern (Strabismus, Nystagmus) | Augenärztliche Untersuchung der Zuchttiere, wie das BMEL-Gutachten für Point-Katzen empfiehlt |
| GM1-Gangliosidose | Gentest der Elterntiere (GLB1-Mutation), in betroffenen Linien |
| Amyloidose (Eiweißablagerungen, v. a. Leber) | Kein Gentest – Frage nach Erkrankungen und frühen Todesfällen in der Familie |
Quellen und weiterführende Informationen (8)
- CFA: Siamese – Breed Profile
- FIFe: Rassestandard Balinese, Siam, Orientalisch Langhaar/Kurzhaar
- FIFe: Thai – Rassebeschreibung
- Menotti-Raymond et al. (2010): Widespread retinal degenerative disease mutation (rdAc) discovered among a large number of popular cat breeds. The Veterinary Journal
- UC Davis Veterinary Genetics Laboratory: PRA (rdAc)
- UC Davis Veterinary Genetics Laboratory: Siamese
- BMEL-Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (1999), bereitgestellt von der Bundestierärztekammer
- Teng et al. (2024): Life tables of annual life expectancy and risk factors for mortality in cats in the UK. Journal of Feline Medicine and Surgery
Von der Redaktion catterys.de · Stand: 26. September 2026


