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Halblanghaarmittelgroß

Türkisch Angora

auch: Türkische Angora, Angorakatze, Ankara-Katze, Ankara Kedisi, Turkish Angora, TUA

Die Türkisch Angora ist eine elegante, seidig halblanghaarige Katze aus Anatolien – lebhaft und klug; bei weißen, blauäugigen Tieren ist Taubheit ein Thema.

Weiße Türkisch Angora mit seidigem, halblangem Fell und hoch erhobenem, buschigem Schwanz läuft über eine Wiese.

Steckbrief Türkisch Angora

Herkunft
Türkei (Anatolien, Ankara)
Fell
Halblanghaar
Größe
mittelgroß
Gewicht Katze
2,5–3,5 kg
Gewicht Kater
3,5–5 kg
Lebenserwartung
12–15 Jahre
Anerkannt bei
FIFe, WCF, TICA, CFA, GCCF
Aktivität
sehr aktiv
Menschenbezug
sehr anhänglich
Stimme
mittel
Fellpflege
kaum Aufwand
Mit Kindern
sehr gut
Mit anderen Tieren
mittel
Allein bleiben
mittel
Reine Wohnung
mittel
Für Einsteiger
mittel

Die Einschätzungen beschreiben Neigungen der Rasse, keine Garantie für die einzelne Katze. Welche Katze passt zu mir?

Die Türkisch Angora ist eine der ältesten bekannten Langhaarkatzen: fein gebaut, mit langem Hals, großen, hoch angesetzten Ohren und einem seidigen Fell, das bei jeder Bewegung fließt. Der Schwanz wird wie eine Fahne getragen. Am bekanntesten ist sie in reinem Weiß – dabei gibt es sie in fast allen Farben.

Im Wesen ist sie lebhaft, neugierig und klug, dabei sehr zugewandt. Ein Punkt verdient bei dieser Rasse besondere Aufmerksamkeit: Weiße Katzen, deren Farbe auf dem dominanten Weiß-Gen beruht, sind häufig taub. Wir erklären, was das bedeutet und worauf Sie achten sollten.

Herkunft und Geschichte

Die Türkisch Angora stammt aus Anatolien; ihr Name geht auf die Stadt Ankara (früher Angora) zurück. Laut CFA kamen langhaarige Katzen aus dem Nahen Osten im 17. Jahrhundert nach Europa und waren vor allem in Frankreich beliebt. Geschichten, nach denen Marie Antoinette solche Katzen hielt, werden oft erzählt, sind aber nicht belegt.

Mit dem Aufkommen der Katzenausstellungen in England wurden die Angoras so stark mit Persern vermischt, dass die ursprüngliche Rasse im Westen praktisch verschwand. In der Türkei überlebte sie. Um die Landrasse zu erhalten, richtete die Türkei im 20. Jahrhundert Erhaltungszuchten ein, am bekanntesten im Zoo von Ankara. Dort galten lange nur weiße Katzen, oft mit blauen oder verschiedenfarbigen Augen, als echte Angoras.

In den 1950er und 1960er Jahren kamen Tiere aus Ankara in die USA. Die CFA führte die Rasse zunächst nur in Weiß; heute sind dort fast alle Farben zugelassen. Die FIFe erkennt die Türkisch Angora seit 1988 an. Eng verwandt, aber eigenständig ist die Türkisch Van aus dem Osten des Landes.

Aussehen

Die Türkisch Angora ist mittelgroß (Kater etwas größer), schlank, lang und fein, aber muskulös. Der Kopf ist ein kleiner bis mittelgroßer Keil, oben breit und zum Kinn leicht spitz zulaufend, die Ohren sind groß, spitz, hoch und eng angesetzt und oft mit Pinseln. Die großen, mandelförmigen, leicht schräg stehenden Augen dürfen jede Farbe haben – blau, grün, gold, bernstein oder verschiedenfarbig (odd-eyed).

Das Fell ist einfach, also ohne Unterwolle, mittellang am Körper und lang an Hals, Hosen und Schwanz, seidig und leicht gewellt. Im ersten Jahr ist die Halskrause noch nicht voll entwickelt, und das Sommerfell ist deutlich kürzer als das Winterfell. Die FIFe lässt fast alle Farben und Muster zu, auch mit Weiß; ausgenommen sind Point-Muster und die Farben Chocolate, Lilac, Cinnamon und Fawn.

Wesen und Charakter

Türkisch Angoras gelten als ausgesprochen interaktiv. Sie wollen bei allem „helfen“, klettern gern hoch hinaus, spielen ausdauernd und erfinden Spiele selbst. Die CFA nennt sie hundeähnlich in ihrer Anhänglichkeit, zugleich aber eigenständig genug, um einen Arbeitstag allein mit einer Partnerkatze gut zu überstehen.

Die Schattenseite: Sie sind temperamentvoll und haben ihren eigenen Kopf. Sie lassen sich nicht gern festhalten und bestimmen Nähe lieber selbst. Mit anderen Katzen kommen sie meist zurecht, übernehmen aber gern die Führung. Mit Kindern, die die Katze mitspielen, aber nicht herumtragen, geht es in der Regel gut.

Haltung

Die Türkisch Angora braucht Bewegung und Höhe: stabile, hohe Kratzbäume, Kletterwege an der Wand und viel Spielzeit. Ein gesicherter Balkon oder gesicherter Freigang tut ihr gut. Reine Wohnungshaltung ist möglich, wenn die Wohnung katzengerecht eingerichtet ist und jemand täglich mit ihr spielt.

Eine Partnerkatze ist wichtig. Taube Katzen dürfen nicht ungesichert nach draußen, weil sie Autos, Hunde oder Rufe nicht hören – für sie ist eine sichere Wohnung, gegebenenfalls mit Katzennetz, Pflicht.

Pflege und Ernährung

Weil die Unterwolle fehlt, verfilzt das seidige Fell kaum. Ein- bis zweimal pro Woche kämmen genügt, im Fellwechsel im Frühjahr öfter. Weißes Fell verfärbt sich an Mund und Augen leichter; ein feuchtes Tuch hilft.

Weiße Katzen haben eine empfindliche, pigmentarme Haut. Das BMEL-Gutachten weist darauf hin, dass weiße Katzen anfälliger für Hauttumoren sind; Ohrränder und Nase sollten deshalb vor starker Sonne geschützt werden. Füttern Sie ein hochwertiges, fleischreiches Alleinfutter, bevorzugt Nassfutter, und achten Sie auf die schlanke Figur.

Gesundheit

Taubheit bei weißen Katzen

Die meisten weißen Türkisch Angoras sind weiß, weil sie das dominante Weiß-Gen W tragen. Es verhindert, dass Pigmentzellen in Fell, Haut, Augen und das Innenohr einwandern. Im Innenohr fehlen sie dann für die Hörfunktion; die Hörschnecke bildet sich in den ersten Lebenswochen zurück. Das Risiko ist bei blauäugigen Tieren am höchsten; einseitig blauäugige Katzen sind oft auf der Seite des blauen Auges taub.

Das BMEL-Gutachten von 1999 zitiert Untersuchungen, nach denen rund 43 Prozent der reinerbig und rund 27 Prozent der mischerbig dominant weißen Katzen taub waren. Für die weiße Türkisch Angora wird dort berichtet, dass in bestimmten Populationen bis zu 95 Prozent schwerhörig oder taub waren. Weil auch hörende weiße Eltern taube Kitten bekommen können, empfiehlt das Gutachten ein Zuchtverbot für weiße Katzen mit dominantem Weiß-Gen. Die Rasse als Ganzes ist dadurch keine Qualzucht – sie gibt es in vielen Farben –, die gezielte Zucht auf Weiß aber schon.

Viele Zuchtverbände verlangen inzwischen, dass weiße Zuchttiere einen Hörtest (BAER) bestehen. Seriöse Züchter lassen auch die Kitten testen, bevor sie ausziehen. Eine taube Katze kann ein gutes, zufriedenes Leben in sicherer Wohnungshaltung führen – ihr fehlt aber ein wichtiger Sinn für Kommunikation und Orientierung, und bei Artgenossen versteht sie Drohlaute nicht.

Weitere Erkrankungen

  • Erbliche Ataxie: In der Rasse ist eine seltene, vermutlich rezessiv vererbte Bewegungsstörung bei jungen Kitten beschrieben, mit unsicherem Gang und Zittern. Einen Gentest gibt es nicht; ein seriöser Züchter wird Ihnen offen sagen, ob sie in seinen Linien aufgetreten ist.
  • Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM): Die häufigste Herzerkrankung der Katze kommt auch bei der Türkisch Angora vor. Ein Herzultraschall der Zuchttiere ist sinnvoll.

Für wen passt die Türkisch Angora?

Passt gut, wenn Sie …

  • eine lebhafte, kluge und zugewandte Katze suchen, die auch eigenständig sein kann,
  • Platz für hohe Kletterwege und Zeit zum Spielen haben,
  • gesicherten Freigang, einen Balkon oder eine sehr katzengerechte Wohnung bieten,
  • bei einer weißen Katze bereit sind, auf Hörtests zu bestehen.

Passt eher nicht, wenn Sie …

  • eine ruhige Schoßkatze suchen, die sich gern tragen lässt,
  • eine sehr dominante Erstkatze haben,
  • „unbedingt eine weiße Katze mit blauen Augen“ möchten, ohne die Taubheitsfrage ernst zu nehmen.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Wählen Sie einen Züchter, der einem anerkannten Verband angeschlossen ist und einen Stammbaum ausstellt. Bei weißen Tieren: Lassen Sie sich die BAER-Hörtests der Eltern und des Kittens zeigen. Fragen Sie nach Herzbefunden und nach Ataxie-Fällen in der Linie. Eine farbige Türkisch Angora hat dasselbe Wesen und dasselbe seidige Fell – ohne das Taubheitsrisiko des dominanten Weiß.

Kitten ziehen frühestens mit zwölf Wochen aus, geimpft, entwurmt und gechippt. Warnsignale sind ein Preis deutlich unter dem Üblichen, keine Elterntiere zum Ansehen, fehlende Gesundheitsnachweise und eine Übergabe auf dem Parkplatz. Unsere Fragen an den Züchter helfen beim Gespräch; seriöse Adressen finden Sie unter Züchter der Türkisch Angora in Ihrer Nähe.

Gesundheit: danach sollten Sie den Züchter fragen

ErkrankungVorsorge in der Zucht
Angeborene Taubheit bei weißen Tieren (dominantes Weiß, Gen W)Hörtest (BAER) aller weißen Zuchttiere und der Kitten; das BMEL-Gutachten empfiehlt ein Zuchtverbot für dominant weiße Katzen
Erbliche Ataxie der Türkisch Angora (Bewegungsstörung bei Kitten)Kein Gentest – nach betroffenen Würfen in der Linie fragen
Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)Herzultraschall der Zuchttiere, regelmäßig wiederholt
Quellen und weiterführende Informationen (4)
  1. FIFe: Rassestandard Türkisch Angora (TUA)
  2. CFA: Turkish Angora – Breed Profile
  3. BMEL-Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (1999), bereitgestellt von der Bundestierärztekammer
  4. QUEN Qualzucht-Datenbank: Einführung Qualzucht

Von der Redaktion catterys.de · Stand: 26. September 2026

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