Kurzhaarmittelgroß
Scottish Straight
auch: Scottish Straight Ear, Scottish Straight Shorthair, Highland Straight, Scottish Straight Longhair, SFS 71
Die Scottish Straight ist die Schwester der Scottish Fold mit geraden Ohren. Sie selbst ist gesund – stammt aber fast immer aus der umstrittenen Faltohr-Zucht.

Steckbrief Scottish Straight
- Herkunft
- Schottland (Tayside)
- Fell
- Kurzhaar
- Größe
- mittelgroß
- Gewicht Katze
- 3–4,5 kg
- Gewicht Kater
- 4–6 kg
- Lebenserwartung
- 11–14 Jahre
- Anerkannt bei
- WCF, TICA, CFA
- Aktivität
- gemütlich
- Menschenbezug
- sehr anhänglich
- Stimme
- leise
- Fellpflege
- kaum Aufwand
- Mit Kindern
- sehr gut
- Mit anderen Tieren
- sehr gut
- Allein bleiben
- mittel
- Reine Wohnung
- gut geeignet
- Für Einsteiger
- sehr gut
Die Einschätzungen beschreiben Neigungen der Rasse, keine Garantie für die einzelne Katze. Welche Katze passt zu mir?
Runder Kopf, große runde Augen, dichtes Plüschfell – und ganz normale, aufrecht stehende Ohren: Die Scottish Straight sieht aus wie eine etwas zierlichere Britisch Kurzhaar. Tatsächlich ist sie die Schwester der Scottish Fold. In einem Wurf aus der Faltohr-Zucht bekommt ein Teil der Kitten Faltohren, der andere behält gerade Ohren. Diese Geschwister heißen Scottish Straight.
Daraus ergibt sich eine Frage, die viele Interessenten stellen: Ist die Straight die gesunde, unbedenkliche Variante der Fold? Die ehrliche Antwort hat zwei Teile. Die Katze selbst: ja. Die Zucht, aus der sie kommt: nein. Deshalb führen wir auf catterys.de keine Züchter der Scottish Straight.
Herkunft und Geschichte
Die Geschichte der Straight ist die der Fold. Alle Tiere gehen auf Susie zurück, eine weiße Hofkatze mit gefalteten Ohren, die 1961 in der schottischen Region Tayside auffiel. Der Schäfer William Ross und seine Frau Mary züchteten mit ihrer Tochter weiter; eingekreuzt wurden Hauskatzen und Britisch Kurzhaar, in den USA später auch Amerikanisch Kurzhaar.
Weil die Faltohr-Anlage dominant vererbt wird und Fold × Fold zu schwer kranken Kitten führt, verpaaren Züchter eine Faltohrkatze stets mit einer Katze mit geraden Ohren. Rechnerisch fällt dann die Hälfte der Kitten mit geraden Ohren. Lange galten diese Tiere als Nebenprodukt. Erst nach und nach bekamen sie einen eigenen Namen und Status: Die TICA führt Scottish Straight und Scottish Fold gemeinsam in der „Scottish Breed Group“, die CFA lässt die Stehohr-Variante seit 2022 zur Ausstellung zu, die WCF führt sie als Scottish Fold mit dem Zusatzcode für gerade Ohren. FIFe und der britische GCCF erkennen weder Fold noch Straight an.
Aussehen
Die Scottish Straight ist mittelgroß, kompakt und rundlich, mit mittelschwerem Knochenbau. Der Standard beschreibt sie mit einem Wort: rund – Kopf, Augen, Körper und Pfoten. Die Augen sind groß und weit geöffnet. Die Ohren sind normal geformt und stehen aufrecht.
Das Fell ist kurz, dicht und plüschig; die Langhaarvariante heißt Highland Straight oder Scottish Straight Longhair. Fast alle Farben und Muster sind zugelassen, auch Point-Zeichnung.
Von einer Britisch Kurzhaar ist eine Straight äußerlich oft kaum zu unterscheiden. Meist ist sie etwas leichter und feiner gebaut; sicher erkennt man sie nur am Stammbaum.
Wesen und Charakter
Scottish Straights gelten als ruhig, freundlich und anhänglich. Sie folgen ihren Menschen gern von Zimmer zu Zimmer, ohne aufdringlich zu sein, und bleiben lieber mit allen vier Pfoten am Boden, als herumgetragen zu werden. Mit Kindern und anderen Tieren kommen sie nach der Eingewöhnung in der Regel gut zurecht.
Die Kehrseite der Gemütlichkeit: Die TICA beschreibt die Rasse als gute Fresser mit wenig Bewegungsdrang. Ohne tägliches Spiel werden viele Straights zu dick.
Haltung
Für die Wohnung ist die Scottish Straight sehr gut geeignet. Sie braucht keine große Fläche, aber Kratz- und Aussichtsplätze, täglich etwas Spiel und Gesellschaft. Lange allein bleibt sie ungern; eine ruhige Partnerkatze gehört wie bei jeder Katze dazu. Ein gesicherter Balkon ist eine schöne Ergänzung.
Pflege und Ernährung
Das kurze Fell wird einmal pro Woche gebürstet, im Fellwechsel öfter; die Langhaarvariante sollte zwei- bis dreimal pro Woche gekämmt werden. Die Ohren brauchen – anders als bei der Fold – keine besondere Aufmerksamkeit.
Wichtiger ist das Gewicht. Füttern Sie ein Alleinfuttermittel mit hohem Fleischanteil in abgemessenen Portionen, wiegen Sie die Katze regelmäßig und lassen Sie sie für einen Teil des Futters arbeiten, etwa mit einem Futterspiel.
Gesundheit
Die Faltohr-Mutation: bei der Straight nicht vorhanden
Die Faltohren der Scottish Fold entstehen durch eine dominant vererbte Veränderung im Gen TRPV4 (Gandolfi et al., 2016). Dieselbe Veränderung stört die Knorpel- und Knochenbildung im ganzen Körper und führt zur Osteochondrodysplasie: Knochenwucherungen an Pfoten und Sprunggelenken, versteifte Gelenke, steife Schwänze, Schmerzen. Jede Katze mit Faltohren trägt sie.
Weil die Anlage dominant ist, zeigt sie sich: Wer sie trägt, hat Faltohren. Eine Katze, deren Ohren gerade geblieben sind, trägt sie nach dem Stand der Forschung nicht – und kann die Krankheit weder bekommen noch vererben. Auch die TICA hält fest, dass Straights die Gelenkprobleme ihrer Geschwister nicht haben.
Sicherheit gibt der Gentest, den mehrere Labore anbieten. Das Qualzucht-Evidenz-Netzwerk QUEN ist hier vorsichtiger als die Züchterverbände: Es hält für möglich, dass auch Katzen mit aufrechten Ohren aus Faltohr-Kreuzungen die Anlage tragen, und rät im Verdachtsfall zum Test. Das Ergebnis einer echten Straight lautet „frei“ (N/N).
Was sonst zu beachten ist
Über die eingekreuzten Rassen sind zwei Erbkrankheiten in die Linien gekommen, auf die auch die TICA hinweist:
- Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM): eine Verdickung des Herzmuskels. Vorsorge ist der Herzultraschall der Zuchttiere.
- Polyzystische Nierenerkrankung (PKD): Zysten in den Nieren, die zum Nierenversagen führen können. Dafür gibt es einen Gentest.
Wann Sie zum Tierarzt sollten: bei Atemnot, schneller Atmung in Ruhe oder plötzlicher Schwäche, bei vermehrtem Trinken, Gewichtsverlust oder Erbrechen – und bei Lahmheit oder steifem Gang, denn das wäre ein Grund, den Gentest nachzuholen.
Warum wir trotzdem keine Züchter führen
Eine Scottish Straight ist keine Qualzucht-Katze. Sie hat kein Merkmal, das ihr schadet. Das Problem ist, woher sie kommt und wofür sie gebraucht wird:
- Sie fällt fast immer aus einer Faltohr-Verpaarung. In jedem solchen Wurf sind ihre Geschwister zur Hälfte Faltohrkatzen – Tiere mit einer Knorpelstörung, die jede von ihnen in sich trägt und deren Schwere niemand vorhersagen kann. Wer ein Straight-Kitten kauft, bezahlt den ganzen Wurf mit.
- Sie ist der Zuchtpartner der Fold. Weil Fold × Fold tabu ist, braucht die Faltohr-Zucht Katzen mit geraden Ohren. Die TICA nennt Scottish Straights ausdrücklich als zugelassene Partner.
- In Deutschland gilt die Faltohr-Zucht als Qualzucht. Das Gutachten der Sachverständigengruppe zu § 11b Tierschutzgesetz (1999) empfiehlt für Katzen mit nach vorn abgeknickten Ohren ein Zuchtverbot. Ein Züchter, der Straights aus Fold × Straight anbietet, züchtet Faltohrkatzen.
Theoretisch ließe sich die Rasse sauber führen: Straight × Straight bringt ausschließlich Kitten mit geraden Ohren. Eine solche Zucht hätte mit der Fold nichts mehr zu tun – sie wäre aber genetisch und äußerlich kaum noch von der Britisch Kurzhaar zu unterscheiden, und ob ein Anbieter wirklich so arbeitet, können wir von außen nicht prüfen. Deshalb listen wir die Rasse vorläufig nicht.
Die Alternative: Britisch Kurzhaar
Wer das runde Gesicht, die großen Augen und das gelassene Wesen mag, findet all das bei der Britisch Kurzhaar – der Rasse, aus der die Scottish Straight zum großen Teil besteht, aber ohne jede Verbindung zur Faltohr-Zucht. Sie wird von allen großen Verbänden anerkannt, es gibt in Deutschland viele Vereinszüchter und etablierte Gesundheitsuntersuchungen. Für die Langhaarvariante ist die Britisch Langhaar das Gegenstück, ähnlich ruhig und rund ist auch die Chartreux.
Für wen passt die Scottish Straight?
Gut passend ist sie vom Wesen her für ruhige Haushalte, Familien mit rücksichtsvollen Kindern, Berufstätige mit zwei Katzen und für die reine Wohnungshaltung. Auch Einsteiger kommen mit ihr gut zurecht.
Eher nicht passend ist sie für alle, die eine sehr aktive, sportliche Katze suchen – und für alle, die mit ihrem Kauf nicht die Faltohr-Zucht unterstützen möchten. Eine erwachsene Straight aus dem Tierschutz oder aus zweiter Hand aufzunehmen, ist dagegen unbedenklich.
Worauf Sie achten sollten, wenn Ihnen eine Scottish Straight angeboten wird
- Fragen Sie nach den Eltern. Ist ein Elternteil eine Faltohrkatze, unterstützen Sie mit dem Kauf die Fold-Zucht. Lassen Sie sich beide Elterntiere zeigen.
- Verlangen Sie den Gentest auf die TRPV4-Variante für das Kitten sowie Nachweise zu HCM (Herzultraschall) und PKD (Gentest) für die Eltern.
- Stammbaum, Kaufvertrag, Abgabe frühestens mit zwölf Wochen, geimpft, gechippt und entwurmt.
- Warnsignale: „Scottish“-Kitten ohne Papiere aus Kleinanzeigen, Würfe mit Fold- und Straight-Kitten „zur Auswahl“, keine Elterntiere zu sehen, Übergabe auf dem Parkplatz, Herkunft aus dem Ausland ohne nachvollziehbare Papiere.
Welche Fragen Sie jedem Anbieter stellen sollten, steht in unserer Liste Fragen an den Züchter. Und wenn Sie noch offen sind, welche Rasse zu Ihnen passt, hilft der Test Welche Katze passt zu mir?.
Gesundheit: danach sollten Sie den Züchter fragen
| Erkrankung | Vorsorge in der Zucht |
|---|---|
| Faltohr-Variante im Gen TRPV4 (Osteochondrodysplasie) – bei geraden Ohren nicht zu erwarten | Gentest auf die TRPV4-Variante c.1024G>T: Eine Straight muss frei sein (N/N). Der Test ist die einzige sichere Bestätigung |
| Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) | Herzultraschall der Zuchttiere bei einem Kardiologen, regelmäßig wiederholt |
| Polyzystische Nierenerkrankung (PKD) | Gentest der Elterntiere auf die PKD1-Mutation (Erbe eingekreuzter Perser und Britisch Kurzhaar) |
Mehr dazu: HCM bei Katzen, PKD bei Katzen
Quellen und weiterführende Informationen (7)
- Gandolfi et al. (2016): A dominant TRPV4 variant underlies osteochondrodysplasia in Scottish fold cats, Osteoarthritis and Cartilage
- UC Davis Veterinary Genetics Laboratory: Scottish Fold (Osteochondrodysplasia)
- BMEL/Sachverständigengruppe: Gutachten zur Auslegung von § 11b TierSchG (Qualzuchtgutachten, 1999), Abschnitt Anomalien des äußeren Ohres
- QUEN Qualzucht-Evidenz Netzwerk: Merkblatt Katze Rasse Scottish Fold
- TICA: Scottish Straight – Rassebeschreibung
- CFA: Scottish Fold – Breed Profile und Standard (Straight Ear seit 2022)
- WCF: EMS-Code und Anerkennung der Rassen (Stand 06.06.2026)
Von der Redaktion catterys.de · Stand: 12. Oktober 2026


