Ragdoll
Ragdoll-Farben: Point-Farben, Zeichnungen und EMS-Codes
Seal, Blue, Chocolate oder Lilac – als Colourpoint, Mitted oder Bicolour: alle anerkannten Ragdoll-Farben mit EMS-Code, dazu Mink und Sepia eingeordnet.

„Blue Bicolour“, „Seal Lynx Mitted“, „Lilac Tortie Point“ – wer nach einer Ragdoll sucht, stößt schnell auf Bezeichnungen, die wie eine Geheimsprache klingen. Dahinter steckt ein einfaches Baukastensystem: eine Farbe der Abzeichen und ein Muster, das festlegt, wo die Katze weiß ist.
Diese Seite erklärt beide Bausteine anhand der Standards von FIFe, CFA und GCCF, zeigt, wie sich die Farbe bis ins Erwachsenenalter verändert, und ordnet ein, was es mit „Mink“-, „Sepia“- und „Solid“-Ragdolls auf sich hat.
Das Grundprinzip: immer Point, immer blaue Augen
Alle Ragdolls tragen die Pointzeichnung: Gesicht (Maske), Ohren, Beine und Schwanz sind dunkel, der Körper bleibt deutlich heller. Die CFA formuliert es so: Alle Ragdolls sind pointed, bei manchen Mustern sind die Abzeichen aber teilweise von Weiß überdeckt.
Genetisch ist das dieselbe Anlage wie bei der Siam. Die Datenbank OMIA beschreibt sie als Variante im Gen TYR: Das Fell ist nur an den Körperenden voll pigmentiert, der Rumpf sehr hell bis weiß, und der Pigmentmangel im Auge lässt es blau erscheinen. Deshalb gehören blaue Augen fest zur Ragdoll – nach den Standards von FIFe und CFA ist jede andere Augenfarbe ein Ausschlussgrund. Mehr zur Genetik steht auf unserer Seite über Point-Katzen.
Baustein 1: die Farbe der Abzeichen
Die FIFe erkennt sechs Grundfarben an. Die Beschreibungen in der Tabelle folgen dem Standard der CFA.
| Deutsch | Englisch | EMS-Code | Abzeichen | Körper |
|---|---|---|---|---|
| Seal | seal point | n | tiefes Dunkelbraun | helles, warmes Fawn bis Creme |
| Blau | blue point | a | tiefes Blaugrau | kühles, bläuliches Weiß |
| Chocolate | chocolate point | b | warmes Milchschokoladenbraun | Elfenbein |
| Lilac (Lila) | lilac point | c | frostiges Grau mit rosa Schimmer | Weiß |
| Rot („Flame“) | red point | d | Apricot bis Tiefrot | Weiß |
| Creme | cream point | e | Creme | Weiß |
Seal ist genetisch Schwarz; durch die Pointzeichnung erscheint es dunkelbraun. Jede Farbe kann zwei Zusätze tragen:
- Tabby (bei Ragdoll-Züchtern meist „Lynx“ genannt, EMS 21): Die Abzeichen sind gestreift statt einfarbig. Der Körper darf nach der CFA zarte Geisterstreifen zeigen. Hintergrund: getigerte und Tabby-Katzen.
- Tortie (Schildpatt): In die Abzeichen mischen sich rote oder cremefarbene Flecken. Anerkannt sind Seal-, Blau-, Chocolate- und Lilac-Tortie (EMS f, g, h, j). Tortie-Tiere sind fast immer weiblich – warum, erklärt die Seite zu Schildpatt-Katzen.
Beides lässt sich kombinieren: Eine „Seal Tortie Lynx“ (f 21) hat gestreifte und zugleich gefleckte Abzeichen.
Baustein 2: das Muster
Das Muster bestimmt den Weißanteil. Die FIFe nennt die drei Muster ausdrücklich ein wichtiges Merkmal der Rasse.
| Muster | EMS-Code | Woran Sie es erkennen |
|---|---|---|
| Colourpoint | (keine Zahl) | Abzeichen an Ohren, Maske, Beinen und Schwanz, kein Weiß |
| Mitted | 04 | volle Maske, weißes Kinn, weiße „Handschuhe“ vorn, weiße Stiefel hinten, weißer Streifen über den Bauch |
| Bicolour | 03 | umgekehrtes weißes V im Gesicht, weiße Beine, weißer Bauch, rosa Nasenspiegel |
| Van (nur CFA) | – | Farbe nur an Ohren, Schwanz und oberem Teil der Maske, sonst fast ganz weiß |
Die Katze auf dem Titelbild ist eine Seal Mitted (RAG n 04). Der FIFe-Standard nimmt es beim Mitted-Muster genau: Die Handschuhe vorn sollen höchstens bis zum Handwurzelballen reichen, das Weiß hinten mindestens bis zur Ferse und höchstens bis zur Mitte des Oberschenkels; ein fehlendes weißes Kinn oder ein unterbrochener Bauchstreifen schließen ein Zertifikat aus. Ein schmaler weißer Streifen auf dem Nasenrücken ist erlaubt.
Bei der Bicolour soll das V möglichst symmetrisch sein und den Nasenspiegel einschließen; Weiß an Ohren oder Schwanz ist ein Fehler. Auf dem Rücken dürfen weiße Flecken vorkommen. Das Van-Muster führt die CFA als viertes Muster; die FIFe kennt es bei der Ragdoll nicht, der französische LOOF lässt es nur als „neue Farbe“ zu.
Für das Zusammenleben sind diese Feinheiten belanglos. Sie entscheiden über Ausstellungserfolg, nicht über Gesundheit oder Wesen. Eine Mitted mit zu hohen Handschuhen ist ein ebenso gutes Familienmitglied.
Farbe × Muster: der EMS-Code im Stammbaum
Sechs Grundfarben, vier Tortie-Farben, jeweils mit oder ohne Tabby – das sind 20 Farbvarianten. Mal drei Muster ergibt bei der FIFe 60 anerkannte Varietäten. Im Stammbaum steht dafür ein kurzer Code:
| EMS-Code | Bedeutung |
|---|---|
| RAG n | Seal Colourpoint |
| RAG a 03 | Blue Bicolour |
| RAG n 04 | Seal Mitted |
| RAG c 21 | Lilac Tabby Colourpoint („Lilac Lynx“) |
| RAG f 04 | Seal Tortie Mitted |
| RAG a 03 21 | Blue Tabby Bicolour |
Der Code besteht aus dem Rassekürzel, einem Kleinbuchstaben für die Farbe und Zahlen für Weißanteil (03, 04) und Zeichnung (21). Die 04 gibt es laut EMS-Liste der WCF ausschließlich bei der Ragdoll.
Wie sich die Farbe entwickelt
Ragdoll-Kitten werden weiß geboren. Nach Angaben des britischen GCCF beginnt sich die Farbe der Abzeichen einige Tage nach der Geburt zu zeigen. Das hat mit der Pointanlage zu tun: OMIA beschreibt den Farbverlauf als temperaturabhängig, mit der stärksten Pigmentierung an den Körperenden.
Danach braucht es Geduld:
- Mit 12 bis 14 Wochen – wenn Kitten ausziehen – sind Farbe und Muster erkennbar, aber noch blass. Bei Lilac und Chocolate, bei Tortie und bei Tabby-Abzeichen ist die sichere Bestimmung in diesem Alter Sache erfahrener Züchter; verbindlich ist, was im Stammbaum steht.
- Mit zwei bis drei Jahren ist die Farbe ausgereift. Die CFA nennt in ihrem Rasseprofil zwei Jahre, im Standard selbst „etwa drei Jahre“ für volles Fell und volle Farbe. Für Mitted-Kitten hält sie fest, dass die volle Farbe erst nach zwei Jahren erreicht ist.
- Mit vier Jahren hat die Ragdoll nach CFA und GCCF ihre volle Größe erreicht – mehr dazu unter Größe und Gewicht der Ragdoll.
- Im Alter dunkeln viele Tiere weiter nach. Die CFA akzeptiert bei älteren Katzen ausdrücklich eine dunklere Körperfarbe, solange der Kontrast zu den Abzeichen klar bleibt.
Eine erwachsene Seal Point kann also deutlich dunkler sein, als das Kittenfoto vermuten ließ. Das ist normal und kein Mangel.
Mink, Sepia und Solid: keine Ragdoll nach Standard
Immer wieder werden „Mink-Ragdolls“, „Sepia-Ragdolls“ oder einfarbige „Solid-Ragdolls“ angeboten, oft als besondere Rarität. Was dahintersteckt:
- Mink und Sepia sind andere Stufen derselben Genreihe. OMIA nennt neben der Siam-Anlage die Burma-Anlage mit schwächerem Farbverlauf; die Kombination beider – bekannt von der Tonkanesen – liegt dazwischen. Im EMS-Code heißt die Burma-Zeichnung „sepia“ (31), die Tonkanesen-Zeichnung „mink“ (32). Der Kontrast zwischen Körper und Abzeichen ist geringer, die Augen sind nicht blau: Der LOOF beschreibt sie bei Mink als aquamarinfarben, bei Sepia als gold bis grün.
- Solid (beim LOOF „traditionnelle“) heißt: gar keine Pointzeichnung, das ganze Fell in einer Farbe, Augen kupfer, orange, gold oder grün.
Wie die Verbände damit umgehen, haben wir nachgeprüft:
| Verband | Mink, Sepia, Solid |
|---|---|
| FIFe | nicht anerkannt; nur die drei Point-Muster, andere Augenfarbe als Blau ist Disqualifikation |
| CFA | nicht anerkannt; alle Ragdolls sind pointed, nicht blaue Augen sind Disqualifikation |
| GCCF | nicht anerkannt; die Ragdoll ist als Point-Katze in drei Mustern beschrieben |
| TICA | laut Vergleich des World Cat Congress nur „alle Point-Farben“ |
| LOOF (Frankreich) | seit 2026 eigene Rasse „Cherubim“, nur als „neue Rasse“ ohne Titelvergabe |
| NZCF (Neuseeland) | führt laut World Cat Congress auch Mink, Sepia und einfarbige Tiere |
Die Lage ist also eindeutig genug: Bei den in Deutschland maßgeblichen Verbänden ist eine Mink-, Sepia- oder Solid-Katze keine standardgerechte Ragdoll. Den TICA-Standard selbst konnten wir nicht direkt einsehen und stützen uns dort auf die Übersicht des Dachgremiums.
Was heißt das für Käufer? Solche Katzen können gesunde, liebenswerte Tiere sein. Aber „selten“ und „exklusiv“ sind Werbewörter. Fragen Sie, in welchem Verein der Wurf registriert ist und was im Stammbaum steht. Und vor allem: Die Gesundheitsvorsorge hängt nicht an der Farbe. Der HCM-Gentest und der Herzultraschall der Elterntiere sind bei jeder Ragdoll wichtiger als die Frage, ob die Abzeichen Seal oder Lilac sind.
Welche Farbe ist die richtige?
Die, die Ihnen gefällt. Ein Zusammenhang zwischen Fellfarbe und Wesen ist nicht belegt – eine Blue Bicolour ist nicht ruhiger als eine Seal Mitted. Wie selten einzelne Farben sind, lässt sich nicht beziffern: Die Verbände veröffentlichen keine Wurfzahlen nach Farbe. Ein Aufpreis für eine „seltene“ Farbe ist deshalb Geschmackssache und kein Qualitätsmerkmal.
Entscheiden Sie zuerst nach Züchter, Gesundheitsnachweisen und Charakter der Elterntiere, dann nach Farbe. Was Sie fragen sollten, steht unter Fragen an den Züchter; geprüfte Adressen finden Sie unter Ragdoll-Züchter in Ihrer Nähe. Sehr ähnlich gezeichnet ist die Heilige Birma, die ebenfalls weiße Pfoten trägt; in allen Farben, auch ohne Abzeichen, gibt es die eng verwandte RagaMuffin.
Point-Katzen mit blauen Augen sitzen übrigens auch in Tierheimen – meist Mischlinge, selten mit Papieren, aber oft mit demselben Blick. Einen Überblick über alle Fellfarben gibt die Seite Katzenfarben, mehr zur Augenfarbe die Seite Katzen mit blauen Augen.
Häufige Fragen
Welche Farben gibt es bei der Ragdoll?
Sechs Point-Farben: Seal, Blue, Chocolate, Lilac, Red und Cream. Jede gibt es zusätzlich mit Tabby-Abzeichen („Lynx“), die ersten vier auch als Tortie. Dazu kommt das Muster: Colourpoint, Mitted oder Bicolour, bei der CFA außerdem Van.
Was ist der Unterschied zwischen Mitted und Bicolour?
Eine Mitted hat eine vollständige dunkle Maske, ein weißes Kinn, weiße „Handschuhe“ vorn und weiße Stiefel hinten. Eine Bicolour trägt ein umgekehrtes weißes V im Gesicht, hat weiße Beine und einen weißen Bauch sowie einen rosa Nasenspiegel.
Wann hat eine Ragdoll ihre endgültige Farbe?
Spät. Kitten werden weiß geboren, die Abzeichen erscheinen nach einigen Tagen. Die CFA nennt für die volle Fellfarbe zwei Jahre, an anderer Stelle ihres Standards etwa drei Jahre. Danach dunkeln viele Tiere mit dem Alter weiter nach.
Haben alle Ragdolls blaue Augen?
Ja. Blaue Augen gehören zur Pointzeichnung; nach den Standards von FIFe und CFA führt jede andere Augenfarbe zur Disqualifikation.
Was ist eine Mink-Ragdoll?
Eine Katze vom Typ der Ragdoll mit weniger Kontrast zwischen Körper und Abzeichen und türkisfarbenen statt blauen Augen. FIFe, CFA und GCCF erkennen sie nicht als Ragdoll an. Der französische LOOF führt Mink, Sepia und einfarbige Tiere seit 2026 unter dem Namen Cherubim – vorerst nur als „neue Rasse“ ohne Titelvergabe.
Was bedeutet RAG n 04?
Das ist der EMS-Code für Seal Mitted: RAG steht für Ragdoll, n für die Grundfarbe Seal (genetisch Schwarz), 04 für das Muster Mitted. Ohne Zahl ist es eine Colourpoint, 03 steht für Bicolour, 21 für Tabby-Abzeichen.
Quellen und weiterführende Informationen (8)
- FIFe: Rassestandard Ragdoll (RAG) mit Tabelle der anerkannten Farbvarietäten, Ausgabe 01.01.2026
- CFA: Ragdoll – Breed Standard (Farben, vier Muster, Farbentwicklung)
- CFA: Ragdoll – Breed Profile
- GCCF: Breed profile Ragdoll (Muster, Farbentwicklung der Kitten)
- LOOF: Standard Ragdoll & Cherubim, gültig ab 01.01.2026
- World Cat Congress: Ragdoll – Vergleich der Mitgliedsverbände
- OMIA 000202-9685: Coat colour, TYR-related, in Felis catus (Siam-, Burma- und Tonkanesen-Zeichnung)
- WCF: EMS-Code und Anerkennung der Rassen (Stand 06.06.2026)