Kurzhaarmittelgroß
Japanese Bobtail
auch: Japanische Stummelschwanzkatze, Japanese Bobtail Shorthair, Mi-ke-Katze, JBT, JBS
Die Japanese Bobtail ist eine lebhafte, gesprächige Katze aus Japan mit Pompon-Schwanz. Was die Genetik des Kurzschwanzes zeigt und was ihn von der Manx trennt.

Steckbrief Japanese Bobtail
- Herkunft
- Japan
- Fell
- Kurzhaar
- Größe
- mittelgroß
- Gewicht Katze
- 2,5–3,5 kg
- Gewicht Kater
- 3,5–4,5 kg
- Lebenserwartung
- 12–16 Jahre
- Anerkannt bei
- FIFe, WCF, TICA, CFA
- Aktivität
- sehr aktiv
- Menschenbezug
- sehr anhänglich
- Stimme
- sehr gesprächig
- Fellpflege
- kaum Aufwand
- Mit Kindern
- sehr gut
- Mit anderen Tieren
- sehr gut
- Allein bleiben
- schlecht
- Reine Wohnung
- mittel
- Für Einsteiger
- sehr gut
Die Einschätzungen beschreiben Neigungen der Rasse, keine Garantie für die einzelne Katze. Welche Katze passt zu mir?
Die Japanese Bobtail ist eine Katze, die man in Japan seit Jahrhunderten kennt: Auf alten Bildern taucht sie mit ihrem kurzen, puscheligen Schwanz auf, und die winkende Glückskatze „Maneki-neko“ wird oft nach ihrem Vorbild dargestellt. Außerhalb Japans ist sie eine Rarität, in Deutschland gibt es nur wenige Züchter.
Wer ihr begegnet, erlebt eine lebhafte, neugierige und gesprächige Katze mit schlankem Körper und einem Schwanz, der an einen Kaninchenpuschel erinnert. Dieses Profil erklärt, was hinter dem Stummelschwanz steckt, wie er sich genetisch von der Manx unterscheidet und warum Tierschützer ihn dennoch unterschiedlich bewerten.
Herkunft und Geschichte
Kurzschwänzige Katzen sind in Japan seit dem Mittelalter in Kunst und Literatur belegt. Nach der Cat Fanciers’ Association (CFA) kamen sie möglicherweise schon im 6. Jahrhundert aus Korea nach Japan. Der Überlieferung nach waren Katzen zunächst dem Adel vorbehalten, bis ein kaiserlicher Erlass 1602 anordnete, sie zum Schutz der Seidenraupen vor Mäusen freizulassen – so wurden sie zu Straßen- und Hofkatzen.
1968 kamen die ersten Japanese Bobtails in die USA. Die CFA vergab 1976 der Kurzhaar- und 1993 der Halblanghaar-Variante den Championstatus. Heute ist die Rasse bei CFA, TICA und WCF anerkannt, bei der FIFe als Kurzhaar (JBS). Der britische GCCF führt sie nicht.
Aussehen
Die Japanese Bobtail ist mittelgroß, schlank und muskulös, mit langen Beinen – die Hinterbeine etwas länger als die vorderen. Der Kopf bildet ein fast gleichseitiges Dreieck mit hohen Wangenknochen, großen, aufrechten Ohren und großen, ovalen Augen.
Der Schwanz ist das Markenzeichen: Er ist kurz – nach dem CFA-Standard höchstens etwa 7–8 cm – und in sich geknickt oder gebogen. Das Fell darüber steht fächerförmig ab, sodass ein Pompon entsteht. Jeder Schwanz ist nach der CFA so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Das Fell ist weich und seidig, ohne viel Unterwolle. Viele Farben sind zugelassen; berühmt ist die dreifarbige „Mi-ke“ (Schwarz, Rot und Weiß), die in Japan als Glücksbringer gilt.
Wesen und Charakter
Japanese Bobtails gelten als aktiv, intelligent und anhänglich. Die CFA beschreibt sie als Katzen mit hohem Bewegungsdrang und kurzer Aufmerksamkeitsspanne, die ständig in Bewegung, aber immer im Kontakt mit ihren Menschen sind. Viele apportieren, klettern hoch hinauf und „unterhalten“ sich mit weichen, fast singenden Lauten, ohne laut zu sein.
Mit Kindern und Hunden kommen sie in der Regel gut zurecht; bei anderen Katzen brauchen sie manchmal etwas Zeit. Die Kehrseite: Eine gelangweilte Bobtail sucht sich ihre Beschäftigung selbst, und eine ruhige Schoßkatze ist sie selten.
Haltung
Die Japanese Bobtail braucht viel Bewegung und Abwechslung. In der Wohnung sollten hohe Kletterbäume, Wandpfade, Spielzeug zum Jagen und tägliche Spielzeiten selbstverständlich sein; ein katzensicher vernetzter Balkon oder Garten ist ein großer Gewinn.
Halten Sie sie nicht allein. Eine ähnlich aktive Partnerkatze ist fast Pflicht, damit sie ihre Energie ausleben kann, auch wenn Sie nicht zu Hause sind.
Pflege und Ernährung
Das Fell hat wenig Unterwolle und verfilzt kaum. Einmal pro Woche Bürsten genügt, bei der Halblanghaar-Variante etwas häufiger. Behandeln Sie den Schwanz vorsichtig: Die Wirbel darin sind verformt und oft versteift, er sollte nie gezogen oder grob angefasst werden.
Füttern Sie ein hochwertiges Alleinfutter mit hohem Fleischanteil in einer Menge, die zu der hohen Aktivität passt. Wer viel spielt, darf auch etwas mehr fressen – das Gewicht sollte trotzdem regelmäßig kontrolliert werden.
Gesundheit
Der Kurzschwanz: anders als bei der Manx
Lange war die Genetik des Bobtail-Schwanzes unklar. 2016 fanden zwei Forschergruppen unabhängig voneinander die Ursache: eine Variante im Gen HES7, das an der Entstehung der Wirbel im Embryo beteiligt ist. Lyons und Kollegen zeigten, dass die Variante dominant wirkt und Katzen mit zwei Kopien – anders als bei der Manx – lebensfähig sind und keine zusätzlichen Fehlbildungen zeigen. Bei zwei Kopien ist der Schwanz am stärksten verkürzt und geknickt. Xu und Kollegen fanden dieselbe Variante bei kurzschwänzigen Straßenkatzen in China. Nach der Datenbank OMIA ist sie innerhalb der Rassekatzen auf die Japanese Bobtail beschränkt.
Die Schwanzlosigkeit der Manx beruht dagegen auf Mutationen im Gen TBXT (T-Box, Brachyury), deren doppelte Kopie tödlich ist und die mit schweren Wirbelsäulen- und Rückenmarksfehlbildungen einhergehen können. Die beiden Merkmale haben also nichts miteinander zu tun.
Qualzucht oder nicht? Eine offene Frage
Das Gutachten zur Auslegung von § 11b Tierschutzgesetz (1999) empfiehlt für die Manx ein Zuchtverbot, für die Japanese Bobtail dagegen nicht. Es hält fest, dass für die Bobtail-Rassen keine genauen Untersuchungen zu Begleitdefekten vorliegen, und empfiehlt den Zuchtverbänden, Zuchttiere vor der Zulassung auf Schmerzempfindlichkeit im Schwanz und Wirbelverwachsungen zu untersuchen.
Das Qualzucht-Evidenz-Netzwerk QUEN bewertet Bobtail-Katzen in seinem Merkblatt von 2026 strenger: Der Schwanz diene Gleichgewicht und Kommunikation, seine Verkürzung sei deshalb ein Qualzuchtmerkmal. Die Autoren räumen zugleich ein, dass sich aus den kleinen Populationen noch keine abschließenden Schlüsse ziehen lassen. Wir halten die Japanese Bobtail derzeit für eine Rasse, bei der Sie genau hinsehen sollten: Lassen Sie sich zeigen, wie die Elterntiere ihren Schwanz bewegen und auf Berührung reagieren.
Sonstige Gesundheit
Weitere rassetypische Erbkrankheiten sind nicht belegt; die CFA beschreibt die Rasse als robust. Ein Herzultraschall auf Hypertrophe Kardiomyopathie ist wie bei jeder Rasse sinnvoll.
Für wen passt die Japanese Bobtail?
Gut passt sie, wenn Sie
- eine sehr aktive, gesprächige und menschenbezogene Katze suchen,
- viel Zeit zum Spielen haben und zwei Katzen halten möchten,
- Platz zum Klettern und idealerweise einen gesicherten Balkon oder Garten bieten,
- bereit sind, Gesundheitsfragen beim Züchter kritisch zu stellen.
Eher nicht passt sie, wenn Sie
- eine ruhige Katze für eine kleine Wohnung suchen,
- lange außer Haus sind,
- mit der ungeklärten Tierschutzfrage des Kurzschwanzes nicht leben möchten.
Ähnlich lebhaft, aber mit normalem Schwanz sind die Abessinier und die Orientalisch Kurzhaar. Eine andere Kurzschwanzrasse mit anderer Herkunft ist die Kurilen-Bobtail.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Kaufen Sie nur bei einem Vereinszüchter mit Stammbaum. Fragen Sie, ob die Zuchttiere tierärztlich auf Schwanz und Wirbelsäule untersucht wurden, und lassen Sie sich die Befunde zeigen. Beobachten Sie Mutter und Kitten in ihrer gewohnten Umgebung: Bewegen sie sich frei, springen sie sicher, lassen sie sich am Schwanz berühren? Ein Kitten zieht frühestens mit 12 Wochen um, geimpft, gechippt, entwurmt und mit Kaufvertrag.
Seien Sie vorsichtig bei „Bobtail“-Kitten ohne Papiere, bei Preisen deutlich unter dem üblichen Rahmen, fehlenden Elterntieren und Übergaben auf dem Parkplatz. Weitere Fragen finden Sie unter Fragen an den Züchter, Anbieter unter Züchter der Japanese Bobtail in Ihrer Nähe.
Gesundheit: danach sollten Sie den Züchter fragen
| Erkrankung | Vorsorge in der Zucht |
|---|---|
| Verkürzte, verformte Schwanzwirbelsäule (Brachyurie) | Tierärztliche Untersuchung des Schwanzes auf Schmerzempfindlichkeit und Wirbelverwachsungen vor der Zuchtzulassung (Empfehlung des Qualzuchtgutachtens) |
| Sonst keine rassetypische Erbkrankheit belegt | Allgemeine Gesundheitsuntersuchung; Herzultraschall auf HCM wie bei jeder Rasse sinnvoll |
Quellen und weiterführende Informationen (7)
- CFA: Japanese Bobtail – Breed Profile
- Lyons et al. (2016): Whole genome sequencing in cats identifies new models for blindness in AIPL1 and somite segmentation in HES7
- Xu et al. (2016): Missense mutation in HES7 associated with short tails in Asian domestic cats
- OMIA: Tail, short and kinked (Japanese bobtail)
- Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (Sachverständigengruppe beim BML, 1999)
- QUEN: Merkblatt Katze Merkmal/Typ Bobtail (Stand 05.01.2026)
- WCF: EMS-Code und Anerkennung der Rassen (Stand 06.06.2026)
Von der Redaktion catterys.de · Stand: 26. September 2026


