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KurzhaarmittelgroßQualzucht

Khao Manee

auch: Khao-Manee-Katze, Khaomanee, Khao Plort, Diamantaugenkatze, Diamond Eye Cat, KAM

Die Khao Manee ist eine reinweiße Kurzhaarkatze aus Thailand, oft mit zwei Augenfarben. Was ihr Weiß genetisch bedeutet und wie hoch das Taubheitsrisiko ist.

Reinweiße Khao Manee mit einem blauen und einem bernsteinfarbenen Auge kauert auf einem Kratzbaum und blickt mit schräg gelegtem Kopf zur Kamera.

Steckbrief Khao Manee

Herkunft
Thailand
Fell
Kurzhaar
Größe
mittelgroß
Gewicht Katze
2,5–4 kg
Gewicht Kater
3,5–5,5 kg
Lebenserwartung
12–15 Jahre
Anerkannt bei
WCF, TICA, CFA, GCCF
Aktivität
sehr aktiv
Menschenbezug
sehr anhänglich
Stimme
mittel
Fellpflege
kaum Aufwand
Mit Kindern
sehr gut
Mit anderen Tieren
sehr gut
Allein bleiben
schlecht
Reine Wohnung
gut geeignet
Für Einsteiger
mittel

Die Einschätzungen beschreiben Neigungen der Rasse, keine Garantie für die einzelne Katze. Welche Katze passt zu mir?

Die Khao Manee ist die weiße Katze Thailands: kurzhaarig, muskulös, reinweiß, mit großen, leuchtenden Augen in Blau, Gold oder Grün – oder mit einem Auge in jeder Farbe. Ihr Name bedeutet „weißer Edelstein“, im Westen nennt man sie auch Diamantaugenkatze. Außerhalb Thailands gibt es sie erst seit 1999, in Deutschland ist sie eine große Seltenheit.

So anziehend dieses Bild ist: Das Weiß der Khao Manee hat eine genetische Ursache, die auch das Gehör betreffen kann. Das Gutachten zur Auslegung des Qualzuchtparagrafen empfiehlt für solche Katzen ein Zuchtverbot. Deshalb beschreibt dieses Profil die Rasse ehrlich, führt aber keine Züchter. Was hinter der Einordnung steckt und was die Zuchtverbände dagegenhalten, erklären wir unten.

Herkunft und Geschichte

Weiße Katzen werden in den thailändischen Katzengedichten „Tamra Maew“ unter den Glück bringenden Katzen genannt, damals unter dem Namen Khao Plort. Die CFA ordnet die Entstehung dieser Texte der Ayutthaya-Zeit (1350–1767) zu. Dass die Katzen dem Königshaus vorbehalten gewesen und vor Fremden versteckt worden seien, erzählt man gern – die CFA merkt selbst an, dass das nicht stimmen muss.

Belegt ist die jüngere Geschichte: Bis 1999 gab es die Khao Manee praktisch nur in Thailand. In jenem Jahr holte die Amerikanerin Colleen Freymuth die ersten Tiere in die USA und begann ein Zucht- und Erhaltungsprogramm. Später folgten Importe nach Europa.

Die TICA registriert die Rasse seit 2009 und führt sie seit 2015 im Championstatus. Der britische GCCF vergab 2010 einen Rassenamen, die CFA nahm die Khao Manee 2018 zur Registrierung an und zeigt sie derzeit in der vorläufigen Klasse. Auch die WCF hat einen Standard. Die FIFe erkennt die Rasse nicht an.

Aussehen

Die Khao Manee ist mittelgroß, athletisch und fest bemuskelt, dabei geschmeidig und nie gedrungen. Die Hinterbeine sind etwas länger als die Vorderbeine. Der Kopf ist ein abgewandelter Keil mit hohen Wangenknochen; Nasenspitze und Ohrspitzen bilden laut Standard ein gleichseitiges Dreieck. Die Ohren sind mittelgroß und stehen leicht nach außen.

Das Fell ist kurz, fein und anliegend, mit wenig Unterwolle. Die Farbe ist immer reines, glänzendes Weiß, Nasenspiegel und Ballen sind rosa. Kitten tragen manchmal einen farbigen Fleck auf dem Kopf, der laut WCF-Standard bis zum Alter von 18 Monaten vorhanden sein darf – er verrät, welche Farbe das Weiß überdeckt.

Die großen, mandelförmigen Augen dürfen blau, golden, grün oder verschiedenfarbig sein. „Odd-eyed“-Tiere mit zwei Augenfarben sind in Thailand am begehrtesten. Der britische Zuchtplan verzichtet bewusst darauf, sie zu bevorzugen, um den kleinen Genpool nicht weiter zu verengen. Auffällig häufig haben importierte Tiere einen Knick an der Schwanzspitze, wie er bei Katzen aus Südostasien verbreitet ist.

Wesen und Charakter

Die CFA beschreibt die Khao Manee als neugierig, klug und mit einem bleibenden Sinn für Unfug ausgestattet. Sie ist sehr sozial, sucht den Schoß und die Schulter ihrer Menschen, apportiert gern Spielzeug und kommt in der Regel gut mit Kindern und anderen Haustieren aus. Fremden gegenüber kann sie laut Standard zunächst schüchtern sein.

Diese Nähe hat eine Kehrseite: Eine Khao Manee möchte dabei sein. Lange allein gelassen, langweilt sie sich und macht das deutlich. Sie braucht Beschäftigung, Ansprache und eine Partnerkatze.

Gesundheit: Was das Weiß für die Katze bedeutet

Dominantes Weiß und das Innenohr

Die Khao Manee ist kein Albino. Ihr Weiß entsteht durch das dominante Weiß-Gen W, das wie ein weißer Mantel jede andere Fellfarbe überdeckt. Es verhindert, dass Pigmentzellen in Haut und Fell gelangen. Dieselben Zellen werden aber auch im Innenohr und im Auge gebraucht. Fehlen sie im Ohr, bildet sich die Hörschnecke in den ersten Lebenswochen zurück – die Katze ist auf diesem Ohr taub. Fehlen sie im Auge, ist die Iris blau und die reflektierende Schicht hinter der Netzhaut (Tapetum lucidum) fehlt, was das Sehen in der Dämmerung verschlechtert.

Das Risiko ist nicht für alle Tiere gleich. Nach International Cat Care sind weiße Katzen mit einem blauen Auge etwa doppelt so häufig taub wie weiße Katzen ohne blaue Augen, Tiere mit zwei blauen Augen drei- bis fünfmal so häufig. Katzen mit zwei Augenfarben sind oft nur auf der Seite des blauen Auges taub. Sicher erkennen lässt sich das am Aussehen nicht: Auch gelbäugige Tiere können taub sein, auch blauäugige hören.

Was die Zahlen sagen – und was nicht

Das Qualzuchtgutachten von 1999 zitiert Untersuchungen, nach denen rund 43 Prozent der reinerbig und rund 27 Prozent der mischerbig dominant weißen Katzen taub waren, dazu etwa 7 Prozent der gelbäugigen. Eine neuere Untersuchung an 72 weißen Rassekatzen aus Privathaltung (BMC Veterinary Research, 2022) fand 16,7 Prozent taube Tiere, häufiger ein- als beidseitig.

Für die Khao Manee selbst gibt es keine belastbare Studie. Der britische Zuchtplan berichtet, dass die dort mit BAER getesteten Importtiere alle hörten, und nennt aus einer amerikanischen Zucht ein einseitig taubes Kitten. Er hält es für möglich, dass Taubheit bei dieser Rasse seltener ist als bei europäischen weißen Katzen – bezeichnet das aber selbst als Erfahrungswert ohne wissenschaftlichen Beleg.

Haut und Sonne

Weiße Katzen haben unpigmentierte Haut an Ohren und Nase. Das Gutachten weist auf eine erhöhte Anfälligkeit für Hauttumoren hin; auch der Zuchtplan des GCCF rät zu Sonnenschutz. Ohrränder, die sich röten, verkrusten oder nicht abheilen, gehören zeitnah in die Tierarztpraxis.

Rechtliche Einordnung in Deutschland

§ 11b Tierschutzgesetz verbietet es, Wirbeltiere zu züchten, wenn damit zu rechnen ist, dass den Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich sind und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden entstehen. Wie das auszulegen ist, beschreibt das Gutachten der Sachverständigengruppe von 1999. Es ist kein Gesetz, wird von Behörden aber als Maßstab herangezogen.

Zu weißen Katzen ist das Gutachten deutlich: Es empfiehlt ein Zuchtverbot für weiße Katzen, deren Fellfarbe durch das dominante Gen W bestimmt wird. Begründet wird das damit, dass auch hörende Eltern taube Junge bekommen können; weitere Versuche, die Defekte durch Zuchtprogramme zu beseitigen, seien nicht zu rechtfertigen. Die Khao Manee nennt das Gutachten nicht beim Namen – 1999 gab es sie in Europa noch nicht. Sie fällt aber genau unter diese Beschreibung, denn anders als etwa die Türkisch Angora, die es in vielen Farben gibt, ist sie als Rasse durch das dominante Weiß definiert.

Die Zuchtverbände gehen einen anderen Weg. Der GCCF trägt eine Khao Manee nur dann ins Zuchtregister ein, wenn ein Hörtest (BAER oder OAE) Taubheit ausschließt, und rät von Verpaarungen zweier blauäugiger Tiere ab. Farbige Nachkommen, die das Gen W nicht geerbt haben, dürfen bei GCCF und CFA in der Zucht eingesetzt werden. Das senkt das Risiko, schließt taube Kitten aber nicht aus. Ob eine konkrete Zucht zulässig ist, entscheidet im Einzelfall das Veterinäramt.

Haltung, Pflege und Ernährung

Die Khao Manee ist eine Wohnungskatze. Dafür sprechen ihre empfindliche Haut, ihre Seltenheit und die Möglichkeit einer unerkannten einseitigen Taubheit. Ein gesicherter, teilweise beschatteter Balkon ist ideal. Sie braucht hohe Kratzbäume, tägliche Spielrunden und Gesellschaft: eine zweite, ähnlich verspielte Katze und Menschen, die viel zu Hause sind.

Eine taube Katze kann gut leben, wenn ihr Umfeld passt. International Cat Care rät, sie nur drinnen oder in einem gesicherten Gehege zu halten, sich ihr von vorn zu nähern, sie nicht aus dem Schlaf zu schrecken und Handzeichen einzuüben.

Das kurze Fell braucht kaum Pflege; einmal pro Woche bürsten genügt. Füttern Sie ein hochwertiges Alleinfutter mit hohem Fleischanteil, bevorzugt Nassfutter.

Für wen passt die Khao Manee?

Vom Wesen her passt sie zu Menschen, die eine anhängliche, verspielte Wohnungskatze suchen und viel Zeit haben. Wegen der Tierschutzfrage und des winzigen Bestands raten wir dennoch nicht dazu, gezielt ein Kitten dieser Rasse zu suchen. Wer bereits eine Khao Manee hat oder ein erwachsenes Tier übernimmt, hat eine liebenswerte Begleiterin – ein Hörtest und Sonnenschutz gehören dann dazu.

Gesunde Alternativen

  • Die thailändischen Verwandten: Thai, Siam, Korat und Burma stammen aus derselben Katzentradition, sind ähnlich menschenbezogen und verspielt und tragen das Gen W nicht.
  • Eine weiße Hauskatze aus dem Tierschutz: Weiße Hauskatzen warten in vielen Tierheimen, darunter auch taube Tiere, die es bei der Vermittlung schwerer haben. Wer eine solche Katze aufnimmt, fördert keine Zucht und hilft einem Tier, das es schon gibt.
  • Unsicher, was passt? Unser Test Welche Katze passt zu mir? schlägt Rassen nach Ihrem Alltag vor.

Worauf Sie achten sollten, wenn Ihnen eine Khao Manee angeboten wird

Wir führen keine Züchter dieser Rasse. Wird Ihnen dennoch ein Tier angeboten, verlangen Sie für die Katze selbst und für beide Eltern den Nachweis eines Hörtests (BAER) mit Chipnummer, dazu einen Stammbaum eines anerkannten Verbands. Fragen Sie nach den Augenfarben der Eltern und danach, ob es in früheren Würfen taube Kitten gab.

Vorsicht bei „Khao Manee“-Kitten ohne Papiere: Eine weiße Kurzhaarkatze mit verschiedenfarbigen Augen ist ohne Stammbaum eine Hauskatze – mit demselben Taubheitsrisiko. Auffällig niedrige Preise, fehlende Elterntiere und Übergaben auf dem Parkplatz sind Warnsignale. Allgemeine Fragen für jedes Gespräch finden Sie unter Fragen an den Züchter.

Gesundheit: danach sollten Sie den Züchter fragen

ErkrankungVorsorge in der Zucht
Angeborene Taubheit (dominantes Weiß, Gen W) – ein- oder beidseitigHörtest (BAER oder OAE) jedes Zuchttiers und der Kitten; der britische GCCF lässt nur nachweislich hörende Tiere zur Zucht zu, das BMEL-Gutachten empfiehlt ein Zuchtverbot für dominant weiße Katzen
Fehlendes Tapetum lucidum im blauen Auge (schlechteres Sehen bei Dämmerung)Augenärztliche Untersuchung der Zuchttiere
Sonnenbrand und Hauttumoren an Ohren und NaseKein Test – Sonnenschutz, regelmäßige Kontrolle der Ohrränder
KnickschwanzAbtasten des Schwanzes; Zuchtauswahl auf gerade Schwänze
Quellen und weiterführende Informationen (7)
  1. Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (Sachverständigengruppe beim BML, 1999)
  2. GCCF: Khao Manee – Registration Policy, Breeding Policy und Standard
  3. CFA: Khao Manee – Breed Profile
  4. WCF: Rassestandard Khao Manee (KAM), 29.09.2019
  5. WCF: EMS-Code und Anerkennung der Rassen
  6. International Cat Care: Inherited deafness in white cats
  7. Evaluation of the prevalence of congenital sensorineural deafness in a population of 72 client-owned purebred white cats (BMC Veterinary Research, 2022)

Von der Redaktion catterys.de · Stand: 12. Oktober 2026

Eine Katze aus dem Tierschutz?

Auch Khao Manee-Katzen landen im Tierheim – oft mit besonderem Pflegebedarf. Wenn Sie diese Rasse lieben, schauen Sie dort zuerst.

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