Fellfarbe
Graue Katzen: Warum Grau „Blau“ heißt und welche Rassen es gibt
Graue Katzen heißen in der Zucht „blau“. Wie die Farbe entsteht, woran Sie Kartäuser, Russisch Blau, BKH, Korat und Nebelung unterscheiden – mit Quellen.

Eine graue Katze ist für viele der Inbegriff der eleganten Katze: einfarbig, samtig, oft mit leuchtenden Augen. Wer nach „graue Katze Rasse“ sucht, möchte meist wissen, zu welcher Rasse das eigene Tier gehört. Die ehrliche Antwort lautet fast immer: zu keiner. Grau ist eine Fellfarbe, keine Rasse – und die meisten grauen Katzen sind ganz normale Hauskatzen.
Verwirrend ist außerdem die Sprache der Züchter. Dort gibt es keine grauen Katzen, sondern nur „blaue“. Russisch Blau, British Blue, Blue Point: Gemeint ist immer derselbe Farbton, ein gleichmäßiges Blaugrau. Diese Seite erklärt, wie die Farbe entsteht, welche Fachbegriffe Ihnen begegnen und woran Sie die bekannten grauen Rassen auseinanderhalten.
So entsteht eine graue Katze: verdünntes Schwarz
Genetisch ist eine blaue Katze eine schwarze Katze, bei der die Farbe „verdünnt“ ist. Verantwortlich ist das Gen MLPH (Melanophilin). Sein Protein sorgt dafür, dass die Farbkörnchen gleichmäßig im Haar verteilt werden. Eine Arbeitsgruppe um Yasuko Ishida hat 2006 gezeigt, dass verdünnt gefärbten Katzen im MLPH-Gen ein einzelner Baustein fehlt; dadurch wird der größte Teil des Proteins nicht mehr gebildet. Das Pigment ist weiterhin schwarz, liegt aber ungleichmäßig im Haar – für unser Auge wird aus Schwarz ein Blaugrau.
Drei Dinge aus dieser Studie sind für Halter interessant:
- Der Erbgang ist rezessiv. Eine Katze ist nur dann blau, wenn sie die Variante von beiden Eltern bekommen hat. Züchter schreiben das als „dd“; „Dd“ ist ein unverdünnt gefärbter Träger, „DD“ trägt die Verdünnung nicht.
- Es ist überall dieselbe Variante. Die Forscher fanden sie bei allen 97 untersuchten verdünnten Katzen aus 26 Rassen und bei Hauskatzen. Das Blau der Chartreux und das der grauen Hofkatze haben also denselben Ursprung.
- Die Verdünnung wirkt auf alle Farben, nicht nur auf Schwarz. Aus Rot wird Creme.
Daraus folgt eine einfache Regel: Zwei blaue Katzen bekommen miteinander keine schwarzen Kitten. Zwei schwarze Katzen können dagegen durchaus blaue Kitten haben – wenn beide die Variante verdeckt tragen.
Blau, Lilac, Fawn: die Fachbegriffe
Die Zuchtverbände beschreiben Farben mit dem EMS-Code, einem System aus Buchstaben und Zahlen. Blau trägt den Buchstaben a. Der Allgemeine Teil der FIFe-Standards definiert es als „alle Schattierungen von Blaugrau“, gleichmäßig und ohne weiße Haare; ein helles Blaugrau wird bevorzugt. Nasenspiegel und Ballen sind ebenfalls blaugrau.
Blau ist nur die bekannteste der verdünnten Farben:
| Unverdünnt | Verdünnt | EMS-Code der verdünnten Farbe |
|---|---|---|
| Schwarz | Blau | a |
| Chocolate | Lilac (Lila) | c |
| Cinnamon (Zimt) | Fawn | p |
| Rot | Creme | e |
| Schwarz-Schildpatt | Blau-Schildpatt (Blaucreme) | g |
Lilac ist ein helles Taubengrau mit rosa Schimmer und wird von Laien ebenfalls oft „grau“ genannt. Mehr zu den braunen Ausgangsfarben steht auf der Seite Braune Katzen.
Der Buchstabe a lässt sich mit allem kombinieren: „a 03“ ist Blau mit Weiß (Bicolour), „a 22“ ein blau gestromtes Tabby, „as“ Blue Smoke. Viele Katzen, die im Alltag „grau getigert“ heißen, sind allerdings gar nicht blau, sondern schwarz getigert oder silbern – den Unterschied erklären die Seiten Getigert und Tabby und Silber und Smoke. Und bei Pointkatzen gibt es Blau als „Blue Point“: heller Körper, blaugraue Abzeichen (siehe Point).
Graue Katzenrassen und wie man sie unterscheidet
Fünf Rassen sind für ihr graues Fell bekannt. Vier davon gibt es ausschließlich in Blau; bei der Britisch Kurzhaar ist es die bekannteste von vielen Farben. Am Grauton lassen sie sich nicht unterscheiden – wohl aber an Augen, Kopf und Fell. Die Angaben stammen aus den Standards der FIFe, bei der Nebelung aus unserem Rassenporträt (die FIFe führt sie nicht).
| Rasse | Augen | Kopf und Körper | Fell |
|---|---|---|---|
| Chartreux (Kartäuser) | dunkelgelb bis kupfer, nie grün | kräftig, muskulös, breite Brust | dicht, glänzend, an der Basis leicht wollig; steht ab |
| Russisch Blau | lebhaft grün | schlank, kurzer Keilkopf, gerades Profil | kurzes, plüschiges Doppelfell mit Silberschimmer |
| Britisch Kurzhaar in Blau | kupfer bis orange | gedrungen, runder Kopf, volle Wangen | kurz, dicht, plüschig |
| Korat | leuchtend grün, bei Jungtieren bis zwei Jahre noch bernstein | mittelgroß, herzförmiges Gesicht | kurz, anliegend, jedes Haar mit silberner Spitze |
| Nebelung | grün | schlank, langbeinig, langer buschiger Schwanz | halblang und seidig, mit Silberschimmer |
Die Faustregel: Kupferaugen und ein runder Plüschkopf sprechen für die BKH, grüne Augen und ein schlanker Körper für Russisch Blau, Korat oder Nebelung. Die echte Chartreux ist in Deutschland selten; was hier „Kartäuser“ genannt wird, ist meist eine blaue BKH. Wer Gewissheit will, schaut in den Stammbaum – oder vergleicht die Rassen im Rassen-Vergleich.
Auch wichtig: Bei Kitten ist die Augenfarbe noch kein Beleg. Die Augen grauer Jungtiere färben erst mit der Zeit um, bei der Korat lässt der Standard dafür ausdrücklich bis zu zwei Jahre.
Hat die Farbe Folgen für die Gesundheit?
Nach allem, was belegt ist: nein. Die Erstbeschreibung der Variante nennt ausschließlich die Wirkung auf die Farbe. Einen gesicherten Zusammenhang zwischen dem Blau der Katze und bestimmten Krankheiten haben wir in den Fachquellen nicht gefunden und behaupten ihn deshalb auch nicht.
Was es gibt, sind Erbkrankheiten einzelner Rassen, die mit der Farbe nichts zu tun haben – etwa bei der Britisch Kurzhaar. Sie stehen im jeweiligen Rassenporträt. Wir sind keine Tierärzte: Wenn das Fell Ihrer Katze stumpf wird, ausdünnt oder die Haut sich verändert, gehört das unabhängig von der Farbe in eine Tierarztpraxis.
Ein häufiges Missverständnis betrifft Allergien. Die Russisch Blau wird oft als „für Allergiker geeignet“ beworben. Belegt ist das nicht: Jede Katze bildet das Allergen Fel d 1, keine ist allergenfrei.
Mythen: Sind graue Katzen besonders ruhig?
Grauen Katzen wird gern ein sanftes, gelassenes Wesen nachgesagt. Das stimmt für einige Rassen, die zufällig grau sind – die Britisch Kurzhaar und die Chartreux gelten als ruhig. Es ist aber eine Eigenschaft der Rasse und des einzelnen Tieres, nicht der Farbe. Ein Gen, das Farbkörnchen verteilt, formt keinen Charakter.
Eine viel zitierte Befragung zu dem Thema stammt von der University of California in Davis (Stelow und Kollegen, 2016, 1.274 ausgewertete Fragebögen). Halter schrieben dort einzelnen Farbgruppen etwas häufiger ruppiges Verhalten zu; die Unterschiede waren aber klein, und beim Tierarzt oder beim Anfassen zeigten sich kaum welche. Vor allem misst eine Umfrage, was Menschen über ihre Katze berichten – nicht, wie die Katze ist. Wählen Sie eine Katze deshalb nach Wesen und Lebensumständen aus, zum Beispiel mit unserem Test Welche Katze passt zu mir?.
Bei welchen Rassen kommt Grau vor?
Blau ist bei fast allen Rassen erlaubt, die überhaupt mehrere Farben kennen – von der Maine Coon bis zur Perser. Die Karten unten zeigen die Rassen, bei denen Blau die einzige oder eine besonders typische Farbe ist. Zu vielen davon finden Sie bei uns geprüfte Züchter, etwa Züchter der Russisch Blau oder der Chartreux.
Bevor Sie sich für eine Rassekatze entscheiden: Graue Hauskatzen und graue Mischlinge warten in großer Zahl in Tierheimen. Wer vor allem die Farbe liebt, wird dort oft fündig – unser Tierheim-Verzeichnis hilft bei der Suche. Wer ein Rassekitten möchte, sollte nicht auf „blaue Kitten ohne Papiere“ hereinfallen; die richtigen Fragen an den Züchter schützen davor.
Alle Farben und Zeichnungen im Überblick finden Sie unter Katzenfarben. Verwandte Seiten sind Schwarz – die unverdünnte Ausgangsfarbe –, Silber und Smoke und Getigert und Tabby.
Bei diesen Rassen ist Blau anerkannt oder typisch
Kurzhaar3,5–7,5 kg6 ZüchterChartreux
Die Chartreux gibt es nur in Blau; der FIFe-Standard erlaubt alle Töne von hellem bis dunklerem Blaugrau und verlangt dunkelgelbe bis kupferfarbene Augen ohne jede Spur von Grün.
Kurzhaar3–6 kg9 ZüchterRussisch Blau
Gleichmäßiges Blaugrau mit deutlichem Silberschimmer, dazu lebhaft grüne Augen und ein dichtes Doppelfell – bei fast allen Verbänden die einzige anerkannte Farbe.
Kurzhaar4–8 kg57 ZüchterBritisch Kurzhaar
Blau (BSH a) ist die bekannteste von sehr vielen Farben der BKH: plüschiges Fell, runder Kopf, kupfer- bis orangefarbene Augen. Eine blaue BKH ist keine Kartäuser.
Kurzhaar2,5–4,5 kg3 ZüchterKorat
Ausschließlich Silberblau: Jedes Haar ist an der Wurzel heller und endet in einer silbernen Spitze. Die grünen Augen dürfen laut FIFe bis zum Alter von zwei Jahren noch bernsteinfarben sein.
Halblanghaar3–6 kgNebelung
Die halblanghaarige Verwandte der Russisch Blau – immer einfarbig blau, idealerweise mit silbernen Haarspitzen, und mit grünen Augen.
Kurzhaar3–6 kg2 ZüchterBurma
Blau ist eine der anerkannten Burma-Farben; der FIFe-Standard beschreibt es als Blaugrau mit deutlichem zinnfarbenem Schimmer.
Halblanghaar4–8 kg22 ZüchterBritisch Langhaar
Dieselbe Farbpalette wie die BKH, also auch einfarbig Blau – nur mit halblangem, abstehendem Fell und Halskrause.
Langhaar3,5–6,5 kg3 ZüchterPerser
Blau gehört zu den klassischen einfarbigen Perserfarben; im langen Fell wirkt der Ton heller und weicher als bei Kurzhaarkatzen.
Kurzhaar2,5–5,5 kg4 ZüchterOrientalisch Kurzhaar
Unter den vielen Farben der Orientalen ist auch einfarbig Blau – auf einem sehr schlanken Körper mit grünen Augen.
Halblanghaar4–9 kg41 ZüchterMaine Coon
Die FIFe führt bei der Maine Coon Schwarz und Blau als einfarbige Varietäten, jeweils auch mit Weiß; häufiger sieht man Blau hier als Blue Tabby oder Blue Smoke.
Kurzhaar3,5–7 kgEuropäisch Kurzhaar
Blau zählt zu den natürlichen Farben, die bei der Europäisch Kurzhaar zugelassen sind – einfarbig, getigert oder mit Weiß.
Häufige Fragen
Welche Rasse ist meine graue Katze?
Sehr wahrscheinlich keine: Die allermeisten grauen Katzen sind Hauskatzen. Eine Rassekatze ist ein Tier nur mit Stammbaum eines Zuchtverbands – die Farbe allein sagt nichts über die Abstammung.
Warum heißen graue Katzen „blau“?
„Blau“ ist die Fachbezeichnung der Zuchtverbände für ein gleichmäßiges Blaugrau, im EMS-Code der Buchstabe a. Der Name spielt auf den bläulichen Schimmer an, den das Fell im Licht zeigt.
Ist eine blaue Britisch Kurzhaar eine Kartäuser?
Nein. Die Kartäuser (Chartreux) ist eine eigene französische Rasse mit anderem Kopf, anderem Körperbau und wolligerem Fell. In Deutschland werden blaue BKH umgangssprachlich oft „Kartäuser“ genannt; im Stammbaum steht dann aber BSH, nicht CHA.
Können zwei graue Katzen schwarze Kitten bekommen?
Nein. Blau ist rezessiv: Eine blaue Katze trägt zwei Kopien der Verdünnungs-Variante und kann nur diese weitergeben. Aus zwei blauen Eltern fallen deshalb nur verdünnte Farben. Umgekehrt können zwei schwarze Katzen blaue Kitten bekommen, wenn beide die Variante verdeckt tragen.
Sind graue Katzen ruhiger als andere?
Dafür gibt es keinen Beleg. Dass graue Rassen wie Britisch Kurzhaar oder Chartreux als ruhig gelten, liegt an der Rasse, nicht an der Farbe.
Quellen und weiterführende Informationen (9)
- Ishida et al. (2006): A homozygous single-base deletion in MLPH causes the dilute coat color phenotype in the domestic cat, Genomics
- FIFe: EMS-System (Farb- und Mustercodes)
- FIFe: Allgemeiner Teil der Standards – einfarbige Varietäten (Blau, Lilac, Fawn, Creme)
- FIFe: Rassestandard Chartreux (CHA)
- FIFe: Rassestandard Russisch Blau (RUS)
- FIFe: Rassestandard Korat (KOR)
- FIFe: Rassestandard Britisch Langhaar/Kurzhaar (BLH/BSH)
- FIFe: Rassestandard Burma (BUR)
- Stelow, Bain, Kass (2016): The Relationship Between Coat Color and Aggressive Behaviors in the Domestic Cat, JAAWS