Fellfarbe
Glückskatze: die dreifarbige Katze in Schwarz, Rot und Weiß
Eine Glückskatze ist dreifarbig: Schwarz, Rot und Weiß. Was sie von der Schildpatt-Katze unterscheidet, woher der Name kommt und was die Farbe bedeutet.

Drei Farben auf einer Katze: Schwarz, Rot und Weiß, in großen, klaren Flecken. Im Deutschen heißt so ein Tier Glückskatze, und die Farbe wird oft für eine Rasse gehalten. Sie ist keine. Die dreifarbige Zeichnung kommt bei ganz gewöhnlichen Hauskatzen vor und bei vielen Rassen, von der Maine Coon bis zum Japanese Bobtail.
Fachlich ist die Glückskatze eine Schildpatt-Katze mit weißer Scheckung. Alles, was dort über Schwarz und Rot, über das X-Chromosom und über die seltenen Kater steht, gilt auch hier. Diese Seite erklärt, was das Weiß verändert, woher der Name kommt und was vom Glück zu halten ist.
Glückskatze, Tricolor, Calico: ein Tier, viele Namen
| Bezeichnung | Wo gebräuchlich | Bedeutung |
|---|---|---|
| Glückskatze | deutscher Alltag | dreifarbige Katze |
| Tricolor, dreifarbig | Tierheime, Anzeigen | dasselbe |
| Schildpatt mit Weiß | Zuchtvereine (FIFe, WCF) | dasselbe, fachlich |
| Calico | USA | Schildpatt mit Weiß, meist mit großen Flecken |
| Tortie and White | Großbritannien | dasselbe |
| Mi-ke („drei Felle“) | Japan | dreifarbige Katze |
Der EMS-Code der Zuchtvereine setzt sich aus der Farbe und der Weißmenge zusammen. Eine schwarz-rot-weiße Katze ist „f“ (Schwarz-Schildpatt) plus eine Zahl für das Weiß:
- 01 Van: fast ganz weiß, Farbe nur am Kopf und am Schwanz
- 02 Harlekin: Farbe bedeckt nach dem FIFe-Standard mindestens ein Viertel, höchstens die Hälfte des Körpers
- 03 Bicolour: mindestens die Hälfte, höchstens drei Viertel sind farbig, der Rest weiß
- 09: Weißanteil nicht näher bestimmt, etwa nur Latz und Pfoten
Eine Glückskatze mit dem Code „f 03“ ist also schwarz-rot gefleckt und zu einem Viertel bis zur Hälfte weiß.
So entsteht die dreifarbige Zeichnung
In der Glückskatze treffen zwei Dinge zusammen, die genetisch nichts miteinander zu tun haben.
Erstens Schwarz und Rot. Die Anlage für rotes Fell liegt auf dem X-Chromosom. Eine Katze mit zwei X-Chromosomen kann auf dem einen die Anlage für Rot tragen und auf dem anderen nicht. In jeder Zelle wird früh in der Entwicklung zufällig eines der beiden X-Chromosomen stillgelegt; je nachdem, welches aktiv bleibt, wächst an dieser Stelle rotes oder schwarzes Fell. Die Einzelheiten stehen auf der Seite zur Schildpatt-Katze.
Zweitens das Weiß. Weiße Flecken entstehen durch die sogenannte Weißscheckung. Ursache ist eine Veränderung am Gen KIT: Dort hat sich vor langer Zeit das Erbgut eines Virus eingefügt, wie eine Arbeitsgruppe um Victor David 2014 gezeigt hat. In den betroffenen Hautbereichen kommen keine Farbzellen an, das Fell bleibt weiß. Vererbt wird die Scheckung dominant: Ein Elternteil mit Weiß genügt. Mehr dazu unter schwarz-weiße Katzen.
Auffällig ist, dass die Farben bei Katzen mit viel Weiß meist in großen, sauber getrennten Flecken stehen, während sie bei der Schildpatt ohne Weiß oft fein ineinanderlaufen. Der FIFe-Standard trägt dem Rechnung: Bei Schildpatt mit Weiß sollen die Farbpartien deutlich voneinander abgegrenzt sein.
Planen lässt sich das Muster nicht. Welche Stelle schwarz, welche rot und welche weiß wird, entscheidet sich im Embryo – jede Glückskatze ist ein Einzelstück.
Warum fast alle Glückskatzen weiblich sind
Ein Kater hat nur ein X-Chromosom und damit entweder die Anlage für Rot oder die für Schwarz. Rot-weiße und schwarz-weiße Kater sind deshalb alltäglich, dreifarbige nicht.
Dreifarbige Kater gibt es trotzdem. Meist tragen sie ein zusätzliches X-Chromosom (XXY) und sind unfruchtbar; seltener sind es Chimären aus zwei verschmolzenen Embryonen. Eine belastbare Zahl zur Häufigkeit haben wir nicht gefunden – die oft genannte Angabe „einer von 3.000“ konnten wir auf keine überprüfbare Studie zurückführen. Einen besonderen Geldwert hat ein dreifarbiger Kater nicht, auch wenn Kleinanzeigen das gelegentlich behaupten.
Varianten
- Verdünnte Glückskatze: Blaugrau, Creme und Weiß statt Schwarz, Rot und Weiß. Züchter sagen Blau-Schildpatt mit Weiß (EMS g mit 01, 02, 03 oder 09), im Englischen „Dilute Calico“.
- Getigerte Glückskatze: Sind auch die dunklen Flecken gestreift oder gestromt, ist es eine Schildpatt-Tabby mit Weiß. Im Englischen hat sich dafür das Kunstwort „Caliby“ eingebürgert. Mehr zur Zeichnung unter getigert und Tabby.
- Chocolate, Lila, Cinnamon, Fawn: Bei manchen Rassen gibt es die Dreifarbigkeit auch in diesen Grundfarben, etwa bei der Britisch Kurzhaar.
- Van-Muster: Eine fast weiße Katze mit schildpattfarbenem Kopffleck und Schwanz ist ebenfalls eine Glückskatze – typisch für die Türkisch Van.
Nicht dreifarbig im Sinne der Glückskatze ist eine braun getigerte Katze mit Weiß: Die dunklen Streifen und der hellere, oft warm getönte Grund dazwischen gehören zu einer einzigen Farbe. Entscheidend sind echte rote oder cremefarbene Flächen neben schwarzen, blauen oder getigerten.
Woher der Name kommt
Die ehrliche Antwort: Genau belegt ist das nicht. Wir haben keine Quelle gefunden, die nachweist, wann und warum sich „Glückskatze“ im Deutschen durchgesetzt hat. Gut belegt ist dagegen, dass dreifarbige Katzen in mehreren Kulturen als Glücksbringer gelten:
- Japan: Die dreifarbige Katze heißt dort Mi-ke. Die bekannte Winkekatze Maneki-neko, die in Läden und Restaurants Kundschaft und Wohlstand anlocken soll, ist der Gestalt des Japanese Bobtail nachempfunden und wird besonders gern dreifarbig dargestellt.
- USA: Im Bundesstaat Maryland ist die dreifarbige Katze seit dem 1. Oktober 2001 offizielle Staatskatze, weil ihre Farben zu denen des Staatsvogels und des Staatsschmetterlings passen. Mit Glück hat das nichts zu tun, mit Beliebtheit schon.
Naheliegend ist, dass die Seltenheit zum Ruf beigetragen hat: Unter den Katzen eines Dorfes waren dreifarbige immer die Ausnahme, dreifarbige Kater so gut wie nie zu sehen. Was selten ist, wird leicht zum Zeichen.
Aberglaube und Charakter: Was die Farbe nicht verrät
Dass eine Katze Glück bringt, lässt sich nicht prüfen und muss es auch nicht. Wichtig ist nur, daraus keine Erwartungen an das Tier abzuleiten.
Das gilt ebenso für den Charakter. Dreifarbigen Katzen wird – wie den Schildpatt-Katzen – ein eigenwilliges Wesen nachgesagt. Eine Befragung von Haltern an der Universität von Kalifornien in Davis (Stelow und Kollegen, 2016; 1.274 ausgewertete Fragebögen) fand bei Schildpatt-, Glücks- und Torbie-Katzen etwas häufiger berichtete Abwehr gegenüber Menschen, ebenso aber bei schwarz-weißen und grau-weißen Katzen. Die Unterschiede waren gering, und erfasst wurde die Einschätzung der Halter, nicht das Verhalten selbst. Aus der Fellfarbe lässt sich nicht ablesen, wie eine einzelne Katze ist.
Gesundheit
Die Dreifarbigkeit selbst ist mit keiner Krankheit verbunden. Zwei Punkte sollten Sie kennen:
- Viel Weiß am Kopf: Unpigmentierte Haut an Ohrrändern und Nase ist empfindlich gegen Sonne; bei hellen Katzen kommen dort häufiger Hauttumoren vor. Einzelheiten und Warnzeichen stehen auf der Seite über weiße Katzen. Krusten oder Wunden an den Ohrspitzen, die nicht heilen, gehören in die Tierarztpraxis.
- Dreifarbige Kater: Die Farbe weist bei ihnen auf eine Chromosomenbesonderheit hin, die meist mit Unfruchtbarkeit einhergeht. Für das Leben als kastrierter Familienkater ist das ohne Bedeutung.
Die Taubheit, die bei ganz weißen Katzen mit blauen Augen gehäuft vorkommt, hängt am dominanten Weiß – einer anderen Erbanlage als die Scheckung der Glückskatze. Für die gewöhnliche Scheckung ist ein solcher Zusammenhang nicht beschrieben; nur bei extrem hohem Weißanteil wird er in der Fachliteratur erwähnt.
Bei welchen Rassen kommt die Glückskatze vor?
Die weitaus meisten Glückskatzen sind Hauskatzen – und viele von ihnen suchen ein Zuhause. Wer sich eine dreifarbige Katze wünscht, wird im Tierschutz oft schneller fündig als beim Züchter; unser Tierheim-Verzeichnis nennt Adressen in Ihrer Nähe, und der Ratgeber Katze aus dem Tierheim erklärt den Ablauf.
Bei Rassekatzen ist die Dreifarbigkeit überall möglich, wo der Standard sowohl Rot als auch Weiß zulässt. Fest zum Bild gehört sie beim Japanese Bobtail; anerkannt ist sie unter anderem bei Maine Coon, Norwegischer Waldkatze und Sibirischer Katze. Auch Cornish Rex und Devon Rex dürfen nach dem FIFe-Standard jede Farbe mit jeder Menge Weiß tragen.
Bestellen lässt sich eine Glückskatze nicht: Ob in einem Wurf ein dreifarbiges Mädchen fällt, hängt von den Farben der Eltern und vom Zufall ab. Ein seriöser Züchter verspricht deshalb keine bestimmte Zeichnung. Worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt, steht in unseren Fragen an den Züchter.
Alle Farben im Überblick finden Sie unter Katzenfarben. Eng verwandt sind die Schildpatt-Katze ohne Weiß, die rote Katze und die schwarz-weiße Katze.
Bei diesen Rassen ist Schildpatt mit Weiß anerkannt
Kurzhaar2,5–4,5 kgJapanese Bobtail
Die dreifarbige „Mi-ke“ ist die bekannteste Farbe der Rasse und Vorbild der japanischen Winkekatze. Die FIFe führt sie als Schildpatt mit Weiß (f 01, 02, 03 oder 09).
Halblanghaar4–9 kg41 ZüchterMaine Coon
Schildpatt mit Weiß ist in jeder Weißmenge zugelassen, vom weißen Latz bis zum Van-Muster, einfarbig oder mit Tabbyzeichnung.
Halblanghaar3,5–8 kg24 ZüchterNorwegische Waldkatze
Anerkannt sind Schildpatt und Blau-Schildpatt mit Weiß sowie die Amber-Varianten dieser Rasse.
Halblanghaar3,5–8 kg16 ZüchterSibirische Katze
Der FIFe-Standard erlaubt alle Farben mit jeder Menge Weiß – ausgenommen Point-Zeichnung, Chocolate, Lila, Cinnamon und Fawn.
Kurzhaar4–8 kg57 ZüchterBritisch Kurzhaar
Dreifarbige BKH heißen im Standard Van, Harlekin oder Bicolour; Schildpatt mit Weiß gibt es in sechs Grundfarben von Schwarz bis Fawn.
Langhaar3,5–6,5 kg3 ZüchterPerser
Schildpatt mit Weiß ist als Van, Harlekin und Bicolour anerkannt (f, g, h, j mit 01, 02 oder 03), auch als Smoke.
Kurzhaar3–6,5 kg1 ZüchterExotic Shorthair
Teilt die Farbtabelle des Persers: dreifarbig als Van, Harlekin oder Bicolour in vier Schildpatt-Farben.
Kurzhaar3,5–7 kgEuropäisch Kurzhaar
Die Rasse, die der dreifarbigen Hauskatze am nächsten kommt: Schwarz- und Blau-Schildpatt mit Weiß als Van, Harlekin oder Bicolour.
Halblanghaar3,5–7,5 kgTürkisch Van
Hier ist die Scheckung auf die Spitze getrieben: Der Körper ist weiß, Schildpatt zeigt sich nur in den Flecken am Kopf und am Schwanz.
Halblanghaar2,5–5 kg4 ZüchterTürkisch Angora
Rot, Creme und Schildpatt mit Weiß bilden im FIFe-Standard eine eigene Farbgruppe, einfarbig oder mit Tabbyzeichnung.
Häufige Fragen
Was ist eine Glückskatze?
Eine dreifarbige Katze mit schwarzen, roten und weißen Fellflächen. Fachlich heißt die Farbe Schildpatt mit Weiß, auf Englisch Calico oder Tortie and White.
Sind Glückskatzen immer weiblich?
Fast immer. Schwarz und Rot gleichzeitig kann nur zeigen, wer zwei X-Chromosomen hat. Dreifarbige Kater haben meist ein zusätzliches X-Chromosom und sind in der Regel unfruchtbar.
Was ist der Unterschied zwischen Glückskatze und Schildpatt?
Das Weiß. Eine Schildpatt-Katze ist schwarz-rot ohne nennenswertes Weiß, oft fein durchmischt. Bei der Glückskatze kommen weiße Flächen hinzu, und die Farbflecken sind meist größer und klarer abgegrenzt.
Ist die Glückskatze eine Rasse?
Nein. Dreifarbig können Hauskatzen und Katzen vieler Rassen sein. Eine Rasse namens Glückskatze gibt es nicht.
Bringen Glückskatzen wirklich Glück?
Das ist ein Aberglaube, wenn auch ein freundlicher. In Japan gilt die dreifarbige Katze als Glücksbringer, und die Winkekatze Maneki-neko wird oft dreifarbig dargestellt.
Was ist eine verdünnte Glückskatze?
Eine dreifarbige Katze in Blaugrau, Creme und Weiß. Ein Verdünnungsgen hellt Schwarz zu Blau und Rot zu Creme auf; Züchter sprechen von Blau-Schildpatt mit Weiß, auf Englisch Dilute Calico.
Quellen und weiterführende Informationen (10)
- David et al. (2014): Endogenous retrovirus insertion in the KIT oncogene determines white and white spotting in domestic cats. G3
- Toh et al. (2025): A deletion at the X-linked ARHGAP36 gene locus is associated with the orange coloration of tortoiseshell and calico cats. Current Biology
- Pedersen et al. (2014): A tortoiseshell male cat – chromosome analysis and histologic examination of the testis. Cytogenetic and Genome Research
- Stelow, Bain, Kass (2016): The Relationship Between Coat Color and Aggressive Behaviors in the Domestic Cat. Journal of Applied Animal Welfare Science
- FIFe: Rassestandards, Allgemeiner Teil (Van, Harlekin, Bicolour; Schildpatt mit Weiß)
- FIFe: EMS-System (Farbcodes)
- Cornell Feline Health Center: Squamous Cell Cancer – Dangerous
- Merck Veterinary Manual: Congenital and Inherited Skin Disorders of Cats
- Maryland State Archives: Maryland State Cat – Calico Cat
- Wikipedia: Maneki-neko (Überblick mit Literaturangaben)