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Fellfarbe

Rote Katzen: Genetik, Zeichnung und warum die meisten Kater sind

Rote oder orange Katzen verdanken ihre Farbe einem Gen auf dem X-Chromosom, das erst 2025 gefunden wurde. Warum die meisten Kater sind und alle getigert.

Von der Redaktion catterys.deStand: 12. Oktober 2026

Rot getigerte Katze mit bernsteinfarbenen Augen liegt in einer hellen Decke und blickt in die Kamera.

Ob man sie rot, orange, ingwerfarben oder auf Englisch „ginger“ nennt: Gemeint ist dieselbe warme Fellfarbe, vom hellen Sandton bis zum satten Fuchsrot. Züchter sagen grundsätzlich „Rot“, im Alltag ist „orange Katze“ genauso verbreitet. Eine Rasse ist das nicht. Rote Katzen gibt es unter ganz gewöhnlichen Hauskatzen und bei vielen Rassen von der Maine Coon bis zur Britisch Kurzhaar.

Zwei Dinge fallen bei roten Katzen auf: Die meisten sind Kater, und praktisch alle sind getigert, gestromt oder getupft. Beides hat denselben Grund – ein einzelnes, ungewöhnliches Gen. Welches das ist, weiß die Forschung erst seit 2025.

So entsteht rotes Fell

Katzenhaare enthalten zwei Farbstoffe: dunkles Eumelanin für Schwarz und Braun und rötlich-gelbes Phäomelanin. Bei roten Katzen stellen die Farbzellen im ganzen Fell nur noch Phäomelanin her.

Dass die Anlage dafür auf dem X-Chromosom liegt, ist seit über hundert Jahren bekannt; Genetiker nennen sie „Orange“, abgekürzt O. Das Gen dahinter blieb lange unauffindbar. Am 15. Mai 2025 erschienen dann in der Fachzeitschrift Current Biology gleich zwei Arbeiten, die unabhängig voneinander zum selben Ergebnis kamen – eine von einer Gruppe der Universität Stanford um Christopher Kaelin und Greg Barsh, eine von einer japanischen Gruppe um Hiroyuki Sasaki:

  • Roten Katzen fehlt ein rund 5.000 Bausteine (5,1 Kilobasen) langes Stück Erbgut am Gen ARHGAP36 auf dem X-Chromosom.
  • Das fehlende Stück liegt nicht im Bauplan des Gens selbst, sondern in einem Bereich, der steuert, wo das Gen aktiv ist. Bei roten Katzen ist ARHGAP36 dadurch in den Farbzellen eingeschaltet, wo es sonst stumm bleibt.
  • Dort bremst es einen Schritt der Signalkette, die normalerweise dunkles Pigment anstößt. Die Zelle weicht auf rotes Pigment aus.

Bemerkenswert ist das aus zwei Gründen. Bei anderen rötlichen Säugetieren – vom Golden Retriever bis zum rothaarigen Menschen – sind nach Angaben der Stanford-Forscher andere Gene verantwortlich, und keines davon liegt auf einem Geschlechtschromosom. Und die Veränderung scheint unter roten Katzen weit verbreitet zu sein, was nach Ansicht der japanischen Arbeitsgruppe für einen einzigen Ursprung spricht.

Warum die meisten roten Katzen Kater sind

Kater haben ein X- und ein Y-Chromosom, Katzen zwei X-Chromosomen. Daraus folgt alles Weitere:

Tier Anlage für Rot Fellfarbe
Kater auf seinem einen X rot
Kater nicht vorhanden nicht rot
Katze auf beiden X rot
Katze auf einem X Schildpatt oder, mit Weiß, Glückskatze
Katze auf keinem X nicht rot

Ein Kater ist also rot, sobald er die Anlage von seiner Mutter erbt. Eine Kätzin braucht sie von beiden Eltern: Der Vater muss rot oder creme sein, die Mutter rot, creme oder schildpatt. Das kommt vor, aber seltener – rote Kätzinnen sind nichts Krankhaftes und keine Rarität, nur die Minderheit.

Wie groß der Anteil der Kater genau ist, hängt davon ab, wie häufig die Anlage in einer Katzenpopulation vorkommt. Im Netz ist oft von „80 Prozent“ die Rede; eine Erhebung, die das belegt, haben wir nicht gefunden und nennen deshalb keine Zahl.

Praktische Folge: Eine rote Kätzin, die sich mit einem schwarzen Kater paart, bekommt ausschließlich rote Söhne und schildpattfarbene Töchter.

Rote Katzen sind immer getigert

Einfarbig schwarze oder blaue Katzen verdanken ihr glattes Aussehen einer zweiten Erbanlage („Non-Agouti“), die die Tabbyzeichnung überdeckt. Auf rotes Pigment wirkt diese Anlage nicht: Die Rot-Anlage setzt sich darüber hinweg, wie eine Kartierungsstudie von 2009 auch genetisch gezeigt hat. Deshalb sieht man bei jeder roten Katze ein Tabbymuster – getigert, gestromt, getupft oder getickt.

Züchter, die „einfarbig Rot“ anstreben, wählen über Generationen Tiere mit möglichst schwacher, verschwommener Zeichnung aus. Ganz verschwindet sie nie. Der FIFe-Standard verlangt für einfarbiges Rot ein tiefes, leuchtendes, warmes Rot ohne Zeichnung, lässt aber ausdrücklich „leichte Schattierungen im Gesicht und an den Beinen“ zu. Bei langhaarigen Tieren wie dem Perser verwischt das Fell die Streifen zusätzlich.

Varianten und Fachbegriffe

Deutsch Englisch EMS-Code Aussehen
Rot red, orange, ginger d warmes, kräftiges Rot
Creme cream e blasses Pastellcreme, die verdünnte Form von Rot
Rot getigert, gestromt, getupft red mackerel, blotched, spotted tabby d 23, d 22, d 24 Rot mit dunkler roter Zeichnung
Rot mit Weiß red and white, red bicolour d 01, 02, 03, 09 je nach Weißanteil Van, Harlekin, Bicolour
Rot-Silber, „Cameo“ red silver, red smoke ds rote Haarspitzen über silberweißem Ansatz
Red Point red point, flame point d 33 Rot nur in den Abzeichen einer Point-Katze
Auburn auburn d Bezeichnung für Rot bei der Türkisch Van

Einige Begriffe führen in die Irre:

  • „Sorrel“ und „Rot“ bei Abessinier und Somali: Das rötliche Zimtbraun dieser Rassen ist genetisch Cinnamon (EMS o), eine Variante von Schwarz – nicht das geschlechtsgebundene Rot. Es tritt deshalb bei Katern und Katzen gleichermaßen auf.
  • Braun getigerte Katzen mit warmem Grundton, auch Bengalen und Toyger, sind genetisch schwarz gezeichnete Tabbys. Echtes Rot erkennt man daran, dass auch die Streifen rot sind und nirgends schwarze Haare vorkommen.
  • Amber bei der Norwegischen Waldkatze ist eine eigene, nur bei dieser Rasse anerkannte Farbe mit eigenem Code (t).

Mit dem Rot-Gen allein entsteht Rot. Zusammen mit einem zweiten, „nicht roten“ X-Chromosom entsteht die Schildpatt-Katze, mit zusätzlichem Weiß die dreifarbige Glückskatze.

Gesundheit und Besonderheiten

Eine Krankheit, die an das rote Fell gebunden wäre, ist uns nicht bekannt; die Arbeiten von 2025 beschreiben die Wirkung des Gens in den Farbzellen der Haut.

Was viele Halter roter Katzen irgendwann bemerken, sind kleine dunkle Flecken an Nase und Lippen. Der FIFe-Standard erwähnt sie eigens: Dunkle Pigmentflecken am Nasenspiegel und auf den Lippen sind bei roten Katzen erlaubt, ebenso dunkle Schnurrhaare. Der Standard behandelt sie also als normale Erscheinung. Wir sind keine Tierärzte – lassen Sie deshalb jeden Fleck ansehen, der erhaben ist, schnell wächst, blutet, juckt oder im Auge selbst sitzt.

Rote Katzen mit viel Weiß haben oft rosa Nasen und helle Ohrränder. Solche unpigmentierten Stellen sind sonnenempfindlich; was das bedeutet, lesen Sie auf der Seite über weiße Katzen.

Mythen: verschmust, verfressen, „ein einziges Hirnzellchen“

Kaum eine Fellfarbe hat im Internet so einen festen Ruf wie Orange: besonders anhänglich, besonders verfressen, liebenswert einfältig. Belegt ist davon nichts.

Die bekannteste Untersuchung zum Zusammenhang von Fellfarbe und Verhalten (Stelow und Kollegen, Universität von Kalifornien in Davis, 2016) wertete 1.274 Fragebögen von Haltern aus. Unter den Farbgruppen, für die Halter häufiger Abwehrverhalten berichteten, waren rote Katzen nicht; einen Beleg für besondere Anhänglichkeit liefert die Arbeit ebenso wenig. Solche Befragungen messen ohnehin nur, wie Menschen ihre Katzen einschätzen; wer von seinem roten Kater Verschmustheit erwartet, wird sie leichter sehen.

Eine einfache Erklärung für den Ruf liegt nahe: Rote Katzen sind überwiegend Kater, und was Menschen der Farbe zuschreiben, kann schlicht der Unterschied zwischen Katern und Katzen sein – oder die Erinnerung an berühmte rote Kater aus Büchern und Filmen. Ob das Rot-Gen außerhalb der Haut irgendetwas bewirkt, ist nicht untersucht. Wählen Sie eine Katze nach ihrem Wesen aus, nicht nach ihrer Farbe.

Bei welchen Rassen kommt Rot vor?

Die meisten roten Katzen sind Hauskatzen, und viele warten im Tierschutz auf ein Zuhause; in unserem Tierheim-Verzeichnis finden Sie Adressen in Ihrer Nähe.

Bei Rassekatzen ist Rot weit verbreitet. Alle großen Farbrassen lassen es zu: Britisch Kurzhaar, Perser, Maine Coon, Norwegische Waldkatze, Sibirische Katze, ebenso die Orientalisch Kurzhaar. Bei Point-Rassen wie Siam, Birma und Ragdoll zeigt es sich als Red Point nur in den Abzeichen. Nicht möglich ist Rot bei Rassen mit einer einzigen Farbe, etwa Russisch Blau, Chartreux oder Bombay.

Wer eine rote Rassekatze sucht, findet Züchter mit Vereinszugehörigkeit in unserem Züchterverzeichnis.

Alle Farben im Überblick stehen unter Katzenfarben. Verwandte Seiten: die Schildpatt-Katze, die Glückskatze und die Tabbyzeichnung.

Bei diesen Rassen ist Rot anerkannt

  • Blaue Britisch-Kurzhaar-Katze mit rundem Kopf, dichtem Plüschfell und kupferorangen Augen liegt auf einem Parkettboden.
    Kurzhaar4–8 kg57 Züchter

    Britisch Kurzhaar

    Rot (EMS d) und Creme (e) gehören zu den anerkannten einfarbigen Varianten; gewünscht ist ein möglichst gleichmäßiges Rot mit wenig sichtbarer Zeichnung.

  • Golden schattierte Perserkatze mit grünen Augen, kurzer, aber nicht extrem flacher Nase und langem Fell liegt auf einer hellen Decke.
    Langhaar3,5–6,5 kg3 Züchter

    Perser

    Rot und Creme sind klassische Perserfarben. Im langen Fell verschwimmt die Tabbyzeichnung, sodass rote Perser besonders einfarbig wirken.

  • Braun getigerte Exotic Shorthair mit weißer Brust, rundem Kopf, kurzer Nase und kupferfarbenen Augen steht auf einem Tisch bei einer Katzenausstellung
    Kurzhaar3–6,5 kg1 Züchter

    Exotic Shorthair

    Teilt die Farbtabelle des Persers: Rot und Creme einfarbig, als Tabby, Smoke und mit Weiß.

  • Kopfporträt einer braun getigerten Maine Coon mit hellgrünen Augen, langen Schnurrhaaren und dunklen Luchspinseln an den Ohrspitzen
    Halblanghaar4–9 kg41 Züchter

    Maine Coon

    Rot und Creme bilden mit Schildpatt eine eigene Farbgruppe, einfarbig oder mit Tabbyzeichnung, mit und ohne Weiß (EMS d, e).

  • Schwarz getigerte Norwegische Waldkatze mit weißer Brust, Ohrpinseln und grünen Augen kauert im Schneefall auf einer Holzterrasse.
    Halblanghaar3,5–8 kg24 Züchter

    Norwegische Waldkatze

    Rot und Creme sind in allen Tabbyvarianten und mit jeder Menge Weiß anerkannt.

  • Grau getigerte Kurzhaarkatze mit weißer Brust und weißen Pfoten sitzt auf einem Betonpfeiler vor blauem Himmel und Hausdächern
    Kurzhaar3,5–7 kg

    Europäisch Kurzhaar

    Rot und Creme zählen zu den natürlichen Farben, die der Standard zulässt – einfarbig, als Tabby und mit Weiß.

  • Weiße Türkisch Van mit roten Abzeichen an den Ohren, rotem Schwanz und einem blauen und einem bernsteinfarbenen Auge liegt auf einer bunten Decke.
    Halblanghaar3,5–7,5 kg

    Türkisch Van

    Die klassische Van-Katze ist weiß mit roten Abzeichen an Kopf und Schwanz; das Rot heißt hier „Auburn“ (Rotbraun).

  • Weiße Türkisch Angora mit seidigem, halblangem Fell und hoch erhobenem, buschigem Schwanz läuft über eine Wiese.
    Halblanghaar2,5–5 kg4 Züchter

    Türkisch Angora

    Rot und Creme sind einfarbig, als Tabby und mit Weiß anerkannt.

  • Blaue Burmakatze mit silbrig-grauem, kurzem Fell und gelben Augen sitzt kompakt auf einer Backsteinmauer.
    Kurzhaar3–6 kg2 Züchter

    Burma

    Rot und Creme gehören zu den sechs Grundfarben der Burma im FIFe-Standard; dazu kommen vier Schildpatt-Varianten.

  • Siamkatze in Blue Point mit keilförmigem Kopf, sehr großen Ohren und leuchtend blauen Augen, die in die Kamera blickt.
    Kurzhaar2,5–5,5 kg4 Züchter

    Siam

    Als „Red Point“ und „Cream Point“ zeigt sich die Farbe nur in den Abzeichen an Maske, Ohren, Beinen und Schwanz.

  • Weiße Japanese Bobtail mit rötlich gefärbtem Ohr liegt auf einer olivgrünen Sofalehne, hinten ist der kurze, puschelige Stummelschwanz zu sehen
    Kurzhaar2,5–4,5 kg

    Japanese Bobtail

    Rot und Creme sind einfarbig und mit Weiß anerkannt; als Teil der dreifarbigen „Mi-ke“ ist Rot bei dieser Rasse besonders bekannt.

Häufige Fragen

Sind rote Katzen immer Kater?

Nein, aber die Mehrheit. Ein Kater ist rot, sobald sein einziges X-Chromosom die Anlage trägt. Eine Katze braucht die Anlage auf beiden X-Chromosomen, also von Mutter und Vater.

Ist eine rote oder orange Katze eine Rasse?

Nein. Rot ist eine Fellfarbe, die bei Hauskatzen und vielen Rassen vorkommt. Die allermeisten roten Katzen sind Hauskatzen ohne Stammbaum.

Warum sind rote Katzen immer getigert?

Das Gen, das andere Katzen einfarbig macht, wirkt auf rotes Pigment nicht. Deshalb bleibt die Tabbyzeichnung sichtbar, mal kräftig, mal nur als Schatten an Stirn, Beinen und Schwanz.

Was ist der Unterschied zwischen einer roten und einer cremefarbenen Katze?

Creme ist verdünntes Rot. Ein eigenes Verdünnungsgen hellt Rot zu einem blassen Pastellton auf, so wie es Schwarz zu Blau aufhellt.

Welche Eltern hat eine rote Kätzin?

Einen roten oder cremefarbenen Vater und eine Mutter, die rot, creme oder schildpatt ist. Nur so erhält sie die Anlage auf beiden X-Chromosomen.

Sind rote Kater besonders anhänglich?

Belegt ist das nicht. Die Fellfarbe sagt nichts Verlässliches über das Wesen; Herkunft, frühe Erfahrungen und Haltung prägen eine Katze weit stärker.

Quellen und weiterführende Informationen (7)
  1. Kaelin et al. (2025): Molecular and genetic characterization of sex-linked orange coat color in the domestic cat. Current Biology
  2. Toh et al. (2025): A deletion at the X-linked ARHGAP36 gene locus is associated with the orange coloration of tortoiseshell and calico cats. Current Biology
  3. Stanford Medicine (2025): Scientists track down mutation that makes orange cats orange
  4. Schmidt-Küntzel et al. (2009): A domestic cat X chromosome linkage map and the sex-linked orange locus – mapping of orange, multiple origins and epistasis over nonagouti. Genetics
  5. Stelow, Bain, Kass (2016): The Relationship Between Coat Color and Aggressive Behaviors in the Domestic Cat. Journal of Applied Animal Welfare Science
  6. FIFe: Rassestandards, Allgemeiner Teil (Beschreibung Rot und Creme)
  7. FIFe: EMS-System (Farbcodes)