Kurzhaargroß
Chausie
auch: Chausie-Katze, Rohrkatzen-Hybrid, Jungle Cat Hybrid, CHS, CU
Die Chausie stammt von der Rohrkatze (Felis chaus) ab: groß, hochbeinig und extrem aktiv. Frühe Generationen gelten rechtlich als Wildtiere.

Steckbrief Chausie
- Herkunft
- USA (Kreuzung Rohrkatze × Hauskatze)
- Fell
- Kurzhaar
- Größe
- groß
- Gewicht Katze
- 3,5–6 kg
- Gewicht Kater
- 5–7,5 kg
- Lebenserwartung
- 12–16 Jahre
- Anerkannt bei
- WCF, TICA
- Aktivität
- sehr aktiv
- Menschenbezug
- sehr anhänglich
- Stimme
- sehr gesprächig
- Fellpflege
- kaum Aufwand
- Mit Kindern
- eher schwierig
- Mit anderen Tieren
- mittel
- Allein bleiben
- schlecht
- Reine Wohnung
- wenig geeignet
- Für Einsteiger
- für Erfahrene
Die Einschätzungen beschreiben Neigungen der Rasse, keine Garantie für die einzelne Katze. Welche Katze passt zu mir?
Lange Beine, ein schlanker, tiefer Brustkorb, große aufrechte Ohren und ein Blick wie ein kleiner Puma: Die Chausie soll aussehen wie ihre wilde Vorfahrin, die Rohrkatze. Ihr Name – gesprochen etwa „Tschau-sie“ – leitet sich vom wissenschaftlichen Namen dieser Wildkatze ab, Felis chaus.
Wie die Savannah ist die Chausie eine Hybridrasse. Je näher ein Tier an der Wildkatze steht, desto mehr Wildtier steckt in ihm – mit Folgen für Haltung, Rechtslage und Tierschutz. Auf catterys.de führen wir für die Chausie keine Züchter.
Herkunft und Geschichte
Die Rohrkatze, auch Sumpfluchs oder Dschungelkatze genannt, lebt vom Niltal über Vorderasien bis nach Südostasien, bevorzugt in Schilf und Ufergebüsch. Sie ist größer als eine Hauskatze und mit ihr eng genug verwandt, dass Kreuzungen möglich sind. Die TICA verweist auf mumifizierte Rohrkatzen aus ägyptischen Gräbern; dass damals schon Hybriden mit Hauskatzen entstanden, wird gern erzählt, ist aber nicht nachgewiesen.
Die erste dokumentierte Verpaarung von Rohrkatze und Hauskatze, auf die sich die Rasse beruft, datiert die TICA auf 1990. Eine Gruppe amerikanischer Züchter gab der neuen Rasse ihren Namen, 1995 nahm die TICA sie ins Register auf, seit dem 1. Mai 2013 hat sie dort Championstatus. Eingekreuzt wurden vor allem Abessinier und kurzhaarige Hauskatzen; heute lässt der TICA-Standard keine Fremdeinkreuzung mehr zu. Die WCF führt die Chausie ebenfalls, FIFe, CFA und GCCF nicht.
Die Generationen
Wie bei allen Hybridrassen bezeichnet ein „F“ mit Zahl den Abstand zum Wildtier:
| Generation | Abstammung | Einordnung |
|---|---|---|
| F1 | ein Elternteil ist eine Rohrkatze | zur Hälfte Wildkatze |
| F2 | ein Großelternteil ist eine Rohrkatze | noch deutlich wildtierhaft |
| F3 | ein Urgroßelternteil ist eine Rohrkatze | rechtlich weiter Hybride |
| F4 | vier Generationen Abstand | rechtlich noch Hybride |
| F5 und später | fünf und mehr Generationen | rechtlich Hauskatze |
Die Kater der frühen Hybridgenerationen sind in aller Regel unfruchtbar. Das Qualzucht-Evidenz-Netzwerk (QUEN) beschreibt das für die Savannah – dort mindestens bis F3 – und hält fest, dass das Problem auch bei anderen Hybridrassen bekannt ist. Die Folge ist dieselbe: Solange frühe Generationen gefragt sind, werden weiter Wildkatzen mit Hauskatzen verpaart.
Welche Generation eine angebotene Katze wirklich ist, lässt sich nicht nachprüfen. Nach QUEN kann ein Gentest zwar eine Wildtierbeteiligung feststellen, aber nicht die Generation. Sie sind auf die Papiere angewiesen.
Aussehen
Die Chausie ist mittelgroß bis groß, hochbeinig, lang und schlank – der Standard vergleicht sie mit einem Weitspringer. Der Brustkorb ist tief, die Flanken sind flach. Der Kopf zeigt hohe, kantige Wangenknochen, eine lange Schnauze und große, hoch angesetzte Ohren, die kleine Pinsel tragen dürfen. Die Augen sind oben abgeflacht und goldgelb bis hellgrün. Der Schwanz ist etwas kürzer als bei anderen Katzen.
Das kurze Fell ist in drei Farben anerkannt:
- Brown Ticked Tabby: sandfarben bis goldbraun mit gebänderten Haaren, Streifen an den Beininnenseiten und Ringen am Schwanz,
- Schwarz,
- Black Grizzled Ticked Tabby: ein schwarzes Fell, dessen Haare helle Bänder tragen – eine Zeichnung, die von der Rohrkatze stammt und bei reinen Hauskatzen nicht vorkommt.
Die TICA nennt für ausgewachsene Kater ein Gewicht um 15 Pfund (knapp sieben Kilogramm); Katzen sind kleiner. Tiere früher Generationen können größer ausfallen.
Wesen und Charakter
Die TICA stuft die Chausie auf ihrer Energieskala mit „elf von zehn“ ein. Das ist als Warnung zu lesen: Diese Katzen sind über weite Teile des Tages aktiv, springen nach Verbandsangaben aus dem Stand rund 1,80 Meter hoch, öffnen Schränke und räumen sie aus. Viele Halter bringen Kindersicherungen an.
Chausies späterer Generationen gelten als anhänglich, klug und gesprächig. Sie lernen Apportieren und Leinegehen und binden sich eng an ihre Menschen. Die Kehrseite: Sie bleiben sehr ungern allein und fordern Beschäftigung lautstark ein. Die TICA empfiehlt sie für Erwachsene und für Familien ohne kleine Kinder.
Für frühe Generationen gilt, was das QUEN allgemein über Hybridkatzen schreibt: Wildkatzen sind scheu, dämmerungs- und nachtaktiv, durchstreifen große Reviere und leben als Einzelgänger. Mit solchen Eigenschaften muss man rechnen – verlässliche Verhaltensstudien zur Chausie gibt es nicht.
Haltung und rechtliche Auflagen
F1 bis F4: Artenschutzrecht. Die Rohrkatze ist wie alle wildlebenden Katzenarten artenschutzrechtlich geschützt. Nach der EU-Artenschutzverordnung (EG) Nr. 338/97 fallen Hybriden, bei denen in den vier vorhergehenden Generationen ein Tier einer geschützten Art vorkommt, wie die reine Art unter die Verordnung. Das Regierungspräsidium Kassel fasst das in einem Merkblatt zusammen und nennt die Folge: Kennzeichnungs- und Meldepflicht. Wer eine Chausie bis F4 hält, braucht also einen Herkunftsnachweis und muss das Tier bei der Naturschutzbehörde anmelden.
F1 bis F4: Haltung wie ein Wildtier. Nach QUEN gelten für Hybridkatzen bis zur vierten Generation die Haltungsanforderungen des Säugetiergutachtens des Bundeslandwirtschaftsministeriums, also die für die Wildart. Das bedeutet ein großes, hohes, ausbruchsicheres Gehege mit Klettermöglichkeiten; reine Wohnungshaltung genügt nicht.
Gefahrtierrecht der Länder. Die Haltung gefährlicher Tiere regeln die Bundesländer unterschiedlich. Für die Savannah der ersten Generation hat das Oberverwaltungsgericht NRW im Oktober 2025 festgehalten, dass sie in mehreren Ländern als gefährliches Tier gilt, und ihre Haltung in einem Wohngebiet untersagt. Eine vergleichbare veröffentlichte Entscheidung zur Chausie kennen wir nicht. Ob Rohrkatzen-Hybriden an Ihrem Wohnort genehmigungspflichtig sind, erfahren Sie nur beim Veterinäramt, bei der Naturschutzbehörde und beim Ordnungsamt – fragen Sie dort nach, bevor Sie sich festlegen.
Spätere Generationen sind rechtlich Hauskatzen. Ihr Bewegungsdrang bleibt: Sie brauchen ein Haus mit gesichertem Garten oder Gehege, deckenhohe Kletterlandschaften, gesicherte Fenster und täglich intensive Beschäftigung. Eine ebenso aktive Partnerkatze ist Pflicht; ruhige oder ängstliche Katzen werden von einer Chausie überfordert.
Pflege und Ernährung
Das kurze Fell ist anspruchslos, gelegentliches Bürsten genügt. Der Aufwand steckt in Beschäftigung und Sicherung.
Zur Ernährung kursiert die Behauptung, Chausies hätten einen kürzeren Darm, vertrügen keine pflanzlichen Zutaten und neigten zu Darmentzündungen. Eine wissenschaftliche Untersuchung dazu haben wir nicht gefunden; behandeln Sie das als Züchtererfahrung, nicht als Tatsache. Sinnvoll ist wie bei jeder Katze ein hochwertiges Alleinfuttermittel mit hohem Fleischanteil. Bei wiederkehrendem Durchfall oder Erbrechen gehört die Katze zum Tierarzt, nicht auf eine selbst zusammengestellte Diät.
Gesundheit
Zur Gesundheit der Chausie gibt es keine veröffentlichten Studien. Die TICA nennt sie „insgesamt gesund“ – belegt ist das so wenig wie das Gegenteil. Was sich sagen lässt:
- Unfruchtbare Kater in den frühen Generationen sind ein bekanntes Merkmal der Hybridzucht.
- Belastung der Muttertiere: Bei der Verpaarung zweier Arten mit unterschiedlicher Größe und Tragzeit beschreibt das QUEN für die Savannah Stress, Verletzungen, Früh- und Totgeburten. Ob und wie stark das auf Verpaarungen mit der Rohrkatze zutrifft, ist nicht untersucht.
- Erbe der Abessinier: Bei Abessiniern kommen der Pyruvatkinase-Mangel, eine erbliche Blutarmut (Grahn et al., 2012), und die Progressive Retinaatrophie rdAc vor. Weil Abessinier eingekreuzt wurden, ist es sinnvoll, nach beiden Gentests zu fragen.
Wann Sie zum Tierarzt sollten: bei blassen Schleimhäuten und Mattigkeit, bei Unsicherheit im Dunkeln oder Anstoßen, bei anhaltendem Durchfall, Gewichtsverlust und nach Stürzen oder Sprungverletzungen.
Für wen passt die Chausie?
Allenfalls passend – und nur ab späteren Generationen – für sehr erfahrene Halter mit Haus und gesichertem Außenbereich, die viel zu Hause sind, mehrere aktive Katzen halten und die Vorschriften an ihrem Wohnort geklärt haben.
Nicht passend für Einsteiger, für die Wohnung, für Berufstätige, die den ganzen Tag außer Haus sind, für Haushalte mit kleinen Kindern oder kleinen Heimtieren und für alle, die vor allem der Wildkatzen-Look reizt.
Alternativen ohne Wildkatze im Stammbaum
Den schlanken, hochbeinigen Körper und das getickte Fell gibt es auch bei reinen Hauskatzenrassen:
- Abessinier – das Vorbild für Farbe und Temperament, sehr aktiv und menschenbezogen,
- Somali – die Abessinier mit halblangem Fell,
- Ocicat – getupft, kräftig, gesellig,
- Orientalisch Kurzhaar – schlank, großohrig, sehr anhänglich und gesprächig.
Auch diese Rassen brauchen viel Beschäftigung – aber kein Gehege und keine Behördengänge.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Das QUEN stuft die Hybridzucht am Beispiel der Savannah als Qualzucht ein und nennt die Chausie in derselben Reihe; die Probleme der ersten Generationen sind grundsätzlich dieselben. Wir führen deshalb keine Chausie-Züchter. Wer dennoch ein Tier später Generation aufnehmen möchte, sollte
- die Generation schriftlich bestätigt bekommen und den Stammbaum über mindestens fünf Generationen sehen,
- beide Elterntiere und ihre Haltung ansehen,
- nach Gentests auf PK-Mangel und rdAc-PRA fragen,
- vorab mit den Behörden klären, was am Wohnort gilt,
- das Kitten frühestens mit zwölf Wochen übernehmen, geimpft, gechippt und mit Kaufvertrag.
Finger weg von Angeboten ohne Papiere, von frühen Generationen „ohne Auflagen“, von Importen ohne Herkunftsnachweis und von Übergaben auf dem Parkplatz. Allgemeine Fragen an jeden Anbieter finden Sie in unserer Liste Fragen an den Züchter; welche Rasse wirklich zu Ihrem Leben passt, zeigt der Test Welche Katze passt zu mir?.
Gesundheit: danach sollten Sie den Züchter fragen
| Erkrankung | Vorsorge in der Zucht |
|---|---|
| Unfruchtbarkeit der Kater in frühen Generationen | Kein Test; betrifft die Zucht und hält die Einkreuzung von Wildtieren am Laufen, nicht die Gesundheit des Heimtiers |
| Pyruvatkinase-Mangel und Progressive Retinaatrophie (rdAc-PRA) – über eingekreuzte Abessinier möglich | Gentests der Elterntiere (PKLR- und CEP290-Variante); Häufigkeiten bei der Chausie sind nicht veröffentlicht |
Quellen und weiterführende Informationen (7)
- TICA: Chausie – Rassebeschreibung und Standard
- QUEN Qualzucht-Evidenz Netzwerk: Merkblatt Katze Hybridzucht Rasse Savannah (mit weiteren Hybridrassen, u. a. Chausie)
- Regierungspräsidium Kassel: Anwendung artenschutzrechtlicher Bestimmungen auf Mutationen und Mischlinge (Hybride)
- OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 07.10.2025 – 10 B 1000/25 (Savannah F1 im Wohngebiet)
- Grahn et al. (2012): Erythrocyte pyruvate kinase deficiency mutation identified in multiple breeds of domestic cats, BMC Vet Res
- UC Davis Veterinary Genetics Laboratory: Progressive Retinal Atrophy (rdAc)
- WCF: EMS-Code und Anerkennung der Rassen (Stand 06.06.2026)
Von der Redaktion catterys.de · Stand: 12. Oktober 2026


