Halblanghaarmittelgroß
Orientalisch Langhaar
auch: Oriental Longhair, OLH, Mandarin, Javanese, Orientalische Langhaarkatze, British Angora
Die Orientalisch Langhaar ist eine schlanke Orientalin mit seidigem Halblangfell: gesprächig, verspielt, sehr anhänglich – für Menschen mit viel Zeit.

Steckbrief Orientalisch Langhaar
- Herkunft
- Großbritannien und USA (aus Orientalisch Kurzhaar und Siam entwickelt)
- Fell
- Halblanghaar
- Größe
- mittelgroß
- Gewicht Katze
- 2,5–4 kg
- Gewicht Kater
- 3,5–5,5 kg
- Lebenserwartung
- 12–16 Jahre
- Anerkannt bei
- FIFe, WCF, TICA, CFA, GCCF
- Aktivität
- sehr aktiv
- Menschenbezug
- sehr anhänglich
- Stimme
- sehr gesprächig
- Fellpflege
- kaum Aufwand
- Mit Kindern
- sehr gut
- Mit anderen Tieren
- sehr gut
- Allein bleiben
- schlecht
- Reine Wohnung
- gut geeignet
- Für Einsteiger
- mittel
Die Einschätzungen beschreiben Neigungen der Rasse, keine Garantie für die einzelne Katze. Welche Katze passt zu mir?
Die Orientalisch Langhaar vereint die Eleganz der Orientalen mit einem seidigen, halblangen Fell und einem fedrigen Schwanz. Sie ist schlank, hochbeinig und hat die typischen großen Ohren – nur weicher gezeichnet, weil Haarbüschel die Ohrspitzen und Ohrinnenseiten schmücken.
Im Wesen unterscheidet sie sich kaum von ihrer kurzhaarigen Schwester, der Orientalisch Kurzhaar: gesprächig, aktiv, intelligent und eng an ihre Menschen gebunden. Wer sich für sie interessiert, sollte vor allem eines mitbringen: viel Zeit.
Herkunft und Geschichte
Halblanghaarige Kitten fielen in Orientalen- und Siamzuchten immer wieder, weil manche Tiere ein rezessives Langhaar-Gen trugen – etwa aus Einkreuzungen von Balinesen, der Langhaar-Siam. In Großbritannien entstand aus solchen Tieren ab den 1970er-Jahren eine Zucht, die zunächst irreführend „Angora“ hieß, obwohl sie mit der Türkisch Angora nichts zu tun hat. In den USA züchteten Liebhaber parallel ähnliche Katzen.
Die CFA nahm Orientalisch Langhaar 1988 auf und führt seitdem Kurz- und Langhaar als eine Rasse „Oriental“. Bei FIFe, WCF und TICA ist sie als eigene Rasse anerkannt. Die Namen sorgen bis heute für Verwirrung: Die WCF nennt sie auch „Mandarin“, und „Javanese“ bezeichnet je nach Verband entweder die Orientalisch Langhaar oder Balinesen in bestimmten Farben.
Aussehen
Körperlich entspricht die Orientalisch Langhaar der Kurzhaarvariante: mittelgroß, lang, schlank und muskulös, mit langen Beinen, kleinen ovalen Pfoten und einem langen Keilkopf mit geradem Profil. Die Ohren sind sehr groß und breit angesetzt, die mandelförmigen Augen meist grün, bei weißen Tieren blau, grün oder verschiedenfarbig.
Das Fell ist halblang, fein und seidig, liegt am Körper an und hat kaum Unterwolle. Dadurch wirkt die Katze schlanker als die meisten Halblanghaarkatzen. Der Schwanz ist lang und fedrig befellt. Wie bei der Kurzhaar ist fast jede Farbe und jedes Muster anerkannt; Pointtiere sind Balinesen.
Wesen und Charakter
Orientalisch Langhaar gelten als sehr anhänglich, verspielt, neugierig und gesprächig. Sie folgen ihren Menschen, wollen bei allem helfen, lernen Tricks und holen Spielzeug zurück. Mit anderen Katzen und katzenfreundlichen Hunden kommen sie meist gut aus. Manche Halter beschreiben sie als etwas sanfter als die Kurzhaarvariante; belegt ist das nicht.
Die Schattenseite: Auch diese Orientalin ist laut, fordernd und ungern allein. Ohne ausreichend Zuwendung zeigt sie ihren Frust durch Dauerrufen, Zerstörungslust oder Unsauberkeit.
Haltung
Die Rasse eignet sich gut für die Wohnung, wenn es viel Kletter- und Spielmöglichkeiten, Aussichtsplätze und warme Rückzugsorte gibt. Ein gesicherter Balkon ist eine schöne Ergänzung. Weil die Unterwolle fehlt, frieren Orientalen schneller als dicht befellte Rassen.
Halten Sie eine Orientalisch Langhaar unbedingt mit einer Partnerkatze – idealerweise einer anderen Orientalin, Siam oder Balinese – und planen Sie viel gemeinsame Zeit ein. Für Haushalte, in denen tagsüber niemand zu Hause ist, ist sie nicht geeignet.
Ihr Kopf will ebenso beschäftigt werden wie ihr Körper. Klickertraining, Apportierspiele, Fummelbretter und Kletterwege bis unter die Decke helfen, die Energie in gute Bahnen zu lenken. Viele Orientalen genießen es außerdem, einfach dabei zu sein: ein Platz auf dem Schreibtisch, am Küchenfenster oder auf der Sofalehne ist für sie oft wichtiger als das teuerste Spielzeug.
Pflege und Ernährung
Das Fell verfilzt dank fehlender Unterwolle wenig. Einmal pro Woche mit einem feinen Kamm durchgehen genügt; im Fellwechsel etwas öfter. Achten Sie auf die Zähne und schauen Sie regelmäßig in die großen Ohren.
Ernährung: ein hochwertiges Alleinfuttermittel mit hohem Fleischanteil. Die Rasse soll schlank und drahtig bleiben; das lange Fell kann Übergewicht verdecken, deshalb regelmäßig wiegen oder den Tierarzt fragen.
Gesundheit
Progressive Retinaatrophie (rdAc-PRA): Die Veränderung im Gen CEP290 ist in der Siam-Gruppe verbreitet und führt zu langsamer Erblindung, meist ab dem jungen Erwachsenenalter. Die UC Davis führt die Orientalisch Langhaar ausdrücklich unter den Rassen, für die der Gentest geeignet ist. Katzen mit zwei Kopien erkranken, Träger nicht; seriöse Züchter testen und verpaaren keine zwei Träger.
Weiß und Taubheit: Rein weiße Tiere tragen meist das dominante Weiß-Gen W, das mit Taubheit verbunden sein kann. Das Qualzuchtgutachten beim Bundeslandwirtschaftsministerium empfiehlt für solche Tiere ein Zuchtverbot, ebenso für Tiere mit Hör- oder Sehstörungen; in seiner Rassetabelle nennt es ausdrücklich die Orientalisch Kurzhaar und die Foreign White. Betroffen sind nur weiße Tiere, nicht die Rasse als Ganzes.
Darüber hinaus gibt es für die Orientalisch Langhaar kaum rassespezifische Daten; die Gesundheitsthemen entsprechen weitgehend denen der Orientalisch Kurzhaar.
Wann Sie zum Tierarzt sollten: bei Unsicherheit im Dunkeln oder Anstoßen an Möbeln, Mundgeruch, Fressunlust, Niesen, Augenausfluss, auffälligem Dauerrufen oder übermäßigem Putzen.
Für wen passt die Orientalisch Langhaar?
Passt gut, wenn Sie …
- viel zu Hause sind und eine gesprächige, anhängliche Katze suchen,
- das orientalische Wesen mögen, aber ein weicheres, fließendes Fell bevorzugen,
- zwei Katzen halten möchten und gern mit ihnen spielen.
Passt eher nicht, wenn Sie …
- lange Arbeitstage haben,
- eine ruhige, zurückhaltende Katze möchten,
- lärmempfindlich sind.
Das gleiche Wesen im kurzen Fell hat die Orientalisch Kurzhaar, mit Pointzeichnung die Balinese und die Siam. Etwas ruhiger und mit ebenfalls seidigem Halblangfell ist die Türkisch Angora. Vergleichen Sie im Rassen-Vergleich.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Die Orientalisch Langhaar ist in Deutschland seltener als die Kurzhaar. Kaufen Sie nur bei Vereinszüchtern mit Stammbaum und lassen Sie sich den rdAc-PRA-Gentest beider Elterntiere zeigen, bei weißen Kitten einen Hörtest. Achten Sie darauf, dass die Kitten im Haus mit engem menschlichem Kontakt aufwachsen.
Die Abgabe sollte frühestens mit zwölf Wochen erfolgen, geimpft, entwurmt und gechippt. Warnsignale sind Preise deutlich unter dem üblichen Rahmen, fehlende Elterntiere oder eine Übergabe auf dem Parkplatz. Die Liste Fragen an den Züchter hilft Ihnen bei der Vorbereitung; Adressen finden Sie unter Züchter der Orientalisch Langhaar in Ihrer Nähe.
Mit genug Zeit und Gesellschaft ist die Orientalisch Langhaar eine zärtliche, kluge und unterhaltsame Mitbewohnerin, die ihre Menschen gern und ausführlich an ihrem Tag teilhaben lässt.
Gesundheit: danach sollten Sie den Züchter fragen
| Erkrankung | Vorsorge in der Zucht |
|---|---|
| Progressive Retinaatrophie (rdAc-PRA) | Gentest der Elterntiere auf die CEP290-Variante |
| Taubheit bei dominant weißen Tieren | Hörtest (BAER) bei weißen Zuchttieren; weiße Tiere mit dem W-Gen nach dem Qualzuchtgutachten nicht in der Zucht |
Quellen und weiterführende Informationen (5)
- Cat Fanciers’ Association: Oriental (Kurz- und Langhaar)
- UC Davis Veterinary Genetics Laboratory: Progressive Retinal Atrophy (rdAc)
- BMEL/Sachverständigengruppe: Gutachten zur Auslegung von § 11b TierSchG (Qualzuchtgutachten), Kapitel Farbaufhellungen und Taubheit
- WCF: EMS-Code und Anerkennung der Rassen (Oriental Longhair / Mandarin)
- FIFe: Anerkannte Rassen
Von der Redaktion catterys.de · Stand: 26. September 2026


