Fellfarbe
Weiße Katzen: Genetik, Taubheit, Sonnenschutz und Rassen
Weiße Katzen sind keine Rasse und selten Albinos. Wie das Weiß entsteht, wie oft weiße Katzen mit blauen Augen taub sind und warum ihre Ohren Schutz brauchen.

Eine rein weiße Katze fällt überall auf. Dabei ist Weiß streng genommen gar keine Farbe: Dem Haar fehlt das Pigment. Und anders als bei Rot oder Schwarz hat diese „Farbe“ Folgen für die Gesundheit, die jeder kennen sollte, der mit einer weißen Katze lebt oder sich eine wünscht – Taubheit und Sonnenempfindlichkeit.
Wer nach einer „weißen Katzenrasse“ sucht: Weiß ist keine Rasse. Die meisten weißen Katzen sind Hauskatzen. Bei vielen Rassen ist Weiß eine von mehreren Farben; am engsten mit ihr verbunden ist die Türkisch Angora.
So entsteht weißes Fell: drei verschiedene Wege
Hinter einer ganz weißen Katze können drei genetisch völlig verschiedene Ursachen stecken.
Dominantes Weiß
Das ist der häufigste Fall. Am Gen KIT sitzt ein eingefügtes Stück Erbgut eines uralten Virus; es stört die Entwicklung der Pigmentzellen, sodass im Fell keine ankommen. Eine Arbeitsgruppe um Victor David hat das 2014 nachgewiesen. Die Anlage – Züchter schreiben W – wird dominant vererbt: Eine einzige Kopie von einem Elternteil genügt, und die Katze ist vollständig weiß.
Dominantes Weiß ist eine Maske. Darunter trägt die Katze die Anlagen für irgendeine andere Farbe, schwarz, rot, getigert, die nur nicht sichtbar wird. Manchmal verrät sie sich: Weiße Kitten haben laut FIFe-Standard oft einen farbigen Fleck auf dem Kopf, der beim erwachsenen Tier verschwindet. Und weil die Maske nur verdeckt, können zwei weiße Eltern farbige Kitten bekommen.
Dieselbe Studie zeigt, was das Gen außer dem Fell betrifft: Weißes Fell ruft es immer hervor, blaue Augen und Taubheit nur bei einem Teil der Tiere.
Sehr viel Weißscheckung
Die weißen Flecken einer schwarz-weißen Katze entstehen durch eine verwandte Veränderung am selben Gen. Ist die Scheckung extrem ausgeprägt, bleibt kaum Farbe übrig – beim Van-Muster nur noch am Kopf und am Schwanz, wie bei der Türkisch Van. Eine solche Katze kann fast ganz weiß wirken, ist genetisch aber eine gescheckte.
Albinismus
Echter Albinismus hat mit beidem nichts zu tun. Hier ist das Gen für das Enzym Tyrosinase (TYR) defekt, ohne das kein Pigment entsteht; beschrieben wurde die Veränderung 2006 von Imes und Kollegen. Albinismus wird rezessiv vererbt und ist selten. Nach dem Merck Veterinary Manual gehen damit rosafarbene oder sehr blasse Augen, Sehprobleme und eine erhöhte Empfindlichkeit der Haut gegen Sonnenlicht einher. Die FIFe erkennt Albino nicht als Farbvarietät an.
Am selben Gen liegen die Anlagen der Point-Katzen: Siam- und Birma-Kitten kommen fast weiß zur Welt und dunkeln erst später an den kühlen Körperstellen nach.
Augenfarben und Fachbegriffe
Züchter kürzen Weiß im EMS-System mit „w“ ab und hängen die Augenfarbe als Zahl an:
| EMS-Code | Bedeutung |
|---|---|
| w 61 | Weiß mit blauen Augen |
| w 62 | Weiß mit orangefarbenen (kupferfarbenen) Augen |
| w 63 | Weiß odd-eyed: ein tiefblaues Auge, das andere in der Farbe des Rassestandards |
| w 64 | Weiß mit grünen Augen |
| w 67 | Weiß mit Siam-Blau, bei Siam und einigen weiteren Rassen |
Odd-eyed (verschiedenfarbige Augen, Iris-Heterochromie) entsteht, wenn nur in einem Auge das Pigment der Regenbogenhaut fehlt. Mehr über blaue Augen und ihre Ursachen lesen Sie unter Katzen mit blauen Augen.
Der FIFe-Standard wünscht bei erwachsenen Katzen ein reines Weiß ohne gelben Schimmer.
Taubheit bei weißen Katzen
Dass weiße Katzen mit blauen Augen oft taub sind, ist kein Mythos. Schon Charles Darwin hat den Zusammenhang beschrieben. Die Pigmentzellen, die dem Fell fehlen, werden auch im Innenohr gebraucht; ohne sie bildet sich das Hörorgan in den ersten Lebenswochen zurück. Die Taubheit ist angeboren und nicht heilbar.
Wie häufig ist sie?
Die meistzitierten Zahlen nennt das Cornell Feline Health Center:
| Weiße Katzen mit … | Anteil tauber Tiere |
|---|---|
| zwei nicht blauen Augen | 17 bis 22 Prozent |
| einem blauen Auge | 40 Prozent |
| zwei blauen Augen | 65 bis 85 Prozent |
Das Merck Veterinary Manual spricht bei zwei blauen Augen von etwa 75 Prozent. Ist eine Katze mit einem blauen Auge nur auf einem Ohr taub, dann nach Angaben von Cornell stets auf der Seite des blauen Auges.
Diese Werte gehen im Kern auf ältere Untersuchungen an Versuchskolonien zurück. Neuere Erhebungen an weißen Rassekatzen aus Privathaltung, die vor der Zucht per Hörtest untersucht wurden, liegen niedriger:
- 84 Katzen aus zehn Rassen (Cvejic und Kollegen, 2009): 20,2 Prozent waren taub, etwa je zur Hälfte auf beiden Ohren (10,7 Prozent) und auf einem Ohr (9,5 Prozent). Die Augenfarbe hing mit dem Hörstatus zusammen.
- Polen, 72 Katzen aus sechs Rassen (Kortas und Kollegen, 2022): 16,7 Prozent waren taub, häufiger ein- als beidseitig. Einen Zusammenhang mit blauen Augen konnte diese kleine Studie nicht nachweisen.
Das Gutachten zum Qualzuchtparagrafen des Bundeslandwirtschaftsministeriums von 1999 zitiert eine ältere Arbeit, nach der rund 43 Prozent der reinerbig und rund 27 Prozent der mischerbig weißen Katzen taub waren.
Was man daraus mitnehmen kann: Die Zahlen schwanken je nach Gruppe erheblich, die Richtung ist eindeutig. Weiß erhöht das Risiko, blaue Augen erhöhen es weiter, und auch weiße Katzen mit gelben oder grünen Augen können taub sein. Umgekehrt hören viele blauäugige weiße Katzen normal.
Hörtest und Zucht
Sicher feststellen lässt sich das Gehör nur mit dem BAER-Test (Hirnstamm-Audiometrie), den spezialisierte Praxen und Kliniken anbieten. Er erkennt auch einseitige Taubheit, die im Alltag niemandem auffällt.
- Die FIFe schreibt vor, dass weiße Katzen vor der Zucht auf ihr Gehör getestet werden; taube Katzen sind von der Zucht ausgeschlossen, und die Verpaarung zweier weißer Katzen ist nicht erlaubt.
- Das BMEL-Gutachten geht weiter und empfiehlt ein Zuchtverbot für Katzen, deren Weiß auf dem dominanten Gen W beruht – mit der Begründung, dass auch hörende weiße Eltern taube Kitten bekommen können.
Wenn Sie ein weißes Kitten vom Züchter kaufen, fragen Sie nach den BAER-Befunden der Eltern und des Kittens selbst. Weitere Punkte stehen in unseren Fragen an den Züchter.
Leben mit einer tauben Katze
Taube Katzen kommen in der Wohnung gut zurecht und sind keine „Problemtiere“. Sie hören allerdings weder Autos noch Hunde noch Ihr Rufen und sollten deshalb nicht ungesichert nach draußen – ein vernetzter Balkon oder ein gesicherter Garten ist die Lösung. Nähern Sie sich so, dass die Katze Sie sieht, und nutzen Sie Sichtzeichen oder Erschütterungen statt Rufe.
Sonnenbrand und Hautkrebs an Ohren und Nase
Der zweite belegte Punkt: Weiße Katzen haben an den dünn behaarten Stellen kaum Pigment, das die Haut vor UV-Strahlung schützt. Nach Angaben des Cornell Feline Health Center ist übermäßige Sonneneinstrahlung die mit Abstand häufigste Ursache des Plattenepithelkarzinoms der Haut, und am häufigsten trifft es weiße und hell pigmentierte Katzen. Typische Stellen sind die Ohrspitzen, die Schläfen, die Augenlider, die Lippen und der Nasenspiegel.
Tückisch ist der Beginn: Die Veränderung sieht anfangs aus wie ein kleiner Kratzer oder eine Kruste, die abfällt und Monate später wiederkommt. Früh erkannt ist der Tumor gut behandelbar, spät erkannt kann er tödlich sein.
Was Sie tun können:
- Sehen Sie sich Ohrränder, Nase und Lider regelmäßig an.
- Halten Sie Ihre Katze in der stärksten Mittagssonne möglichst im Schatten oder im Haus.
- Fragen Sie in der Tierarztpraxis nach einem für Katzen geeigneten Sonnenschutz. Verwenden Sie keine Sonnencreme für Menschen auf eigene Faust – Katzen lecken sie ab.
Wann Sie zum Tierarzt sollten
Jede Kruste, Rötung oder kleine Wunde an Ohrspitzen, Nase oder Augenlidern, die nicht rasch abheilt oder wiederkehrt, gehört untersucht. Dasselbe gilt, wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Katze schlecht hört. Wir sind keine Tierärzte und stellen keine Diagnosen.
Mythen rund um weiße Katzen
- „Weiße Katzen sind Albinos.“ Fast nie, siehe oben.
- „Weiße Katzen sind immer taub.“ Falsch; die Mehrheit der weißen Katzen ohne blaue Augen hört.
- „Weiße Katzen sind besonders ruhig und scheu.“ Ein Zusammenhang zwischen Fellfarbe und Wesen ist nicht belegt. Eine unerkannt taube Katze kann allerdings schreckhaft wirken, weil sie nicht hört, wenn sich jemand nähert – das ist dann eine Folge der Taubheit, nicht der Farbe.
Im Tierheim scheinen weiße Katzen keinen Nachteil zu haben: In einer US-Auswertung von 7.983 Tierheimkatzen (Carini und Kollegen, 2020) hatten weiße Katzen die höchste Vermittlungsquote, schwarze die niedrigste. Mehr dazu auf der Seite über schwarze Katzen.
Bei welchen Rassen kommt Weiß vor?
Die meisten weißen Katzen sind Hauskatzen, und auch sie warten in Tierheimen – darunter taube Tiere, die ein Zuhause mit gesichertem Freigang oder reine Wohnungshaltung brauchen. Adressen finden Sie in unserem Tierheim-Verzeichnis.
Bei Rassekatzen ist Weiß weit verbreitet: Türkisch Angora, Perser, Britisch Kurzhaar, Maine Coon, Norwegische Waldkatze, Sibirische Katze, Orientalisch Kurzhaar und beide Rex-Rassen lassen es zu. Ausschließlich weiß gezüchtet wird die aus Thailand stammende Khao Manee; wegen des dominanten Weiß stufen wir sie als Qualzucht ein. Die Türkisch Van wirkt weiß, ist aber eine gescheckte Katze mit farbigem Kopf und Schwanz.
Eine Empfehlung für die Zucht mit dominantem Weiß sprechen wir nicht aus. Wer eine weiße Rassekatze sucht, sollte auf dokumentierte Hörtests bestehen – oder einem weißen Tier aus dem Tierschutz eine Chance geben.
Alle Farben im Überblick stehen unter Katzenfarben. Verwandte Seiten: Katzen mit blauen Augen, schwarz-weiße Katzen und Point-Katzen.
Bei diesen Rassen ist Weiß anerkannt
Halblanghaar2,5–5 kg4 ZüchterTürkisch Angora
Die bekannteste weiße Rasse – lange galt nur Weiß als echte Angora. Der FIFe-Standard führt Weiß mit blauen, orangefarbenen, verschiedenfarbigen und grünen Augen (w 61 bis 64); das Taubheitsrisiko ist im Profil ausführlich erklärt.
Kurzhaar2,5–5,5 kgQualzuchtKhao Manee
Die einzige Rasse in dieser Liste, die es nur in Weiß gibt – oft mit verschiedenfarbigen Augen. Weil ihr Weiß auf dem dominanten Gen W beruht, stufen wir sie als Qualzucht ein und nennen keine Züchter.
Kurzhaar4–8 kg57 ZüchterBritisch Kurzhaar
Weiß ist mit blauen, orangefarbenen und verschiedenfarbigen Augen anerkannt (w 61, 62, 63). Weiße BKH mit blauen Augen können taub sein.
Langhaar3,5–6,5 kg3 ZüchterPerser
Weiße Perser gibt es mit blauen, orangefarbenen und verschiedenfarbigen Augen. Das Qualzucht-Gutachten nennt die Rasse beim dominanten Weiß ausdrücklich; ein Hörtest der Zuchttiere gehört dazu.
Kurzhaar2,5–5,5 kg4 ZüchterOrientalisch Kurzhaar
Der weiße Orientale ist als „Foreign White“ bekannt; anerkannt sind blaue, grüne und verschiedenfarbige Augen (w 61, 63, 64).
Kurzhaar2,5–5,5 kg4 ZüchterSiam
Die FIFe führt eine weiße Siam mit tiefblauen Siam-Augen (w 67); sie wird mit den weißen Orientalen in einer Klasse gerichtet.
Halblanghaar4–9 kg41 ZüchterMaine Coon
Weiß ist mit allen vier Augenfarben anerkannt (w 61 bis 64). Blaue Augen sind bei der Rasse nur bei Weiß und sehr hohem Weißanteil zulässig.
Halblanghaar3,5–8 kg24 ZüchterNorwegische Waldkatze
Weiß mit blauen, orangefarbenen, verschiedenfarbigen oder grünen Augen bildet eine eigene Farbgruppe (NFO w 61 bis 64).
Halblanghaar3,5–8 kg16 ZüchterSibirische Katze
Weiß ist anerkannt; blaue Augen lässt der Standard nur bei weißen Tieren und bei Van und Harlekin zu.
Kurzhaar3,5–7 kgEuropäisch Kurzhaar
Weiß mit blauen, orangefarbenen, verschiedenfarbigen oder grünen Augen (EUR w 61 bis 64) – das Gegenstück zur weißen Hauskatze.
Lockenfell (Rex)2,5–4,5 kg2 ZüchterDevon Rex
Weiß ist mit jeder Augenfarbe anerkannt (DRX w 61 bis 67); dasselbe gilt für die Cornish Rex.
Kurzhaar2,5–4,5 kgJapanese Bobtail
Rein Weiß ist anerkannt (JBS w 61 bis 64); bekannter sind die überwiegend weißen, dreifarbigen Tiere.
Häufige Fragen
Sind alle weißen Katzen taub?
Nein. Die Mehrheit der weißen Katzen mit nicht blauen Augen hört normal. Das Risiko steigt mit blauen Augen deutlich: Bei zwei blauen Augen nennt das Cornell Feline Health Center 65 bis 85 Prozent taube Tiere.
Welche Rasse ist meine weiße Katze?
Ohne Stammbaum ist sie eine Hauskatze. Weiß kommt bei vielen Rassen vor, etwa Türkisch Angora, Perser oder Britisch Kurzhaar, ist aber kein Rassemerkmal.
Ist eine weiße Katze ein Albino?
Fast nie. Die meisten weißen Katzen tragen das dominante Weiß und haben normal gefärbte oder blaue Augen. Echter Albinismus beruht auf einem anderen Gen, wird rezessiv vererbt und ist selten.
Was bedeutet odd-eyed?
Verschiedenfarbige Augen: eines blau, das andere gelb, orange oder grün. Das kommt vor allem bei weißen Katzen und bei Katzen mit sehr viel Weiß vor.
Wie erkenne ich, ob meine weiße Katze hört?
Sicher klärt das nur der BAER-Test in einer spezialisierten Tierarztpraxis oder Klinik; er erkennt auch einseitige Taubheit. Zu Hause fällt eine einseitig taube Katze meist nicht auf.
Brauchen weiße Katzen Sonnenschutz?
Ohrränder, Nase und Augenlider sind bei ihnen kaum pigmentiert und sonnenempfindlich. Sprechen Sie mit Ihrer Tierarztpraxis über Schutz und lassen Sie Krusten an den Ohrspitzen, die nicht abheilen, früh untersuchen.
Quellen und weiterführende Informationen (11)
- David et al. (2014): Endogenous retrovirus insertion in the KIT oncogene determines white and white spotting in domestic cats. G3
- Cornell Feline Health Center: Ask Elizabeth – White Cats and Blindness/Deafness
- Cvejic et al. (2009): Unilateral and bilateral congenital sensorineural deafness in client-owned pure-breed white cats. Journal of Veterinary Internal Medicine
- Kortas et al. (2022): Evaluation of the prevalence of congenital sensorineural deafness in a population of 72 client-owned purebred white cats. BMC Veterinary Research
- BMEL-Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (1999), bereitgestellt von der Bundestierärztekammer
- FIFe: Zucht- und Registrierungsregeln (§ 3.6.4 Weiße Katzen; Empfehlung BAER-Test)
- Cornell Feline Health Center: Squamous Cell Cancer – Dangerous
- Merck Veterinary Manual: Congenital and Inherited Skin Disorders of Cats (Albinismus, Weiß, Sonnenschäden)
- Imes et al. (2006): Albinism in the domestic cat (Felis catus) is associated with a tyrosinase (TYR) mutation. Animal Genetics
- Carini, Sinski, Weber (2020): Coat Color and Cat Outcomes in an Urban U.S. Shelter. Animals
- FIFe: Rassestandards, Allgemeiner Teil (Weiß) und EMS-System