Rassen im Überblick
Langhaarkatzen: Katzenrassen mit langem und halblangem Fell
Katzenrassen mit Langhaar und Halblanghaar, sortiert nach Pflegeaufwand – vom täglich zu kämmenden Perser bis zur pflegeleichten Türkisch Angora.

Eine Langhaarkatze ist für viele der Inbegriff der schönen Katze: Halskrause, buschiger Schwanz, weiches Fell zum Hineingreifen. Wer nach Katzenrassen mit Langhaar sucht, will aber meist auch wissen, worauf er sich einlässt. Wie viel Arbeit macht das Fell? Verfilzt es? Und welche Rasse passt, wenn man nicht jeden Tag kämmen möchte?
Die ehrliche Antwort: Der Unterschied zwischen den Rassen ist riesig. Zwischen einem Perser und einer Türkisch Angora liegen beim Pflegeaufwand Welten, obwohl beide lange Haare haben.
Und noch etwas vorweg: Langes Fell ist keine Frage des Stammbaums. Viele langhaarige Katzen sind Hauskatzen ohne Rassezugehörigkeit – in den Tierheimen warten sie oft besonders lange, weil die Pflege manche Interessenten abschreckt.
Langhaar oder Halblanghaar?
Im Alltag heißt alles „Langhaarkatze“, was kein kurzes Fell hat. Die Zuchtverbände unterscheiden genauer:
- Langhaar: Das Fell ist am ganzen Körper lang, dicht und fein. Klassischer Vertreter ist der Perser.
- Halblanghaar: Das Fell ist an Kopf, Schultern und Beinen kürzer und an Kragen, Bauch, „Hosen“ und Schwanz lang. So beschreibt es zum Beispiel der FIFe-Standard der Maine Coon: ein dichtes Allwetterfell, kurz an Kopf, Schultern und Beinen, mit erwünschter Halskrause. Zu dieser Gruppe gehören die meisten Rassen dieser Liste.
Genetisch ist beides dasselbe. Langes Haar entsteht durch Veränderungen im Gen FGF5 und wird rezessiv vererbt, kurzes Haar ist dominant. Eine Katze hat also nur dann langes Fell, wenn sie die Anlage von beiden Eltern bekommen hat. Bekannt sind laut der Gen-Datenbank OMIA fünf Varianten; eine davon kommt bei vielen Langhaarrassen vor, andere wurden zuerst bei Ragdoll, Norwegischer Waldkatze und Maine Coon gefunden. Deshalb können zwei kurzhaarige Katzen langhaarige Kitten bekommen – und deshalb gibt es von vielen Kurzhaarrassen eine halblanghaarige Schwester.
Wonach wir sortiert haben
Aufgenommen sind alle Rassen, deren Fell in unseren Porträts als „lang“ oder „halblang“ geführt wird. Sortiert haben wir nach dem Pflegewert aus dem Steckbrief, von 5 (sehr aufwendig) bis 1 (kaum Aufwand); bei Gleichstand stehen echte Langhaarrassen vor Halblanghaar, danach alphabetisch. Der Wert fasst zusammen, wie oft gekämmt werden muss und wie leicht das Fell verfilzt.
| Rasse | Fell | Pflege (1–5) | Kämmen außerhalb des Fellwechsels |
|---|---|---|---|
| Perser | lang | 5 | täglich |
| Deutsch Langhaar | lang | 4 | mehrmals pro Woche |
| Britisch Langhaar | halblang | 4 | zwei- bis dreimal pro Woche |
| Heilige Birma | halblang | 3 | ein- bis zweimal pro Woche |
| Maine Coon | halblang | 3 | zwei- bis dreimal pro Woche |
| Nebelung | halblang | 3 | einmal pro Woche |
| Neva Masquerade | halblang | 3 | einmal pro Woche |
| Norwegische Waldkatze | halblang | 3 | ein- bis zweimal pro Woche |
| RagaMuffin | halblang | 3 | ein- bis zweimal pro Woche |
| Ragdoll | halblang | 3 | ein- bis zweimal pro Woche |
| Sibirische Katze | halblang | 3 | ein- bis zweimal pro Woche |
| Balinese | halblang | 2 | einmal pro Woche |
| Kurilen-Bobtail | halblang | 2 | einmal pro Woche |
| Orientalisch Langhaar | halblang | 2 | einmal pro Woche |
| Somali | halblang | 2 | einmal pro Woche |
| Türkisch Angora | halblang | 2 | ein- bis zweimal pro Woche |
| Türkisch Van | halblang | 2 | einmal pro Woche |
Halblanghaarige Varianten gibt es außerdem bei einigen Rassen, die wir unter einem anderen Felltyp führen, etwa bei LaPerm, Selkirk Rex, American Curl und Burmilla. Die Kurilen-Bobtail gibt es umgekehrt auch mit kurzem Fell.
Warum manche Felle verfilzen und andere nicht
Entscheidend ist die Unterwolle. Das sind die feinen, weichen Haare unter dem Deckhaar. Sie wärmen – und sie verhaken sich, wenn abgestorbene Haare nicht herausgekämmt werden. Daraus werden erst Knoten, dann feste Filzplatten, die an der Haut ziehen.
- Viel feine Unterwolle, sehr langes Haar: Das Perserfell verfilzt schnell. Verfilzungen lassen sich oft nur noch in der Tierarztpraxis oder beim Groomer entfernen, manchmal nur durch Scheren.
- Dichte Unterwolle, halblang: Bei der Britisch Langhaar verfilzt das Fell leichter, als es aussieht – vor allem hinter den Ohren, unter den Achseln, am Bauch und an den Hosen.
- Wetterfell: Bei Norwegischer Waldkatze, Sibirischer Katze und Maine Coon liegt ein festes Deckhaar über der Unterwolle. Das verfilzt vergleichsweise wenig, solange regelmäßig gekämmt wird. Mehr zu diesen dreien unter Waldkatzen.
- Wenig oder keine Unterwolle: Bei Türkisch Angora, Türkisch Van, Balinese und Orientalisch Langhaar fehlt die wollige Unterwolle; bei Ragdoll und Birma ist sie gering. Diese Felle bleiben mit wenig Aufwand glatt.
Für alle gilt: Im Fellwechsel, vor allem im Frühjahr, steigt der Aufwand deutlich. Rassen mit Wetterfell stoßen dann in kurzer Zeit sehr viel Unterwolle ab und sollten täglich gekämmt werden.
So gelingt die Fellpflege
- Früh üben: Gewöhnen Sie ein Kitten von Anfang an geduldig an Kamm und Bürste, in kurzen, angenehmen Einheiten.
- Zwei Kämme: Erst ein grobzinkiger Kamm, dann ein feiner. Arbeiten Sie sich bis auf die Haut vor – wer nur über das Deckhaar streicht, übersieht die Knoten darunter.
- Problemzonen zuerst: hinter den Ohren, Achseln, Bauch, Hosen und Halskrause. Kontrollieren Sie auch den Bereich unter dem Schwanz, wo lange Haare verschmutzen können.
- Knoten nicht herausreißen und nicht mit der Schere wegschneiden: Die Haut liegt oft näher am Filz, als man denkt. Feste Verfilzungen gehören in fachkundige Hände.
- Baden ist bei den meisten Rassen nur in Ausnahmefällen nötig.
Wann Sie zum Tierarzt sollten
Wer viel Fell hat, schluckt beim Putzen viele Haare. Gelegentlich hochgewürgte Haarballen kommen vor. Würgt oder erbricht Ihre Katze häufig, frisst sie schlecht, setzt sie keinen Kot ab oder wirkt sie matt, lassen Sie das zeitnah abklären. Dasselbe gilt für großflächige Verfilzungen, gerötete oder nässende Haut darunter, kahle Stellen und starken Juckreiz. Wir sind keine Tierärzte – diese Hinweise ersetzen keine Untersuchung.
Was Sie vor der Entscheidung wissen sollten
Langes Fell verdeckt Übergewicht. Unter Kragen und Hosen fällt ein Kilo zu viel spät auf. Tasten Sie regelmäßig die Rippen und wiegen Sie Ihre Katze.
Beim Perser zählt der Kopftyp mehr als das Fell. Die Rasse ist nicht grundsätzlich Qualzucht, extrem kurznasige Tiere gelten nach dem Qualzuchtgutachten zu § 11b Tierschutzgesetz aber als nicht zuchttauglich. Faustregel: Der obere Rand des Nasenspiegels darf nicht über dem unteren Augenlid liegen. Die Deutsch Langhaar ist die Langhaarkatze mit normal langer Nase.
Langhaar ist nichts für Allergiker – Kurzhaar aber auch nicht. Das Hauptallergen Fel d 1 bilden alle Katzen, vor allem in Speichel und Talg. Die Haarlänge ändert daran nichts. Das gilt auch für die Sibirische Katze, die oft als „hypoallergen“ beworben wird; unabhängige klinische Studien, die das belegen, gibt es nicht.
Die Haare bleiben nicht an der Katze. Rechnen Sie mit Fell auf Sofa, Kleidung und Teppich, besonders im Frühjahr. Wer das schwer erträgt, ist mit einer der Kurzhaarkatzen oft glücklicher – haaren tun allerdings auch sie.
Das Fell ist nur ein Kriterium
Die Rassen dieser Liste könnten im Wesen kaum unterschiedlicher sein: Der Perser ist die ruhigste Rasse unserer Porträts (Aktivität 1 von 5), die Somali und die Orientalisch Langhaar gehören zu den lebhaftesten (5 von 5). Ragdoll und Birma suchen ständig Nähe, die Norwegische Waldkatze bestimmt gern selbst, wann. Fast alle sind zu zweit zufriedener als allein.
Welche Rasse zu Ihrem Alltag passt, klärt der Test Welche Katze passt zu mir?. Im Rassen-Vergleich stellen Sie zwei oder drei Kandidaten samt Pflegewert direkt nebeneinander. Geprüfte Züchter mit Vereinszugehörigkeit finden Sie im Züchterverzeichnis, und was beim ersten Besuch zu fragen ist, steht in unserer Liste Fragen an den Züchter.
Lang- und Halblanghaarrassen im Porträt
Langhaar3,5–6,5 kg3 ZüchterPerser
Die Langhaarkatze schlechthin und die pflegeintensivste Rasse der Liste (Pflege 5 von 5): Das lange, feine Fell muss täglich gekämmt werden. Wählen Sie einen gemäßigten Typ mit sichtbarer Nase.
Langhaar3,5–7 kg5 ZüchterDeutsch Langhaar
Langhaar mit normal langer Nase, bewusst kein Perser (Pflege 4 von 5). Mehrmals pro Woche kämmen, im Fellwechsel täglich. Sehr selten, nur bei der WCF anerkannt.
Halblanghaar4–8 kg22 ZüchterBritisch Langhaar
Halblang mit viel Unterwolle (Pflege 4 von 5): verfilzt leichter, als es aussieht. Zwei- bis dreimal pro Woche gründlich durchkämmen.
Halblanghaar4–9 kg41 ZüchterMaine Coon
Halblanges Allwetterfell mit Halskrause (Pflege 3 von 5). Zwei- bis dreimal pro Woche kämmen, im Fellwechsel häufiger – besonders an Bauch, Hosen und hinter den Ohren.
Halblanghaar3,5–8 kg24 ZüchterNorwegische Waldkatze
Wasserabweisendes Deckhaar über wolliger Unterwolle (Pflege 3 von 5). Ein- bis zweimal pro Woche genügt meist; im Frühjahr verliert sie massenhaft Unterwolle.
Halblanghaar3,5–8 kg16 ZüchterSibirische Katze
Dichte Unterwolle, glänzendes Deckhaar (Pflege 3 von 5). Ein- bis zweimal pro Woche kämmen, im Fellwechsel täglich. Nicht „hypoallergen“, auch wenn es oft behauptet wird.
Halblanghaar4–9 kg22 ZüchterRagdoll
Halblang mit wenig Unterwolle (Pflege 3 von 5): verfilzt weniger als ein Perserfell. Ein- bis zweimal pro Woche gründlich kämmen.
Halblanghaar3,5–7 kg28 ZüchterHeilige Birma
Halblanges Fell mit wenig Unterwolle (Pflege 3 von 5), pflegeleichter, als es aussieht. Ein- bis zweimal pro Woche, im Fellwechsel täglich.
Halblanghaar3–6 kgNebelung
Die halblanghaarige Verwandte der Russisch Blau (Pflege 3 von 5). Das blaue Fell verfilzt wenig; einmal pro Woche kämmen genügt meist.
Halblanghaar3–5,5 kg5 ZüchterSomali
Getickter „kleiner Fuchs“ mit buschigem Schwanz (Pflege 2 von 5). Das Fell verfilzt wenig, einmal pro Woche reicht meist.
Halblanghaar2,5–5 kg4 ZüchterTürkisch Angora
Seidiges Halblanghaar ohne Unterwolle (Pflege 2 von 5), das kaum verfilzt. Ein- bis zweimal pro Woche kämmen genügt.
Halblanghaar2,5–5 kg2 ZüchterBalinese
Die Siam mit halblangem Fell (Pflege 2 von 5): keine Unterwolle, selten Filz, einmal pro Woche durchgehen.
Häufige Fragen
Welche Katzenrassen haben langes Fell?
Langes Fell haben Perser und Deutsch Langhaar. Halblanges Fell tragen unter anderem Maine Coon, Norwegische Waldkatze, Sibirische Katze, Neva Masquerade, Ragdoll, RagaMuffin, Heilige Birma, Britisch Langhaar, Nebelung, Somali, Türkisch Angora, Türkisch Van und Balinese.
Was ist der Unterschied zwischen Langhaar und Halblanghaar?
Bei Langhaarkatzen wie dem Perser ist das Fell am ganzen Körper lang und sehr dicht. Halblanghaarkatzen haben an Kopf, Schultern und Beinen kürzeres Fell und nur an Kragen, Bauch, Hosen und Schwanz langes Haar. Genetisch beruht beides auf demselben Gen.
Welche Langhaarkatze ist pflegeleicht?
Rassen mit seidigem Fell und wenig oder keiner Unterwolle: Türkisch Angora, Türkisch Van, Balinese, Orientalisch Langhaar und Somali haben in unseren Porträts den Pflegewert 2 von 5. Einmal pro Woche kämmen genügt meist.
Wie oft muss man eine Langhaarkatze kämmen?
Das reicht von einmal pro Woche (zum Beispiel Balinese oder Somali) über zwei- bis dreimal (Maine Coon, Britisch Langhaar) bis täglich beim Perser. Im Fellwechsel brauchen fast alle Rassen deutlich mehr.
Darf man eine Langhaarkatze scheren?
Zum Entfernen von Verfilzungen kann das nötig sein – dann in der Tierarztpraxis oder bei einem erfahrenen Groomer, nicht mit der Schere zu Hause. Ob eine Schur im Einzelfall sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Tierarztpraxis.
Quellen und weiterführende Informationen (5)
- OMIA – Online Mendelian Inheritance in Animals: Long hair, Felis catus (FGF5)
- FIFe: Rassestandard Maine Coon (MCO), Stand 01.01.2026
- FIFe: Rassestandard Norwegische Waldkatze (NFO), Stand 01.01.2026
- FIFe: Rassestandard Sibirische Katze und Neva Masquerade (SIB/NEM)
- Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (Sachverständigengruppe beim BML, 1999)