Fellfarbe
Braune Katzen: Chocolate, Cinnamon, Havana und das Braun der Burma
Echte braune Katzen sind selten: Chocolate und Cinnamon entstehen durch das Gen TYRP1 – und eine „braun getigerte“ Katze ist genetisch schwarz. Mit Quellen.

„Braune Katze“ klingt nach der gewöhnlichsten Katze der Welt – tatsächlich gehört Braun zu den seltensten Fellfarben überhaupt. Das liegt an einem Missverständnis: Die braun getigerte Katze von nebenan ist genetisch gar nicht braun, sondern schwarz. Eine wirklich braune Katze ist von der Nasenspitze bis zur Schwanzspitze schokoladen- oder zimtfarben, und solche Tiere findet man fast nur unter Rassekatzen.
Dazu kommt, dass „Braun“ in der Katzenzucht mindestens vier verschiedene Dinge meinen kann: Chocolate, Cinnamon, das Sealbraun der Burma und die „braunen“ Tabbys. Diese Seite sortiert die Begriffe und erklärt, was dahintersteckt. Braun ist dabei immer eine Farbe, keine Rasse.
So entsteht Braun: das Gen TYRP1
Das dunkle Pigment der Katze, das Eumelanin, ist im Normalfall schwarz. Damit es so dunkel wird, braucht die Pigmentzelle unter anderem das Enzym TYRP1. Ist das Gen dafür verändert, fällt das Pigment heller aus – braun statt schwarz.
Leslie Lyons und Kollegen haben 2005 die beiden Varianten beschrieben, die bei Katzen dafür verantwortlich sind:
| Allel | Farbe | Wirkung |
|---|---|---|
| B | Schwarz | Normalform, dominant |
| b | Chocolate | dunkles Schokoladenbraun |
| bl | Cinnamon | helles, rötliches Zimtbraun |
Die Reihenfolge der Dominanz lautet B > b > bl. Das heißt:
- Eine Katze ist nur dann Chocolate, wenn sie kein einziges Schwarz-Allel trägt, also die Kombination bb oder bbl hat.
- Cinnamon zeigt sich nur, wenn beide Kopien bl sind.
- Eine schwarze Katze kann Chocolate oder Cinnamon verdeckt tragen und weitergeben, ohne dass man es ihr ansieht.
Weil beide Brauntöne rezessiv sind, tauchen sie in einer Population nur dann regelmäßig auf, wenn gezielt darauf gezüchtet wird. Das erklärt, warum es kaum braune Hauskatzen gibt.
Kommt zur braunen Farbe noch die Verdünnung hinzu (siehe Graue Katzen), entstehen zwei weitere Töne: Aus Chocolate wird Lilac, ein helles Grau mit rosa Schimmer, aus Cinnamon wird Fawn, ein warmes Beige.
Chocolate, Cinnamon, Havana: die Fachbegriffe
Die Zuchtverbände arbeiten mit dem EMS-Code. Für die braunen Farben gelten:
- b = Chocolate. Der Allgemeine Teil der FIFe-Standards lässt „alle Schattierungen von warmem Braun“ zu; die Farbe muss gleichmäßig sein, ohne graue Unterwolle. Der Nasenspiegel ist milchschokoladenfarben.
- o = Cinnamon. Bei Abessinier und Somali heißt dieselbe Farbe Sorrel.
- c = Lilac und p = Fawn sind die verdünnten Formen.
- h und q bezeichnen die Schildpatt-Varianten mit Chocolate und Cinnamon.
„Havana“ (deutsch auch Havanna) ist kein eigener Farbton, sondern ein Name. Die FIFe führt ihn im Standard der Orientalen: Dort heißt es, OSH b sei „bekannt als Havanna“, erlaubt seien alle Nuancen von warmem Kastanienbraun. Bei WCF, TICA und CFA ist die Havana dagegen eine eigene Rasse – eine einfarbig braune Kurzhaarkatze mit grünen Augen, entstanden in den 1950er-Jahren in England.
Kitten sehen oft noch nicht so aus, wie sie später werden. Die FIFe merkt an, dass das Fell brauner Jungtiere bis zu fünf oder sechs Monaten häufig ungleichmäßig dunkel- oder hellbraun ist.
Das Braun der Burma: eigentlich Schwarz
Die Burma ist die bekannteste braune Katze – und trotzdem genetisch keine Chocolate-Katze. Ihr Braun trägt im EMS-Code den Buchstaben n, der sonst für Schwarz steht. Die FIFe beschreibt die Farbe als „kräftiges, warmes Sealbraun“.
Der Grund liegt in einem anderen Gen, der Tyrosinase (TYR). Burmakatzen tragen zwei Kopien der sogenannten Burma-Variante (cb). Sie macht das Schlüsselenzym der Pigmentbildung wärmeempfindlich: Am warmen Rumpf entsteht etwas weniger Farbe als an den kühleren Körperenden. Aus Schwarz wird ein dunkles Braun, und Gesicht, Ohren, Beine und Schwanz bleiben eine Spur dunkler als der Körper. Züchter nennen dieses Muster Sepia. Auch die Singapura trägt die Burma-Variante; ihre einzige Farbe heißt „Seal Sepia getickt“.
Dasselbe Prinzip, nur stärker, steckt hinter dem Dunkelbraun der Siamkatze: Seal Point ist genetisch Schwarz, das durch die Siam-Variante desselben Gens auf die Abzeichen beschränkt und zu Sealbraun aufgehellt wird. Mehr dazu auf der Seite Point-Katzen. Echtes Chocolate gibt es bei der Burma zusätzlich – der Standard beschreibt es dort als „milchkaffeefarben“.
Warum „braun getigert“ genetisch Schwarz ist
Die häufigste „braune“ Katze ist die braun getigerte Hauskatze. Sehen Sie genau hin: Die Streifen selbst sind schwarz. Braun wirkt nur das Fell dazwischen.
Dafür sorgt das Agouti-Gen. Bei getigerten Katzen ist es aktiv und lässt die Haare zwischen den Streifen gebändert wachsen. Der FIFe-Standard beschreibt das so: Ein Agouti-Haar zeigt mehrere gelbliche Bänder, getrennt durch die eigentliche Farbe. Schwarze und gelbliche Abschnitte ergeben zusammen den warmen, braunen Gesamteindruck. Fällt Agouti aus – durch eine kleine Lücke im Gen ASIP, die Eizirik und Kollegen 2003 beschrieben haben –, wird dieselbe Katze einfarbig schwarz.
Im Stammbaum steht deshalb nicht „braun getigert“, sondern zum Beispiel „n 23“: Schwarz, getigert. Auch andere „braune“ Namen meinen genetisch Schwarz:
- Black Tabby bei Maine Coon und Norwegischer Waldkatze, im Alltag „Brown Tabby“,
- Wildfarben oder Ruddy bei der Abessinier,
- Tawny bei der Ocicat,
- Brown bei der Bengal.
Ein echtes Chocolate-Tabby erkennt man daran, dass auch die Streifen braun sind, nicht schwarz. Alles Weitere zu Streifen und Tupfen steht unter Getigert und Tabby.
Noch ein Fall von scheinbarem Braun: Schwarze Katzen zeigen manchmal einen rostigen Schimmer. Die FIFe nennt das bei Schwarz ausdrücklich als Fehler und merkt an, dass Jungtiere bis fünf oder sechs Monate oft „grau oder rostfarben“ wirken und trotzdem tiefschwarz werden. Mit Chocolate hat das nichts zu tun. Mehr dazu unter Schwarze Katzen.
Gesundheit, Mythen und „seltene Farben“
Eine Krankheit, die mit Chocolate oder Cinnamon zusammenhängt, ist nicht belegt; die Studien beschreiben nur die Wirkung auf die Farbe. Wir sind keine Tierärzte – verändert sich das Fell Ihrer Katze auffällig, ist das unabhängig von der Farbe ein Fall für die Tierarztpraxis.
Auch für einen besonderen „Charakter brauner Katzen“ gibt es keinen Beleg. Havana und Burma gelten als sehr menschenbezogen – das liegt an den Rassen, nicht am Pigment.
Kritisch sehen sollten Sie die Vermarktung. Chocolate, Cinnamon, Lilac und Fawn werden gern als „seltene Farben“ mit Aufpreis angeboten. Bei manchen Rassen sind sie anerkannt, bei anderen ausdrücklich nicht: Maine Coon, Norwegische Waldkatze, Sibirische Katze und Europäisch Kurzhaar lassen laut FIFe weder Chocolate noch Cinnamon zu. Ein „Maine-Coon-Kitten in Chocolate“ spricht also eher für eine Einkreuzung als für eine Rarität. Welche Nachweise Sie sich zeigen lassen sollten, steht in unseren Fragen an den Züchter.
Bei welchen Rassen kommt Braun vor?
Echtes Braun findet man vor allem bei Havana, Orientalen, Siam und Burma, dazu bei Britisch Kurzhaar, Perser, Abessinier und Ocicat. Die Karten unten nennen jeweils, wie die Farbe dort heißt. Adressen finden Sie zum Beispiel unter Züchter der Burma oder der Britisch Kurzhaar.
Wer sich einfach in das warme Fell einer braun getigerten Katze verliebt hat, braucht keinen Züchter: Solche Katzen warten in jedem Tierheim – unser Tierheim-Verzeichnis führt zu den Häusern in Ihrer Nähe.
Zur Übersicht aller Farben geht es unter Katzenfarben. Verwandte Seiten: Schwarz, Grau und Blau, Point und Rot.
Bei diesen Rassen gibt es Braun
Kurzhaar2,5–5 kgHavana
Die Rasse, die ganz über ein warmes Schokoladenbraun definiert ist – bei WCF, TICA und CFA eigenständig, mit leuchtend grünen Augen.
Kurzhaar4–8 kg57 ZüchterBritisch Kurzhaar
Die FIFe erkennt bei der BKH sowohl Chocolate (BSH b) als auch Cinnamon (BSH o) an, dazu die verdünnten Töne Lilac und Fawn. Auf dem Plüschfell wirkt Chocolate besonders satt.
Kurzhaar3–6 kg2 ZüchterBurma
„Braun“ (BUR n) ist die Ursprungsfarbe der Burma: laut FIFe ein kräftiges, warmes Sealbraun. Genetisch ist es Schwarz mit der Burma-Aufhellung; daneben gibt es echtes Chocolate, das hier milchkaffeefarben ausfällt.
Kurzhaar2,5–5,5 kg4 ZüchterOrientalisch Kurzhaar
Chocolate heißt hier „Havanna“ – laut FIFe-Standard alle Nuancen von warmem Kastanienbraun. Auch Cinnamon ist anerkannt.
Kurzhaar3–5,5 kg5 ZüchterAbessinier
Die klassische Farbe „Wildfarben“ (ruddy) trägt den Code n und ist genetisch Schwarz. Echtes Braun ist „Sorrel“: So heißt Cinnamon (Code o) bei Abessinier und Somali.
Halblanghaar3–5,5 kg5 ZüchterSomali
Wie bei der Abessinier: Sorrel ist das Cinnamon der Rasse, hier im halblangen, getickten Fell mit buschigem Schwanz.
Kurzhaar3–6,5 kg1 ZüchterOcicat
Die FIFe führt die Ocicat in Tawny (genetisch Schwarz), Chocolate und Cinnamon sowie den verdünnten Tönen – jeweils als Tupfen auf hellerem Grund, auch in Silber.
Langhaar3,5–6,5 kg3 ZüchterPerser
Chocolate und Lilac gehören zur großen Farbpalette der Perser, einfarbig wie als Colourpoint.
Kurzhaar2,5–5,5 kg4 ZüchterSiam
Seal Point ist genetisch Schwarz, das an den Abzeichen dunkelbraun erscheint; Chocolate Point zeigt milchschokoladenfarbene Abzeichen auf hellem Körper.
Kurzhaar2–3,5 kg1 ZüchterSingapura
Nur eine Farbe: Seal Sepia getickt – dunkelbraunes Ticking auf elfenbeinfarbenem Grund, bei einer der kleinsten Rassen mit rund 2–3,5 kg.
Kurzhaar3,5–7 kg20 ZüchterBengal
Die häufigste Bengal-Farbe heißt „Brown“, trägt aber den Code n: schwarze bis braune Zeichnung auf goldgelbem bis rostrotem Grund.
Häufige Fragen
Gibt es braune Katzen ohne Stammbaum?
Einfarbig schokoladenbraune Hauskatzen sind sehr selten, weil die Farbe rezessiv vererbt wird und nur dort regelmäßig auftritt, wo gezielt darauf gezüchtet wird. Was im Alltag „braune Katze“ heißt, ist meist braun getigert – und das ist genetisch Schwarz.
Was ist der Unterschied zwischen Chocolate und Cinnamon?
Chocolate ist ein dunkles, warmes Schokoladenbraun, Cinnamon ein helleres, rötliches Zimtbraun. Beide gehen auf verschiedene Varianten desselben Gens (TYRP1) zurück; Cinnamon ist gegenüber Chocolate rezessiv.
Warum ist meine schwarze Katze im Sommer bräunlich?
Ein rostiger Schimmer im schwarzen Fell ist kein Braun im genetischen Sinn. Der FIFe-Standard erwähnt ihn als bekannten Schönheitsfehler schwarzer Katzen, besonders bei Jungtieren bis etwa fünf bis sechs Monate. Wird das Fell plötzlich stumpf oder struppig, lassen Sie die Katze tierärztlich ansehen.
Ist Havana eine Rasse oder eine Farbe?
Beides, je nach Verband. WCF, TICA und CFA führen die Havana (Havana Brown) als eigene Rasse. Bei der FIFe ist „Havanna“ der Name für die Farbe Chocolate bei der Orientalisch Kurzhaar.
Sind braune Katzen teurer?
Chocolate, Cinnamon und ihre Verdünnungen Lilac und Fawn werden oft als „seltene Farben“ beworben. Über Gesundheit und Wesen sagt die Farbe nichts. Wichtiger als der Farbschlag sind Stammbaum und Gesundheitsnachweise der Eltern.
Quellen und weiterführende Informationen (11)
- Lyons et al. (2005): Chocolate coated cats – TYRP1 mutations for brown color in domestic cats, Mammalian Genome
- Lyons et al. (2005): Tyrosinase mutations associated with Siamese and Burmese patterns in the domestic cat, Animal Genetics
- OMIA 000202-9685: TYR-bedingte Farbvarianten der Katze (Burma, Siam, Tonkanese)
- Eizirik et al. (2003): Molecular genetics and evolution of melanism in the cat family, Current Biology
- FIFe: EMS-System (Farb- und Mustercodes)
- FIFe: Allgemeiner Teil der Standards – einfarbige Varietäten (Schwarz, Chocolate, Cinnamon)
- FIFe: Allgemeiner Teil der Standards – Tabby-Muster
- FIFe: Rassestandard Burma (BUR)
- FIFe: Rassestandard Balinese, Siam, Orientalisch Langhaar/Kurzhaar (Havanna = OSH b)
- FIFe: Rassestandard Britisch Langhaar/Kurzhaar (BLH/BSH)
- FIFe: Rassestandard Ocicat (OCI)