Kurzhaarmittelgroß
Lykoi
auch: Werwolfkatze, Wolfskatze, Werewolf Cat, Lykoi Cat, LYS, LY
Die Lykoi wirkt mit schütterem, schwarz-weiß gestichelten Fell und nackter Gesichtsmaske wie ein kleiner Werwolf. Was über Haut und Gesundheit belegt ist.

Steckbrief Lykoi
- Herkunft
- USA (Virginia, Tennessee)
- Fell
- Kurzhaar
- Größe
- mittelgroß
- Gewicht Katze
- 2,7–4 kg
- Gewicht Kater
- 3,2–5,5 kg
- Lebenserwartung
- 12–15 Jahre
- Anerkannt bei
- WCF, TICA, CFA
- Aktivität
- sehr aktiv
- Menschenbezug
- sehr anhänglich
- Stimme
- mittel
- Fellpflege
- täglich
- Mit Kindern
- mittel
- Mit anderen Tieren
- mittel
- Allein bleiben
- schlecht
- Reine Wohnung
- gut geeignet
- Für Einsteiger
- für Erfahrene
Die Einschätzungen beschreiben Neigungen der Rasse, keine Garantie für die einzelne Katze. Welche Katze passt zu mir?
Schütteres, schwarz-weiß gestricheltes Fell, eine nackte Maske um Augen, Nase und Schnauze, dazu große gelbe Augen: Die Lykoi sieht aus, als wäre sie einem Gruselfilm entlaufen. Der Name kommt vom griechischen Wort für Wolf, im Deutschen hat sich „Werwolfkatze“ eingebürgert.
Hinter dem Aussehen steckt eine Erbanlage, die das Haarwachstum stört. Die Rasse ist sehr jung, es gibt weltweit nur wenige Tiere und erst zwei wissenschaftliche Arbeiten zu Haut und Genetik. Dieses Profil trennt deshalb genau zwischen dem, was belegt ist, und dem, was Züchter berichten. Züchter führen wir für die Lykoi vorläufig nicht.
Herkunft und Geschichte
Die Lykoi ist keine Kreuzung und kein Wildtierhybrid. Sie geht auf Hauskatzen zurück, die mit auffällig schütterem Fell geboren wurden: 2010 in Virginia, im Jahr darauf in Tennessee. Der Tierarzt Johnny Gobble, seine Frau Brittney und Patti Thomas ließen die Tiere untersuchen, um eine Krankheit als Ursache auszuschließen, und verpaarten zwei nicht verwandte Katzen miteinander. Im September 2011 kam das erste gezielt gezüchtete Kitten zur Welt.
Um Inzucht zu vermeiden, wurden und werden schwarze Hauskatzen eingekreuzt; außerdem nahmen die Züchter weitere Katzen mit demselben Erscheinungsbild auf, die unabhängig voneinander in den USA, Kanada und Frankreich auftauchten. Die TICA lässt die Lykoi seit Mai 2017 zur Meisterschaft zu, die CFA registriert sie seit 2018 und seit 2023 mit Championstatus. Auch die WCF führt sie. FIFe und GCCF erkennen die Rasse nicht an.
Aussehen
Die Lykoi ist eine kleine bis mittelgroße, schlanke und muskulöse Katze. Der Kopf ist keilförmig mit abgerundeten Konturen, die Ohren sind groß, hoch angesetzt und spitz, die Augen oval bis fast rund und bevorzugt goldfarben.
Das Besondere ist das Fell:
- Gestichelte Farbe („Roan“): Vollständig schwarze und vollständig weiße Haare stehen gemischt nebeneinander. Je höher der Weißanteil, desto silbriger wirkt die Katze. Ausgestellt wird bei der TICA nur „Black Roan“; andere Farben kommen vor.
- Schütteres Haarkleid: Die Unterwolle fehlt weitgehend, das Deckhaar ist dünn. Beine, Pfoten und Ohren sind spärlich behaart.
- Nackte Maske: Um Augen, Nase, Schnauze und Kinn wachsen keine Haare. Der Standard verlangt diese Maske ausdrücklich.
- Haarwechsel bis zur Fast-Nacktheit: Kitten kommen schwarz und normal behaart zur Welt, nach ein bis zwei Wochen zeigt sich das Muster. Später verlieren Lykoi mindestens einmal einen großen Teil des Fells und können zeitweise fast nackt sein.
Die Haut ist rosa und dunkelt nach Angaben der TICA bei Sonne oder Wärme innerhalb weniger Tage nach.
Wesen und Charakter
Belastbare Untersuchungen zum Wesen gibt es nicht, nur die Beschreibungen der Zuchtverbände. Danach ist die Lykoi sehr aktiv, neugierig und klug, mit ausgeprägtem Jagdtrieb: Sie schleicht sich an Spielzeug, andere Tiere und auch an Menschen an und springt dann zu. Sie sucht die Nähe ihrer Menschen, gilt aber eher als Katze, die lieber spielt als kuschelt.
Fremden gegenüber ist sie anfangs oft zurückhaltend und beobachtet erst. Sie „redet“ mit Gurren, Trillern und Miauen, gilt aber nicht als Dauerrednerin – solange sie sich nicht vernachlässigt fühlt.
Haltung
Eine Lykoi gehört ins Haus. Ohne Unterwolle kühlt sie schneller aus, und die spärlich behaarte Haut ist der Sonne ausgesetzt. Die CFA rät ausdrücklich, das Sonnenbaden zu begrenzen und die Katze warm zu halten. Ein gesicherter, teilweise beschatteter Balkon ist die bessere Wahl als Freigang.
Drinnen braucht sie viel Beschäftigung: Jagdspiele, Klettermöglichkeiten, Futtersuche. Wie jede Katze sollte sie nicht allein leben; eine ähnlich aktive Partnerkatze passt am besten.
Pflege und Ernährung
Die Lykoi ist kein pflegeleichtes Kurzhaar. Die Haut kann talgig werden, an Krallen, Pfoten und im Gesicht setzen sich dunkle, fettige Beläge ab, und auf dem Rücken bilden sich Mitesser. Die Verbände empfehlen deshalb gelegentliches bis häufiges Baden, regelmäßiges Reinigen von Ohren und Krallenbetten und Vorsicht mit der Sonne. Verwenden Sie nur Pflegemittel für Katzen und lassen Sie sich die Handgriffe zeigen, bevor ein Kitten einzieht.
Zur Ernährung gibt es nichts Rassespezifisches, das belegt wäre: ein Alleinfuttermittel mit hohem Fleischanteil, frisches Wasser, die Menge angepasst an Gewicht und Aktivität.
Gesundheit: Was belegt ist – und was nicht
Die Erbanlage
Buckley, Gandolfi und Kollegen (2020) fanden die Ursache im Gen HR („Hairless“). In den Gründerlinien wiesen sie sechs verschiedene Veränderungen nach, die das Gen jeweils außer Funktion setzen. Vererbt wird rezessiv: Eine Lykoi hat zwei veränderte Kopien, Trägertiere mit einer Kopie haben normales Fell. Mit der Sphynx oder der Devon Rex hat das nichts zu tun – deren Genveränderungen tragen Lykoi nicht.
Haut und Haarfollikel
Die einzige klinische Untersuchung stammt von LeRoy und Kollegen (2016): sieben Lykoi im Vergleich mit sieben Hauskatzen. Die Befunde:
- deutlich weniger Haarfollikel und Haare; viele Follikel verkleinert, erweitert oder fehlgebildet,
- vergrößerte Talgdrüsenfläche – eine mögliche Erklärung für die fettigen Beläge,
- Mitesser entlang des Rückens und am Schwanz,
- Entzündungszellen an den Haarwurzeln (lymphozytäre murale Follikulitis) in 77 Prozent der untersuchten Follikelgruppen und bei allen sieben Tieren.
Die Autoren halten fest, dass ein solcher Befund bei gesunden Katzen nicht vorkommt, dass die Halter aber keine Hautbeschwerden oder Allergiezeichen berichteten – und dass die Bedeutung der Entzündung „derzeit unklar“ ist. Alle untersuchten Katzen waren jünger als vier Jahre. Wie sich die Haut im Alter verhält, ist nicht untersucht.
Die Tasthaare
Für die tierschutzrechtliche Einordnung ist das der entscheidende Punkt. LeRoy und Kollegen beschreiben die Tasthaare der Lykoi als gerade und ähnlich lang wie bei den Vergleichskatzen. Das unterscheidet die Rasse von Nacktkatzen, denen die Tasthaare fehlen oder bei denen sie verkümmert sind. Die Aussage stützt sich allerdings auf sieben junge Tiere.
Was die Verbände sagen
TICA und CFA bezeichnen die Lykoi als robust und ohne bekannte rassetypische Erbkrankheit; auch Buckley und Kollegen schreiben, außer der Follikulitis seien keine Gesundheitsprobleme aufgefallen. Für eine Rasse, die es erst seit 2011 gibt, ist das eine vorläufige Aussage. Eine Lebenserwartung lässt sich seriös noch nicht angeben; die Spanne im Steckbrief ist der übliche Rahmen für Hauskatzen.
Wann Sie zum Tierarzt sollten: bei geröteter, nässender oder krustiger Haut, starkem Juckreiz, entzündeten Mitessern, Sonnenbrand, schmierigen oder riechenden Ohren und immer, wenn die Katze sich auffällig oft kratzt oder leckt.
Einordnung nach dem Tierschutzgesetz
§ 11b Tierschutzgesetz verbietet Zuchten, bei denen erblich bedingt Körperteile fehlen oder untauglich sind und daraus Schmerzen, Leiden oder Schäden folgen. Das Gutachten der Sachverständigengruppe beim Bundeslandwirtschaftsministerium (1999) behandelt „Anomalien des Haarkleides“ und empfiehlt ein Zuchtverbot für Katzen, denen die Tasthaare fehlen; Standards sollen so geändert werden, dass keine Tiere mit stark verkürzten oder gekräuselten Tasthaaren entstehen. Die Lykoi gab es 1999 noch nicht, das Gutachten nennt sie also nicht.
Gemessen an diesem Maßstab fällt die Lykoi nach heutigem Kenntnisstand nicht unter das empfohlene Verbot, weil ihre Tasthaare vorhanden sind. Wir führen sie deshalb nicht als Qualzucht-Rasse. Das strengere Qualzucht-Evidenz-Netzwerk (QUEN) zählt die Lykoi in seinem Merkblatt zum Haarkleid dagegen zu den betroffenen Rassen mit teilweise fehlendem Fell.
Offen bleibt die eigentliche Frage: Hier wird gezielt eine Störung der Haarfollikel gezüchtet, die mit einer Entzündung einhergeht und der Katze Wärmeschutz und Sonnenschutz nimmt. Ob das für die Tiere auf Dauer folgenlos ist, hat bisher niemand untersucht. Solange das so ist, führen wir keine Züchter.
Für wen passt die Lykoi?
Eher passend für erfahrene Halter, die eine aktive, verspielte Katze suchen, die Hautpflege ernst nehmen, die Katze im Haus halten und mit offenen Gesundheitsfragen umgehen können.
Nicht passend für Einsteiger, für Haushalte, in denen die Katze Freigang haben soll, und für alle, die vor allem das ungewöhnliche Aussehen reizt. Als „Allergikerkatze“ taugt die Lykoi nicht.
Wer eine schlanke, lebhafte und menschenbezogene Katze sucht, findet das auch mit vollständigem Fell: bei der schwarzen Bombay, der Orientalisch Kurzhaar oder der Abessinier. Und schwarze Hauskatzen warten in fast jedem Tierheim.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Lykoi sind selten und fallen auf – ein Umfeld, das auch unseriöse Anbieter anzieht. Wenn Sie sich trotz der offenen Fragen für die Rasse entscheiden:
- Kaufen Sie nur mit Stammbaum eines anerkannten Verbands (TICA, CFA, WCF) und sehen Sie die Elterntiere an – auch deren Haut, Ohren und Krallen.
- Fragen Sie nach Hautproblemen in der Linie und nach dem Inzuchtgrad; die Zuchtbasis ist klein.
- Lassen Sie sich die Pflege zeigen und fragen Sie, wie oft die Elterntiere gebadet werden müssen.
- Ein Kitten zieht frühestens mit zwölf Wochen um, geimpft, gechippt und mit Kaufvertrag.
Warnsignale sind Angebote ohne Papiere, „Lykoi-Mixe“, fehlende Elterntiere und Übergaben auf dem Parkplatz. Eine nackte oder schüttere Katze ohne Herkunftsnachweis kann auch schlicht hautkrank sein. Hilfreich ist unsere Liste Fragen an den Züchter; welche Rasse zu Ihrem Alltag passt, zeigt der Test Welche Katze passt zu mir?.
Gesundheit: danach sollten Sie den Züchter fragen
| Erkrankung | Vorsorge in der Zucht |
|---|---|
| Fehlgebildete Haarfollikel mit Entzündungszellen (lymphozytäre murale Follikulitis) | Kein Vorsorgetest – der Befund gehört zum Rassemerkmal und fand sich bei allen untersuchten Lykoi; Gentests auf die HR-Varianten dienen nur der Zuchtplanung |
| Haut: Mitesser, talgige Beläge, Sonnen- und Kälteempfindlichkeit | Kein Test; Haut, Ohren und Krallenbetten der Elterntiere ansehen und nach Hautproblemen in der Linie fragen |
Quellen und weiterführende Informationen (7)
- LeRoy et al. (2016): Clinical and histologic description of Lykoi cat hair coat and skin, Japanese Journal of Veterinary Dermatology 22(3)
- Buckley, Gandolfi et al. (2020): Werewolf, There Wolf – Variants in Hairless Associated with Hypotrichia and Roaning in the Lykoi Cat Breed, Genes 11(6)
- BMEL/Sachverständigengruppe: Gutachten zur Auslegung von § 11b TierSchG (Qualzuchtgutachten, 1999), Abschnitt Anomalien des Haarkleides
- QUEN Qualzucht-Evidenz Netzwerk: Merkblatt Katze Haarkleid
- TICA: Lykoi – Rassebeschreibung und Standard (Stand 01.05.2017)
- CFA: Lykoi – Breed Profile
- WCF: EMS-Code und Anerkennung der Rassen (Stand 06.06.2026)
Von der Redaktion catterys.de · Stand: 12. Oktober 2026


